Terrorbekämpfung in Syrien. Die Darstellung Russlands in der österreichischen Presse


Bachelorarbeit, 2018

39 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract

2. Einleitung

3. Medienrealität
3.1 Medienwirklichkeit
3.2 Nachrichtenfaktoren
3.2.1 Negativismus
3.2.2 Der Bezug zu Elite-Nationen
3.3 Qualität im Journalismus
3.3.1 Qualitätspresse
3.3.2 Boulevardpresse
3.3.3 Boulevardisierung der Qualitätspresse

4. Die Situation in Syrien
4.1 Der Ursprung des Bürgerkrieges
4.2 Bashar al-Assad und sein Regime
4.3 Der Islamische Staat
4.3.1 Entstehung
4.3.2 Ideologie
4.4 Das Eingreifen der Weltmächte

5. Russlands Syrienintervention

6. Forschungsstand

7. Das Untersuchungsvorhaben
7.1 Forschungsleitende Fragestellungen
7.2 Forschungsrelevanz und Flypothesen

8. Methodische Vorgehensweise
8.1 Die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse
8.2 Medien-Sample
8.3 Untersuchungszeitraum

9. Ergebnisse

10. Schlussbetrachtung

11. Kritik

I. Quellenverzeichnis

II. Internetquellen

III. Anhang

1. Abstract

In der folgenden Arbeit geht es um eine inhaltsanalytische Untersuchung der österreichischen Tagespresse auf das uns übermittelte Bild Russlands in Bezug auf den Syrienkrieg. Des Weiteren wird theoretisch auf Nachrichtenfaktoren, Qualität im Journalismus und anschließend auf die Situation in Syrien sowie die Entstehung des Krieges eingegangen. Darüber hinaus wird das Eingreifen der Weltmächte analysiert und detailliert auf die russische Syrienintervention eingegangen. Nach der Theorie werden die Ergebnisse dieser Studie erläutert und im Schlussteil diskutiert.

2. Einleitung

Im März 2011 begann die syrische Bevölkerung für einen Wandel in ihrem Land zu demonstrieren. Die anfänglich friedlichen Proteste entwickelten sich schnell zu einem brutalen Bürgerkrieg, der unzähligen Menschen das Leben kostete und viele aus dem Land vertrieb (vgl. Werdin 2014). Die dadurch im Land entstandene Instabilität machten sich Terroristen zu Nutze und entwickelten ein breites Terrornetzwerk im Landesinneren. Der Anführer dieser Terrororganisation (IS) Abu Bakr al-Baghdadi ernannte sich selbst zum Kalifen und rief das Kalifat aus.

Seit dem Ausbruch der Syrienkrise zählt der Konflikt zu den aktuellsten und brisantesten Geschehnissen, über die sich die Welt Gedanken machen muss. Es gibt kaum Tage, an denen die dortigen Unruhen nicht medial thematisiert werden. Informationen zur aktuellen Lage in Syrien und dessen Nachbarländern holt sich die Weltbevölkerung aus den Medien (vgl. ebd.).

Ein wichtiger Bestandteil der Syrienkrise sind die dort agierenden Weltmächte, wie die USA, Russland, Frankreich, Iran, Saudi Arabien und Deutschland. Sie sind die wesentlichen Akteure, die erstens den IS bekämpfen und zweitens den Bürgerkrieg stoppen wollen. Die Lager teilen sich in Pro Assad-Regierung, das sind vor allem Russland und Iran, und Contra Assad-Regierung mit den USA und Frankreich, wobei Deutschland zu Friedensgesprächen mit Präsident Assad bereit ist (vgl. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages 2017).

Russland hat sich bereits vor seinem militärischen Eingreifen in Syrien intensiv diplomatisch in den Bürgerkrieg eingeschaltet. In Kooperation mit den USA, aber auch mit Staaten des Nahen Ostens leistete Russland einen wichtigen Beitrag, zu den internationalen Verhandlungen in Wien (vgl. Casula 2016: 6).

Die russische Militärintervention in Syrien begann im September 2015 und hat viele westliche Beobachter überrascht. Russland, militärisch bereits in der Ukraine engagiert und unter westlichen Sanktionen leidend, schien nicht in der Lage fernab der eigenen Grenzen mit Waffengewalt zu intervenieren (vgl. ebd.). In dieser Arbeit wird genau dieser ״Überraschungsmoment“ genutzt um inhaltsanalytisch die Darstellung der russischen Syrienintervention in den österreichischen Tageszeitungen zu analysieren.

3. Medienrealität

3.1 Medienwirklichkeit

Die Wirklichkeit ist nicht so selbstverständlich, wie wir glauben. Dies gilt zunächst für die Wirklichkeit ohne Medien, die primäre Wirklichkeit. Wissenschaftler rätseln bis heute noch, was die ״Wirklichkeit an sich“ ist (vgl. Doelker 2016: 2).

Jede Person nimmt die Wirklichkeit anders wahr und wir nehmen sie auch so an, wie wir sie Z.B. gezeigt oder erklärt bekommen haben. Dabei spielen Medien eine bedeutende Rolle, denn vieles wissen wir nur durch sie und es gilt grundsätzlich, dass Medien die Wirklichkeit nie vollständig abbilden können. Sie zeigen nur einen Teil der Realität, Ausschnitte zu einem bestimmten Zeitpunkt, aus einem bestimmten Blickwinkel und teilweise werden Ereignisse auch nachgestellt oder inszeniert. Außerdem entscheiden Journalisten bzw. Redakteure, was ausgewählt und thematisiert wird. Man berichtet meistens über negative Ereignisse, und das weite Feld der Normalität bleibt unbeachtet (vgl. ebd: 3f.). Nachrichtenfaktoren spielen bei der Gestaltung von Nachrichten die wichtigste Rolle.

3.2 Nachrichtenfaktoren

Nachrichten werden nach bestimmten Kriterien bzw. Faktoren ausgewählt, den sogenannten Nachrichtenfaktoren. Die anschließend den Nachricht en wert der News bestimmen. Dabei gilt: je höher der Nachrichtenwert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass darüber berichtet wird (vgl. Lehne 1994: 167f.). Galtung/Ruge (1965) entwickelten einen Katalog (s.u. Abb.l) mit zwölf Nachrichtenfaktoren.

(Abb.l) Die 12 Nachrichtenfaktoren nach Galtang Ruge 1965.

1. Frequenz: Je mehr der zeitliche Ablauf eines Ereignisses der Erscheinungshäufigkeit der Medien entspricht, desto wahrscheinlicher wird das Ereignis zur Nachricht.

2. Schwellenfaktor (absolute Intensität, Intensitätszunahme): Es gibt einen bestimmten Schwellenwert der Auffälligkeit, den ein Ereignis überschreiten muss, damit es registriert wird.

3. Eindeutigkeit: Je eindeutiger und überschaubarer ein Ereignis ist, desto eher wird es zur Nachricht.

4. Bedeutsamkeit (kulturelle Nähe/Betroffenheit, Relevanz): Je größer die Tragweite eines Ereignisses ist, je mehr es Betroffenheit auslöst, desto eher wird es zur Nachricht.

5. Konsonanz (Erwartung, Wünschbarkeit): Je mehr ein Ereignis mit vorhandenen Vorstellungen und Erwartungen übereinstimmt, desto eher wird es zur Nachricht.

6. Überraschung (Unvorhersehbarkeit, Seltenheit): überraschendes hat die größte Chance zur Nachricht zu werden, allerdings nur dann, wenn es Rahmen der Erwartungen überraschend ist.

7. Kontinuität: Ein Ereignis, das bereits als Nachricht definiert ist, hat eine hohe Chance von den Medien auch weiterhin beachtet zu werden.

8. Variation: Der Schwellenwert für die Beachtung eines Ereignisses ist niedriger, wenn es zur Ausbalancierung und Variation des gesamten Nachrichtenbildes beiträgt.

9. Bezug auf Elite-Nationen: Ereignisse, die wirtschaftlich/militärisch wichtige Nationen betreffen, haben einen überproportional hohen Nachricht en wert.

10. Bezug auf Elite-Personen: Entsprechendes gilt für Elite-Personen, d.h. prominente und/oder mächtige, einflussreiche Personen.

11. Personalisierung: Je mehr ein Ereignis personalisiert ist, sich im Handeln oder Schicksal von Personen darstellt, desto eher wird es Nachricht.

12. Negativismus: Je ,negativer’ ein Ereignis ist, je mehr es auf Konflikt, Kontroverse, Aggression, Zerstörung oder Tod bezogen ist, desto stärker wird es von den Medien beachtet. Quelle: Galtung Ruge 1965, zit. nach Noelle-Neumann Schulz Wilke 2002: 357.

In Bezug auf die oben (Abb.l) genannten Nachrichtenfaktoren formulierten Galtung und Ruge sechs Hypothesen (vgl. Galtung/Ruge 1965: 71 f.):

(Abb.2) Hypothesen zu den 12 Nachrichtenfaktoren (s. Abb.l).

Selektionshypothese: Je stärker ein Ereignis mit den Nachrichtenfaktoren übereinstimmt, desto eher wird es zur Nachricht.

Verzerrungs-Hypothese: Wird ein Ereignis publiziert, so werden die Merkmale, die als Nachrichtenfaktoren gelten, am stärksten hervorgehoben.

Replikations-Hypothese: die Selektion und die Verzerrung finden in allen Teilprozessen der Übertragung vom Ereignis bis zum Rezipient statt.

Additivitätshypothese: Je mehr einzelne Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto eher wird es zur Nachricht.

Komplementaritätshypothese: Das Fehlen eines Nachrichtenfaktors kann durch das verstärkte Auftreten eines anderen wieder ausgeglichen werden.

Exklusionshypothese: Wenn auf ein Ereignis nur wenige oder gar keine Nachrichtenfaktoren zutreffen, wird nicht darüber berichtet.

Quelle: Galtung Ruge 1965: 7lf.

Die Berichterstattung zeichnet sich durch einen ausgeprägten Regionalismus aus, indem die eigene Region am stärksten beachtet wird. Bei internationaler Berichterstattung fällt im Wesentlichen das Augenmerk auf die geografische und die kulturelle Nähe sowie auf die wirtschaftliche Stärke. So haben Großmächte als auch kulturell und geografisch nähere Staaten eine größere Wahrscheinlichkeit zum Gegenstand der Berichterstattung zu werden, als geografisch und kulturell entferntere bzw. wirtschaftlich schwächere Länder. Politische, ideologische oder wirtschaftliche Beziehungen mit einem anderen Land erhöhen in gleicher Weise die Wahrscheinlichkeit, dass darüber berichtet wird (vgl. Kunczik 1990: 18).

Der Nachrichten-Ansatz zeigt, dass die Massenmedien die Wirklichkeit nicht objektiv widerspiegeln, sondern eine eigene Medienrealität konstruieren. Demnach vermitteln die Medien ein episodisches und sehr fragmentiertes Bild der Wirklichkeit, indem sie sich vermehrt auf negative Ereignisse, wie Gewalt, Kriminalität, Terrorismus, Krisen und Kriege konzentrieren, die wiederum ein wichtiger Bestandteil der Nachrichtenfaktoren sind. Kurz gesagt, man sucht zielgerichtet nach Konflikten, Normwidrigkeiten und Kontroversen, bei denen der überraschungs- und/oder Sensationsfaktor groß ist (vgl. Schulz 2008: 91).

Im Rahmen dieser Arbeit wird Russlands Terrorbekämpfung in Syrien analysiert, somit hegt der Fokus auf den Nachrichtenfaktoren, wie der Bezug auf Elite-Nationen und Negativismus.

3.2.1 Negativismus

Negativismus als Nachricht en wert fasst Ereignismerkmale, wie Konflikt, Kontroverse, Schaden, Gewalt und Aggression zusammen, die typisch sind für Kriege und politische Auseinandersetzungen (vgl. Schulz 2001: 7).

Negativismus hat zum einen eine Indikatorfunktion für die Gesellschaft, die auf Krisen, Gefährdungen und Bedrohungen hinweist und somit rechtzeitige Gegenmaßnahmen ermöglicht. Zum anderen bedient es das Unterhaltungsbedürfnis und das Bedürfnis nach Sensation, nach Erregung und nach Dramatik (vgl. ebd.).

Nachrichten haben auch eine Unterhaltungsfunktion, und sie erreichen, das vor allem durch ihren Gehalt an Negativismus. Einerseits sind das hauptsächlich negative Faktoren, wie Aggression oder Schäden bis hin zu Mord und Totschlag, über die berichtet wird. Andererseits sind das auch militärische Konflikte bzw. Kontroversen, verbale Auseinandersetzungen oder Streit. All das hat einen Stimulărionswert für das Publikum, d.h. ihr Erregungsniveau wird erhöht und wird durch die Herzfrequenz, den Blutdruck oder durch die elektrische Hautleitfähigkeit messbar gemacht. Das ist im Grunde das, was Unterhaltung ausmacht, nämlich die Anhebung eines, als unangenehm niedrig empfundenen Aktivations- und Erregungsniveaus oder auch dessen Steigerung bis zu einem, als unangenehm empfundenen hohen Niveau, um hinterher ein lustvolles Abfallen auf das Normalniveau erleben zu können (vgl. ebd.).

Negativismus ist für die Medien ein leicht zu identifizierender Indikator, weil er oft eine starke Intensität hat und mit einer starken Emotionalität verbunden ist. Es beinhaltet vor allem dramatische Abläufe und erhebliche Schäden, wie Z.B.: Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze, Terroranschläge oder kriegerische Auseinandersetzungen. Daraus folgt, dass je heftiger der Konflikt, je dramatischer die Aktion, je gewaltsamer der Protest, je größer der Schaden, desto negativer das Ereignis ist, desto größer der Nachrichtenwert ist und desto stärker die Medienbeachtung ist (vgl. ebd.: 8).

3.2.2 Der Bezug zu Elite-Nationen

Elite-Nationen sind mächtige und einflussreiche Staaten, größtenteils Großmächte. Laut Empirischen Untersuchungen werden Auslandsberichterstattungen durch die Nachrichtenfaktoren, wie Nähe, Regionalismus, Metropolenorientierung, Bezug zu Elite­Nationen und Elite-Personen, Konfliktgehalt und Negativismus dominiert (vgl. Hafez 2002: 58).

Nach Galtung und Ruge wirken Nachrichtenfaktoren additiv und komplementär. Es lässt sich darauf schließen, dass je mehr Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Nachricht wird und wenn Faktoren fehlen, dann werden umso stärker die Vorhandenen erfüllt (Galtung/Ruge 1965: 67f.).

Der Bezug zu Elite-Nationen und Negativismus werden sehr häufig zusammen verwendet, um den Nachricht en wert zu steigern. Besonders in der Terror-Berichterstattung ist das wichtig in Betracht zu ziehen.

3.3 Qualität im Journalismus

3.3.1 Qualitätspresse

Eine einheitliche Definition von Qualitätszeitungen gibt es zwar nicht, aber eine von vielen lautet folgenderweise:

״Qualitätszeitung, periodische erscheinende Druckschrift von hoher redaktioneller Qualität. Als Qualitätsindikatoren für die Einstufung einer Zeitung als Qualitätszeitung dienen zumeist der hohe Anteil journalistischer Eigenleistung sowie ein hoher Grad redaktioneller Unabhängigkeit" (Sjurts 2011: 514).

Aus den zahlreichen Definitionen lassen sich einige Richtlinien festlegen. Koziara beschreibt folgende: ״exakte und genaue Recherche, Seriosität, Verlässlichkeit, ausführliche Hintergrundberichte, keine Effekthascherei, fehlerfreie Darstellung und Vertrauen der Rezipienten (vgl. Koziara 2006: 7).

Zum Vergleich Boulevard- VS. Qualitätspresse wurde folgende Tabelle erstellt, die spezifische Merkmale erläutert:

(Abb. 3) Vergleich Boulevardpresse und Qualitätspresse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: vgl. Deutsche Tageszeitungen: Quelle: Haas 2014.

Infos zu Boulevardzeitungen O.J..

3.3.2 Boulevardpresse

Als Gegensatz zu den Qualitätsmedien gibt es die Boulevardmedien, die im Bereich der Populärmedien angesiedelt sind. Populärmedien lassen sich laut Renger folgend erklären: ״Sie dienen dazu, mit sensationeller Berichterstattung zwischen Fakten und Fiktion maximalen unternehmerischen Profit zu erlangen und vermarktet Schicksale und Gefühle mit dem Suggestionsmittel der journalistischen Glaubwürdigkeit“ (Renger 2000: 18). Das bedeutet, dass der Boulevard)oumalismus in erster Linie darauf ausgelegt ist, den Gewinn zu maximieren. Nachrichtenfaktoren und deren Intensität spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Je mehr Faktoren es gibt bzw. je stärker diese ausgeprägt sind, desto berichtenswerter ist die Nachricht und desto unterhaltsamer ist es für den Rezipienten.

Die Boulevardpresse zeichnet sich durch ihre Aufmachung, Textteil und Gestaltung durch einen plakativen Stil, große Balkenüberschriften mit reißerischen Schlagzeilen, zahlreiche, oft großformatige Fotos sowie eine einfache, stark komprimierte Sprache aus; dies soll Blickfang bzw. Kaufanreiz für potenzielle Leser sein (vgl. Raabe 2012: 33).

״Die Beiträge appellieren an Neugier und Sensationslust der Leser und zielen durch schockierende, dabei leicht konsumierbare Sex-and-Crime-Stories, vermeintliche Skandale, Promi­Dramen sowie unterhaltsame Kuriosa auf deren Emotionen. Auch gibt es in den Blättern der B. nur eine begrenzte Gliederung nach Sparten (mit besonderem Gewicht auf dem Sportteil)“ (ebd.).

Die meistgelesene Zeitung in Österreich ist die Kronen Zeitung, sie ist zugleich auch ein Boulevardmedium. In einer Image Kampagne positioniert sich die Kronen Zeitung folgend:

״Die Kronen Zeitung, Nummer 1 in Österreich, strebte nach einer kommunikativen Neuausrichtung, die vor allem auch eine klare Positionierung gegenüber der vielfältigen neuen Konkurrenz durch digitale Anbieter beinhalten sollte. Wir entwickelten eine Kampagne, die die Nähe der Krone zu den Menschen aufzeigt und positionierten die Krone damit als das erste soziale Netzwerk in Österreich. Durch eine starke Verschränkung klassischer und digitaler Kanäle erreichten wir einen echten Dialog mit den Menschen: Herausragende Kampagnen-akzeptanz, neue Rekorde an themenbezogenem Response des Publikums und damit erfolgreiche Repositionierung als ״Anwalt des Volkes“. Die Krone ist damit näher an den Menschen denn je“ (Wiennord 2012).

3.3.3 Boulevardisierung der Qualitätspresse

״Boulevardisierung, bezeichnet den Wandel von Medieninhalten, -formaten und Präsentationsformen im Zuge verstärkter Unterhaltungsorientierung. Mit Mitteln der Personalisierung, Intimisierung oder Skandalisierung finden auf der inhaltlichen Ebene Verschiebungen statt, bei denen stärker Personen anstelle von Sachthemen in den Fokus journalistischer Aufmerksamkeit rücken. Auf der formal-ästhetischen Ebene werden Stilmittel der Übertreibung, der Visualisierung und Emotionalisierung eingesetzt, um verstärkt Aufmerksamkeit zu generieren“ (Lünenborg 2012: 33).

Die Boulevardisierung verändert die Selektions- und Präsentationsmuster und etabliert damit Hybridformen, in denen auf narrative Muster fiktionaler Erzählung zurückgegriffen wird. Der Grund dafür ist, dass neutrale Sachinformationen in den Hintergrund und die personenorientierten Darstellungen immer mehr in den Vordergrund treten. Man generiert dadurch, wie oben erwähnt, mehr Aufmerksamkeit und wendet sich damit insbesondere an jüngere Teile des Publikums, die andernfalls von politischen Informationen nur schwer erreicht würden (vgl. ebd.).

Der österreichische Printmarkt zeichnet sich durch eine starke Konzentration aus. Es kommt dadurch zu einer hohen Konkurrenz und anschließend zu einem Kampf um den Leser. Durch diese Situation lässt sich die ״schleichende“ Boulevardisierung erklären und es ist wichtig diesen Aspekt in dieser Arbeit in Betracht zu ziehen, um Analyseergebnisse richtig interpretieren und vergleichen zu können.

4. Die Situation in Syrien

Der Mitte 2011 ausgebrochene Krieg in Syrien hat das Land zerstört, die Gesellschaft gespalten, vielen Menschen das Leben genommen oder sie aus dem Land vertrieben.

Weder Regierung noch Rebellen mit ihren jeweiligen Unterstützem sind stark genug, den Kampf zu entscheiden. Neue Fakten wurden 2015 mit der russischen Militärintervention auf Seiten der Regierung geschaffen, so hat sie im Dezember 2016 die Einnahme des lange umkämpften Ost-Aleppo ermöglicht. Doch eröffnet das russische Eingreifen auch die Chance für eine von einer Gruppe externer Mächte durchgesetzte Friedenslösung. Möglicherweise erleichtert der pragmatische Ansatz des künftigen US-Präsident en Donald Trump eine Verständigung über Syrien. Der Friedens- und Wiederaufbauprozess wird von zahlreichen Risiken begleitet sein (vgl. Pabst 2017: 25).

4.1 Der Ursprung des Bürgerkrieges

Nach Protesten im Jahr 2011 in Damaskus und Daraa, bei denen die Teilnehmer ein Ende der korrupten Wirtschaftspolitik verlangten, weiteten sich die Proteste weiter aus. Verlangt wurde unter anderem der Sturz der Assad-Regierung (vgl. Truppendienst 2016).

Die Regierung des Präsidenten Bashar al-Assad machte ״radikale Salafisten“ und ״ausländische Verschwörer“ für die Demonstrationen verantwortlich und setzte anschließend verschiedene Sondereinheiten und später Eliteeinheiten gegen die Demonstranten ein. Es kam dabei vielfach zu willkürlichen Erschießungen und Massenverhaftungen, wobei auch Schulkinder dabei waren. In Folge kam es zu Massendesertationen beim Militär und des Weiteren zur Entstehung von vielen bewaffneten Gruppierungen. Eine davon war die FSA (Freie Syrische Armee), der aber nie gelang eine einheitliche Struktur und Organisation aufzubauen, wie die anderen Gruppierungen. Der Grund dafür war der Einfluss der Türkei und der USA - die von der Gruppierung Zugeständnisse und Deklarationen in Bezug auf ihre ideologische und religiöse Orientierung im Austausch für Hilfeleistungen verlangten. Später wurden sie auch von privaten ״Hilfsorganisationen“ aus der Golfregion unterstützt, die sich mit Geld, Nahrungs- aber auch Waffenlieferungen Loyalität sowie ideologische und religiöse Deklarationen bestimmter Gruppen der Aufständischen erkauften (vgl. ebd.).

2011 kam der IS unter der Führung von Abu Bakr Al-Baghdadi aus dem Irak nach Syrien um gegen die Führung in Damaskus zu kämpfen. In Syrien formierte sich die Organisation neu und kam nach und nach ihrem erklärten Ziel eines eigenen Staats näher. Nach dem Sturm auf Mossul am 10. Juni 2014 rief Al-Baghdadi ein ״Islamisches Kalifat“ aus und ernannte sich selbst zum Kalifen[1] (vgl. LPB O.J.).

4.2 Bashar al-Assad und sein Regime

Es begann mit Hafez al-Assad, dem arabischen Diktator mit der eisernen Faust, der sich 1970 zum Präsidenten putscht und mit ihm seine Minderheit - die Alawiten[2]. Als Hafez im Jahr 2000 stirbt, erbt sein Sohn Bashar die Macht. Der Erbe sollte eigentlich sein Bruder Basil werden, jedoch starb dieser bei einem Autounfall. Bashar wurde in England zum Augenarzt ausgebildet und heiratete die gebürtige Britin Asmaa. Er umgibt sich mit Technokraten, liberalisiert die Wirtschaft und unterdrückt Kritik. Außenpolitisch setzt Bashar Akzente und erntet das Wohlwollen der EU. Die territorialen Streitigkeiten mit der Türkei werden beigelegt, mit Israel über Frieden verhandelt und man gibt sich die Mühe nicht offensiv anti­westlich zu klingen. Dennoch brachten die Reformen nur wenig: die Omnipräsenz der Geheimdienste blieb bestehen und die wirtschaftliche Liberalisierung begünstigte nur wenige (vgl. Lakitsch 2011: 1).

Ende 2010 beginnen die Aufstände gegen die alteingesessenen Diktaturen um arabischen Raum. Die Protestwelle von Tunesien ausgehend über Ägypten, Algerien, Libyen und Jemen wurde von den Enttäuschungen der jungen Generation über den politischen und wirtschaftlichen Stillstand getrieben (vgl. ebd.:2).

2011 erreichen die Proteste Damaskus, die Assad mit Gewalt auflösen lässt. Daraufhin folgt eine weitere Demonstration in Deraa und später auch in Horns, Hama, Lattakia und eine weitere erneut in Damaskus. Drei erste Tote in Deraa waren der Beginn einer Serie brutaler Repressionsmaßnahmen des Assad Regimes. Somit war der so genannte Arabische Frühling auch in Syrien angekommen (vgl. ebd.).

[...]


[1] Das Kalifat bzw. der Kalif ist für die Durchsetzung der Gesetze, die Verteidigung und Vergrößerung des Herrschaftsgebietes, die Verteilung von Beute und Almosen und die Überwachung der Regierung zuständig. Er ist Wächter des Glaubens und in seinem Handeln an die Scharia gebunden (vgl. Elger/Stolleis 2008).

[2] Alawiten ״sind eine religiöse Sondergemeinschaft in Vorderasien, die im späten 9. Jahrhundert im Irak entstanden ist und zum schiitischen Spektrum des Islam gehört. Sie sind nicht zu verwechseln mit den türkischen und kurdischen Alewiten" (Wikipedia).

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Terrorbekämpfung in Syrien. Die Darstellung Russlands in der österreichischen Presse
Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
39
Katalognummer
V417908
ISBN (eBook)
9783668673090
ISBN (Buch)
9783668673106
Dateigröße
1820 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Presse, Österreich, Journalismus, Darstellung, Bild, Syrien, Krieg, Terroristen, Terror, IS, ISIS, Russia, Terrorbekämpfung
Arbeit zitieren
Sergey Bassov (Autor), 2018, Terrorbekämpfung in Syrien. Die Darstellung Russlands in der österreichischen Presse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417908

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