Die Diotima-Figur in der Liebeselegie von Friedrich Hölderlin


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Biographischer Abriss
2.2 Aufbau und Inhalt der Elegie Menons Klagen um Diotima
2.2.1 Vorbemerkungen zum Elegiebegriff
2.2.2 Menons Klagen um Diotima (um 1800)
2.3 Bezug zu Platon
2.3.1 Vorbemerkungen
2.3.2 Symposion (383 v. Chr.)
2.3.3 Menon (ca. 402 v. Chr.)
2.4 Rolle des Hyperion
2.5 Zusammenfassung

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich muß Dir schreiben Lieber! Mein Herz hält das Schweigen gegen Dich länger nicht aus. Nur noch einmal laß meine Empfindung sprechen vor Dir, dann will ich, wenn Du es besser findest, gerne, gerne, still seyn. Wie ist nun, seit Du fort bist, um und in mir alles so öde und leer, es ist als hätte mein Leben alle Bedeutung verlohren, nur im Schmerz fühl ich es noch.“[1]

Diese Worte schickt Susette Gontard im September/Oktober 1798 an Friedrich Hölderlin. Es sind ihre Gedanken wenige Monate nach der Trennung von dem Mann, den sie liebt.

In der vorliegenden Arbeit setze ich mich mit dem Leben des Dichters Friedrich Hölderlin auseinander und nehme insbesondere Bezug auf seine Diotima-Figur. Im Zuge der Auseinandersetzung mit der Elegie Menons Klagen um Diotima von Hölderlin, stellte sich die Frage, wie die Komponenten des Titels zustande kamen.

Ich erachte es für wichtig, einen groben Überblick über das Leben des Autors Hölderlin zu geben, um später auch Zusammenhänge mit seinen literarischen Werken deutlicher machen zu können. Da ich mich ebenso mit dem Inhalt der o.g. Elegie auseinandersetze, werde ich zudem eine Einführung in den allgemeinen Elegiebegriff geben.

Um die Figur der Diotima und auch die Bedeutung des Menon begreiflicher zu machen, stelle ich im Hauptteil der Arbeit darüber hinaus den Bezug zu Platon her, bei dem die Namen dieser zum ersten Mal auftauchen. Dabei greife ich Platons Werke Symposion und Menon auf, wobei ich zum besseren Verständnis kurz und knapp auf den Inhalt dieser eingehen möchte. Ebenso nehme ich Bezug zu Hölderlins Werk Hyperion, um Verweise auf nachfolgende Texte herzustellen.

Danach werde ich die vorangegangenen Ausführungen erfassen und die gesammelten Informationen in Zusammenhänge bringen.

Der Schlussteil soll dazu dienen, eine knappe Zusammenfassung zu liefern und noch einmal Bezug auf die Einleitung meiner Arbeit zu nehmen.

2. Hauptteil

2.1 Biographischer Abriss

Friedrich Hölderlin wird 1770 als Sohn des Klosterpflegers Heinrich Friedrich Hölderlin und Pfarrerstochter Johanna Christina Hölderlin in Lauffen am Neckar im Herzogtum Württemberg geboren.[2],[3] 1776 beginnt Hölderlins Bildungslaufbahn in der Nürtinger Lateinschule.[4] Mit dem Bestehen des Landexamens war der Weg für die Klosterschulen geebnet, die er von 1784 bis 1788 besuchte.[5] Im Oktober 1788 beginnt Hölderlin sein Studium im Tübinger Stift, wo er zunächst Philosophie, später Theologie[6] studiert und Freundschaften mit F. Hegel und F. Schelling pflegt.[7]

Er wächst in der unruhigen Zeit der Französischen Revolution (1789-1799) auf, in der er die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen akkurat beobachtete und sich für Gedankengänge der Aufklärung begeisterte, wodurch er ebenso Hoffnungen für sein eigenes Land schöpfte.[8] Auch Napoleon Bonaparte, späterer Kaiser Frankreichs, beschäftigte Hölderlin. Belegt wird dies nicht zuletzt damit, dass er des Öfteren in Dichtungen Hölderlins eine Rolle spielt, wie z.B. in dem Oden-Entwurf „Buonaparte“ (1797) oder der Hymne „Dem Allbekannten“, in der Orte genannt werden, die sich mit Bonaparte in Verbindung bringen lassen.[9]

Im Jahre 1796 tritt Hölderlin in Frankfurt im Hause Gontard eine Hofmeisterstelle an und es entsteht eine gegenseitige Liebe zwischen der Mutter der unterrichteten Kinder, Susette Gontard, und ihm.[10] Susette wird die einflussreichste Frau in Hölderlins Leben, ihr sollen sämtliche Gedichte und Schriften Hölderlins gewidmet sein. Es ist eine heimliche Liebe zwischen der verheirateten Susette und Hölderlin, die nicht verborgen bleibt und so kommt es, dass Hölderlin 1798 das Haus der Gontards verlässt und ein Briefwechsel zwischen Susette und ihm einsetzt.[11] Der Kontakt beschränkt sich im Fortlauf der Zeit auf die Briefe und gelegentliche Treffen.[12]

Im Juni 1802 erliegt Susette Gontard den Folgen einer Krankheit und stirbt.[13] Hölderlin versinkt über diese Nachricht in eine tiefe Trauer und verfällt in eine Ungepflegtheit. Es heißt „[...] der immer sorgfältig gekleidete Hölderlin […] vor dem geringere Bürger auf der Straße den Hut ziehen mußten, der läuft jetzt herum wie die Bettler, hat alle Konventionen abgelegt [...]“[14]. Nach einem einjährigen Klinikumsaufenthalt in Tübingen, bei dem er für unheilbar geisteskrank[15] erklärt wird, führt er sein Leben in Freiheit fort. Hölderlin schreibt weiterhin, spielt Instrumente und verliert einige seiner Freunde und Bekannten, ebenso wie seine Mutter, an den Tod, bis er im Juni 1843 schließlich selbst stirbt.[16]

2.2 Aufbau und Inhalt der Elegie Menons Klagen um Diotima

2.2.1 Vorbemerkungen zum Elegiebegriff

Der Begriff der Elegie ist nicht leicht zu definieren und die Definitonsfindung bringt schon über Jahrhunderte hinweg Probleme mit sich.[17] Hierbei bildet die Heterogenität des Begriffs das Problem, welches sich in dem Konkurrieren inhaltlicher und formaler Kriterien zeigt.[18] Zwischen 1750 und 1800 kommt es, im Hinblick auf den metrischen Bereich, zur Einführung des Distichons, während der inhaltliche Bereich sich durch einen neuen Empfindungsmodus auszeichnet.[19] Das griechische Wort 'elegíon' ist die Bezeichnung für das Distichon, währenddessen 'élegos' den inhaltlichen Bereich der Trauer und Totenklage wiedergibt.[20] Dies ist die doppelte etymologische Begriffsbestimmung, die das Problem der Heterogenität aufwirft.[21] Der angesprochene neue Empfindungsmodus stellt sich im Gefühl der vermischten Empfindung dar[22], welche dadurch zum Ausdruck kommt, dass z.B. „der Schmerz über einen erlittenen Verlust schon so weit gemildert ist, daß eine Vergegenwärtigung des vergangenen Glücks und somit eine ambivalente ›Mischung‹ des Gefühls möglich wird.“[23]

Mitte des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer Emotionalisierung und Psychologisierung der Gattung der Lyrik, was dazu führt, die Empfindungsweise als gattungstheoretisches Kriterium der Elegie zu etablieren.[24] Zugleich entsteht die Frage, inwieweit sich Empfindungen sprachlich-poetisch realisieren lassen.[25] Gerade das Zusammenspiel zwischen „der gemilderten Empfindung, aus einer Position distanzierter Betrachtung heraus“ und „der emotional-psychologischen Argumentation“[26], ermöglicht die poetische Produktion.[27]

Man unterteilt die Elegien in zwei Klassen. In der sog. 'erotischen Elegie' setzt sie sich mit Themen der Liebe auseinander, wobei die 'threnetische Elegie' Klage und Trauer zum Gegenstand hat.[28]

2.2.2 Menons Klagen um Diotima (um 1800)

Das Gedicht besteht aus 9 Strophen, wobei die meisten 14 Verse besitzen, unterbrochen von zwei 12-versigen Strophen und abschließend mit der letzten und längsten Strophe bestehend aus 22 Versen. Das metrische Schema der Elegie ist das Distichon, welches aus Hexameter und Pentameter besteht.[29]

In der 1. Strophe wird die gegenwärtige Situation des lyrischen Ichs deutlich. Beginnend mit „der Suche nach der Natur“[30], kommt der Vergleich des Dichters Person mit einem „getroffene[n] Wild“ (V.5), was die Klage um einen Verlust deutlich macht. Die 2. Strophe beginnt mit den Gedanken an den Tod (V. 16-17), wobei es ab dem Vers 22 bis zum Ende der Strophe zur „Gewahrung der Liebeserfahrung“[31] kommt, da eine Hoffnung nicht verloren ist (V. 22). „Wie so selig doch auch mitten im Leide mir ist.“ (V.28) verdeutlicht die „Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Emotionen“[32] und stellt somit das für eine Elegie typische Gefühl der vermischten Empfindung dar.

Die folgende 3. Strophe greift die Liebeserfahrung aus der Erinnerung auf (V.30). Durch die Erinnerung gelangt der Dichter zur Gewissheit der Liebe und der Name Diotima kommt in seine Gedanken zurück (V.42).[33] In Strophe 4 vergegenwärtigt das lyrische Ich seine Liebeserfahrung (V.43-52). Doch in Vers 53 wird diese unterbrochen vom Einbruch des Bewusstseins über den erlittenen Verlust.[34] Dieser „erste Versuch der […] Vergegenwärtigung des vergangenen Liebesglücks […] scheitert“[35], denn der Liebende kehrt zum Klagen zurück.[36]

[...]


[1] Viëtor, Karl (Hrsg.): Die Briefe der Diotima. Leipzig: Insel-Verlag um 1923. S. 7

[2] Vgl. Gutenberg: Friedrich Hölderlin. gutenberg.spiegel.de/autor/-279

[3] Vgl. Kreuzer, Johann: Hölderlin-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. Stuttgart; Weimar: Metzler 2002. S. 14 u. S. 513

[4] Vgl. Ebd. S. 20

[5] Vgl. Ebd. S. 21-24

[6] Vgl. Ebd. S. 514

[7] Vgl. Langner, Beatrix: Hölderlin und Diotima. Eine Biographie. Frankfurt a.M.; Leipzig: Insel Verlag 2001. S.34

[8] Vgl. Kreuzer, J.: Hölderlin-Handbuch. S.14

[9] Vgl. Ebd. S.15

[10] Vgl. Ebd. S.518

[11] Vgl. Ebd. S. 35

[12] Vgl. Langner, B.: Hölderlin und Diotima. S.134, 137

[13] Vgl. Langner, B.: Hölderlin und Diotima. S.190

[14] Langner, B.: Hölderlin und Diotima. S. 199

[15] Vgl. Kreuzer, J.: Hölderlin-Handbuch. S. 52

[16] Vgl. Ebd. S. 522-524

[17] Vgl. Schuster, Jörg: Poetologie der Distanz. Die ›klassische‹ deutsche Elegie 1750-1800. Freiburg im Breisgau: Rombach 2002. S. 17

[18] Vgl. Ebd. S. 21

[19] Vgl. Ebd. S. 13

[20] Vgl. Ebd. S. 17f.

[21] Vgl. Ebd. S. 18

[22] Vgl. Ebd. S. 20

[23] Ebd.

[24] Vgl. Schuster, J.: Poetologie der Distanz. S. 27

[25] Vgl. Ebd.

[26] Ebd.

[27] Vgl. Ebd.

[28] Vgl. Kreuzer, J.: Hölderlin-Handbuch. S. 320

[29] Vgl. Ebd. S. 320

[30] Ebd.

[31] Ebd.

[32] Schuster, J.: Poetologie der Distanz. S. 310

[33] Vgl. Kreuzer, J.: Hölderlin-Handbuch. S. 323

[34] Vgl. Ebd.

[35] Schuster, J.: Poetologie der Distanz. S. 316

[36] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Diotima-Figur in der Liebeselegie von Friedrich Hölderlin
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V417920
ISBN (eBook)
9783668671546
ISBN (Buch)
9783668671553
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diotima-figur, hölderlin
Arbeit zitieren
Lisa Pfretzschner (Autor), 2016, Die Diotima-Figur in der Liebeselegie von Friedrich Hölderlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417920

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