Diese Hausarbeit schließt an Mae Ngais Forschungsarbeit "Impossible Subjects" an, indem sie ihren Begriff des "Liberal Nationalism" einer empirischen Überprüfung unterzieht. Dabei wird untersucht, ob die drei genannten Elemente des Liberal Nationalism bereits in dem, für das "Immigration Reform Movement" zentralen, Abschlussbericht der President's Commisson on Immigration and Naturalization aus dem Jahr 1953 zu erkennen sind.
Diese Überprüfung erfolgt in drei Schritten: Nach einer einführenden Überblicksdarstellung der zentralen Regelungen des Hart-Celler Act werden in Kapitel 1 die seit der Jahrtausendwende erschienenen Studien über das Einwanderungsgesetz von 1965 diskutiert. An diese Analyse des aktuellen Forschungsstandes anknüpfend erfolgt in Kapitel 2 die Präsentation der bereits eingeführten These Mae Ngais. Hierbei wird zunächst die Entstehungsphase des Liberal Nationalism nach dem Zweiten Weltkrieg und anschließend die Verhandlungsphase vor der Verabschiedung des Gesetzes von 1961 bis 1965 beleuchtet. In Kapitel 3 wird schließlich der Abschlussbericht der President's Commission analysiert. Dieser Analyse geht eine historische Kontextualisierung der Quelle voraus, in der das Zustandekommen des McCarran-Walter Act von 1952 erläutert wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. A Law of Unintended Consequences – Aktueller Forschungstand zum Hart-Celler-Act
1.1 Zentrale Reformen des Hart-Celler-Act
1.2 Forschungsstand
2. A Product of Liberal Nationalism – Mae Ngais These zum Hart-Celler-Act
2.1 Entstehung des Liberal Nationalism
2.2 Gesetzesvorlagen und Verabschiedung des Hart-Celler-Act
3. A Benchmark for Reform Effort – Bedeutung der President`s Commission on Immigration and Naturalization für das Immigration Reform Movement
3.1 McCarran-Walter-Act von 1952
3.2 Der Abschlussbericht der President`s Commisson on Immigration and Naturalization
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und ideologische Ausrichtung des US-Einwanderungsgesetzes von 1965 (Hart-Celler Act) vor dem Hintergrund des von Mae Ngai geprägten Begriffs des "Liberal Nationalism". Das Ziel ist die empirische Überprüfung, inwiefern die Elemente dieser Ideologie – liberaler Pluralismus, ökonomischer Nationalismus und geopolitischer Nationalismus – bereits im Abschlussbericht der "President's Commission on Immigration and Naturalization" von 1953 angelegt waren.
- Die kritische Analyse des Hart-Celler Act als "unbeabsichtigte Reform".
- Die Rolle des "Liberal Nationalism" bei der Umgestaltung der US-Einwanderungspolitik.
- Die Bedeutung der "President's Commission" als ideologischer Wegbereiter.
- Der Einfluss von Interessensgruppen wie "Ethnic European Americans" auf die Reformagenda.
- Das Spannungsfeld zwischen geopolitischen Interessen im Kalten Krieg und innenpolitischer Interessenpolitik.
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehung des Liberal Nationalism
Der Kampf gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg führte dazu, dass ethnische Konflikte innerhalb der Vereinigten Staaten stärker problematisiert wurden. Um nationale Geschlossenheit bemüht, startete das Office of War Information (OWI), die Regierungsbehörde zur Verbreitung von Kriegsinformationen- und propaganda, eine breit angelegt Kampagne für mehr kulturelle und religiöse Toleranz. Um dem amerikanischen Volk den Zweiten Weltkrieg als Kampf des weltoffenen und demokratischen Amerikas gegen die illiberalen und rassistischen Achsenmächte präsentieren zu können, kam es, in Abgrenzung zu den nativistisch-eugenischen Theorien der 1910er und 1920er Jahre, zu einer Umdeutung der nationalen Identität. Americanism, so die Botschaft des OWI, bedeutete nun Menschen unabhängig von ihrer Rasse, Hautfarbe oder religiösen Zugehörigkeit gleich zu behandeln. Die Kampagne betonte die Gemeinsamkeiten der verschiedenen ethnischen Gruppen und forderte sie zur Kooperation unter dem Dach der amerikanischen Demokratie auf. Rassismus wurde dagegen als unamerikanische Ideologie gebrandmarkt, die die innere Sicherheit der USA gefährde.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die restriktive Einwanderungspolitik der 1920er Jahre ein und stellt das Immigration Reform Movement als Gegenkraft vor.
1. A Law of Unintended Consequences – Aktueller Forschungstand zum Hart-Celler-Act: Dieses Kapitel diskutiert den aktuellen Forschungsstand zum Gesetz von 1965 und gibt einen Überblick über dessen zentrale Reformen.
2. A Product of Liberal Nationalism – Mae Ngais These zum Hart-Celler-Act: Hier wird die These Mae Ngais vom "Liberal Nationalism" theoretisch eingeführt und der Entstehungsprozess sowie die Verhandlungsphase des Gesetzes beleuchtet.
3. A Benchmark for Reform Effort – Bedeutung der President`s Commission on Immigration and Naturalization für das Immigration Reform Movement: Das Kapitel analysiert den McCarran-Walter-Act von 1952 sowie den nachfolgenden Abschlussbericht der Präsidentenkommission von 1953 als zentrales Positionspapier.
Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt die These, dass der Begriff des Liberal Nationalism eine zentrale Rolle in der Reformbewegung spielte, und weist auf weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Hart-Celler Act, Immigration Reform Movement, Liberal Nationalism, National Origins Quota System, Einwanderungspolitik, USA, President's Commission, Kalter Krieg, Ethnische Gruppen, Liberaler Pluralismus, Geopolitischer Nationalismus, Ökonomischer Nationalismus, 1965, Reformbewegung, Einwanderungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ideologischen Hintergründe der US-Einwanderungsreform von 1965, insbesondere unter dem Aspekt des sogenannten Liberal Nationalism.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Einwanderungsgesetze der USA zwischen 1953 und 1965, die Rolle liberaler Reformbewegungen sowie die wechselseitige Beeinflussung von Innen- und Außenpolitik im Kalten Krieg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob die von der Historikerin Mae Ngai beschriebenen Elemente des "Liberal Nationalism" bereits im Abschlussbericht der Präsidentenkommission von 1953 enthalten waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Analyse des Abschlussberichtes "Whom We Shall Welcome" und setzt diese in den Kontext der aktuellen geschichtswissenschaftlichen Debatte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Forschungsstand zum Hart-Celler Act, die theoretische Herleitung des Liberal Nationalism und die detaillierte Untersuchung der Arbeit der President's Commission on Immigration and Naturalization.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hart-Celler Act, Liberal Nationalism, Einwanderungspolitik, Kalter Krieg und Reformbewegung.
Inwiefern beeinflusste die Außenpolitik die Einwanderungsreform?
Die Arbeit zeigt auf, dass die US-Regierung das restriktive Quotensystem als Hindernis für ihre geopolitische Glaubwürdigkeit im Kalten Krieg sah und Reformen anstrebte, um dem Ansehen der USA im Ausland zu dienen.
Welche Rolle spielte die "Ethnic European Americans"-Gruppe?
Diese Gruppe bildete das Rückgrat der Reformbewegung, da sie den Stempel der Minderwertigkeit, der ihr durch das alte Quotensystem anhaftete, loswerden wollte.
Warum war der Abschlussbericht von 1953 so bedeutsam?
Er gilt als Manifest des Immigration Reform Movement und als erste komprimierte Zusammenfassung der neuen liberal-nationalistischen Reformagenda, die später in den Hart-Celler Act einfloss.
- Citation du texte
- Marc Konstanzer (Auteur), 2017, "Whom Shall We Welcome?" Das "Immigration Reform Movement" auf dem Weg zum "Hart-Celler-Act", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417931