Pädagogische Problemsituationen. Lehrerpersönlichkeit und Unterrichtsstörungen


Seminararbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Lehrerpersönlichkeit
II.I Lehrerpersönlichkeit im wissenschaftlichen Kontext
II.II Lehrerpersönlichkeit im Kontext des Seminars

III. Umgang mit Unterrichtsstörungen 13
III.I Begriffsklärung und Ursachen von Unterrichtsstörungen
III.II Handlungsmöglichkeiten zur Intervention/Prävention von Störungen

IV. Resümee

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Sowohl im universitären Gespräch zwischen Kommilitonen, als auch zwischen Studenten und bereits ausübender Lehrkräfte ist das Schlagwort des „Praxisschocks“ ein stets populäres Gesprächsthema. Diesbezüglich fragen sich besonders viele Studenten und Studentinnen des Lehramtes, ob sie den Anforderungen gerecht werden, d.h. ganz konkret die Konfrontation mit besonders problematischen Schülern aushalten können. Welche Bereiche stellen diesbezüglich bei der Bewältigung dieser eventuell auftretenden Schwierigkeiten im zukünftigen Lehrerberuf eine besonders relevante Rolle dar?

Genau auf diese Frage u.a. ging das Seminar „Pädagogische Problemsituationen im Unterricht“ unter der Leitung von Dipl. Psych. Dr. Oskar Seitz ein, indem es die verschiedenen Bereiche besonders aus der Sichtweise eines unerfahrenen Berufseinsteigers vorstellte. Das erkenntnisleitende Interesse des Seminars bestand somit darin, dass sich die Teilnehmer grundlegend über die individuelle Vorstellung zur künftigen Lehrerpersönlichkeit machten, sowie eine effektive und gleichzeitig durch Praxisbeispiele gestützte Strategie zur Bewältigung von Störungs- bzw. allgemein Problemsituationen im schulischen Kontext vorgestellt bekommen sollten.

Die hier verfasste Arbeit soll nicht ausschließlich einen rein subjektiven Erfahrungsbericht zu den gelernten Inhalten des Seminars darstellen, sondern sich vielmehr vertiefend mit zwei ausgewählten Teilinhalten beschäftigen und diese folglich genauer skizzieren. Diese bestehen aus den Inhalten der Lehrerpersönlichkeit und dem Umgang mit Unterrichtsstörungen. Beide Bereiche nahmen einen zeitlich und inhaltlich sehr großen Platz im Seminar ein und wurden durch damit in Zusammenhang stehende Teilaspekte (bspw. Autorität / ADHS) ergänzt. In diesen beiden Bereichen sehe ich zwei elementar wichtige Aspekte, welches es für den zukünftigen Lehrerberuf zu berücksichtigen gibt.

Zum einem wäre da die Lehrerpersönlichkeit, bei welcher ich mir im Vorfeld des Seminars nicht bewusst gemacht hatte, wie einflussreich diese auf den Unterricht (besonders im Zusammenhang mit Schülerleistung und Unterrichtsstörung) sein kann. Diese Tatsache führte dazu, dass mein Interesse zu einer vertiefenden Auseinandersetzung unter der Berücksichtigung von Fachliteratur, geweckt wurde. Der zweite Themenbereich „Umgang mit Unterrichtsstörungen“ wurde sehr praxisnah behandelt, sodass ich dies zur eigenen Reflexion über mein Handeln im Praktikum behandeln wollte. Auch wäre der spezifischere Bereich „ADHS“ für mich sehr interessant gewesen, wurde aber aufgrund des bereits fortschreitend vorhandenen Fachwissens darüber nur als Unterpunkt berücksichtigt, da eine Vertiefung in meinem Fall keinen größeren Mehrwert mit sich gebracht hätte.

Abschließend sollte erwähnt werden, dass das Seminar besonders auf einen freien und kommunikativen Umgang ausgelegt war, wodurch das einfache bzw. ständige Aufschreiben der besprochenen Inhalte meinerseits vernachlässigt wurde, damit ich mich wirklich tiefgründig in die Diskussionen einfühlen konnte und das Erfahrene „wirken“ lassen konnte. Dies hat sich insofern auf diese Arbeit ausgewirkt, als das auf das Seminar nur bei besonders prägnanten bzw. relevanten Aspekten direkt hingewiesen werden soll.

II. Lehrerpersönlichkeit

Wenn man sich an seine eigene Schulzeit zurückerinnert, so stellt man schnell fest, dass es sowohl Unterricht gab, den man als besonders aufregend bezeichnen würde, als auch den, welcher eher als belastend oder uninteressant empfunden wurde. Dies ließe sich freilich auch bei ein und demselben Fach in aufeinanderfolgenden Jahrgängen erkennen. Möchte man diesbezüglich nach den Ursachen für diese Diskrepanz suchen, so berücksichtigt man neben thematisch bezogenen Inhalten zwangsläufig immer die Lehrkraft, bzw. deren Handeln und dem allgemeinem Auftreten. Man bezeichnet den betreffenden Unterricht meist dann als gut, wenn die Persönlichkeit der Lehrkraft dafür sorgen konnte eine angenehme und zielführende Lernatmosphäre zu schaffen, welche einem zum Lernen motiviert hat. Diese Feststellung hängt jedoch nicht ausschließlich damit zusammen, als wie „sympathisch“ die Lehrkraft betrachtet wurde. Dies bedeutet, dass Lehrer, welche auf zwischenmenschlicher Ebene bevorzugt angenommen wurden einen nicht-zielführenden Unterricht gestalten können, während eher als „kalt“ und autoritär betrachtete Lehrkräfte einen „guten“ Unterricht anbieten können. Ferner wirft dies die Frage auf, ob es den perfekten Lehrer überhaupt gibt, oder ob es für Lehrende nicht eher die Suche nach dem bestmöglichen Weg des Unterrichtens ist.

Auch im Plenum des Seminars war diese Frage in etwa Inhalt der Diskussion. Hierbei fiel das Interesse schnell auf den Begriff der Lehrerpersönlichkeit und was diese mit gutem Unterricht bzw. einem guten Arbeitsklima im schulischen Kontext zu tun haben kann. Auch weil im universitären Kontext der Lehrerausbildung sehr wenig auf diesen Teilbereich, zum Vorteil von u.a. Schüler- und lernbezogenen Inhalten, eingegangen wird, soll in dieser Arbeit vertiefend auf Definition und Bedeutung, sowie die Auswirkung auf die Schülerleistung von Lehrerpersönlichkeit eingegangen werden.

II. I Lehrerpersönlichkeit im wissenschaftlichen Kontext: Rolle der Lehrkraft

Im Kontext der Forschung wird die Lehrerpersönlichkeit besonders im Zusammenhang mit der Rolle einer Lehrkraft behandelt. Dieser Rollenbegriff ist dabei zunächst isoliert vom schulischen Kontext zu durchleuchten. Diesbezüglich stellte Fritz Bohnsack beispielsweise zwei grundlegende Theorien auf, welche er gegenüberstellte:

1.) traditioneller Rollenbegriff
2.) interaktionistischer-kommunikativer Rollenbegriff

Die traditionelle Theorie sieht die Rolle demnach als „[…] das Bündel an Verhaltensweisen, das von einem Inhaber bestimmter Positionen und Funktionen von deren Bezugsgruppe erwartet wird“.[1] Dabei steht der Status des Rollenträgers, wie beispielsweise des Lehrers, unmittelbar im Zusammenhang mit der Bezugsgruppe und gilt als Ursache für deren Erwartungen. Diese Erwartungen beinhalten allgemein u.a. die berufliche Qualifikation, Gehalt oder das gesellschaftliche Ansehen und werden durch gesellschaftliche Normen gestützt bzw. kontrolliert. Die spezifische Rollenposition dient demnach der gesellschaftlichen Ordnung, da es zu einer klaren Verteilung der Zuständigkeitsbereiche kommt. Es ist zu erwähnen, dass die persönliche Identität jedes Einzelnen bei der traditionellen Rollentheorie vernachlässigt wird.[2]

Dieser lange Zeit existierenden Vorstellung wird nun der interaktionistische-kommunikative Rollenbegriff gegenübergestellt. Dieser soll eine Modifizierung der traditionellen, ursprünglichen Rollentheorie darstellen. Der prägnanteste Unterschied liegt darin, dass es zu einer Fokussierung auf die „Spielräume der (einzelnen) Personen“[3] Dabei soll die Person der zugeteilten Rolle zwar nachkommen, jedoch als Person selbst Abstand nehmen können. Das ständige Bewusstsein darüber, dass es sich lediglich um eine Rolle handelt, soll zu einem besseren Umgang mit den beschriebenen Erwartungen und final zu einem professionellen Umgang mit der eigentlichen Rolle führen. Diese Theorie berücksichtigt ebenfalls eventuell auftretende Rollenkonflikte, welchen durch den Wandel der Gesellschaft zum Vorschein kommen kann, und nutzt diese, um die Rolle an sich weiterzuentwickeln. Wenn man diese allgemeine Definition von Rollenbegriffen auf den spezifischen Bereich von Lehrkräften überträgt, kann man auch bei der Lehrerrolle gravierende Entwicklungen feststellen.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind die Anforderungen an Lehrkräfte, sowie dessen benötigte Kompetenzen durchaus gewachsen. Dies hat zur Folge, dass Lehrer gegenwärtig deutlich mehr im Fokus stehen als früher. Sie sollen den Schülerinnen und Schülern als Vorbild dienen und die unterschiedlichen Rollen authentisch ausfüllen, um eine nachhaltige Glaubwürdigkeit zu erzielen.[4] So wird die Lehrerpersönlichkeit nicht nur als „Voraussetzung von Erziehung“, sondern auch als „Erziehungsziel“ bezeichnet. Zu der Persönlichkeit gehört die soziale oder kommunikative Kompetenz, welche durch die „[…] Sachkompetenz, die Bezogenheit auf die Welt, aber auch die Kultur und die Natur […]“ ergänzt werden.[5] Es gibt also eine Reihe von Rahmenbedingungen, welche die Persönlichkeit einer Lehrkraft beeinflussen, wobei diese sowohl bewusst, als auch unbewusst einfließen können und empirisch nur schwer messbar sind. Ein Lehrer kann beispielsweise „nicht nicht kommunizieren“.[6] Dies bedeutet ferner, dass eine Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern auch dann vorhanden ist, wenn man versucht diese zu vermeiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Körperhaltung. Ein Vergleich zwischen ängstlicher (links) und selbstbewusster Körperhaltung (rechts)[7]

Die Lehrerpersönlichkeit kann daher aus diesem Grund nicht außen vor gelassen werden, denn selbst die Körpersprache (s.Abb.1) stellt eine individuelle Form der Kommunikation dar und zeichnet somit ein einzigartiges Bild der Persönlichkeit einer Lehrkraft. Desweiteren wird das Kommunizieren zwischen Lehrern und Schülern als ein Beispiel für subjektive Handlung im Lehr- Lernprozess herangezogen.[8]

[...]


[1] Bohnsack, F. (2009): Schule – Verlust oder Stärkung der Person?. S.154

[2] Vgl.: ebd. S.154

[3] Vgl.: ebd. S.154

[4] Kaltwasser, V.: Persönlichkeit und Präsenz: Achtsamkeit im Lehrerberuf. 2010. S.15

[5] Vgl.: ebd. S.64ff.

[6] Vgl.: ebd. S.10

[7] aus: http://p5.focus.de/img/fotos/origs736408/6809135504-w630-h418-o-q75-p5/87932-koerperhaltung-kann-angst-verraten.jpg / http://arbeits-abc.de/wp-content/uploads/2007/12/koerperhaltung.jpg

[8] Kaltwasser 2010. S.10

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Pädagogische Problemsituationen. Lehrerpersönlichkeit und Unterrichtsstörungen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Schulpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V418100
ISBN (eBook)
9783668670563
ISBN (Buch)
9783668670570
Dateigröße
1319 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulpädagogik, Problemsituation, Unterrichtsstörungen, Lehrerauftreten, Lehrerpersönlichkeit, ADHS, Prävention, Intervention, Ursachen, Schüler
Arbeit zitieren
Kevin König (Autor), 2017, Pädagogische Problemsituationen. Lehrerpersönlichkeit und Unterrichtsstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418100

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