Cyber Crime und Cyber Grooming in sozialen Netzwerken


Seminararbeit, 2017

15 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinition
2.1 Cybercrime
2.2 Cyber-Grooming
2.3 Strafrechtliche Erfassung

3 Täter und ihre Vorgehensweise

4 Folgen für die Opfer

5 Prävention und Repression
5.1 Primäre Prävention
5.2 Sekundäre Prävention
5.3 Repression

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die zunehmenden technischen Weiterentwicklungen im Bereich der Kommunikation sind im Internet mittlerweile für fast jeden Menschen zugänglich geworden. Das Internet ist zum Mittelpunkt von Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen geworden, aber auch zum Ort, wo Straftaten verübt werden. Im Netz spielen der Anonymitätsgrad und die steigende Nutzung von sozialen Plattformen oder Verkaufsportalen für viele Menschen eine wichtige Rolle. Besonders für Täter bietet das Internet eine große Auswahl an Internetseiten, auf denen sie ihren Opfern auflauern können. Dabei sprechen sie ihre Opfer gezielt an, um sie später entweder finanziell zu schädigen oder psychisch und körperlich zu missbrauchen.[1] Diese Straftaten werden unter dem Begriff Cybercrime definiert. Hierbei handelt es sich um alle Straftaten, die mit Hilfe von Techniken des Internets verübt oder im Internet selber begangen werden.

Täter, die mit dem Begriff Cybercrime in Verbindung gebracht werden, werden in der Gesellschaft häufig als „Hacker“ bezeichnet. Diese Erscheinungsform ist aktuell am meisten verbreitet und stellt dabei andere Kriminalitätsbereiche, die nicht auf die Manipulation oder Infektion von Netzwerken gerichtet sind, in den Hintergrund.[2] Cybercrime umschreibt hierbei eine Bandbreite illegaler Aktivitäten z.B. Begriffe wie Cybermobbing, Computerbetrug oder Cyber-Grooming.[3]

In der folgenden Hausarbeit werden die Begriffe Cybercrime und Cyber-Gooming erläutert. Weiter wird auf soziale Netzwerke eingegangen und aufgezeigt, auf welche Weise Täter vorgehen, um Kontakt zu ihren Opfern aufzubauen. Anschließend wird auf die Opfer und die Folgen des Cyber-Grooming eingegangen. Darüber hinaus werden sowohl präventive als auch repressive Maßnahmen vorgestellt.

2 Begriffsdefinition

In Deutschland wird sowohl der Begriff der IuK-Kriminalität (Informations- und Kommunikations-Kriminalität), als auch des Cybercrime (Computer- und Internetkriminalität) genutzt, wobei die Begriffe bedeutungsgleich verwendet werden.[4]

Es wird bei dem Begriff der IuK-Kriminalität zwischen einer engeren und weiteren Auslegung unterschieden.[5]

2.1 Cybercrime

Der Begriff Cybercrime im engeren Sinne wird vom Bundeskriminalamt folgendermaßen definiert: „Cybercrime umfasst die Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten (Cybercrime im engeren Sinne) oder mittels dieser Informationstechnik begangen werden.“[6] Hierbei handelt es sich um Straftaten nach dem Strafgesetzbuch wie z.B. der § 202b StGB (Abfangen von Daten), §263a StGB (Computerbetrug) oder § 303b StGB (Computersabotage).[7]

Bei dieser Form spricht man auch von der Computerkriminalität, für dessen Zwecke die Nutzung des Internets nicht zwingend notwendig ist.

Cybercrime im weiteren Sinn umfasst alle Straftaten, die mittels Informations- und Kommunikationsmedien, wie dem Internet oder Telefon, vorbereitet und durchgeführt oder begünstigt werden.[8] Hier drunter sind Cybercrime-Begriffe wie z.B. Cybermobbing, Cyberstalking oder Cyber-Grooming zu subsumieren.

Bei dieser Form spricht man von der Internetkriminalität, da die Straftaten mit Hilfe des Internets oder dessen Technik begangen werden.[9]

2.2 Cyber-Grooming

Cyber-Grooming, aus dem englischen „to groom“ (aufbauen, heranziehen), bezeichnet die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen über soziale Internetplattformen oder Online-Medien mit dem Ziel, einen Kontakt zu Kinder herzustellen. Dabei wird versucht ein Vertrauen zu Kindern aufzubauen mit dem späteren Ziel, diese für ihre sexuell orientierten Absichten unter Druck zu setzen oder zu missbrauchen.[10]

2.3 Strafrechtliche Erfassung

Die strafrechtliche Erfassung des Cyber-Grooming findet sich im § 176 Abs. IV Nr.3 StGB wieder. Der Tatbestand wurde mittels Schließung einer Strafbarkeitslücke im Jahr 2004 geschaffen, um auch bis dato straflose Handlungen, die auf einen sexuellen Missbrauch von Kindern gerichtet sind (auch ohne Körperkontakt), unter Strafe zu stellen.[11] Nach dem bis zur Gesetzesänderung geltenden Recht, war die Kriminalpolitik der Auffassung, dass das Recht solche Taten nicht erfassen würde, in denen pädophile Personen Kontakte in Chatrooms zu Kindern aufbauen mit dem Ziel, diese zu missbrauchen.

Nach dem § 176 Abs. Nr.3 StGB macht sich strafbar wer: „auf ein Kind mittels Schriften (§11 Absatz 3) oder mittels Informations- oder Kommunikationstechnologie einwirkt, um das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einer dritten Person vornehmen oder von dem Täter oder einer dritten Person an sich vornehmen soll.“

Das Tatbestandsmerkmal „Einwirken“ meint einen psychischen Einfluss und das Hervorrufen von einer bestimmten Wirkung bei dem Opfer.[12] Es verlangt zudem ein gewisses Überreden, Drängeln, Täuschen, Einschüchtern oder Drohen als weitere Formen der Beeinflussung.[13]

Das Tatbestandsmerkmal „Schriften“ umfasst Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen und andere Darstellungen sogenannter Speichermedien.[14]

Wobei der Begriff der Informations- und Kommunikationstechnologie weiter umfassend ist und die „Nicht-Trägermedien“ versteht, wie die Chat-Kommunikation im Internet, in der lediglich Daten versendet werden.[15]

3 Täter und ihre Vorgehensweise

Das Internet bietet Kindern und Jugendlichen eine Vielzahl von Chaträumen, in denen spezielle Interessen, Anschauungen oder Unterhaltung geboten werden wie www.diddl.de, www.mail4kids.de oder www.cyberzwerge.de.

Der Tätertypus, der in solchen Chaträumen vertreten ist, ist unterschiedlich. Zum einen gibt es Täter, die langfristig vorgehen, um ihre Opfer psychisch zu manipulieren und so eine relativ geringe Anzahl an Opfern schädigen und zum anderen solche, die kurzfristig auf eine sexuelle Interaktion oder das Versenden von Nacktfotos abzielen und dabei relativ viele Opfer schädigen.[16]

Diese Täter bauen Kontakte zu Minderjährigen auch in Online-Games für Kinder auf, welche einen hohen Chatanteil aufweisen. Dabei verstecken sie sich hinter falschen Benutzerprofilen, um den Anschein zu erwecken, gleichaltrig zu sein.

Dabei ist der Ablauf häufig der gleiche. Cyber-Groomer sprechen gezielt mit falschen Namen oder Alter eine Person an, um ein Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen. Hier werden Sorgen, Ängste oder Wünsche angesprochen, um eine Vertrauensbasis herzustellen.[17] Durch weitere Gespräche werden von dem Opfer Informationen erlangt, die Aufschlüsse bezüglich des sozialen Umfelds oder über das Opfer selber geben. Viele Täter haben genaue Vorstellungen davon, wie sie die Neugier ihrer Opfer wecken können. Dabei beobachten sie nicht nur die Interessen und aktuelle Gesprächsthemen, sondern auch den Chat-Stil mit denen Kinder und Jugendliche schreiben und eignen sich diesen an.[18] Umso schwieriger ist es für die Opfer zu erkennen, ob es sich in der Anfangsphase, also der Vorbereitung für einen möglichen Missbrauch, um gleichaltrige Personen oder eine Person mittleren Alters handelt.

Sobald ein erkennbares Opfer Interesse am Gespräch aufzeigt, verlagern die Täter - um ein mögliches Entdeckungsrisiko durch andere User zu reduzieren - die weitere Kommunikation im Chatportal in sogenannte „Flüsterräume“, also Räume zum näheren Kennenlernen, zum Tausch von Emailadressen und Telefonnummer, für einen ungestörten und intensiveren Kontakt.[19]

Nach und nach wird im Verlauf des Gesprächs auf intime Details eingegangen, um für den späteren Verlauf ein Druckmittel zu erlagen. Mit diesen neuen Informationen wird versucht, an aufreizende Fotos vom Opfer und weiteres Material, welches später als Druckmittel dient, zu gelangen oder ein Treffen im reellen Leben zu erzwingen. Um weiteren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wird gedroht, erlangtes Material in sozialen Netzen zu veröffentlichen.

Cyber-Groomer verfolgen nicht immer die Absicht ihre Opfer sexuell zu missbrauchen. Oft schicken Täter den Opfern Nacktbilder von sich oder ihres oder eines erigierten Penis oder nötigen diese, sich vor der Webcam auszuziehen.[20] Ihre Befriedigung sehen sie auch in Gesprächen mit sexuellen Inhalten oder dem Austausch von intimen Geheimnissen ihrer Opfer oder dem Verschicken von Fotos im Bikini.[21]

[...]


[1] Weiler, Julia von (2011): Im Netz. Tatort Internet - Kinder vor sexuell Gewalt schützen. Freiburg, Br.: Kreuz, S.13f.

[2] https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Internetkriminalitaet/internetkriminalitaet_node.html (aufgerufen am 14.11.2017) (künftig zitiert: BKA 2017)

[3] BKA 2017

[4] Wernert, M. (2017): Internetkriminalität. Grundlagenwissen, erste Maßnahmen und polizeiliche Ermittlungen. 3. Auflage. Stuttgart: Richard Boorberg Verlag, S.28. (künftig zitiert: Wernert, M. (2017)

[5] Kochheim, D. (2012): IuK-Strafrecht. System, Begriffe, und Fallbeispiele, S.9f.

[6] BKA 2017

[7] Wernert, M. (2017), S.29f.

[8] Wernert, M. (2014): Internetkriminalität. Grundlagenwissen, erste Maßnahmen und polizeiliche Ermittlungen. 2., aktualisierte Aufl. Stuttgart: Boorberg, S.17.

[9] Siller, H. (2017). Springer Gabler Verlag (Hrsg.) http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/1408491/computerkriminalitaet.html (aufgerufen am 11.11.2017)

[10] von Weiler, J. (2014). Im Netz ­ Kinder vor sexueller Gewalt schützen. (1. Auflage). Freiburg im Breisgau: Herler Verlag. S.16f. (künftig zitiert: von Weiler, 2014)

[11] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/15/003/1500350.pdf, S.16ff. (aufgebrufen am 12.11.2017)

[12] BT-Drs. 15/350, S.18.

[13] BGH NStZ 2000, 86.

[14] http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/073/1307385.pdf, S.36. (aufgerufen am 12.11.2017)

[15] Gercke, M.; Brunst, P. W. (2009): Praxishandbuch Internetstrafrecht. Stuttgart: Kohlhammer (Rechtswissenschaften und Verwaltung Handbücher). Rn. 360.

[16] von Weiler, 2014, S. 83.

[17] von Weiler, 2014, S. 112ff.

[18] von Weiler, 2014, S. 74,98.

[19] von Weiler, 2014, S. 73.

[20] von Weiler, 2014, S. 99.

[21] Mathiesen, A. (Hg.) (2014): Cybermobbing und Cybergrooming. Neue Kriminalitätsphänomene im Zeitalter moderner Medien, S. 18. Online verfügbar https://www.jura.uni-hannover.de/fileadmin/fakultaet/Institute/KI/Jahrbuecher/2014_-_Band_I_-_AM_-_Endfassung.pdf (aufgerufen am 12.11.2017)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Cyber Crime und Cyber Grooming in sozialen Netzwerken
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Veranstaltung
Proseminar
Note
2.3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V418428
ISBN (eBook)
9783668675773
ISBN (Buch)
9783668675780
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cyber, crime, grooming, netzwerken
Arbeit zitieren
Robert Grocholski (Autor:in), 2017, Cyber Crime und Cyber Grooming in sozialen Netzwerken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418428

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