Erzähltextanalyse in Ludwig Tiecks "der blonde Eckbert"


Hausarbeit, 2004

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Zeitstruktur
2.1) Ordnung
2.2) Dauer
2.3) Frequenz

3) Modus
3.1) Distanz
3.2) Fokalisierung

4.) Fazit

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Im Folgenden wird ein frühromantischer Text auf seine theoretischen Merkmale der Narrativik hin untersucht. Dabei handelt es sich um die Erzählung „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck.

Diese Arbeit wird sich hauptsächlich auf die erzähltheoretische Analyse beziehen und die interpretativen Aspekte dieser Geschichte auf Grund des vorgegebenen Umfangs der Hausarbeit aussparen.

2.) Zeit

Hier wird die strukturelle Ordnung der Geschehnisse und das Verhältnis zwischen der Zeit der Erzählung und der Zeit des Geschehens untersucht

2.1) Ordnung

Die Tiecksche Erzählung erscheint in einer narrativen Anachronie, also einer Umstellung der chronologischen Ordnung einer Ereignisfolge[1]. Einer der zentralsten Analepse, spiegelt sich in Bertas Kindheitserinnerungen in Form einer von ihr erzählten Geschichte wider.[2]

Diese Berichterstattung kann als Binnenerzählung gewertet werden, denn sie gliedert sich in die Rahmenhandlung ein, die in der fiktionalen Gegenwart geschieht.

In der Phase der Flucht vor dem Elternhaus erinnert sich Bertha an ihre Kindheit zurück, und wie sehr sie sich vor dem Wort „Gebürge“ gefürchtet hat. Dies ist eine Analepse innerhalb der Binnenerzählung.[3]

Diese wird ebenfalls durch Rückwendungen in die fiktive Gegenwart unterbrochen, z.B. in dem Berta sich direkt an Walter wendet um sich für ihre „Weitschweifigkeit“ zu entschuldigen.[4]

Eine Rückwendung in die fiktionale Gegenwart lässt sich ebenfalls erkennen, als sich Bertha an ihre Empfindungen in der Zeit bei der alten Frau erinnert und versucht, sich im Nachhinein, an den Namen des kleinen Hundes zu erinnern.[5]

In Form einer direkten Rede spricht Bertha die Zuhörer ihrer Geschichte in der fiktionalen Gegenwart an, als sie sich wegen ihrer schwärmerischen Gedanken in ihrer Jugend rechtfertigt.[6]

Ein für die Geschichte, zentrales Motiv, ist die Drohung der alten Frau, indem sie zukunftsgewiss und in direkter Rede vorrausdeutet, dass „(…) wenn Du so fortfährst, wird es Dir auch immer gut gehen: aber nie gedeiht es, wenn man von der rechten Bahn abweicht, die Strafe folgt nach, wenn auch noch so spät“. (Zitat: Tieck 1985, Z. 322-325)

Während sie vor der alten Frau flieht, träumt Bertha von ihrer Drohung. Somit findet eine Rückbesinnung zu diesem einschneidenden Erlebnis statt.[7]

Fast zur gleichen Zeit sinniert sie über die vergangene Flucht aus dem Elternhaus und sie wünschte sich „(…) wieder in derselben Lage zu sein“.

Diese Analepse innerhalb der Binnenerzählung macht einen direkten Vergleich der beiden Fluchtsituationen Berthas möglich.[8]

Am Ende ihrer Erzählung versucht ihr Ehemann Eckbert, mit Hilfe direkter Rede, dem Besucher ihre damalige Ausstrahlung auf ihn zu erklären, welche sich ebenfalls als Analepse in die Rahmenerzählung einfügt.[9]

Nach Berthas und Walters Tod erinnert sich Eckbert an diese „schöne Ruhe“, die er damals zu deren Lebzeiten hatte und wendet sich in der Zeitordnung zurück.[10]

Das Ende der Geschichte wird durch eine Analepse aufgeklärt, indem Eckbert von der alten Frau erfährt, dass sie selbst seine besten Freunde Walter und Hugo war. Im gleichen Dialog der beiden Figuren wird deutlich, dass Bertha seine Schwester sei, da sie zwar den gleichen Vater hatten, das Mädchen aber als Kleinkind zu einem Hirtenpaar gegeben wurde.[11]

Die Binnenerzählung weist viele Rückwendungen auf, die meistens in Form von Berthas Gedanken oder Sprechakten in die fiktive Gegenwart greifen und deshalb an die Figurenperspektive gebunden sind.[12]

2.2) Dauer

Hier soll der Text nach der Übereinstimmung von Erzählzeit und erzählter Zeit sowie deren stilistischen Mittel der Abweichung[13] untersucht werden.

Zu Beginn des Textes werden einige der Hauptfiguren und deren Wohnsitz in einer Art referentiellen Exposition[14] durch einen auktorialen Erzähler vorgestellt.[15]

Diese Einführung gibt Auskunft über die Geschehnisse in der Vergangenheit, welche zu der fiktiven Gegenwart führt, in der Eckbert, Walter und Bertha am Feuer eines Kamines sitzen.

Zwischen der fiktiven Gegenwart des Beisammensitzens und der Exposition ist ein innerer Monolog des auktorialen Erzählers eingeschoben, der sowohl als zukunftsgewisse Vorrausdeutung als auch in Form einer Pause gedeutet werden kann, denn dies ist eine „[…] Beschreibung, […] oder Reflexion eines Erzählers, die nicht aus der Perspektive einer handelnden Figur erfolgen und die insofern nicht in die Zeit der erzählten Geschichte eingebunden sind. Nicht die Erzählzeit [..] ,sondern die Geschichte und damit die erzählte Zeit steht in diesem Fall still.“ (Zitat: Martinez/ Scheffel 2003, S. 44)

Diese Botschaft des Erzählers, die den Rezipienten zum Mitwisser über die in der Zukunft liegenden Ereignisse macht, da sich Eckbert und Bertha erst in der Zukunft enttarnen und Walter zum Mitwisser machen, kann auch als Vorrausdeutung beschrieben werden.[16]

Im Gespräch am Kamin wird ein narrativer Grundrythmus deutlich, der sich fast in jeder Erzählung finden lässt. Es findet ein Wechsel zwischen summarischen und szenischen Erzählen statt. Die Beschreibung der Szene bis zur ersten Sprechhandlung Eckberts ist gerafft.

Zwischen der direkten Rede Eckberts und Berthas finden sich ein Erzählerkommentar, der sich auf eine Situationsbeschreibung in einer Bühnenanweisung beschränkt.[17]

Durch den Wechsel von summarischem zu szenischem Erzählstil wird die Erzählgeschwindigkeit verlangsamt und der Rezipient verliert die Distanz zum Geschehen, das Erzählte wandelt sich vom narrativen in einen dramatischen Modus.[18]

Die nun folgende summarische Binnenerzählung der homodiegetischen Erzählerin beginnt mit einer unbestimmten und impliziten Ellipse, denn sie beginnt mit der Geburt Berthas in einem

Dorf und fährt mit dem Bewusstsein der Beschimpfungen ihres Vaters fort.[19]

[...]


[1] Vgl. Martinez, Matias u. Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München 2003 S.33ff

[2] Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. in: Meier, Albert/ Schmitz, Walter u. a. (Hg.): Erzählungen der deutschen Romantik. München 1985. S. 8-18 (Zeile 56-465).

[3] Vgl. Ebenda, S. 9 (Z. 109-111)

[4] Vgl. Ebenda, S. 9+10 (Z. 119-122).

[5] Vgl. Ebenda, S. 13 (Z. 273-279).

[6] Vgl. Ebenda, S. 14 (Z. 310+311).

[7] Vgl. Ebenda, S. 16 (Z. 396+397).

[8] Vgl. Ebenda, S. 16 (Z. 406-409).

[9] Vgl. Ebenda, S. 18 (Z. 466-472).

[10] Vgl. Ebenda, S. 20 (Z. 565-569).

[11] Vgl. Ebenda, S. 22 u. 23 (Z. 649-666).

[12] Vgl. Martinez, Matias u. Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München 2003. S. 34

[13] Diese sind die fünf Grundformen der Erzählgeschwindigkeit: szenisches Erzählen, Dehnung, Raffung, Ellipse und Pause.

[14] Vgl. Pfister, Manfred: Das Drama. Theorie und Analyse. 11 Aufl. München 2001 S. 153ff.

[15] Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. in: Meier, Albert/ Schmitz, Walter u. a. (Hg.): Erzählungen der deutschen Romantik. München 1985 S. 7 (Z. 1-26).

[16] Vgl. Ebenda, S. 7 (Z. 27-33).

[17] Vgl. Ebenda, S. 8 (Z. 50-52)

[18] Vgl. Ebenda, S. 8 (Z. 34-55)

[19] Vgl. Ebenda, S. 8 (Z. 56-66)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erzähltextanalyse in Ludwig Tiecks "der blonde Eckbert"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Einführung Literaturwissenschaft
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V41843
ISBN (eBook)
9783638400244
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzähltextanalyse, Ludwig, Tiecks, Eckbert, Einführung, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Verena Läufer (Autor), 2004, Erzähltextanalyse in Ludwig Tiecks "der blonde Eckbert", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41843

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