Ursachen von Jugendkriminalität und Gewalt


Seminararbeit, 2017
15 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1Einleitung

2 Begriffsdefinition
2.1 Kriminalität
2.2 Devianz
2.3 Delinquenz

3 Formen der Jugendkriminalität
3.1 Verhaltensauffällige
3.2 Mehrfach Intensivtäter
3.3 Gruppendelinquenz

4 Ursachen
4.1 Familie
4.2 Wohnort
4.3 Medien

5 Prävention
5.1 Schule
5.2 Jugendhilfe
5.3 Polizei
5.4 Soziale Kontrolle
5.5 Mehrfach- und Intensivtäter

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kriminelle Jugendliche sind ein ständiger Bestandteil verschiedenster Medien[1]. Jugendgewalt und Jugendkriminalität sind in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert worden und es kommt ständig die Frage auf, was die Gründe für ein derartiges Verhalten sind. Die Debatten reichen dabei vom Drogenkonsum, Diebstahl über Körperverletzung bis hin zu Amokläufen. Die vorliegende Arbeit betrachtet sowohl die Ursachen jugendlicher Kriminalität als auch die Entstehung junger Mehrfach- und Intensivtäter. Im zweiten Teil der Arbeit sollen die Begriffe Kriminalität, Devianz und Delinquenz erläutert werden, um eine Definitionsgrundlage zu schaffen. Im dritten Teil soll auf die Formen von Kriminalität im Jugendalter eingegangen werden. Im vierten Teil sollen die Ursachen betrachtet werden. Der fünfte Teil stellt präventive Maßnahmen vor. Abschließend werden im Fazit die Wirkungen von Maßnahmen kritisch beleuchtet. Der Begriff „Jugendliche“ umfasst Personen von 14 bis unter 18-Jährige[2]und bezieht sich im folgendem Verlauf der Arbeit nur auf diese Altersgruppe.

2 Begriffsdefinition

Die Begriffe wie Kriminalität, Devianz und Delinquenz werden oft einem Atemzug genannt. Hinsichtlich eine Differenzierung dieser Begriffe muss die Frage gestellt werden, welches Verhalten als kriminell, deviant oder als delinquent einzustufen ist.

2.1 Kriminalität

Von Kriminalität spricht man, wenn eine Person gegen zurzeit gültige Strafgesetze verstößt, also Tathandlungen vornimmt, die im Strafgesetzbuch und in den strafrechtlichen Nebengesetzen (zum Beispiel dem Betäubungsmittelgesetz- oder Waffengesetz) unter Strafe gestellt sind.[3]

2.2 Devianz

Der Begriff des abweichenden Verhaltens (Devianz) bezeichnet Verhaltensoptionen, die alternativ zu den allgemeinen Kultur- Norm- oder Wertevorstellungen bestehen. Abweichendes Verhalten lässt sich nur in Bezug auf ein Normalverhalten, eine Verhaltenserwartung oder festgeschriebene Verhaltensmuster erklären. Verhalten unterliegt einer subjektiven Reflektion durch den Gegenüber. In jeder Gesellschaft existieren feste Vorstellungen und Regeln, wie sich der Einzelne in bestimmten Situationen verhalten sollte.[4]

2.3 Delinquenz

Delinquenz ist eine Teilmenge von Devianz. Delinquenz orientiert sich ausschließlich an rechtliche Grundlagen und wird als Tendenz, rechtliche Grenzen zu überschreiten, verstanden. Der Begriff ist aus der amerikanischen Kriminologie in den deutschen Sprachgebrauch eingedrungen und wird häufig in Diskussionen über Jugend- und Kinderkriminalität als Ersatz für Kriminalität ausgesprochen.[5]

3 Formen der Jugendkriminalität

Gewaltdelikte, zu denen leichte-, gefährliche- und schwere Körperverletzungen gehören, bilden das erste zentrale Problem im Bereich der Jugendkriminalität. Die Täter zwischen 14 und 18 Jahre alt, werden geschlechtsneutral in Tab.1 Dargestellt. Neben dem Vorigem bildet die Bereicherungskriminalität den zweiten Schwerpunkt. Dazu zählen Diebstahl, Unterschlagung, Raub, Erpressung, Betrug und Hehlerei. In der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden, aufgrund polizeilicher Tätigkeiten ermittelte, Straftaten und Tatverdächtige erfasst. Hierbei werden keine Verfahrenseinstellungen berücksichtig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Jugendliche Tatverdächtige

Quelle: Eigene Darstellung, Zahlen: www.Bka.de/PKS

Die Zahl der tatverdächtiger Jugendlicher ist bezogen auf „Straftaten insgesamt“ um 14.5 Prozent auf 218.025 im Jahr 2015 (2014: 190.352)[6] angestiegen. Gewalt- und Bereicherungsdelikte haben einen leichten Rückgang (Abb.1) zu verzeichnen. Zwar kann anhand von Statistiken ein Rückgang von den oben genannten Deliktarten belegt werden, doch erfassen diese Zahlen nicht die ansteigende Gewalt, mit deren Hilfe Jugendliche immer häufiger vorgehen.[7] Diese Brutalität ist es, welche den Eltern, Pädagogen und Institutionen, wie der Polizei, Sorgen bereitet. Weitere Delikte, wie Gewalt an Schulen, in Jugendfreizeitstätten und an öffentlichen Plätzen, wie Bahnhöfen, sind oft mit fremdenfeindlichen Hintergründen verübte, spontane Handlungen und werden, wenn sie nicht zur Anzeige gebracht werden, nicht in der PKS aufgeführt. Damit ist festzustellen, dass die Dunkelziffer in allen Deliktsbereichen groß ist und die Bereitschaft zur Anzeige von Opfern relativ gering. Somit ist die Entwicklung des Hellfeldes stark von der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung und Polizeiarbeit abhängig.

3.1 Verhaltensauffällige

Es ist im Einzelfall problematisch Verhaltensstörungen an Jugendlichen zu diagnostizieren. Dabei muss bei einer Störung zuerst eine Definition entwickelt werden. Eine Störung liegt vor, bei einer schlechten Anpassung oder Abweichung von dem Verhalten, das unseren kulturellen Erwartungen entspricht. Dabei sind oft mehrere Bereiche des Verhaltens betroffen, welche sich auf das Lernen, auf zwischenmenschliche Kommunikation oder das Interagieren in Gruppen auswirken. Verhaltensauffällige zeigen Störungen wie Aggression, Hyperaktivität oder Aufmerksamkeitsstörungen aber auch Angst, das Gefühl von Minderwertigkeit, Interessenlosigkeit, schneller Reizbarkeit, Frustration und einer niedrigen Hemmschwelle zu Gewalt.[8]Dieses sozial unreife und delinquente Verhalten deutet sich bereits in der Vorschule an und kommt im späteren Verlauf, in der Schule, stärker zum Vorschein.

Zu den in den Schulen vorkommenden Handlungen, die als deviant aber auch als delinquent einzustufen sind, gehören zum Beispiel das Beschmieren von Wänden oder Schulbänken (Sachbeschädigung), das Anfertigen von elterlichen Unterschriften bei Fehltagen (Uhrkundenfälschung), Rangeleien oder Schlägereien (Körperverletzung) oder das Greifen der Mitschülerin unter den Rock (sexuelle Nötigung). Die Erziehung zu einem sozialkonformen Verhalten und zur Gemeinschaftsfähigkeit ist nicht nur Aufgabe der Eltern oder von Pädagogen. Es ist auch Aufgabe der Gesellschaft.[9]

3.2 Mehrfach Intensivtäter

Es gibt keine anerkannte einheitliche Definition für junge Mehrfach- Intensivtäter. „Jugendliche Mehrfach- Intensivtäter“ sind Kinder und Jugendliche, die mindestens zweimal im Jahr als Tatverdächtige in Erscheinung getreten und denen dabei mindestens fünf Straftaten zuzurechnen sind.[10]Die Mehrfachdelinquenz ist in der kriminologischen Forschung ein viel beobachtetes Phänomen.

Dabei werden Beobachtungen und Analysen individueller Lebensläufe von Mehrfach- und Intensivtätern durchgeführt, um Erscheinungen wiederholten Handelns so früh wie möglich zu unterbinden. Polizei und Strafvollzug sind dabei bemüht, durch spezielle Maßnahmen, Jugendliche von ihrer kriminellen Kariere abzubringen. Dabei spielen die Aspekte: Beginn, Alter, Dauer, Art der Handlungen und ein Ende der Karriere eine wichtige Rolle. Diese sind notwendig, um eine wirksames und gezieltes Konzept erstellen zu können.

Die Reduzierung auf das Handeln des Täters hat zur Folge, dass repressive Maßnahmen (Inhaftierung), in Form sozialer Kontrolle stark dominieren und Präventive dabei in den Hintergrund treten. Die Umstände, dass Delinquente zu anderen Delinquenten Kontakte knüpfen, kleine bis große Gruppierungen Krimineller auch familienübergreifend leichten Zugang zu Drogen oder Waffen haben, erschweren einen Abbruch einer Karriere.[11]Dabei sind es die Eltern als Kontrollakteure, die einen Starken Einfluss auf die Jugendlichen ausüben und öfter von Straftaten erfahren als die Polizei. Nicht selten leben diese ein kriminelles Verhalten vor oder tolerieren es bei ihren Kindern.

Viele Straftaten werden in Gruppen begangen. Eine Gruppe ist eine soziale Einheit von drei Personen und mehr, die durch ein starkes „wir-Gefühl“ geprägt ist und ein gemeinsames Ziel verfolgt.[12]Dies führt zu einem Gruppenbewusstsein und einer Gruppendynamik. Hierbei wird oft von Gruppendelinquenz gesprochen. Um in der Gruppe akzeptiert zu werden, müssen selbst erstellte Normen und Anforderungen befolgt und erfüllt werden. Jugendliche, die sich in einer Gang organisieren, haben in der Regel keinerlei Perspektiven, schlechte Noten, Probleme in der Schule oder keinen Abschluss, und suchen in den „Peer Groups“ nach Anerkennung und Zusammenhalt. Peergroups sind Jugendcliquen mit gewaltorientierten Verhaltensweisen.[13]Diese Gruppen geben den Jugendlichen ein Gefühl von Geborgenheit, Verständnis und Stärke. Die Mehrfach- und Intensivtäter ziehen einen wirtschaftlichen und sozialen Nutzen aus ihren kriminellen Handlungen und sichern sich somit einen gewissen Status, welchen sie durch sozial konformes Verhalten, aus ihrer Sich , nicht erreichen können oder es nicht wollen. Vorbilder in Gangs vermitteln durch Schnelle Autos und teure Kleidung, finanziert beispielsweise durch den Verkauf von Drogen, dass dieses Verhalten gewinnbringender ist als ein guter Schulabschluss oder eine Ausbildung.

Die Tabelle (Tab.2) verdeutlicht, dass ca. ein Viertel der Täter wiederholt Delikte verüben. Dabei sind hohe Rückfallquoten bei der Beschaffungskriminalität (Eigentumsdelikte) zu verzeichnen. Es ist auch ein Zusammenhang zwischen Vorstrafen und dem Rückfallrisiko auszumachen. Fraglich ist, ob Haftstrafen nachhaltigere Wirkungen als mildere Sanktionen, wie Geldstrafe oder jugendrichterliche Sanktionen aufweisen. Andererseits kann eine im Verhältnis zur Tat, zu milde Strafe, keine abschreckende Wirkung erzielen und schnell zu einem Verfall des Respekts am deutschen Rechtsstaat führen. Der Anteil der Mehrfachtäter bei Jugendlichen liegt bei ca. 25%. Dies verdeutlicht, dass die Rückfallquote hoch ist und deren Bekämpfung sowohl präventiv als auch repressiv einer großen Anstrengung bedarf.

[...]


[1]http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/themen/jugendgewalt-4143090.html

[2]http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16457/jugendlicher

[3]Vgl. Dietsch/Gloss 2005, S. 86

[4]Vgl. Dollinger 2006, S. 12

[5]Vgl. Dollinger 2006, S. 12f

[6]PKS 2015

[7]http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/203562/zahlen-und-fakten?p=all

[8]Vgl. Keller 1994, S. 158ff

[9]Vgl. Dewey 1968, S. 14

[10]Vgl. Pöge, 2007 S.97ff

[11]http://www.zeit.de/2013/29/libanon-clans-kriminalitaet-deutschland

[12]Hillmann 2007

[13]Vgl. Baier 2010, S.85

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ursachen von Jugendkriminalität und Gewalt
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Köln
Note
2.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V418434
ISBN (eBook)
9783668675636
ISBN (Buch)
9783668675643
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugend, Kinder, Kriminalität, Gewalt, Körperverletzung, Polizei, Strafe
Arbeit zitieren
Robert Grocholski (Autor), 2017, Ursachen von Jugendkriminalität und Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418434

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