Wer war Paulus? Dieser Frage ist schon sehr oft nachgegangen worden. Paulus als der Bekehrte, Paulus als Apostel der Heiden, Paulus der einen guten Teil des Neues Testaments sein Werk nennen kann. Für seine Theologie ist es wichtig zu wissen, wie der Apostel sich selbst gesehen hat. Damit beschäftigt sich diese Arbeit. Dafür werden zuerst die Quellen, die über Paulus vorhanden sind genannt. Des Weiteren wird die Chronologie des paulinischen Wirkens betrachtet. Dazu muss man zwischen der absoluten und der relativen Chronologie unterscheiden. Um nachvollziehen zu können, wie sich der Apostel selbst gesehen hat, ist es hilfreich, einige Fakten aus seinem Leben zu erwähnen. Dies soll in aller Kürze in Punkt vier geschehen. Den Hauptteil der Arbeit stellt die Fragestellung dar, wie Paulus sich selbst gesehen hat. Als Quelle dienen hierzu die Protopaulinen. Anhand von Bibelzitaten aus Paulus’ Briefen soll zusammen getragen werden, wie seine eigene Sichtweise war.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Woher wissen wir etwas über den Apostel Paulus?
3 Das Problem der Chronologie des paulinischen Wirkens
3.1 Die absolute Chronologie
3.2 Die relative Chronologie
4 Kurzer Abriss über das Leben des Apostel Paulus
5 Wie sah sich Paulus selbst?
5.1 Paulus über seine Herkunft
5.2 Wie beurteilt Paulus sich selbst?
5.3 Wie versteht Paulus sein Apostelamt?
5.4 Beeinflussen seine Leiden die Christologischen Aussagen?
5.5 Welche Angaben macht Paulus über die Ereignisse seiner Zeit?
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Selbstverständnis des Apostels Paulus, indem sie primär die Protopaulinen analysiert, um eine fundierte Antwort auf die Frage nach seiner persönlichen Sichtweise zu finden. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Paulus seine eigene Rolle, Herkunft und sein Leiden im Kontext seines Wirkens reflektiert.
- Analyse der Quellenlage zur Person Paulus (Protopaulinen vs. Apostelgeschichte)
- Rekonstruktion der absoluten und relativen Chronologie des Wirkens
- Untersuchung des paulinischen Selbstverständnisses bezüglich Herkunft und Apostelamt
- Reflektion der Bedeutung von Leiden für seine christologischen Aussagen
- Interpretation von Paulus’ Umgang mit seiner Vergangenheit als Christenverfolger
Auszug aus dem Buch
5.2 Wie beurteilt Paulus sich selbst?
Paulus sieht sich als der „geringste unter den Aposteln“ (1. Kor 15,9) an, da er es nicht wert sei, ein Apostel genannt zu werden. Er führt dies auf seine früheren Verfolgungen der Christengemeinden zurück. Dies könnte bedeuten, dass sich der Apostel sehr für sein damaliges Verhalten schämt. Er kann jetzt von Gottes Gnade „profitieren“, die Gott ihm geschenkt hat (1. Kor 15,10f). Paulus betrachtet sich selbst als einen besonders fleißigen Arbeiter Gottes, da er mehr Arbeit für diese Gnade aufgewendet hat als andere (1. Kor 15,10). Als seine Autorität angefochten wird, ist er der Meinung, dass er „nicht weniger sei als die Überapostel“ (2. Kor 11, 5) sei. Diese Aussage relativiert seine erste, bei der er sich als der „geringste unter den Aposteln“ bezeichnet. Der Apostel spricht von sich als ungeschicktem Redner (2. Kor 11, 6), aber er hebt gleichzeitig seine besonderen Fähigkeiten in der Erkenntnis hervor. Auch sieht er sich selbst als besonders begünstigter Zungenredner an. „Ich danke Gott, dass ich mehr in Zungen rede als ihr alle“ (1. Kor 14, 18).
Besondere Bedeutung wie Paulus sich selbst sieht, zeigt sie Stelle Gal 1,15. Hier erläutert Paulus wie er sein Apostelamt zu verstehen weiß. Er sieht sich als bereits im Mutterleib für dieses Amt auserwählt und berufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Selbstverständnis des Apostels Paulus vor und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand der Protopaulinen.
2 Woher wissen wir etwas über den Apostel Paulus?: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Quellenlage, wobei zwischen den authentischen Protopaulinen, den Deuteropaulinen und der Apostelgeschichte unterschieden wird.
3 Das Problem der Chronologie des paulinischen Wirkens: Hier wird die chronologische Einordnung des Wirkens in absolute und relative Zeiträume diskutiert, um eine methodische Basis für die biographische Analyse zu schaffen.
3.1 Die absolute Chronologie: Dieser Abschnitt erarbeitet anhand historischer Fixpunkte wie dem Claudius-Edikt und der Gallio-Inschrift gesicherte Datierungen.
3.2 Die relative Chronologie: Hier wird der zeitliche Ablauf der Missionsreisen und Ereignisse ausgehend von den absoluten Daten vorwärts und rückwärts rekonstruiert.
4 Kurzer Abriss über das Leben des Apostel Paulus: Dieser Teil fasst die biographischen Eckdaten zusammen, von der Herkunft aus Tarsus bis hin zu seinem vermuteten Märtyrertod in Rom.
5 Wie sah sich Paulus selbst?: Das Hauptkapitel analysiert das Selbstbild des Apostels, indem es seine Herkunft, sein Apostelamt und seine persönliche Leidensgeschichte beleuchtet.
5.1 Paulus über seine Herkunft: Dieser Abschnitt untersucht Paulus' Identität als Jude und seine Vergangenheit als Pharisäer und Christenverfolger.
5.2 Wie beurteilt Paulus sich selbst?: Hier wird die Spannung zwischen seiner Demut als „geringster Apostel“ und seinem Selbstbewusstsein als Beauftragter Gottes analysiert.
5.3 Wie versteht Paulus sein Apostelamt?: Dieses Unterkapitel beschreibt die Berufung durch Gott und das Selbstverständnis als Apostel der Heiden.
5.4 Beeinflussen seine Leiden die Christologischen Aussagen?: Hier wird der Zusammenhang zwischen Paulus' physischem Leid und seiner Theologie der Kraft in der Schwachheit untersucht.
5.5 Welche Angaben macht Paulus über die Ereignisse seiner Zeit?: Dieser Abschnitt analysiert, wie Paulus aktuelle Ereignisse und Gemeindekonflikte in seinen Briefen verarbeitet.
6 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Person und das Selbstbild des Apostels Paulus zusammen.
Schlüsselwörter
Paulus, Apostel, Protopaulinen, Selbstverständnis, Apostelamt, Chronologie, Christentum, Heidenmission, Neues Testament, Pharisäer, Theologie, Leiden, Gnade, Paulusbriefe, Damaskus-Ereignis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Selbstverständnis des Apostels Paulus, basierend auf den von ihm verfassten Briefen, um zu klären, wie er sich selbst im Kontext seiner Mission und Theologie sah.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Rekonstruktion seiner Lebensdaten, die Analyse seiner Herkunft, seines Selbstverständnisses als Apostel sowie die Reflexion über seine Leidensgeschichte und deren Einfluss auf seine Theologie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt die zentrale Frage: „Wie sah sich der Apostel Paulus selbst?“ und versucht dies durch eine direkte Auswertung seiner Briefe zu beantworten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der Protopaulinen angewandt, wobei diese als Primärquellen gegenüber anderen Schriften wie der Apostelgeschichte bevorzugt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung seines Wirkens sowie eine detaillierte Analyse seiner Selbstdarstellung zu Themen wie Herkunft, Apostelamt und Leiden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Apostel, Protopaulinen, Selbstverständnis, Heidenmission, Chronologie und paulinische Theologie charakterisiert.
Warum spielt das „Claudius-Edikt“ eine wichtige Rolle für die Untersuchung?
Das Edikt dient als fixer historischer Ankerpunkt, um eine absolute Chronologie für das Leben und Wirken von Paulus zu etablieren.
Wie geht Paulus mit seiner Vergangenheit als Christenverfolger um?
Paulus verschweigt diese Vergangenheit nicht, sondern nutzt sie, um die überwältigende Kraft der göttlichen Gnade zu verdeutlichen, die ihn trotz seiner Taten berufen hat.
Was bedeutet die „Narrenrede“ im Kontext des paulinischen Selbstbildes?
In der „Narrenrede“ reflektiert Paulus seine erlittenen Qualen und Gefahren, um seine Nachfolge Christi und seine Schwachheit als Ort der göttlichen Stärke darzustellen.
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- Astrid Bieling (Author), 2005, Wie sah sich der Apostel Paulus selbst? - Eine Selbstdarstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41852