In der folgenden Arbeit wird die Thematik von sog. privaten Kreditmarktplätzen, die vermehrt im Internet auftreten und derzeit das Interesse der Fachliteratur auf sich ziehen, vertieft dargestellt und behandelt. Auf diesen Plattformen können – ohne die Einschaltung eines klassischen Kreditinstitutes – Kredite unter Privatpersonen vermittelt und ausgereicht werden.
Die Arbeit verfolgt das Ziel, nach einer Einführung in die grundlegenden Funktionsweisen dieser Plattformen und der Darstellung der regulären Kreditvergabe durch Banken, repräsentativ gewählte Kreditmarktplätze aus Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika näher zu betrachten und wissenschaftlich zu analysieren. Zentrale Themen sind hierbei die Art und Weise der Kreditvergabe sowie Rahmendaten zu den angebotenen Krediten, die Hintergründe der Plattformen, Anforderungen an die Teilnehmer sowie zusätzliche Angebote der Plattformbetreiber. Als Analysemodell wird die Nutzwertanalyse angewendet, die seit den 1970er Jahren in Deutschland zunehmend als Entscheidungshilfe im Rahmen einer
Auswahlproblematik herangezogen wird.
Damit diese Nutzwertanalyse entsprechend durchgeführt werden kann, bedarf es zunächst der Entwicklung eines entsprechenden Analyserasters, anhand dessen die gewählten Plattformen systematisch und kategorisch eingeordnet werden können. Durch ein vorher festgelegtes und aufgestelltes Bewertungsmodell werden Nutzenwerte, die diese Plattformen gegenüber potenziellen Kunden aufweisen, ermittelt. Durch die Ergebnisse der Analyse kann eine Entscheidungsproblematik eines Interessenten in Bezug auf die jeweiligen Kreditplattformen gelöst und die Alternativen in Hinblick auf qualitative und quantitative Faktoren bewertet werden. Nach der Darstellung der Analyseergebnisse und einer Erörterung möglicher Gründe werden die Kreditplattformen kritisch hinterfragt und eine mögliche Zukunftsperspektive – auch in Hinblick auf die Konkurrenzsituation mit klassischen Banken - dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Das Geschäftsmodell von Kreditmarktplätzen
2.1 Definition und Entwicklung von P2P-Plattformen
2.1.1 Historische Entwicklung
2.1.2 P2P-Lending als Ausprägung des Crowdsourcing
2.1.3 Zielmärkte von Peer-to-Peer-Plattformen
2.2 Funktionsweise von Kreditmarktplätzen
2.2.1 Aufgaben und Funktionen von originären Finanzintermediären – die traditionelle Kreditvergabe durch Banken
2.2.2 Kreditvergabeprozess von Peer-to-Peer Plattformen
2.2.3 Bankaufsichtsrechtliche Hintergründe für Plattformen in Deutschland
3 Nutzwertanalyse von Peer-to-Peer Kreditplattformen
3.1 Grundlagen der Nutzwertanalyse
3.2 Aufbau des Analysemodells zur Bewertung von Peer-to-Peer Kreditplattformen
3.2.1 Auswahl der Analyse-Alternativen
3.2.2 Festlegung der zu analysierenden Merkmale
3.2.3 Aufbau des Gewichtungs- und Bewertungsmodells
3.3 Portraits der analysierten Peer-to-Peer-Plattformen
3.3.1 Smava
3.3.2 Auxmoney
3.3.3 Zopa
3.3.4 Prosper
3.3.5 Money4Friends
3.3.6 Direct-Lending
3.3.7 Kiva
3.4 Zusammenfassung der Datenerhebung
3.5 Ergebnisse der Nutzwertanalyse
3.5.1 Kredit- und Anlageprodukte
3.5.2 Anforderungen an die Teilnehmer der Plattformen
3.5.3 Rahmendaten der Plattformen und Prozessablauf
3.5.4 Gesamtbetrachtung
4 Fazit und Ausblick
4.1 Kritik an den Peer-to-Peer Plattformen
4.2 Zukunft des Social Lending
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, die Funktionsweise und das Potenzial von Peer-to-Peer-Kreditplattformen (P2P) im Vergleich zu traditionellen Bankinstituten wissenschaftlich zu untersuchen und mittels einer Nutzwertanalyse eine systematische Bewertung verschiedener internationaler Plattformbetreiber vorzunehmen.
- Grundlegende Funktionsweisen von P2P-Kreditplattformen im Web 2.0.
- Abgrenzung und Einordnung des P2P-Lendings in das Konzept des Crowdsourcing.
- Durchführung einer Nutzwertanalyse für ausgewählte Plattformen wie Smava, Auxmoney, Zopa und Prosper.
- Analyse bankaufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen und Risikofaktoren für Investoren.
- Bewertung von Zukunftsperspektiven der Social-Lending-Modelle im Finanzsektor.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Historische Entwicklung
Die Grundidee, dass Privatpersonen Geld direkt von anderen Privatpersonen leihen, ist keine Erfindung der Neuzeit. Im Gegenteil: die Grundform des Social Lending geht bis in das Jahr 300 vor Christus zurück. Private Kreditvereine, sog. Iun hui haben in China bereits zu dieser Zeit existiert. In Deutschland wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts Darlehenskassenvereine der Landbevölkerung gegründet, die nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch die Bevölkerung mit günstigeren Krediten versorgt haben. Ziel war es, eine Alternative zu den damals am Markt bestehenden Wucherzinsen zu bieten.
Die zunehmende Verbreitung des Internets und der entsprechenden Potenziale im Web 2.0 hat in den vergangenen Jahren zu einem Wiederaufleben des P2P-Gedanken geführt. Als weltweit erstes Unternehmen im Bereich des Social Lendings hat die englische Plattform Zopa im Jahr 2005 den Markt für privatvermittelte Kredite betreten. Kurz darauf folgte in den USA die Plattform Prosper im Februar 2006. Als erstes deutsches Web-Unternehmen im Bereich der P2P-Kredite wurde Smava im Februar 2007 implementiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kreditmarktplätze im Web 2.0 ein und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Das Geschäftsmodell von Kreditmarktplätzen: Hier werden Definitionen, die historische Entwicklung sowie die Funktionsweise und die rechtlichen Aspekte von P2P-Plattformen detailliert erläutert.
3 Nutzwertanalyse von Peer-to-Peer Kreditplattformen: In diesem Kapitel wird das methodische Analysemodell entwickelt, die ausgewählten Plattformen im Detail portraitiert und die Ergebnisse der Nutzwertanalyse dargestellt.
4 Fazit und Ausblick: Der abschließende Teil bietet eine kritische Würdigung der P2P-Plattformen und diskutiert die zukünftige Entwicklung von Social Lending im Wettbewerb mit klassischen Banken.
Schlüsselwörter
Peer-to-Peer Lending, P2P, Kreditplattformen, Nutzwertanalyse, Crowdsourcing, Crowdlending, Finanzintermediäre, Bankaufsicht, BaFin, Bonitätsprüfung, Zinssatz, Risikomanagement, Social Lending, Kreditausfall, Anlegerrendite
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse privater Kreditmarktplätze im Internet, auf denen Kredite direkt zwischen Privatpersonen vermittelt werden, ohne dass klassische Banken als Intermediäre fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktionsweise von P2P-Plattformen, deren Einordnung in das Crowdsourcing, die regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Bewertung der Plattformen anhand qualitativer und quantitativer Faktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Entwicklung eines Analysemodells (Nutzwertanalyse) die Attraktivität und Qualität verschiedener internationaler P2P-Plattformen für Anleger und Kreditnehmer vergleichbar und bewertbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet die Nutzwertanalyse als systematisches Entscheidungsmodell, um komplexe Plattformstrukturen vergleichbar zu machen und eine fundierte Empfehlung abzugeben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die theoretische Fundierung des Geschäftsmodells, der Aufbau des Bewertungsmodells sowie die detaillierte Analyse und Porträtierung sieben verschiedener Plattformen aus Deutschland, Europa und den USA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Peer-to-Peer Lending, Nutzwertanalyse, Crowdlending und Finanzintermediation definieren.
Warum spielt die Nutzwertanalyse eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Die Nutzwertanalyse wird eingesetzt, um trotz der Subjektivität einzelner Merkmalsbewertungen eine transparente und schematisierte Vergleichbarkeit zwischen den unterschiedlichen Plattformen zu schaffen.
Wie unterscheidet sich die Kreditvergabe bei Smava von traditionellen Banken?
Bei Smava erfolgt die Vermittlung direkt zwischen Privatpersonen, wodurch die Bank als traditioneller Intermediär entfällt; zudem wird das Risiko im Vergleich zu einer Bank anders aggregiert und bewertet.
Welchen Einfluss hat die regulatorische Aufsicht (BaFin) auf die Plattformbetreiber?
Die BaFin-Aufsicht erzwingt oft die Zusammenarbeit mit Transaktionsbanken, da die Plattformen selbst als Vermittler meist keine Banklizenz besitzen, um erlaubnispflichtige Bankgeschäfte zu betreiben.
- Quote paper
- Bachelor of Science (B.Sc.) Tobias Bergner (Author), 2011, Peer-to-Peer Lending. Eine empirische Analyse von Kreditplattformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418530