Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche Kind- und Kindheitsbilder anhand der Geschichte der Grundschule ablesbar sind. Diesem Vorhaben liegen drei zusammenhängende Thesen zu Grunde. Erstens, anhand einer historischen Betrachtung der Grundschulentwicklung in Deutschland, werden Kindheitsbilder widergespiegelt. Hiermit zusammenhängend zweitens die Annahme, dass diese Kindheitsbilder wiederum für die Entwicklung der (Grund-)Schule bedeutsam waren und diese beeinflussten. Der Blick auf die Geschichte der Grundschule steht somit in einem engen Verhältnis zu Bildern von Kindern und Kindheit. Drittens, Kindheitsbilder unterliegen generell den gesellschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen und Bedingungen.
Diese Arbeit konzentriert sich auf die Geschichte der Grundschule im Zeitraum von ca. 1850 bis 1965. Als Basis dient der Text von Götz & Sandfuchs (2014). Auf Grund fehlenden Platzes und dem geringen Rahmen dieser Arbeit, wird auf eine Bestandsaufnahme früherer und späterer Geschichte(n) der Grundschule verzichtet. Es wird darauf verwiesen, dass nur Aspekte der historischen Entwicklung angesprochen werden und die Darstellungen vereinfacht sind.
Obwohl ein historischer Blick auf die Geschichte der Grundschule geworfen wird, gilt es nicht, eine historische Betrachtung der Kindheitsbilder anzufertigen. Vielmehr ist es die These, dass „...Bilder von Kindern und Begriffe von Kindheit [...] in starkem Maße von der Konstruktionsleistung Erwachsener abhängig“ (Deckert-Peaceman et al. 2010: 29) sind und einem dauernden „historischen Wandel“ (Deckert-Peaceman et al. 2010: 29) unterliegen. Diese Konstruktionen von Kindheit im historischen Wandel möchte diese Arbeit in Aspekten ableiten, zusammentragen und benennen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HISTORIE DER GRUNDSCHULE UND IHRE KINDHEITSBILDER
2.1 DIE VORGESCHICHTE DER GRUNDSCHULE (BIS 1919)
2.1.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER I
2.2 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DER WEIMARER REPUBLIK (1920 - 1933)
2.2.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER II
2.3 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DES NATIONALSOZIALISMUS (1933 - 1945)
2.3.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER III
2.4 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DER REKONSTRUKTION (1945 - 1965)
2.4.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER IV
3. FAZIT
4. LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Verhältnis zwischen der Entwicklung der Grundschule in Deutschland und dem sich wandelnden Bild von Kindheit. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche, politische und bildungstheoretische Rahmenbedingungen die pädagogische Konstruktion von Kindern und deren Bedürfnissen maßgeblich beeinflussten.
- Historische Entwicklung der Grundschule von 1850 bis 1965
- Wechselwirkung zwischen Schulstruktur und Kindheitsbildern
- Einfluss politischer Ideologien auf die Bildungsziele
- Reformpädagogische Ansätze und deren Bedeutung für die Kindzentrierung
- Bildungsgerechtigkeit und der Zugang zu weiterführenden Schulen
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Grundschule während der Weimarer Republik (1920 - 1933)
Durch die Einführung der allgemeinen, obligatorischen Schulpflicht durch Artikel 145 der Weimarer Verfassung und der Einführung der allgemeinen Grundschule für alle Kinder mit Artikel 146 der Weimarer Verfassung von 1919, sollte die Überwindung eines „unverbundenen Nebeneinanders von Bildungseinrichtungen“ (Götz & Sandfuchs 2014: 35) gefördert und Grundschulen institutionalisiert werden. Grundidee der allgemeinen Grundschule war ein egalitäre Ausgangslage für alle Schüler*innen zu schaffen, die eine „...Kindorientierung und Kindgerechtigkeit des Unterrichts verlangte.“ (Heinzel 2014: 155). Individuelle Leistung sollten darüber bestimmen, wer an einer weiterführenden Schulbildung teilnehmen kann und nicht die wirtschaftlichen Umstände, in denen Kinder aufwuchsen. Die allgemeine Funktion der Grundschule war einerseits allen „Kindern gleichermaßen [...] eine angemessene Bildung zu vermitteln...“ und „...zugleich die notwendigen Voraussetzungen für die weiterführenden Schulen [zu] schaffen...“ (Götz & Sandfuchs 2014: 35).
Private Schulen wurden zunächst verboten, aber nach heftiger Kritik von Seiten der Eltern und der Kirchenverbände, wurden durch Zusätze im Gesetzestext den Eltern ein Antragsrecht zur Einrichtung von Bekenntnisschulen eingeräumt. Die intentionale Auflösung der schulischen Segregation der heterogenen Schüler*innenschaft gelang nicht. Es entschied immer noch vorrangig die finanzielle Ausgangslage der Eltern, welche Schulen die Schüler*innen besuchten (Vgl. Götz & Sandfuchs 2014: 35).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der historischen Konstruktion von Kindheitsbildern durch die Entwicklung der Grundschule in Deutschland.
2. HISTORIE DER GRUNDSCHULE UND IHRE KINDHEITSBILDER: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die Epochen von der Vorläuferphase über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zur Rekonstruktionsphase nach 1945.
2.1 DIE VORGESCHICHTE DER GRUNDSCHULE (BIS 1919): Es wird die gesellschaftliche Trennung in Elementar- und höhere Schulen sowie der Einfluss reformpädagogischer Strömungen beschrieben.
2.1.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER I: Fokus auf das vormals erwachsenenzentrierte Kindheitsbild und die Vorbereitung auf die spätere Erwerbstätigkeit.
2.2 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DER WEIMARER REPUBLIK (1920 - 1933): Analyse der Etablierung der allgemeinen Grundschule und der Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Bildungsgerechtigkeit.
2.2.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER II: Darstellung der Kindheit als eigenständige Phase mit spezifischen Rechten und Bedürfnissen.
2.3 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DES NATIONALSOZIALISMUS (1933 - 1945): Untersuchung der ideologischen Instrumentalisierung der Grundschule und der Zentralisierung des Bildungswesens.
2.3.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER III: Betrachtung des Kindes als Eigentum des Volkes und der Unterordnung unter kollektive Erfordernisse.
2.4 DIE GRUNDSCHULE WÄHREND DER REKONSTRUKTION (1945 - 1965): Diskussion der Entnazifizierung und der demokratischen Neugestaltung des Schulsystems nach 1945.
2.4.1 BILDER VON KINDHEIT – KINDHEITSBILDER IV: Analyse der Rückbesinnung auf reformpädagogische Ideale und der fortbestehenden Fremdbestimmung des Kindheitsbildes.
3. FAZIT: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit der Reflexion historischer Kindheitsbilder für die heutige Schulpraxis.
4. LITERATUR: Auflistung der im Text verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Grundschule, Kindheitsbilder, Historische Pädagogik, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Reformpädagogik, Bildungsgerechtigkeit, Kindorientierung, Schulentwicklung, Kindheit, Bildungsgeschichte, Kindgerechtigkeit, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich das Bild von Kindheit in Deutschland im Spiegel der historischen Entwicklung der Grundschule vom 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der institutionellen Entwicklung der Grundschule, dem Einfluss politischer Systeme auf Bildungsziele und der pädagogischen Konstruktion des Kindes in verschiedenen Epochen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Kindheitsbilder die Grundschule prägten und wie umgekehrt bildungspolitische Maßnahmen das gesellschaftliche Verständnis von Kindern konstruierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einschlägiger pädagogischer Forschungsliteratur basiert, um die Entwicklungslinien der Grundschulpädagogik nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen vor 1919, die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus sowie die Phase der Rekonstruktion nach 1945, wobei jeweils die Schulstruktur und die korrespondierenden Kindheitsbilder betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Grundschulentwicklung, Kindheitskonstruktion, Reformpädagogik, Bildungsgerechtigkeit und historische Bildungsforschung charakterisiert.
Wie unterschied sich das Kindheitsbild im Nationalsozialismus von der Weimarer Zeit?
Während in der Weimarer Zeit die Kindorientierung und das Kind als Individuum in den Fokus rückten, wurde das Kind im Nationalsozialismus als funktionaler Teil der Volksgemeinschaft betrachtet und unter ideologische Vorgaben untergeordnet.
Welche Rolle spielt die „Einheitsschulbewegung“ in diesem Zusammenhang?
Die Einheitsschulbewegung forderte ein für alle Bürger zugängliches Schulsystem und legte damit das ideelle Fundament für die moderne Grundschule als Schule für alle Kinder.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für heutige Lehrkräfte?
Lehrkräfte sollen durch den Blick in die Geschichte für die Komplexität schulischer Vorgänge sensibilisiert werden und die eigene pädagogische Rolle kritisch reflektieren.
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- Anonym (Autor:in), 2016, Bilder von Kindern und Kindheit im Spiegel der Geschichte der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418606