Die Auswirkungen der Vorgaben des industrialisierten Bauens auf die architektonische und städtebauliche Planung von Hoyerswerda


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Bauvorhaben „zweite sozialistische Stadt der DDR"

2. Im Wandel der Zeit- Umdenken im Bauwesen
2.1 Veranderungen in der Architektur und dem Baustil
2.2 Stadtebau- die Idealstadt
2.2.1 Funktion und Hintergrundgedanken
2.2.2 Vergleich Hoyerswerda- Eisenhuttenstadt
2.2.3 Wandlung des Berufsbildes des Architekten und Stadtplaners

3. Analyse des Gewinner- Entwurfs fur Hoyerswerda

4. Das industrielle Bauen
4.1 Zeitgenossische Auffassung
4.2 Anwendung im Pilotprojekt Hoyerswerda

5. Architekturrezeption und Realisierung von Hoyerswerda

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Das Bauvorhaben „zweite sozialistische Stadt der DDR“

Bereits nach zweiwochiger Suche stellte sich Hoyerswerda als richtiger Standortfur die zweite sozialistische Stadt in der DDR heraus. Dies beschloss der Ministerrat am 23. Juli 19551. Die zugrundeliegende Idee fur das Pilotprojekt entstand im Zuge des damaligen Wirtschaftswandels. Die zweite sozialistische Stadt sollte groGzugig sein und den neuen ideologischen und kulturpolitischen Wandel in alien Facetten wiederspiegeln. Nach dem Vorbild der Sowjetunion wurden nicht nur gesellschaftliche, sondern auch volkswirtschaftliche und ideologische Adaptionen auf den Parteitagen der SED beschlossen. Dies implizierte naturlich auch VeranderungsmaGnahmen im Bauwesen. Hoyerswerda versprach eine funktionierende Kombination aus Arbeiten und Leben, ganz nach sozialistischem Ideal. Die Bedingungen des Standortes waren hierfurgut: gesundheitlich einwandfrei, eine gute Anbindung zur Altstadt und niedrige Kosten fur den Grund.1 Diese Faktoren sollten sicherstellen, dass die Atmosphare einer Idealstadt nach kulturpolitischem Vorbild realisiert werden kann. Erstmalig sollte bei der Planung und Errichtung der Wohnblocke im graven Stil industriell gefertigt werden. Dies versprach niedrige Baukosten, eine geringe Bauzeit und ein einheitliches Erscheinungsbild. Das Stadtzentrum stellte den Treffpunkt fur alle dar: Soziales, Politisches, Wirtschaftliches; alles sollte sich hier abspielen. Kurze Anbindungswege zu alien Einrichtungen, bei denen die FuGganger von den Autos getrennt sind, sollten der Planung nach ein schnelles Gelangen von A nach B garantieren. Dennoch wurde auch viel Wert auf die Wohnqualitat der Burger gelegt. GroGzugige Parks, ruhige Lagen und gute Durchluftung und Besonnung sollten ein angenehmes Wohnklima schaffen.

Die stadtplanerische Tatigkeit ist sehr komplex und bedarf vieler Faktoren, die beachtet werden mussen. Fureinen praktikablen Entwurf gibt esfolglich einige Regeln, die vom Planer/ Architekten beachtet werden mussen. Sei es genugend Grunflache mit einzuplanen Oder die richtigen Abstandsflachen einzuhalten, fur sehr viele dieser Kriterien gibt es in der Historie des Bauwesens nicht erst seit Kurzem Regelungen und Normen, welche das Erfullen der Vorgaben und somit eine storungsfreie Nutzung der Stadt- Architektur garantieren sollen. Trotz Allem ist der Beruf des Architekten und des Stadtplaners sehrvon Kreativitat und Ideenreichtum gepragt. Inwiefern die Planung durch die Vorgaben des industriellen Bauens beeinflusst, bzw. sogar eingeschrankt war, wird im Folgenden erortert.

2. Im Wandel der Zeit- Umdenken im Bauwesen

2.1 Veranderungen in der Architektur und dem Baustil

„Besser, billiger und schneller Bauen"2 war das vorherrschende Motto zu Zeiten einer wandelnden, von nun an moderneren Baukultur. Pilotprojekte wie Hoyerswerda sollten der Bevolkerung die Macht und Moglichkeiten der Staatsfuhrung der DDR im direkten Umfeld demonstrieren. Sie galten auch als distanzschaffende MaGnahmen von den Vorhaben der westlichen Seite. Doch wer einem Vorbild nachfolgt, der muss auch damit rechnen, dass auch dieses nicht immer gleich ist. Bislang diktierte Stalin, Diktator der nachgeeiferten Nation, die Baukunst musse prachtig und glanzend ausgefuhrt werden, urn die sozialistische Erlosung -alien voran er selbst- ebenwurdig zu feiern. Doch diese Forderung nach Erhalt des nationalen Kulturerbes stieG gewiss nicht bei jedermann auf Begeisterung. Einige DDR- Architekten straubten sich und fuhlten sich an baupolitische Vorgaben des Nationalsozialismus erinnert. Doch nahezu unaufhaltsam entstanden aufwandige Bauten wie die Stalinallee und die erste sozialistische Stadt der DDR: Stalinstadt (heute Eisenhuttenstadt). Doch Stalins Verlangen nach Verschwendung, Schmuck und GroGenwahn nahm ein Ende, als es einen Wechsel in der sowjetischen Regierung gab.

Im Zuge des Referats Chruschtschows- der Nachfolger von Josef Stalin- wurde ein regelrechter Sinneswandel ausgelost. Das traditionell gepragte Leitbild wurde abgesetzt und stattdessen durch ein Streben nach Fortschritt und Entwicklung sowohl auf soziokultureller, als auch auf wirtschaftlicher und baustilistischer Ebene ersetzt. Nikita Chruschtschow hielt 3 Jahre nach dem Tod seines Vorgangers auf der Allunionskonferenz der Bauschaffenden in Moskau am 14. Februar 1956 eine klare Rede des Umschwungs. Stalins Denkweisen und oftmals radikalen und brutalen politischen Vorgehensweisen wurden erstmals scharf kritisiert und fur nicht hinnehmbar erklart. Als Reaktion darauf herrschte zunachst Unsicherheit in der Bevolkerung, in der der Geist Stalins immer noch so prasent war. Denn die Architektur und das Stadtbild war unubersehbargepragt von dem Bild des ehemaligen Diktators. UnterAnderem forderte Chruschtschow mehr Bescheidenheit und Sparsamkeit. Dies bezog sich naturlich auch auf das Bauwesen und hatte die radikale Einfuhrung des industriellen Bauens zur Folge. Im Zuge dessen wurde in Ostdeutschland, das die Sowjetunion stets als Vorbild gehalten hatte, durch den Bezirksvorstand des Bundes deutscher Architekten (BdA) ein Forum in Form eines Heftes, welches zwei Mai im Monat veroffentlicht wurde, herausgegeben.3 Das Magazin mit dem Namen „Architekturdiskussion“ sollte alle „Trends“ und Neuerungen im Bauwesen unter die Fachleute bringen und Grundlage eines Meinungsaustausches sein.

2.2 Stadtebau- die Idealstadt

2.2.1 Funktion und Hintergrundgedanken

Die Idee, das politische Leitbild auch in der Architektur und im Stadtebau zu demonstrieren, existiert schon seitdem es Politik gibt. Die Vorstellung einer Idealstadt, die ein solches Bild verkorpern kann und nicht nur -im besten Fall - asthetische Reize setzt, sondern auch bei der sozialistischen Umerziehung des Volkes seinen Teil beitragt, wird zum ersten Mai bei den Planungsuberlegungen fur Stalinstadt (heute Eisenhuttenstadt) aufgegriffen. Es wird zudem soweit gegangen, dass aufgrund der in der gesellschaftlich und politisch revolutionaren Ara entstehenden geregelten Formen des Urbanismus ein „Unterschied zwischen funktioneller Stadt und politisch- sozialer [...] Stadtutopie"4 herausgearbeitet wird. Hierbei wird differenziert, ob eine Stadt in ihrer Struktur rein technisch und formell gedacht ist, Oder ob dieses stadtebauliche Prinzip von politisch- sozialen Gedanken verdrangt wird. Im Stile des sozialistischen Klassizismus entstanden zu Zeiten der DDR ebenfalls die 16 Grundsatze, an der sich der Stadtebau etwa 5 Jahre lang orientierte.

2.2.2 Vergleich Hoyerswerda- Eisenhuttenstadt

Die Grunduberlegung der beiden urbanistischen Utopie- Vorhaben unterschied sich im Wesentlichen nicht: ..Eisenhuttenstadt als stadtebauliches Abbild des staatssozialistischen Abbilds der DDR"5 ; so wird die Zielsetzung des Projektes knapp 50 Jahre spater gedeutet. Knauer- Romani beschreibt das Bauvorhaben der ersten sozialistischen Stadt der DDR als „harmonische Befriedigung des menschlichen Anspruchs auf Arbeit, Kultur und Erholung" (Knauer- Romani 2000, Seite 215) Auch Hoyerswerda sollte als „Koksombinat“1, wie der Name schon andeutet, als Vereinigung zwischen Arbeit und Wohnen dienen, wobei in der Planung und auch in den Entwurfen Parks, Grunflachen und ausreichend Kulturangebote berucksichtigt wurden. Doch Eisenhuttenstadt entstand in der stalinistisch- sozialistisch gepragten Zeit, die -wie zu Beginn der Arbeit bereits erwahnt- stadtebaulich und architektonisch in der Erscheinung und Representation vollkommen anders aufgestellt war als unterdersowjetischen Fuhrung Chruschtschows. Die,,neue sozialistische Architektur"6 sollte ..national in der Form und sozialistisch im Inhalt"5 sein. Dies bedeutete eine traditionell motivierte und asthetisch aufwandig konzipierte Gestaltung und Konstruktion der Gebaude. Inhaltlich, also im funktionellen System der Stadt, ging es Stalin urn die Reprasentierung von Gerechtigkeit, Gleichheit und Sozialismus. Aufgrund der Entstehungszeit urn 1950 unterlag Stalinstadt, bzw. Eisenhuttenstadt im Zuge der Entstalinisierung 1961 nicht nur einen Namenswandel, sondern unterzog sich auch merklichen Veranderungen aus architektonischer Sicht. Abrupt nach der Rede Chruschtschows 1954 anderte sich noch wahrend der Errichtungsphase der Baustil. Diese politische und baukonstruktive Verwirrtheit lasst sich heute noch sehr gut beobachten.

Die Planungsphase von Hoyerswerda befand sich dann schlussendlich bereits in den Startlochern des industrialisierten Bauens. Neue, innovative und vor Allem gunstige Konstruktionsmethoden wie der beruhmte Plattenbau wurden dazu ins Leben gerufen. Das bekannte Erscheinungsbild der grauen, stark elementar gegliederten Wohnungsbau- Fassaden pragte das Erscheinungsbild von Hoyerswerda.

2.2.3 Wandlung des Berufsbildes des Architekten und Stadtplaners

Nichts ist so bestandig wie der Wandel. Nicht nur der Anspruch an Asthetik und Gestaltung hat sich verandert, sondern auch das Selbstbild eines Architekten. Heutzutage ist es ublich, sich wahrend und nach dem Studium selbstzufinden und eine personliche Richtung in seinem Beruf einzuschlagen; sich jemandem anzuschlieGen, der die gleichen Oder ahnliche Vorstellungen von Gestaltung hat wie man selbst. Oder aber man grundet sein eigens organisiertes und ausgerichtetes Buro und baut- soweit es Bauherrenwunsche, Regeln und Normen zulassen- nach eigenen Vorstellungen. Ebenfalls gangig und oft gesehen ist die freiberufliche Tatigkeit. Sich auf nichts festlegen zu mussen und- wie die Bezeichnung schon verrat- frei zu sein, in dem, was man tut; dieser Berufsalltag zieht laut der jungsten Statistik der deutschen Bundes- Architekten- Kammer (im Folgenden BAK genannt) knapp 56.0007 berufstatige Architekten in den Bann. Die BAK definiert das Berufsbild wie folgt:

"Die architektonische Gestaltung, die Qualitat der Bauwerke, ihre harmonische Einpassung in die Umgebung, der Respekt vor der naturlichen und stadtischen Landschaft sowie vor dem kollektiven und dem privaten Erbe sind von offentlichem Interesse. Daher sollte sich die

[...]


1 Durth, Duwels, Gutschow, Band 1 (1999: 488)

2 Dolff- Bonekamper, Kier (1996: 41)

3 Durth, Duwels, Gutschow, Band 2 (1999:528)

4 (Knauer- Romani 2000: 216)

5 (Knauer- Romani 2000: 215)

6 (Knauer- Romani 2000: 220)

7 https://www.bak.de/w/files/bak/07-daten-und- fakten/architektenbefragungen/bundeskammerstatistik/bundeskam merstatistik-zum-01.01.2017- gesamt-2-.pdf

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Vorgaben des industrialisierten Bauens auf die architektonische und städtebauliche Planung von Hoyerswerda
Hochschule
Technische Universität München  (Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design)
Veranstaltung
Seminar: Architektur ohne Architekten? Planen und Bauen in der DDR
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V418715
ISBN (eBook)
9783668685673
ISBN (Buch)
9783668685680
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Staädtebau, DDR, Hoyerswerda, SED, Ulbricht, Walter Ulbricht, Industrialisierung, industrialisiertes Bauen, Planung, architektonische Planung
Arbeit zitieren
Jona Roßmann (Autor), 2018, Die Auswirkungen der Vorgaben des industrialisierten Bauens auf die architektonische und städtebauliche Planung von Hoyerswerda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418715

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