Welche Bedeutung hatte Jan Hus für Martin Luther?


Hausarbeit, 2016

12 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jan Hus – Reformer

3. Luther und Hus – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4. Luthers Bild von Hus

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich die Frage beantworten, welche Bedeutung Jan Hus Martin Luther beimaß. Es ist einerseits ein aktuelles Thema, da in diesem Jahr die Reformation ihr 500-jähriges Bestehen feiern wird. Andererseits ist die Reformation ein wichtiger Bestandteil in den schulischen Lehrplänen. Von daher finde ich es relevant, mich auf diesem Gebiet zu spezialisieren.

Mir erscheint es wichtig, dass man die Hintergründe der Reformation beleuchten sollte. Denn immer noch wird die Reformation an Schulen ‚lutherzentrisch‘ unterrichtet. Es ist wichtig als angehende Lehrperson zu wissen, wer oder was der Reformation etwas beigetragen hat, um diese dementsprechend zu vermitteln.

Die Reformation ist nicht aus dem Nichts entstanden. Es gibt viele Vorreformatoren, die den Durchbruch der lutherischen Reformation vorbereitet haben. Von denen werde ich mich besonders auf einen fokussieren: Jan Hus.

Auch wenn Martin Luther anfangs nichts von ihm wusste, war er unbewusst ein ‚Husitte“, welches er später dann auch so formuliert.

In dieser Arbeit werde ich, wie schon anfangs erwähnt, versuchen die Frage zu beantworten, welche Bedeutung Jan Hus Martin Luther beimaß. Dafür werde ich zunächst auf den Reformer Jan Hus eingehen, in dem ich seinen reformatorischen Weg grob skizzieren werde. Dann werde ich Luthers Leben darstellen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Hussens Weg beleuchten. Als Letztes werde ich mich mit Luthers Sicht zu Hus befassen. Dort werde ich versuchen darzustellen, dass Luther sich später sehr wohl mit Hus identifiziert hat. Hierbei werde ich die Punkte beleuchten, in der sich Luther mit Hus identifiziert.

Schließlich werde ich meine Arbeit mit einem Fazit zu der Diskussionsfrage beenden.

2. Jan Hus – Reformer

Anders als bei Martin Luther, kam Jan Hus zu einer ruhigeren Zeit zur Welt. Er wurde ca. um 1370 „in die kurze Zeit der Nachblüte des karolinischen Luxemburg-Reiches hinein geboren“[1]. Sein Geburtsort ist das südböhmische Husinec. Obwohl Jan Hus sehr wenig über seine Jugend- und Studienzeit berichtet hat, kann man trotzdem sein Leben rekonstruieren. Er ging in Prachatice auf eine Lateinschule und danach nach Prag, um zu studieren.

In seiner Studienzeit arbeitete er als Gehilfe des Dozenten. Er promovierte zum Bakkalaureus im Jahre 1393 und später bestand er die Magisterprüfung. Er arbeitete als Dozent an der Universität Prag. Auch seinen ‚magister regens‘ hat Hus absolviert, sodass er zur Jahrhundertwende die Priesterweihe erhalten hat. Schließlich wurde er in 1402 als Rektor und Prediger an der Bethlehemkapelle berufen.[2]

Somit beginnt auch Hussens stürmischer Weg. Seine Predigten waren auf Tschechisch und die Gemeinde bestand vorwiegend aus den unteren Klassen. Unter den Besuchern waren nicht nur Menschen aus dem unteren Stand, sondern auch Menschen aus dem Adel, wie z.B. König Wenzel und Königin Sophie.[3]

Hus hielt sich mit wycliffschen Lehrern und Vorgesetzten auf. Auch wenn er nicht alle Punkte mit Wycliff teilte, wandte er seine Argumente an.[4]

Obwohl er sich selber nicht als bloßer Wycliffit gesehen hat, hat Jan Hus kapitelweise Schriften Wycliffs übernommen.[5] Dies entsprach der Norm der Zeit. Jan Hus übernahm große Teile, „weil sie der Wahrheit Christi entsprachen“.[6] In seinem Werk „De ecclesia“ hätte Hus nur 23 Prozent von Wycliffs Schriften übernommen.[7]

In der Bethlehemkapelle hatte Hus die Möglichkeit dem Volk auf Tschechisch Predigten zu halten. „Er tadelte die Unmoral der Gesellschaft, das lasterhafte Leben der Geistlichkeit, die Zügellosigkeit der großen Herren“ und „er schreckte nicht davor zurück, die Laster der Weltpriester und Mönche beim Namen zu nennen: die Geldgier, den Wucher, den Ämterkauf, die Unzucht und die Völlerei“[8].

Hus gewann viele Anhänger, daneben auch Feinde. Er war „Realist“ und es ging ihm nicht um „Mysterien der Gottheit“ wie es Friedenthal formuliert. Ihm ist das gute Leben wichtig und nicht die „endlich(e) ausschweifenden Fragen nach dem ersten Anfang der Dinge“.

Also ist für Hus die Praxis der Religion viel wichtiger als die Theorie. Das ist vermutlich das, was die Menschen angezogen hat. Vermutlich haben sich die Menschen nach jemandem gesehnt, der nicht vorgefertigte utopische Texte predigt und Dialektik betreibt, sondern der die Predigten im Innersten fühlt und davon überzeugt ist und nur das predigt, was er auch praktiziert. Jemand, der nur seinen Glauben in Worte fasst und es mutig und ohne Existenzängste anderen vermittelt, weil er seine Gemeinde vor der Hölle retten möchte. Diese ersehnte Aufrichtigkeit, fanden die Menschen vermutlich bei Jan Hus.

In diesem Sinne hat sich Jan Hus nur an der Bibel orientiert.

Wenn die Lebens-und Glaubensweise der „Christen“ sich nicht mit der Bibel identifizieren lässt, hat er es hart bekämpft, u.a. Aberglaube. Er sagt:“ Wer Wunder braucht, ist schwach im Glauben.“

Hus ging weiter und „wetterte auch über die Bezahlung der Sakramente.“[9]

In der Zwischenzeit wurden sowohl in England als auch in Böhmen die Lehren Wycliffs verboten, da sie Wirkung zeigte und viele Anhänger gefunden hatten. In Böhmen wurden die Übersetzungen gefertigt, welches die Kirche als Bedrohung sah. Somit wurden in England sowie in Böhmen Wycliffs Schriften verboten und die, die seine Meinung teilten oder seine Schriften hatten, wurden verfolgt.[10]

Es ist üblich jemanden angesichts seiner Schwachstellen, vor allem aber wegen seiner Sünden, bloßstellen zu wollen. Hussens Feinde haben dies versucht, aber durch seine Lebensweise und die Praxis seines Glaubens ist es niemandem gelungen seine Lebensweise zu kritisieren.[11]

Denn Menschen die Schwachstellen aufweisen, kann man leichter bestechen und erpressen. Und da er nichts an Weltliches besaß, hatte er nichts zu befürchten. Sein Glaube befreite ihn von Ängsten und gab ihm den Mut, den Weg bis ans Ende zu gehen.

Zybnek verbot alle Schriften Wycliffs und private Predigten, u.a. auch die Predigten in der Bethlehemkapelle.

Wie schon erwähnt wurden Wcyliffs Bücher eingesammelt, aber von nun an systematisch verbrannt. Jan Hus ließ sich davon nicht abhalten und predigte weiter, auch wenn er verbannt werden könnte.[12]

Dies war auch geschehen. Er wurde verbannt, aber er predigte weiter. Er versteckte sich nicht und hielt seine Predigten in großen Öffentlichkeiten.[13]

In seinem Traktat „De Trinitate sancta“ schrieb er: „Die Wahrheit, die mir Gott in Gnaden zu erkennen gegeben, vor allem die unserer Heiligen Schrift, will ich bis zum Tode verteidigen, weil ich weiß, daß sie in alle Ewigkeit bleibt und Kraft behält. Und wenn ich mich je die Todesfurcht erschrecken sollte, so hoffe ich zu meinem Gott und dem Heiligen Geist, der Herr möge mir dann genügend Stärke verleihen und mich für würdig befinden, daß ich die Märtyrerkrone trage.“[14]

Nun waren Hussens Kollegen an der Universität auch auf der Seite des Papstes und behaupteten, dass man den Ablass nicht zu kritisieren und zu untersuchen habe.

Nach Hussens Meinung ist nicht der Papst das Haupt der Kirche, sondern Christus. „Nicht der Papst kann Sünden vergeben; das ist ausschließlich Gott vorbehalten.[15]

Im weiteren Disput kritisiert Hus die Bulle des Papstes und verbindet damit nicht die göttliche Gerechtigkeit.

In Prag verschärfte sich die Situation. In der Bulle des Papst Johanns stand, dass er gefangen genommen werden sollte. Dies besprach er mit seiner Gemeinde und diese empfohlen ihm zu fliehen.

Er wollte von seiner Meinung nicht zurücktreten: Zurück zum Frühchristentum und der Verbleib der einzigen Autorität bei der Bibel. „Frühchristentum hieß entscheidend: Armut, Abkehr von Besitz als Quelle allen Übels, der Sünde.“[16] Er wollte nicht flüchten aber, er liebte sein Land deshalb sah er sich gezwungen zu flüchten.

Sein Exilaufenthalt dauerte von Ende 1412 bis Oktober 1414.

Das Konzil zu Konstanz wurde berufen und Hussens Name stand dabei an erster Stelle.[17] Hus ritt am 3.11.1414 in Konstanz ein. Wenn er Angst vor dem Tod hätte, wie einige behaupteten, würde er sich weiterhin verstecken und würde nicht freiwillig nach Konstanz reiten.

Am 16.11. wurde das Konzil eröffnet, Anhänger sowie Gegner Hussens aus allen Lagern waren erschienen. Die Hauptfrage war, ob das Brot als Brot beim Sakrament des Abendmahls verbliebe. Denn diese Ansicht vertrat Wycliff, aber Hus vertrat diese Ansicht nicht und verneinte die Frage.

Viele haben die Frage immer wieder aufgegriffen und immer wieder nachgefragt, ob das Brot Brot bleibe.

Destotrotz wurde Jan Hus verhaftet, obwohl ihm Sicherheit versprochen wurde. Monatelang war er im Kerker und musste oft Fragen beantworten. Die Gegner wollten, dass er Dinge gesteht, die er nicht gepredigt hat. Sie hofften, dass sich Hussens Gesundheitszustand verschlechtert und er körperlich schwach werden würde. Er war krank geworden, aber zu den Versammlungen erschien er immer aufrecht und gesund. Doch er widerrief nicht. Am 6. Juli 1415 wurde Jan Hus verurteilt.[18]

Er widerrief auch am Ende nicht und wurde somit an den Pfahl gebunden. Mit einer Fackel wurde er angezündet und verbrannt.[19]

3. Luther und Hus – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Am 10. November 1483 wird Martin Luther in Eisleben bei Mansfeld geboren. Im Gegensatz zu Jan Hus ist Luthers Familie eine wohlhabende Familie. Und auch die Zeit in der Luther hineingeboren wird, ist eine Bewegtere. Über Luthers Kindheit erfahren wir, dass er eine strenge und sittliche Erziehung genoss. Zu Hause, als auch in der Schule galten strenge Regeln.[20]

Zunächst in Mansfeld, dann in Magdeburg und schließlich in Eisenach besucht Luther die Schule.[21] In 1505 schließt Luther das Grundstudium „artes liberalis“ ab. Danach fängt er auf Wunsch deines Vaters mit einem Jurastudium an. Diese sollte aber eine Episode von kurzer Dauer sein. Nach zwei Wochen des Studiumbeginns geriet Luther in Etwas, was sein Leben verändern sollte.

Als er unterwegs war auf freiem Feld, traf ein Blitz ein und in dem Moment schwor er der heiligen Anna, Mönch zu werden. Dann tritt er ins Augustinerkloster in Erfurt ein. Das Klosterleben sollte das Fleisch des jungen Mönches mäßigen. Kleidung und Nahrung waren knapp, jedoch musste es genügen. In 1506/07 erhielt Luther die priesterliche Weihe.[22]

Sowohl in seinem Kloster, als auch im Studium der Theologie pflegte Luther zunächst pessimistische Gedanken. Er hat Christus als den Richtenden kennengelernt und deshalb hatte er „schreckliche“ Gedanken, bei der Vorstellung des Jüngsten Tages.[23]

Luther fing noch im selben Jahr an, Theologie zu studieren. Im Oktober 1512 promovierte er zum Doktor und übernahm eine Professur des Augustinerordens.

Ein wenig Trost fand Luther bei den Schriften Gersons.[24] Gersons These war, dass man nicht jede sündhafte Tat als Todsünde betrachten solle.

In seinen Vorlesungen klammert er sich an die Bibel an. Denn dies taten nicht viele, obwohl es viele Geistliche gab. In dieser Hinsicht überschneiden sich die intensive Bibellektüre beider Reformatoren. Jan Hus versuchte jeden Gedanken durch die Bibel zu belegen. Wenn etwas dazugelernt hatte, verglich er es mit seinem Vorwissen und wägte ab, welches denn wahrhaftiger sei.

[...]


[1] Friedenthal, Richard: Ketzer und Rebell. Jan Hus und das Jahrhundert der Revolutionskriege. R. Piper & Co Verlag. München. 1972. S. 140

[2] Vgl. Friedenthal. S. 141-147

[3] Vgl. Riemeck, Renate: Jan Hus.Reformation 100 Jahre vor Luther. Stimme-Verlag. Frankfurt am Main.1966. S. 28

[4] Vgl. Friedenthal. S. 148-149

[5] Vgl. Friedenthal. S. 150

[6] Riemeck. S. 23

[7] Vgl. Werner, Ernst: Jan Hus. Welt und Umwelt eines Prager Frühreformators. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar. 1991. Bd. 34 S. 12

[8] Riemeck. S.27

[9] Friedenthal. S.167

[10] Vgl. Friedenthal. S.168

[11] Vgl. Friedenthal. S. 173

[12] Vgl. Friedenthal. S. 177

[13] Vgl. Friedenthal. S. 180

[14] Riemeck. S. 52

[15] Friedenthal. S. 185

[16] Friedenthal. S. 194

[17] Vgl. Friedenthal. S. 211

[18] Vgl. Friedethal. S. 290

[19] Vgl. Friedenthal. S. 297

[20] Vgl. Brecht, Martin: Martin Luther. Erster Band. Sein Weg zur Reformation 1483-1521.Calwer Verlag. Stuttgart, 1990. S. 18

[21] Vgl. Brecht. S. 24

[22] Vgl. Brecht. S. 78

[23] Vgl. Brecht. S. 82

[24] Vgl. Brecht. S. 87

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Welche Bedeutung hatte Jan Hus für Martin Luther?
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V418821
ISBN (eBook)
9783668677869
ISBN (Buch)
9783668677876
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Jan Hus, Martin Luther, Reformation, Religion, Lutherismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Welche Bedeutung hatte Jan Hus für Martin Luther?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418821

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