Poetisierung von Geschichte in Schillers "Der Ring des Polykrates"


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung (historischer Kontext, Fragestellung, Forschungsuberblick)

II) Einleitung (historischer Kontext, Fragestellung, Forschungsuberblick)

III) Schillers Ideenballade

IV) Schillers Modifikation des Herodot Stoffes

V) Fazit

VI) Literaturverzeichnis

I) Einleitung (historischer Kontext, Fragestellung, Forschungsuberblick)

Schiller stellte laut seines Kalendereintrages am 24. 06.1797 De[n] Ring des Polykrates fertig und veroffentlichte die Ballade im Musen-Almanach fur das Balladenjahr 1798. Als historische Quelle diente ihm Herodots Geschichte in der Ubersetzung von J. F. Degen[1], wobei der Stoff fur Schiller sekundar gewesen sei, weil dieser sich der Herrschaft der Idee zu unterwerfen habe.[2] Schiller schickte die Ballade am 26.6.1797 mit den Worten: „[Der Ring des Polykrates sei das] Gegenstuck zu Ihren Kranichen“[3] an Goethe. Im Gegensatz zu Goethe, wie er in seinem Antwortbrief erkennen lasst, fand Humboldt keinen Gefallen an dem Gedicht.[4] Auch Korner kritisierte die mangelnde poetische Vieldeutigkeit der Ballade, deren „Einheit [...] ein abstracter [sic!] Begriff [die Nemesis]“ sei.[5] Schiller fand diesen Einwand berechtigt, da „die Personen [...] nur um der Ideen willen da“[6] seien und als Individuen sich der Idee subordinierten, sodass sie die Idee illustrieren und nicht reflektieren. Weitere Kritik richtete sich vor allem gegen die Tatsache, dass der Held der Ballade das Schicksal ist. Unter anderem wurde die Ballade haufig als Vorwegnahme Napoleons betrachtet.

Anders als ein Historiker war Schiller -wie Dichter allgemein- nicht an historische Korrektheit in seinen Werken gebunden und modifizierte antike Stoffe zugunsten seiner Intention. Diese Arbeit untersucht Schillers Poetisierung von Geschichte im Ring des Polykrates.

Wie auch Voigt bemerkt, hat Der Ring des Polykrates in der Wissenschaft wenig Beachtung gefunden.[7]

II) Schillers Quelle: Per historische Polykrates in Herodots Herrscherchronik

Auch wenn die historische Korrektheit von Herodots Historien nicht eindeutig belegbar ist[8], wird im Folgenden angenommen -wie es Schiller getan hat-, dass es sich bei seinem in Prosa verfassten Werk um eine geschichtliche Herrscherchronik handelt. Herodot schiebt im dritten Buch der Beschreibung des Krieges zwischen den Lakedaimoniern und den Samiern die Geschichte des Herrschers von Samos Polykrates ein:(39) Polykrates und seine Bruder hatten die Herrschaft uber Samos gewaltsam an sich gerissen und teilten sich anfangs die Herrschaft uber die Insel. Polykrates totete jedoch seinen Bruder Pantagnotos und vertrieb den jungeren Bruder Syloson, sodass er Alleinherrscher uber Samos wurde. Er schloss mit dem Konig von Agypten Amasis ein Bundnis und sie schicken sich gegenseitig Geschenke. Polykrates gewann in kurzer Zeit viel Macht und den Ruf eines unbesiegbaren Feldherrn, weil alle seine Feldzuge erfolgreich waren. Er plunderte und eroberte immer mehr Land: U. a. besiegte er die Lesbier, die den Milesiern zu Hilfe kamen, auf der See.(40) Amasis war aufgrund von Polykrates‘ Erfolgen besorgt und schrieb ihm folgenden Brief:

Amasis spricht so zu Polykrates. Es ist zwar schon zu erfahren, dass es einem geschatzten Mann und Gastfreund gut geht, mir gefallt aber dein gutes Gluck nicht, weil ich weifl, dass das Gottliche neidisch ist. Und irgendwie will ich lieber, dass sowohl ich selbst als auch die Menschen, die mir am Herzen liegen, in Unternehmungen teils erfolgreich, teils erfolglos sind und dass das Leben unterschiedlich verlauft, mit wechselndem Gluck, als dass es in allem erfolgreich ist. Ich habe namlich noch von keinem gehort, der zum Schluss nicht von Grund aus elend geendet hatte, wenn er in allem Erfolg hatte. Pu also hore auf mich und unternimm Folgendes gegen dein Gluck: Penke nach - und wovon du entdeckst, dass es dir am wertvollsten ist, und uber dessen Verlust du am meisten betrubt sein wirst, das wirf so weg, dass es nie mehr zu Menschen kommen wird. Auch wenn sich dir dann in der Folgezeit nicht die Glucksfalle mit den Unglucksfallen abwechseln, dann bringe dein Gluck wieder auf die von mir empfohlene Weise in Ordnung.[9]

(41) Polykrates nahm den Rat des Freundes an und warf seinen „goldgefassten Siegelring [...] mit einem Smaragdstein; es war eine Arbeit des Theodoras von Samos, des Sohnes des Telekles“[10] von einer Pentekontere aus ins Meer, wobei seine Begleiter Zeugen waren. Zuruck in seinem Palast war er sehr betrubt uber diesen Verlust.(42) Funf oder sechs Tage spater brachte ein Fischer einen groBen, schonen Fisch dem Polykrates als Geschenk mit den Worten „‘Konig, als ich diesen hier gefangen hatte, hielt ich es nicht fur recht, ihn zum Markt zu bringen, obwohl ich von meiner Hande Arbeit lebe, vielmehr schien er mir deiner Herrschaft wurdig zu sein.[.. ,]‘“.n Polykrates freute sich sehr uber das Geschenk und lud den Fischer zum Essen ein. Beim Aufschneiden des Fisches fanden die Diener jedoch den Siegelring des Polykrates‘, welchen sie wiedererkannten, freudig ihrem Herrscher brachten und ihm von seiner Entdeckung berichteten. Jener ahnte jedoch, dass es „gottliches Tun“[11] [12] sei und schrieb dies alles seinem Freund Amasis.(43) Amasis erkannte, dass das menschliche Schicksal nicht abzuwenden ist und Polykrates gluckliche Tage gezahlt seien, weil er so viel Gluck hatte, dass er sogar den weggeworfenen Ring zuruckerhielt. Amasis kundigte schlieBlich Polykrates via einen Boten die Freundschaft auf, „damit er nicht selbst, wenn Polykrates ein schrecklich groBes Ungluck treffe, um einen Freund Schmerz empfinde“.[13] 85 Seiten spater berichtet Herodot von eben diesem schrecklichen Tod des Polykrates‘:(120) Der persische Statthalter Oroites verspurte die Lust nach einer grausamen Tat und wollte Polykrates toten, obwohl er weder von ihm angegriffen worden war noch uber ihn Schlechtes reden gehort hatte. Viele meinten, er wurde von einem Perser mit Namen Mitrobates dazu angestochen, als die beiden sich uber Tapferkeit stritten. Mitrobates habe ihm vorgeworfen, dass er sich zu den tapferen Mannern zahlen will, obwohl er den Konig der Insel Samos, die in der Nachbarschaft seines Bezirkes lag, nicht unterworfen habe. Samos sei von dem einheimischen, immer noch regierenden Polykrates nach einem Aufstand in Besitz genommen worden. Uber Oroites‘ Motivation Polykrates zu toten, sei man sich nicht einig gewesen: Entweder habe er sich uber den Vorwurf an sich geargert und wollen sich nicht an Mitrobates, sondern an demjenigen, um dessentwillen er geschmaht worden war, rachen oder (121) er sei beleidigt gewesen, dass Polykrates seinem Boten -mutwillig oder aus Zufall sei nicht klar- kein Gehor verschafft habe.(122) Oroites schickte einen Boten nach Samos, nachdem er in Erfahrung gebracht hatte, dass Polykrates als Erster eine Seeherrschaft uber das ionische Meer und seine Inseln errichten wolle. Der Bote uberbringt dem Polykrates die List des Oroites‘: Er habe von seinen Planen und den fehlenden Mitteln gehort und biete ihm die Halfte seines Geldes an, wenn Polykrates ihn vor dem Konig Kamyses, der ihn verfolge, in Sicherheit brachte. Polykrates solle seinen Vertrautesten schicken, wenn er Oroites bezuglich des Geldes nicht glaube.(123) Polykrates erklarte sich bereit, weil er des Geldes brauchte und sandte einen Boten, der die Sache uberprufen sollte. Oroites prasentierte dem Boten praparierte Truhen, die bis zum Rand mit Steinen ausgefullt und nur auf der Oberflache mit Gold belegt waren. Der Bote erstattete uber das viele Gold Bericht, sodass (124) Polykrates trotz vieler Warnungen von Sehern und dem Traum seiner Tochter, in dem er „in der Luft schwebend, von Zeus gewaschen und von Helios gesalbt wurde“[14], sich nun selbst auf den Weg machte. Herodot beschreibt die Art und Weise wie Polykrates umgebracht wurde nicht: Polykrates sei „auf elende Weise ums Leben [gekommen], die weder seiner Person noch seiner Gesinnung wurdig war [...] [und nachdem Oroites] ihn auf eine Wiese toten lassen [habe], die man nicht wiedergeben k[onne]“[15], sei er ans Kreuz geschlagen worden. Hiermit erfullte Polykrates den Traum seiner Tochter: Er wurde bei Regen von Zeus gewaschen und bei Abgabe von Korperfeuchtigkeit von Helios gesalbt. Herodot schlieBt wie folgt: „So endete das vielfache Gluck des Polykrates [sic!], wie es ihm Amasis, der Konig Agyptens, vorhergesagt hatte“[16]

Polykrates wird als eine Hybrisgestalt vorgefuhrt: Sein Tod und die damit verbundene Begegnung mit den Gottern zeigt Fallhohe, wobei das MaB der Strafe dem MaB der Schuld entspricht, und Ehrung zugleich. Weiterhin kann er nach Herodots Darstellung als ein Opfer, dass sich die Gotter selbst ausgesucht, nachdem sie den Ring als Opfer verweigert haben, gedeutet werden.

III) Schillers Ideenballade

Die Ballade umfasst 16 Strophen mit jeweils sechs Versen, die in vierhebigen Jamben mit wechselnder Kadenz in dem Muster weiblich-weiblich-mannlich sowie im regelmaBigen Schweifreim (aabccb) verfasst sind. Die weiblichen Kadenzen bewirken einen gleitenden Rhythmus, der den Lauf des Schicksals untermalt.

Wie Voigt richtig bemerkt, lasst sich die Ballade in zwei gleich groBe Teile gliedern: Die Strophen zwei bis acht erzahlen die stufenweise Glucksprobe und die Strophen neun bis 15 sind der Geschichte des Ringopfers geweiht, wobei beide Teile in der 13. Strophe durch die Einheit des Ortes aneinander gebunden sind.[17]

In der ersten Strophe -und im weiteren Verlauf (V.7, 11, 26f., 31, 38, 43 u.o.)- ist auffallig, dass die Personalpronomen „Er“ (V.1)[18], „er“ (V.2), „mir“ (V.4), „er“ (V.5) und „ich“ (V.6) stets unbetont sind sowie das Subjekt „Er“ (V.1) unbestimmt, auBer im Titel der Ballade, bleibt („Tyrannen“ (V.15), „Herr“ (V.16, V. 82, V.88), „Furst[...]“ (V.81)), bzw. Amasis mit seiner Funktion umschrieben wird („Agyptens Konig“ (V.5), „der Konig“ (V. 13, V.25), „[d]er konigliche Gast“ (V.37), „der Gastfreund“ (V. 49), „der Gast“ (V.91)), was die Intention des Ideengedichtes unterstreicht: Die Ballade soil eine allgemeine Idee und keine individuelle geschichtliche Einzelbegebenheit darstellen. Hingewiesen sei auf den Befund, dass die Ballade Der Ring des Polykrates nicht eine Tugend idealisiert wie z.B. die Loyalitat in Die Burgschaft oder die durch Theater erlernte Gerechtigkeit in Die Kraniche des Ibykus, sondern den antiken Stoff um den Konig Polykrates benutzend die Idee von einem notwendig ausgewogenen Verhaltnis zwischen Gluck und Ungluck illustriert[19], die zur Erziehung des Volkes dienen soll. Die Form der Ballade eignete sich fur Schillers Intention, der sich selbst als Erzieher und wahrer Volksdichter[20] verstand, aus mehreren Grunden. Erstens erreichte die Ballade durch ihre bildhafte sowie leichte Sprache die Masse -das einfache Volk („de[n] groBen Haufen“[21] ) und die Elite („d[ie] gebildete Klasse“[22] ) gleichermaBen-, was zur Popularisierung beisteuerte, in die sich Schiller, so seine Zeitgenossin Caroline Schlegel, „wie sein Tauchern in den Schlund der Charybdis“[23] gesturzt habe. Zweitens hat die Ballade ihre Ursprunge in mundlich uberlieferten Volksliedern[24], sodass dem Volk diese Form von Poesie gelaufig war und durch den singbaren Charakter auch Analphabeten die Ballade bzw. ihre Idee memorieren und verinnerlichen konnten. Drittens ermoglicht die Ballade mit Elementen aus den drei Hauptgattungen die poetische Darstellung von Zustandsveranderungen bzw. Handlung, sodass die besondere historische Geschichte des Polykrates‘ als Stoff zur Veranschaulichung einer allgemeinen Idee genutzt werden kann.[25] Mecklenburg charakterisiert Schillers Balladen als Verbindung von „Sensation und Idee, Bildungshumanismus und Popularitat“.[26] Schiller ubt in der Ballade Kritik an der zeitgenossischen Gesellschaft aus, da der Missstand zwischen der Idee, die als poetisch-philosophische Reaktion auf das Theodizee Problem gewertet werden kann[27], und der Wirklichkeit verdeutlicht wird.

Nicht nur der singulare -weil der Koch ihn gleich als „den Ring“(V.75) des Polykrates identifiziert[28] - Ring als Objekt ist rund, sondern auch die zyklische Erzahlform, die dem zyklischen Brieftausch in Herodots Historien ahnelt: Zuerst pflichtet der agyptische Konig dem Polykrates bei, „daB [sic! er] glucklich“(V.6) sei, anschlieBend leitet er mit der Konjunktion „doch“ (V.10, 26, 39, 51, 58) seine Warnung bzw. seine Bedenken ein und schlieBlich wird mit dem wiederholten „Und eh‘“(V.13, 31, 43) als Parallelismus die dreimalige[29] „prompte Wunscherfullung“[30] und somit das wundersame Gluck des Polykrates betont. Diese unwahrscheinliche Wiederholung und Akkumulation des Gluckes wirke, so Freud, nicht nur auf den wiederholt „[e]ntsetz[t]en“ (V.49) agyptischen Konig, sondern auch auf den Leser unheimlich, weil der Leser sich mit dem agyptischen Konig identifiziere und sein Urteil, was unheimlich wirkt und was nicht, den Bedingungen der vom Dichter fingierten Realitat anpasse.[31] Laut aristotelischer Dramentheorie ware Der Ring des Polykrates mit seinen dramatischen Elementen, der Tragodie zuzuordnen, weil die dramatis personae dem adeligen Kreis entstammen sowie die Nachahmung von Handlung Schaudern (phobos) hervorruft und hierdurch eine Reinigung (Katharsis) von derartigen Erregungszustanden beim Rezipienten bewirkt wird.[32]

[...]


[1] Michael Hofmanns Schillerhandbucheintrag zufolge lautet die komplette bibliographische Angabe: Herodot: Herodots Geschichte. Ubersetzt von J. F. Degen. Bd. 2. Frankfurt a.M. 1788.

[2] Alle Zitate nach: Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller: Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe. Bd. 1: Briefe der Jahre 1794 - 1797. Hrsg. von Siegfried Seidel. Leipzig 1984., mit Angabe des Absenders, Adressaten und Datums in der Fuflnote. Vgl. Schiller an Goethe, 11.1.1797.

[3] Schiller an Goethe, 26.6.1797.

[4] Fur Humboldt sei Der Ring des Polykrates keine Ballade, weil Balladen seiner Meinung nach „epische Gedichte [...], die aber auf einen lyrischen - vielleicht auch immer schauderlich tragischen - Effect [sic!] hin gearbeitet, und mehr sentimental, als naiv behandelt sind.“ (Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schiller: Der Briefwechsel zwischen Friedrich Schiller und Wilhelm von Humboldt. Bd. 2. Hrsg. von Siegfried Seidel. Berlin 1962, hier S. 106, Humboldt an Schiller, 9.7.1797.) Aufgrund der folgenden Gedichtsanalyse ab Seite vier dieser Hausarbeit, erscheint Humboldts Meinung, dass die Ballade „schlechterdings nur Erzahlung“ (ebd.) sei, weil sie nur den Zweck zu erzahlen habe, nicht plausibel. Allerdings erkennt er Schillers Intention zu unterrichten (vgl. ebd.).

[5] Alle Zitate nach: Christian Gottfried Korner, Friedrich Schiller: Schillers Briefwechsel mit Korner. Von 1784 bis zum Tode Schillers. Bd. 4.: 1797 - 1805. Leipzig 21859, hier Korner an Schiller, 27.9.1797, S. 51., mit Angabe des Absenders, Adressaten, Datums und Seite in der Fuflnote.

[6] Schiller an Korner, 2.10.1797, S. 54.

[7] Vgl. Ludwig Voigt: Der Ring des Polykrates. In: Wege zum Gedicht. Hrsg. von Rupert Hirschenauer und Albrecht Weber. Bd. 2: Interpretation von Balladen. Mit einem Vorwort von Walter Muller- Seidel. Munchen/Zurich 1968, S. 203-212, hier 212.

[8] Vgl. Herbert Gabriel: Pie Geschichte des Altertums in neuer Sicht. Bd. 5: Kyros, Kambyses und ihre Zeit. Erkrath 2015, S. 111f..

[9] Herodot: Historien. Prittes Buch. Griechisch/Deutsch. Hrsg. von Kai Broderson. Stuttgart 2007, 40.

[10] ebd., 41.

[11] ebd., 42.

[12] ebd.

[13] ebd., 43.

[14] ebd., 124.

[15] ebd., 125.

[16] ebd.

[17] Vgl. Voigt: Der Ring des Polykrates, S. 210.

[18] Alle Zitate nach: Friedrich Schiller: Der Ring des Polykrates. Ballade. In: ders.: Schillers samtliche Gedichte. Text und Kommentar. Hrsg. von Georg Kurscheidt. Frankfurt a.M. 2008, S. 85-88., mit Versangabe im Text. Alle Hervorhebungen stammen, soweit nicht anders vermerkt, von der Verfasserin.

[19] Mecklenburg nennt es einen Kampf zwischen „Wahrscheinlichkeitsrechnung und Moira“. (Norbert Mecklenburg: Balladen der Klassik. In: Balladenforschung. Hrsg. von Walter Muller-Seidel. Konigstein i. Ts. 1980, S. 187-195, hier S. 195.)

[20] Den Alltagspoeten, der sich mit dem Volke gleich mache ablehnend, solle der wahre Volksdichter zum Volk herniedersteigen und dieses erziehen. Vgl. Friedrich Schiller: Uber Burgers Gedichte. In: ders.: Samtliche Werke. Bd. 5: Philosophische Schriften. Vermischte Schriften. Dusseldorf 51997, S. 680.

[21] ebd. Schiller entwickelt diese Annahme aus der Auseinandersetzung mit Burgers Gedichten und dessen Idee eines Volksdichters.

[22] ebd.

[23] Caroline Schlegel-Schelling an August Wilhelm Schlegel, 5.5.1801. In: Caroline. Briefe. Hrsg. von G. Waitz. Leipzig 1871, S. 77.

[24] Vgl. Christian Wagenbrecht: Ballade. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hrsg. von Georg Braungart, Harald Fricke, Klaus Grubmuller u.a. Bd. I: A-G. Hawthorne 2010, S. 193.

[25] Schillers Volksdichterverstandnis stimmt mit Aristoteles Dichterverstandnis uberein: „[Die] Aufgabe des Dichters ist [es nicht] mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen konnte, d.h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit Mogliche. [.] [Der Geschichtsschreiber und der Dichter] unterscheiden sich vielmehr dadurch, daB [sic!] der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen konnte. [.] [D]ie Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit. Das Allgemeine besteht darin, daB [sic!] ein Mensch von bestimmter Beschaffenheit nach der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit bestimmte Dinge sagt oder tut - eben hierauf zielt die Dichtung, obwohl sie den Personen Eigennamen gibt. Das Besondere besteht in Fragen wie: was hat Alkibiades getan oder was ist ihm zugestoBen.“ (Aristoteles: Poetik. Griechisch/ Deutsch. Ubersetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Stuttgart 2006, S. 29f., 1451b.)

[26] Mecklenburg: Balladen, S. 195.

[27] Vgl. Karl Wolff: Schillers Theodizee bis zum Beginn der Kantischen Studien. Mit einer Einleitung uber das Theodizee-Problem in der Philosophie und Literatur des 18. Jahrhunderts. Leipzig 1909, S. 115.

[28] Vgl. Caesarius von Heisterbach: Von aim guldein vingerlein das funden wart in ainem lachs. IV, 61. Kapitel. In: Johann Hartliebs Ubersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach. Aus der einzigen Londoner Handschrift. Hrsg. von Karl Drescher. Berlin 1929, S. 307 -308. Hier erkennt der Koch ebenfalls den Ring seines Herren: „Da in der choch auff tett und entwaidet, da vand er den verlornen ring des probst in seinem ingwayd, den chunde noch wolt der choch nit verbergen und zeigt den ring dem probst“ (ebd., S. 308.).

[29] Diese marchenhafte Verdreifachung von Ereignissen (episches Element) trifft man auch in Schillers Die Burgschaft.

[30] Sigmund Freund: Das Unheimliche. In: ders.: Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet. Hrsg. von Anna Freud. Bd. 12: Werke aus den Jahren 1917-1920. Frankfurt a.M. 1999, S. 229-268, hier S. 260. Freud unterscheidet zwei Ursachen des Unheimlichen: zum einen verdrangte infantile Komplexe und zum anderen uberwunden geglaubte animistische Phanomene. Die prompte Wunscherfullung zahlt zur letzteren Ursache (vgl. ebd., S. 253, 261.).

[31] Vgl. ebd., S. 260, 265, 267. Weiterhin differenziert Freund zwischen dem Unheimlichen in der Fiktion und dem Unheimlichen des Erlebens (vgl. ebd., S. 261.).

[32] Vgl. Aristoteles: Poetik, S. 19, 1450a.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Poetisierung von Geschichte in Schillers "Der Ring des Polykrates"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V418930
ISBN (eBook)
9783668679139
ISBN (Buch)
9783668679146
Dateigröße
1339 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ballade, Schiller, Der Ring des Polykrates, Herodot, Poetisierung
Arbeit zitieren
Alexandra Priesterath (Autor), 2016, Poetisierung von Geschichte in Schillers "Der Ring des Polykrates", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418930

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