Das Kreuzlied "Die Liebe zu Gott". Kurzer Vergleich dreier Kreuzzugsdichtungen

Analyse von Hartmann von Aue „Ich var mit iuwern hulden, herren unde mâge...“, Albrecht von Johansdorf „Die hinnen varn, die sagen durch got...“, Friedrich von Hausen „Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden..“


Referat (Ausarbeitung), 2018
4 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Das Kreuzlied: Die Liebe zu Gott

Kreuzzugsdichtung. Hrsg. v. Ulrich Müller. Tübingen 31985

1.-keine verbindliche Definition des Begriffs « Kreuzzug »

-weitgefasste Def.: nicht nur Kämpfe ums Heilige Land, sondern auch die gegen die heidnischen Normannen, Mauren (in Spanien), Preußen und Türken sowie gegen christliche Ketzer gemeint

((Lexikon für Theologie ergänzt: Ungarn sowie Irrgläubige wie Hussiten und Albigenser; allgemeine Def.: Krieg zur Verteidigung oder Befreiung unterdrückter Glaubensgenossen zw. 11. und 14. Jh.))

((-enge Def.: Heerfahrten nach Palästina zw. 1096 und 1291))

àKreuzzüge richten sich gegen Feinde des christlichen Glaubens, der Kirche und des Papstes im Mittelalter

2. Idee des Kreuzzugs ins Heilige Land entstand aus der Verbindung von Wallfahrt und bellum Deo auctore àbewaffnete Wallfahrt

-mittelalterliche Bezeichnungen: peregrinatio, expeditio, iter in terram sanctam, gotes vart, vart über mer àWort „Kreuzzug“ ist im dt. erst seit der Zeit Lessings bekannt

3. Aus diesen Gründen trennt man meistens Dichtung über den christlichen Glaubenskrieg und über die Pilgerreise nicht àzsmfassend als Kreuzzugsdichtung verstanden

((Def. nach Wentzlaff-Eggebert u. Schneider: „Dichtung, die den Kreuzzugsgedanken in poetischer Form vertiefen oder historische Vorgänge wiedererkennen lassen, wobei Kreuzzugsepik und –lyrik verschiedenen Gesetzen folgen“

-früheste Beispiele der Gattung Kreuzlied im frühen 12. Jh.))
-Inhalt: Argumente und Aufrufen zur Kreuzfahrt als auch der daraus entstehende Konflikt zwischen Gottes-und Frauenminne.

Konzept der Kreuzzüge: Paradox, da Krieg Todessünde ist und eigentlich mit Gotteswillen unvereinbar àneues Ritteridealbild, da Kampf und Seelenheil miteinander verbunden und legitimiert wurden durch die Kirche. Gott wird als Lehnherr angesehen, der Palästina als Land der Christen, seinen Vasallen gegeben hat. Der Kämpfer erhält Sündenablass

-KritikàHerrscherlob- und schelte sind oft mit dem Kreuzlied verbunden

Geschichte Kreuzzüge

Durch Urbans II. aufrüttelnde Predigt am Konzil von Clermint 1095 wurden 2 Ideen miteinander verbunden: die Wallfahrtbewegung, die im 11. Jh. beliebt war (12.000 Teilnehmer zw. 1064-5 belegt), und der Heidenkampf

In der Verbindung dieser Konzepte entstand das Kreuzlied. Das Genre erstreckt sich über 200 Jahre, wobei jeweils knapp vor und während der einzelnen Fahrten eine verstärkte Produktion zu erkennen ist. Die Zahl der überlieferten Lieder nimmt zum Zweiten Kreuzzug zu und erreicht ihren Höhepunkt vor und während des Dritten Kreuzzuges. Ab diesem Zeitpunkt nehmen auch volkssprachliche Lieder zu; zuvor waren sie in mlat. verfasst.

Nach der Niederlage des 2. Kreuzzuges lässt die Begeisterung für ein erneutes Unternehmen stark nach. Erst die Nachricht von der Niederlage gegen Saladin bei Hattin und der Verlust Jerusalems 1187 entfacht erneut das Interesse und den Kampfgeist in Europa. Diese Ereignisse sind Auslöser für zahlreiche Lieder, die einen neuen Zug fordern.

4. handelt sich um keine nationale, sondern um christlich-abendländische Dichtungsform

Friedrich von Hausen „Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden..“ 1188/1189

Überlieferung! wegen starker Eingriffe des C-Schreibers (Große Heidelberger bzw. Manessische Liederhandschrift) in die Reimgestaltung der Lieder Handschrift B (Weingartner (Stuttgarter) Liederhandschrift als Textgrundlage,

-Echtheit der letzten Strophe mit dem ‚Sommer von Trier‘ ist umstritten (1-3;4. Strophe) da Stil aus höfisch korrekten Ton seiner Lieder herausfalle; Deutung sumer a) Trier Sommer als ein schlechter verrufen gewesen b) Sumer sei ein Mann, ein bekannter törichter und unzuverlässiger Gesell

-Motiv und auch Ton scheinen von Conon de Béthunes 1. Kreuzliedstrophe von 1187/8 zu stammenàDatierung möglich
-Wiedergabe der Melodie in moderner Notenschrift
-Abgesang Reimstellung baab
- wort =Lied des Dichters

I: Zwiespalt zwischen dem lyrischen Ich und seinem Herzen

II: Anklage des Herzens, dass es wegen seiner Beständigkeit zur Geliebten sich um das Wohlergehen des Dichters nicht kümmere

III: direkte Anrede an das Herz, das er Gott empfiehlt unter gleichzeitigem Hinweis darauf, dass es nun niemanden finden wird, der so treulich, wie bisher der Dichter, ihm zur Seite stehen wird

IV: Abrechnung mit der Geliebten und Erklärung warum das lyrische Ich sie verlassen und in die Ferne ziehen muss

Albrecht von Johansdorf „Die hinnen varn, die sagen durch got...“ 1188/89

-nahm am Kreuzzug 1189-90 teil
-aus Passau
-Handschrift B und C
-vgl. Parallelen zu Walther
-3 Strophen je 11 Verse mit losen inhaltlichen Zsmhang

I: Bedrohung der Heiligen Stadt; versucht die Argumente der Kreuzzugsgegner, Gott würde, wenn er einen Kampf wolle, selbst eingreifen, zu entkräften.

II: Appell: Die Zeit sei gekommen, Gott einen Dienst zu erweisen, von dem sich kein Gläubiger absentieren darf, denn nicht nur eine Stadt, sondern der Glaube selbst ist in Gefahr. Die Sorge um das Seelenheil, die in I angedeutet wird, wird deutlich formuliert

III: bekräftigt den Entschluss des Sängers, am Kreuzzug teilzunehmen und vor Gott zu bestehen, auch wenn er seine Gedanken, die ganz auf Gott gerichtet sein sollten, an eine schöne Dame nicht aufgeben wird.

I,2f: äußere Bedrohung der christlichen Gemeinschaft

II,8: Heiden sind die Feinde

III,5 Kontroverse: Die Übersetzung von belîben als ‚zuhause bleiben‘ oder ‚im Kampf bleiben‘

àDas Gedicht betone die tiefe Religiosität Johansdorfs laut Wentzlaff-Eggbert

Hartmann von Aue „Ich var mit iuwern hulden, herren unde mâge...“ Ende des 12. Jh.

-deutet auf den gegen Saladin gerichteten Kreuzzug von 1189 an, während es nach dem überlieferten Text nach Saladins Tod (3. März 1193) als Totengedenk, also für die Kreuzfahrt v. 1197 gedichtet sein muss
-Handschrift B und C
-wurde in der letzten MF Ausgabe Ha abgesprochen
-Von der Interpretation der ‚Saladin-Verse‘ (II 6ff.) hängt die absolute Chronologie des Hartmannschen Werkes ab. Diese Zeilen gehören zu den meist diskutierten in MF, da jede Deutung und evtl. Konjektur mit biographischen Fragen (Heimat, Teilnahme am Kreuzzug und an welchem, Chronologie der Werke) belastet ist.
-Absagelied. Ein Teil liest: und lebte mîn her Salatîn und al sîn her, / dienbraechten mich von Vranken niemer einen fuoz. Die anderen aber: und lebt mîn herre, Salatîn und al sîn her/ dienbraechten mich von Vranken niemer einen fuoz.
-kontrovers: Minne auf die zum verstorbenen Herrn zu beziehen oder die Liebe zu Gott?
Hartmann empfindet in V. 18 sowie V. 25 die Gottesminne wie eine von jenseits des Meeres aus Gottes bedrängtem Erbland nach ihm verlangende und ihn unwiderstehlich hinüberziehende Macht.

Schlussstrophe: Entgegenstellung der wahren und nachahmenswerten Gottesminne vs. der selbsttäuschenden, unfruchtbaren Liebe der Minnesänger àAbsage an weltlichen Minnesang

-lyrisches Ich berichtet von seinem Scheiden auf eine gefährliche Reise

GEMEINSAMKEITàpersonalisierte Dichtersprache, da lyrisches Ich in 1.P.Sg. über sich spricht

Ingrid Hartl: Das Feindbild der Kreuzzugslyrik. Das Aufeinandertreffen von Christen und Muslimen. Bern/ Berlin/ Bruxelles u.a. 2009, S. 21

Aufgaben an Arbeitsgruppen:

1) formale Analyse a) Strophen b) Verse c) Reimschema
2) inhaltliche Zsmfassung jeder Strophe
3) Zustimmung der Forschungsthese? Begründen in jedem Fall

[...]

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Details

Titel
Das Kreuzlied "Die Liebe zu Gott". Kurzer Vergleich dreier Kreuzzugsdichtungen
Untertitel
Analyse von Hartmann von Aue „Ich var mit iuwern hulden, herren unde mâge...“, Albrecht von Johansdorf „Die hinnen varn, die sagen durch got...“, Friedrich von Hausen „Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden..“
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autoren
Jahr
2018
Seiten
4
Katalognummer
V418933
ISBN (eBook)
9783668681446
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreuzlied, liebe, gott, kurzer, vergleich, kreuzzugsdichtungen, analyse, hartmann, albrecht, johansdorf, friedrich, hausen
Arbeit zitieren
Alexandra Priesterath (Autor)Marnie Kaven (Autor), 2018, Das Kreuzlied "Die Liebe zu Gott". Kurzer Vergleich dreier Kreuzzugsdichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418933

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