Die Architektur der Wassertürme in der Kunstgeschichte und die Turmbauten von Michel de Klerk


Hausarbeit, 2017
28 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorlaufer der Wasserturme

3 Wasserturm de Klerks

4 Wasserturm Halle Nord

5 Wasserturm Halle Sud

6 Fazit

7 Anhang
7.1 Bibliographie
7.2 Bildverzeichnis
7.3 Bildnachweis

1 Einleitung

Funktional gesehen dient ein Wasserturm primar der Wasserversorgung. Doch in dieser Hausarbeit soil, neben der Funktionalitat, auch die architektonische Ausgestaltung eines solches Bauwerks beleuchtet werden. Des Weiteren wird ein Blick auf die Historie und Entwicklung dieser Werke geworfen. Denn wie sehen eigentlich die Vorgangerbauten der Wasserturme aus? Welcher Baumaterialien bediente man sich damals und welcher heutzutage? Welche baukunstlerischen Unterschiede oder Merkmale lassen sichfeststellen? All diesen Fragen soll unter der Themenstellung ,,Die Architektur der Wasserturme - Die klassische oder andere Moderne? Ein Vergleich zwischen Halle und Michel de Klerk“ nachgegangen werden.

Hauptgegenstand dieser Untersuchung ist die Frage: Inwiefern lasst sich Michel de Klerks Wasserturm-Entwurf als klassisch oder anders modern bezeichnen? Um hierauf eine Antwort prasentieren zu konnen, soll zunachst die Frage nach den Vorbildern der Turmbauten abgehandelt werden. Im Anschluss daran wird mit dem Bau nach de Klerk fortgefahren. Es werden verschiedene seiner Skizzen und Entwurfe, vom Grundriss bis zur fertigen Fassade, vorgestellt. Umjedoch den Unterschied zwischen den beiden Seiten der Moderne, wie in der Themenstellung angesprochen, nachvollziehen zu konnen, folgt anschliefiend ein Vergleich. Hierfur sollen sowohl der nordliche als auch der sudliche Hallenser Wasserturm herangezogen werden. Dabei wird auf die Geschichte, die innere Konstruktion sowie aufierliche Form der Werke eingegangen werden.

Mit Ausnahme einer Internetquelle, derer sich ausschliefilich eines Zitates wegen bedient wird, stutzt sich diese Arbeit auf Printmedien. Vorwiegend beruhen die folgenden Ausfuhrungen auf Aufsatzen aus Gerhard Merkls (u.a.) „Historische Wasserturme. Beitrage zur Technikgeschichte von Wasserspeicherung und Wasserversorgung“. Dieter Dolgners (u.a.) „Historische „Wassser-Bauten“ der Stadt Halle/Saale“ fungiert als zweite bibliographische Basis. Unter dem Buchtitel "Design for a water tower with service buildings in reinforced concrete" stellt Vladimir Stissi (u.a.) die Entwurfsskizzen zum de Klerkschen Wasserturm vor.

Die Hausarbeit wird dem Modultitel „Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart“ insofern gerecht, als dass sie sich mit einem modernen Thema befasst - den Wasserturmen. Ihr Aufkommen findet zur Zeit der Industrialisierung im 19./20.Jahrhundert, der Moderne, statt. De Klerk widmet sich als Kunstler eben der Herausforderung und unternimmt den Versuch seine expressionistischen Vorstellungen bezuglich der Architektur auf eben solch einen Bau zu ubertragen. Daruber hinaus sind Wasserturme bis zum heutigen Zeitpunkt stets Bauwerke, die unsere Wasserversorgung sicherstellen. Doch wie in den weiteren Ausfuhrungen ersichtlich werden wird, erfullen sie nicht nur einen funktionalen, sondern auch einen asthetischen Zweck.

2 Vorlaufer der Wasserturme

Dieser Abschnitt widmet sich der Frage nach den Vorlaufern der Wasserturme. An welchen Konstruktionsprinzipien orientiert man sich? Was sind die Vorlaufer? - Kirchenglockenturme, Leuchtturme oder etwa Schlossturme?

Zunachst sollen an dieser Stelle die romischen „Wasserpfeiler“ beleuchtet werden - die tatsachlichen Vorlaufer der Wasserturme (Bild 1). Vitruv fuhrt hierzu u.a. folgendes an: „Kommt die Leitung an die Stadtmauer, so soll man ein Wasserschlo[ss] [...] errichten und mit dem Wasserschlo[ss] verbunden zur Aufnahme des Wassers einen aus drei Wasserkasten bestehenden Wasserbehalter.u1 (Bild 2). Auf diese Weise sollen die verschiedenen Bereiche, offentliche und private Institutionen ebenso wie „Privat-Badeanstalten“, nach vitruvschen Vorstellungen separat voneinander mit Wasser versorgt werden. Allerdings wird vermutet, dass dieses System nie umgesetzt wurde, da es bis dahin kein dreifaches Verteilungsnetz gab. Frontinus, ein romischer Wasserwerkdirektor (97-103 n. Chr.), beschreibt die Wasserverteilung der Stadt Rom so: ,,Die [Wasserb]ehalter befanden sich auf Turmen oder offentlichen Gebauden [...] und dienten der Druckminderung und der weiteren Verteilung. Die Turme waren meist bis zu 6m hoch, von quadratischem Querschnitt [.] und aus Mauerwerk. Auf ihnen waren bleierne Ausgleichsbehalter aufgestellt, die direkt an die Hauptleitung angeschlossen waren. Da sie laufend und gleichmafiig durchflossen wurden, konnten sie klein sein. Eine Entnahmeleitung fuhrte zu den offentlichen Brunnen bzw. Privatabnehmern des zugeordneten [.] Versorgungsgebietes. Die Behalter waren [zudem] mit einem Uberlauf versehen [..,].“2

Die Verteilerturme erweisen sich nicht nur wegen ihrer Funktion zur Wasserversorgung als Vorbild, sondern auch, da diese bereits ,,eine druckhaltende Funktion zu erfullen hatten.“3 Zur Zeit des Mittelalters bestehen die Wasserkasten aus Materialien wie Holz, Kupfer, Messing, Blei oder Stein. Allerdings erweisen sich diese als ungeeignet, denn sie hatten weder eine lange Lebensdauer noch eine hohe Wasserdichte. Daruber hinaus wurde durch diese Baustoffe die Wasserqualitat hinsichtlich des Geschmacks sowie der Farbe beeintrachtigt.

Mit dem Aufkommen der Industrialisierung stofit man auf das Material Eisen, dessen man sich ab da an bedient. Im Zuge dessen kristallisieren sich in Anbetracht der verschiedenen neuen Baustoffe zwei Hauptgruppen von Wasserturmen heraus - die Stahlbauweise sowie die Betonbauweise.

3 Wasserturm de Klerks

Angesichts der Tatsache, dass de Klerk ein Mitglied der Amsterdamer Schule ist, erscheint es nicht verwunderlich, dass der Entwurf des Wasserturms einer „kunstlerische[n] Revolution4, die zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Europa einsetzt, zuzuordnen ist - dem Expressionismus.

Anlass fur den Entwurf des Wasserturms bot eine Wettbewerbsausschreibung von ,,A et A“ im Oktober 1912. Vorneweg istjedoch festzuhalten, dass dieser Wasserturm vermutlich nie realisiert wurde, da keine Datierung existiert, die belegt, dass de Klerk den Entwurf fur den Wettbewerb uberhaupt eingereicht hatte (Bild 3). In Folge dessen gibt es ausschliefilich Zeichnungen, die zeigen wie der Bau ausgesehen hatte.

Im Plan ist vorgesehen, dass ein Eisenreservoir mit einem Durchmesser von 10m und einer Hohe von 8m konstruiert wird. Des Weiteren sollte sich der obere Teil des Reservoirs 40m uber dem Boden abheben und uber eine Treppe erreichbar sein. Zwischen der Aufienwand und der Wand des Reservoirs ist noch ein Rundgang vorgesehen. Charakteristisch fur diese Arbeit de Klerks ist auch, dass er versucht das Werk in die Umgebung, in das urbane Stadtbild einzugliedern. Diesbezuglich fugt er noch Betriebsgebaude hinzu und zieht eine Mauer um den Komplex (Bild 4). Innerhalb und aufierhalb dieser Mauerumzaunung soll die gesamte Baueinheit noch von Grunflachen begrenzt werden. Interessant an dem de Klerkschen Entwurf ist, dass er fur den Wasserturm keine Backsteinverkleidung vorsieht, sondern den gesamten Bau in Stahlbeton realisieren mochte, was bei Betrachtung anderer seiner Werke ungewohnlich erscheint. Der Grund dafur konnte darin begrundet sein, dass J.H.W. Leliman, ebenfalls niederlandischer Architekt, in einem seiner Artikel aus demselben Jahr dafur pladiert die Funktion des Baus offen zu zeigen. So ist der asthetische Aspekt seiner Ansicht nach anscheinend sekundar zu betrachten, denn der Nutzcharakter des Werks soll nicht durch Dekorationselemente verfalscht werden. Weiterhin fuhrt Leliman das Unasthetische vieler Wasserturme auf die „waterhead[s]“5 („Wasserkopfe“) zuruck. Damit meint er die stark hervortretenden Reservoirs, welche oftmals mit einer Zinkkrone oder mit Zinnen versehen sind. In Anlehnung an einen weiteren Artikel aus der „Architektonischen Rundschau“ entscheidet de Klerk im weiteren Planungsprozess den Versuch zu wagen den Grundriss und die Fassade zu einem Ganzen zu formen. Die Grundidee besteht darin die runde Form des Reservoirs mit der quadratischen Form der tragenden Strukturen zu vereinen. Es entstehen unterschiedliche zeichnerische Variationen dieses Konzepts bis sich die fertige Vorstellung, wie sie auf der aktuell vorliegenden Zeichnung zu sehen ist, ergibt.

In diesem Kontext fuhrt de Klerk zwei Skizzen aus (Bild 5,6). Die erste ist gekennzeichnet durch ein hervorspringendes Reservoir, welches mit einer Krone versehen ist und von einer Konsole getragen wird. Darunter befindet sich eine Art wirbelartige Konstruktion, die das Erdgeschoss verlangern soil. Der andere Entwurf sieht vor, dass der Schacht und das Reservoir von einer quadratischen Betonform umgeben sein sollen. Zudem streben solide Betonplatten in die Hohe, die abermals mit einer Art Wirbelmotiv ausgestattet sind. Das quadratische Gehause verjungt sich in einem dreieckigen Schragdach, wohinter die aufiere Wand des Raumes uber dem Reservoir zum Vorschein kommt. Der Grundriss zeigt ein Quadrat, dessen vordere Seiten in der Mitte uber ein Drittel seiner Lange hervortritt (Bild 7). Aus diesem mittigen Drittel ist ersichtlich, das durch vertikale Wiederholungen das Wirbelmuster zustande kommt. Die vier Ecken von 135 Grad sind die sichtbaren Elemente des Achtecks. Die weiteren vier Ecken sind hinter den quadratischen Betonplatten angeordnet. Das Achteck aus den Pfeilern bildet den Grundstein auf dem sich die Fassade letztlich aufbaut. Nach dem Pfeilerachteck folgt ein Ring auf dem das Reservoir ruht. Die einzelnen Pfeiler sind durch Trager miteinander verbunden, welche die Fassade an vier Stellen „durchtrennen“. Aufgrund von Wiederholungen entsteht eine Konstruktion, die einem „backbone“6 („Ruckgrat“) ahnelt. Jedoch haben hierbei nur einige dieser „Wirbel“ eine konstruktive Funktion. Der endgultige Entwurf zeigt eine Kombination aus beiden Planen. Anstelle der flachen Seiten hat der Turm eine eher wellige bzw. quadratische Grundform erhalten. Die schragen Dacher werden durch grofie Volumina ersetzt, welche uber die Ecken herausragen und einen Umfang in Form eines Halb-Ovals aufweisen. Dahinter befindet sich ein Umgang sowie Treppen, die um das Reservoir und daruber herumfuhren. Der Ubergang zwischen den welligen Seiten des Quadrats und dem Halb-Oval entsteht mittels kleiner Einbuchtungen, die sich aus den Betonubergangen ergeben. Aufierdem ist noch anzumerken, dass darunter eine Loggia entsteht, welche am Ende der „Wirbel“ beginnt und schliefilich zu einer dekorativen Spitze wird. Auf der Erdgeschossebene verliert die Vierung des Betonbaus folglich ihren massiven Charakter, derjedoch in der Hohe des Werks ausreichend wiederzuerkennen ist.

Abschliefiend ist zu de Klerks Wasserturm festzuhalten, dass dieser Entwurf einen bedeutenden Stellenwert in seinem ffivre einnimmt. Erkennbar ist auch inwiefern Lelimans Ideen uber den Gebrauch von Stahlbeton in der modernen Baukunst die Plane de Klerks suggerieren und der Architekt versucht den Nutzcharakters des Baus herauszukristallisieren. 1905 sagte Berlage hierzu: "As is the case with the human body, the outer form is now an indirect reflection of the skeleton [.. .]"7, wobei er sich hierbei wahrscheinlich auf die „wirbelartigen“ vertikal nach oben strebenden Pfeiler bezieht, welche den Wasserturm dominieren.

4 Wasserturm Halle Nord

Anfangs, das heifit seit 1474, werden die Hallenser mit ungefiltertem Wasser aus der Saale versorgt, in das auch die Abwasser hineinfliefien. Dies hat zur Folge, dass Epidemien umhergehen. Nach diesen Vorfallen ist man bemuht besseres Trinkwasser, welches man nun der Elbaue entnimmt, zur Verfugung zu stellen. Seit 1881 steht ein Wasserturm an der Magdeburger Strafie. Dieser ist mit einem freitragenden Wasserbehalter ausgestattet, der ein Fassungsvermogen von 1200 m3 aufweist. Deshalb nun die Frage: Welchen Anlass gab esfur den Bau des nordlichen Wasserturms? Als im Zuge der Stadtausdehnung und der damit einhergehenden zunehmenden Zuwanderungsrate der Wasserverbrauch stieg, wird der Bau eines Wasserturms notig. Warum? fragt man sich, denn es besteht bereits einer - der an der Magdeburger Strafie. Genau aus diesem Grund lehnt die Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 16.Dezember 1895 einenNeubau ab. Im weiteren Planungsprozess wird der Vorschlag hervorgebracht den bestehenden Wasserturm um 16m zu erhohen. Nach den Berechnungen und Untersuchungen seitens des Stadtbauamtes gelangt man jedoch zu dem Entschluss, dass der Gesamtkostenvoranschlag von 135.000 Mark den fur einen Neubau ubersteigt. In Folge dessen beginnt Stadtbauinspektor Heinrich Walbe mit den Entwurfen fur den Wasserturm Nord auf dem heutigen Rofiplatz, der unter Stadtbaurat Ewald Enzmer mit einer Gesamtsumme von 167.650 Mark erbaut wird. Die Erdarbeiten fur das Fundament beginnen im Oktober 1897. Nach der Fertigstellung dessen erfolgt ein Jahr spater die Aufstellung des Turmschaftes bis hoch zum Granitring, der den Hochbehalter tragen wird. Weiterhin schliefit sich dann die Aufstellung des Hochbehalters sowie die Vollendung der Ummantelung ebenso wie des Dachgerustes an. Am 07.Januar 1899 befindet man sich in den letzten Zugen des Bauvorhabens. Denn zu diesem Zeitpunkt wird der Turmkopf aufgesetzt, sodass im Juli desselben Jahres die Baumafinahmen ein Ende finden. So wird der Wasserturm Nord am 20.September 1899 erstmals in Betrieb genommen.

Der Turm misst eine Hohe von 54m und steht auf einer Gesamtflache von 260m2. Die einzelnen Bestandteile sind der Grundungskorper mit einem Kellergeschoss, worauf ein gemauerter Turmschaft folgt ebenso wie das Turmobergeschoss mit dem Wasserbehalter und das Dach mit der Laterne, welches in Eisenfachwerk ausgestaltet und mit Schiefern bedeckt ist (Bild 8). Das Kellergeschoss ist leicht geneigt angelegt worden, um die Entwasserung gewahrleisten zu konnen. Der Sockel besteht zum einen aus Beuchaer Diorit, einem Tiefengestein, und andererseits aus Rochlitzer Porphyr, einem vulkanischem Gestein. Auf diesem Sockel setzt der oktogonale Unterbau auf, der 10m hoch ist und mit Eisenverschmelzverblendern ausgestattet ist.

Die acht aufstrebenden Pfeiler an dem Unterbau des Turms sind mit figuralen Omamenten, mit Meeresungeheuem, welche von Friedrich Guth und Friedrich Manicke aus Sandstein gefertigt werden, sowie grofien Steinkugeln versehen (Bild 9). Im Anschluss folgt, auf das von konsolengetragene Abschlussgesims des Unterbaus, der Turmschaft, der einen polygonalen Unterbau aufweist und nach obenhin zylindrisch verjungt ist. Er misst eine Hohe von 25m, wobei er im unteren Teil einem Durchmesser von 14m und oben 11m versehen ist. Von aufien ist der Bau mit roten Werksteinen sowie gelben Klinkern verkleidet worden. Aufgrund seiner architektonischen Ausgestaltung erinnert dieser Wasserturm an einen Leuchtturm. Denn dieser weist ebenfalls einen nach oben hin verjungten Schaft ebenso wie eine Laterne als Bekronungsmerkmal auf. Der Schaft ist durch zwei Fensterreihen gegliedert. Charakteristisch sind noch die Uhr, die anstelle eines Fensters eingebaut ist, welche uber dem Haupteingang erkennbar ist und das Stadtwappen. Beide Elemente werden durch Fische gerahmt. Abgegrenzt wird der Schaft durch einen Granitring, der gleichermafien auf Konsolen ruht. Der Aufgang im Inneren des Wasserturms erfolgt uber eine aus Granit bestehende Wendeltreppe, die im Mauerwerk eingespannt ist (Bild 10). Ihr Ende nimmt die Treppe in der umlaufenden Galerie. Uber dem Schaft erhebt sich das konkav ausladende Turmobergeschoss. Der Aufiendurchmesser dessen betragt 15m und misst eine Hohe von 10m. Neben der grunen Farbgebung und den gelben Klinkern ist die Fassade mit gemusterten Ausmauerungen gestaltet. Des Weiteren sind an diesem Geschossteil 12 rundbogige Fenster mit einer Giebelverdachung erkennbar. Unterhalb der Traufe ist eine Reihe von Halbrundfenstern angebracht worden, die den Abschluss des Geschosses bilden. Schliefilich folgt die stahlerne Dachkonstruktion mit einem Durchmesser von 17m, inklusive des Uberstandes, und einer Hohe von 12,50m bis zur Laterne hin. Im Inneren des Wasserturms befindet sich ein Hochbehalter, der von einer Unterkonstruktion aus Stahl getragen wird und ein Fassungsvermogen von 1500m3 aufweist. Daruber hinaus misst dieser einen Durchmesser von 13m und eine Hohe von 11m. In diesem Zusammenhang ist zu erwahnen, dass Otto Intze, als Bauingenieur, ein Prinzip fur die Hochbehalter in Wasserturmen konstruiert. Dementsprechend wird dieses Prinzip auch nach seinem Konstrukteur benannt. Auf das Beispiel des Wasserturms Halle Nord angewendet, wird das sogenannte Intze-2-Behalter-Prinzip eingebaut (Bild 11). Wie derName des Systems bereits preisgibt existieren zwei Behalter. Der Grundgedanke dabei ist folgender: Das erste Behaltnis ist solange in Betrieb bis der Inhalt zur Neige geht. Ab diesem Zeitpunkt greift dann der zweite Behalter, weshalb dieser zu jeder Zeit betriebsbereit sein muss. In der Zwischenzeit wird das erste Behaltnis wieder aufgefullt. Sobald der zweite Behalter leer ist, kommt der erste wieder zum Einsatz, sodass auf diese Weise ein Kreislauf entsteht.

Damit der Kreislauf nicht unterbunden wird, ist es wichtig, dass zu keinem Zeitpunkt beide Behalter verwendet werden. Ein positiver Nutzen dieses Systems ist, dass ausschliefilich so viel Wasser verbraucht wird wie benotigt wird. So entsteht kein Uberschuss und der tatsachliche Wasserbedarf wird angeglichen.

Weiterhin ist anzumerken, dass der Wasserturm im Jahr 1965 wegen seiner Stilllegung funktionslos wird. Der Grund dafur ist im Umstieg auf das Fernwassernetz zwischen dem Ostharz und der Elbaue begrundet. Eine Hypothese zu dem Umstieg konnte sein, dass es nicht ausreichende Trinkwasservorkommen zu dieser Zeit gegeben hat und man sich deshalb gezwungen sah andere Moglichkeiten in Betracht zu ziehen. Die zweite Hypothese hierzu lautet, dass es vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse zur Zeit der DDR in den 60er Jahren ein okonomisches Problem ist den Wasserturm weiter zu betreiben. Denn in diesen Jahren ist man auch daraufbedacht den Wohn- und Siedlungsbau weiter voranzubringen, wofur die finanziellen Mittel hochstwahrscheinlich primar eingesetzt wurden.

Im weiteren Verlauf erfolgt nun schliefilich zwischen 1992 und 1999 eine Sanierung des Baus. Ab 2006 werden nachtraglich eingebaute Elemente entfernt, um den ursprunglichen Bauzustand zu synthetisieren. Im Zuge der Bauarbeiten ab 2006 werden neue Fenster eingesetzt und die Einrichtung von sanitaren Anlagen erfolgt ebenso. Heutzutage steht der Bau unter Denkmalschutz und ist seiner Ursprungsfunktion entfremdet worden. Er dient nicht mehr zur Wasserversorgung, sondern fungiert als Zentrum fur Vereinsaktivitaten.

An dieser Stelle ist als Zwischenfazit festzuhalten, dass der Wasserturm Nord in Halle im Vergleich zum de Klerk'schen Entwurfbezuglich seiner architektonischen Ausfuhrung traditioneller, im Sinne von klassischer Moderne, gebaut ist. Diese These ist belegbar anhand des runden Schafts und somit auch des runden Grundrisses im Gegensatz zum oktogonalen Grundriss von de Klerk. Hinzu kommt die Aufienverkleidung des Baus aus roten Werksteinen und gelben Klinkern, die ein wenig an den Jugendstil erinnert. Beim Wasserturm de Kerks ist die Fassade mit typisch neuem Baumaterial ausgestaltet worden, namlich Beton, was fur die klassische Moderne spricht. Allerdings trifft dieser Aspekt auch auf den nordlichen Wasserturm zu, da man sich hierbei dem Material Stahl bedient.

[...]


1 Baur, Albert: Historische Turmbauwerke der Wasserversorgung, in: Merkl, Gerhard/Baur, Albert/Gockel, Bernd/Mevius, Walter (Hrsg.): Historische Wasserturme. Beitrage zur Technikgeschichte von Wasserspeicherung und Wasserversorgung. o.A., Wien 1985, S.30.

2 Vgl. ebd., S.31.

3 Merkl, Gerhard: Vorlaufer der Wasserturme, in: Merkl, Gerhard/Baur, Albert/Gockel, Bernd/Mevius, Walter (Hrsg.): Historische Wasserturme. Beitrage zur Technikgeschichte von Wasserspeicherung und Wasserversorgung. o.A., Wien 1985, S. 64.

4 Mevius, Walter: Baustile und Wasserturme, in: Merkl, Gerhard/Baur, Albert/Gockel, Bernd/Mevius, Walter (Hrsg.): Historische Wasserturme. Beitrage zur Technikgeschichte von Wasserspeicherung und Wasserversorgung. o.A., Wien 1985, S.158.

5 Stissi, Vladimir/Johannisse, Sigrid: Design for a water tower with service buildings in reinforced concrete, in: Bock, Manfred/Stissi, Vladimir/Johannisse (Hrsg.): Michel de Klerk. Architect and Artist of the Amsterdam School 1884­1923. o.A., o.O. 1997, S. 174.

6 Vgl. ebd., S.176.

7 Vgl. ebd., S.179.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Architektur der Wassertürme in der Kunstgeschichte und die Turmbauten von Michel de Klerk
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V419279
ISBN (eBook)
9783668682689
ISBN (Buch)
9783668682696
Dateigröße
1187 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
architektur, wassertürme, kunstgeschichte, turmbauten, michel, klerk
Arbeit zitieren
Juliette Kraak (Autor), 2017, Die Architektur der Wassertürme in der Kunstgeschichte und die Turmbauten von Michel de Klerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419279

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