Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Situation italienischer Migrantenkinder in der Bundesrepublik Deutschland und verschiedenen sprachwissenschaftlichen Phänomenen in Mutter- und Zweitsprache. Gerade die zweite Generation von Migranten weist interessante Aspekte im Bezug auf Sprachbildung und Alternation von Sprache auf, da sie in fast allen Fällen beide Sprachen, sowohl die Muttersprache als auch die Zweitsprache parallel erlernen. Im Umgang mit der Familie wird meist in der Heimatsprache kommuniziert, während im außerfamiliären Alltag – Kindergarten, Schule, etc. – die Zweitsprache zum Einsatz kommt.
Die Hausarbeit ist in mehrere Teile gegliedert. Zunächst die allgemeine Migrationssituation in Deutschland in den vergangenen Jahren. Hierbei wird besonders auf die Geschichte der „Gastarbeit“ in Deutschland eingegangen. Identitätsmustern und Integrationsschwierigkeiten etc. in Schule und Beruf sind Gegenstand des ersten Kapitels.
Im Folgenden wird ein spezielles Projekt zur Sprachalternation italienischer Migrantenkinder vorgestellt und erläutert. Hierbei handelt es sich um ein 1982 durchgeführtes Projekt von Prof. Peter Auer, Professor für Linguistik an der Universität Freiburg. Anhand dieses Projektes werden verschiedene Fallbeispiele vorgestellt, mit deren Hilfe verschiedene Alternationsphänomene herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ersten Gastarbeiter in Deutschland
3. Mehrsprachigkeit oder Bilingualität
3.1 Definitionsversuche
3.2 Bilingualität und Identitätsentwicklung
4. Projekt Konstanz
4.1 Vorstellung der Vorgehensweise
4.2 Code-Switching und Transfer
5. Fallbeispiele
5.1 Niccolo
5.2 Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziolinguistische Situation italienischer Migrantenkinder in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf Bilingualität und Phänomene der Sprachalternation. Zentral ist dabei die Analyse, wie und warum Kinder zwischen ihrer Muttersprache und der Zweitsprache Deutsch im Alltag wechseln.
- Historische Hintergründe der italienischen Migration und „Gastarbeit“ in Deutschland.
- Theoretische Grundlagen von Bilingualität und deren Einfluss auf die Identitätsentwicklung.
- Analyse des Projekts von Prof. Peter Auer zur konversationellen Sprachalternation.
- Einführung in spezifische Mechanismen wie Code-Switching und Transfer.
- Fallstudien zur praktischen Anwendung sprachlicher Alternationsmuster bei Kindern.
Auszug aus dem Buch
4.1 Vorstellung der Vorgehensweise
Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit einem speziellen Projekt, durchgeführt und protokolliert von Prof. Dr. Peter Auer, Professor für Germanische Philologie mit dem Schwerpunkt Linguistik an der Universität Freiburg. Auer konzentriert sich in seinen Untersuchungen auf die Sprachalternation bei Migrantenkindern im Kleinkindalter bis in die Pubertät. Das Projekt dient unter anderem dazu aufzuzeigen, dass systematische Unterschiede zwischen verschiedenen Sprechern bestehen.
Vor Auer haben schon andere Linguisten Untersuchungen zum Bilingualismus durchgeführt, wie Susan Gal, Professorin für Anthropologie, Linguistik und Sozialwissenschaften an der Universität Chicago, im Jahr 1979. Doch diese stark differentiellen Analysen betrachten nur die Sprachwechsel und Sprachwahlen der Sprecher, wenn sie sich im Sprachkontakt mit ganz bestimmten Interaktionspartnern befanden. Die Sprachalternation wird als Restkategorie in den Hintergrund geschoben. Die Analysen setzten durch ihre Ansätze voraus, dass keine systematischen Unterschiede in den Konstellationen der Sprecher und Hörer zu vermerken seien, die Code-Switching-Muster der einzelnen Sprecher seien stets die gleichen. Auer kommt am Beispiel Susan Gals und ihrer Analyse zum deutsch-ungarischen Bilingualismus in Oberwart zu dem Schluss, dass der während der Interaktion stattfindende Aushandlung der Konversations- bzw. Interaktionssprache nicht genügend Beachtung geschenkt wird, sondern sich mehr auf das Fazit, auf das Ergebnis konzentriert.
Auer hingegen will in seiner Untersuchung mit italienischen Migrantenkindern in Konstanz alle möglichen Arten von Sprachalternationen untersuchen und berücksichtigen. Er bedient sich der differentiellen Analyse, indem er die verschiedenen Sprecher anhand eines bestimmten Aspekts in ihrem sprachlichen Verhaltensmustern vergleicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Situation italienischer Migrantenkinder in Deutschland vor und erläutert den Fokus auf sprachwissenschaftliche Alternationsphänomene basierend auf dem Projekt von Prof. Peter Auer.
2. Die ersten Gastarbeiter in Deutschland: Dieses Kapitel behandelt die historische Entstehung der Arbeitsmigration durch das Anwerbeabkommen von 1955 und die sozioökonomischen Bedingungen der Gastarbeiter.
3. Mehrsprachigkeit oder Bilingualität: Es werden grundlegende Definitionen von Bilingualität erörtert sowie der Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und der Identitätsentwicklung von Kindern im Migrationskontext beleuchtet.
4. Projekt Konstanz: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Herangehensweise von Prof. Peter Auer an die Analyse von Sprachalternationen und definiert zentrale Begriffe wie Sprachwahlkonvergenz, Code-Switching und Transfer.
5. Fallbeispiele: Anhand des Fallbeispiels Niccolo werden die theoretischen Konzepte auf konkrete Transkriptionen angewendet, um individuelle Sprachpräferenzen und Alternationsmuster zu illustrieren.
Schlüsselwörter
Italienische Migrantenkinder, Gastarbeiter, Bilingualität, Sprachalternation, Code-Switching, Sprachwahlkonvergenz, Identitätsentwicklung, Sprachkontakt, Linguistik, Transfer, Integrationsschwierigkeiten, Interaktionssprache, Sprachpräferenz, Fallstudie, Peter Auer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Situation von italienischen Migrantenkindern in Deutschland und analysiert, wie diese ihre Muttersprache und die deutsche Zweitsprache im Alltag verwenden und miteinander abwechseln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte italienischer Gastarbeiter, die Theorie der Bilingualität, die Identitätsentwicklung im Migrationskontext sowie die Analyse von Sprachalternationsphänomenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis des Forschungsprojekts von Prof. Peter Auer zu zeigen, dass Sprachwechsel bei Kindern keine zufälligen Ereignisse sind, sondern systematischen Mustern und Regeln folgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der „differentiellen Analyse“, bei der spezifische Sprecher anhand definierter sprachlicher Verhaltensmuster miteinander verglichen werden, ergänzt durch die Auswertung von Transkriptionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Mehrsprachigkeit, die methodische Vorstellung des Konstanz-Projekts sowie die praktische Anwendung dieser Theorien auf konkrete Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bilingualität, Code-Switching, Sprachalternation, Migrantenkinder, Gastarbeiter, Sprachwahlkonvergenz und Transfer.
Wie unterscheidet sich Code-Switching von einem Transfer?
Nach Auer stellt Code-Switching einen bewussten Übergang zwischen zwei Sprachen dar, während ein Transfer lediglich die punktuelle Übernahme einzelner sprachlicher Einheiten aus der einen in die andere Sprache bezeichnet.
Was bedeutet Sprachwahlkonvergenz laut der Untersuchung?
Sie beschreibt den Prozess, bei dem sich Gesprächspartner zu Beginn einer Interaktion meist unbewusst auf eine gemeinsame Sprache einigen, in der das Gespräch fortgeführt wird.
Welche Rolle spielt Niccolo in den Fallbeispielen?
Niccolo dient als Proband, an dessen Beispiel verdeutlicht wird, dass trotz guter Italienischkenntnisse eine klare Präferenz für das Deutsche vorliegen kann, wobei er Sprachwechsel meist nur gezielt einsetzt.
Wie wirkt sich laut Arbeit die Migration auf die Identität der Kinder aus?
Die Arbeit weist darauf hin, dass eine frühe Migration oder Geburt in Deutschland die Identitätsentwicklung beeinflusst, wobei Konflikte des ethnischen Zugehörigkeitsgefühls auftreten können, wenn der Enkulturationsprozess im Heimatland unterbrochen wird.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2008, Bilingualität und konversationelle Alternationen im Sprachgebrauch von italienischen Migrantenkindern in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419306