Ästhetische Bildung ein sehr diskutierter Begriff, der vor allem als Oberbegriff für alle pädagogischen Handlungsbereiche beschrieben wird, die die ästhetische Arbeit mit einbeziehen, beispielsweise Kunst, Theater, Musik und Literatur. Schon lange orientiert sie sich also nicht mehr nur an den Themen der Kunst und der Kultur, sondern setzt ihren Schwerpunkt auf allgemeinere Aspekte eines ästhetischen Ich-Weltverhältnisses und der Persönlichkeitsbildung durch ästhetische Erfahrung. Darunter fällt vor allem die Frage nach der Bedeutung von Wahrnehmung und Sinnlichkeit. Der Begriff der Ästhetischen Bildung wächst und wird immer bedeutender. Ästhetik, ästhetische Erfahrungen, ästhetisches Verständnis und ästhetisches Wissen gilt heute als wesentlicher Bestandteil des Lernens und der Bildung.
Aus der Sicht des Begriffs ästhetische Bildung wird sich die Aufgabe gestellt, wie die Arbeit mit einer geistigen behinderten Person durch ästhetische Bildung in einer Wohngruppenform gefördert werden kann. Ein Mensch mit geistiger Behinderung lebt in einer betreuten Wohngruppe. Hier bekommt er/sie Unterstützung bei alltags- und lebensnotwendigen Maßnahmen von pädagogischen Fachkräften. Damit der Mensch mit einer geistigen Behinderung individuelle Entwicklungsförderungen erhält, werden Konzepte und Ideen einer Fördermaßnahme durch die pädagogischen Mitarbeiter*Innen erarbeitet.
Viele Konzepte und Maßnahmen, die in einer Wohngruppenform angeboten werden, stammen aus ästhetischen Handlungsfeldern. Die ästhetischen Handlungsfelder beschreiben vielfältige Methoden und Techniken, die in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen angewendet werden. Ein Konzept einer betreuten Wohngruppe in H. wird hier als ein Beispiel für die ästhetische Gestaltung im Kontext von Wohngruppenarbeit erläutert. Das Projekt nennt sich „TAT“ (Treff am Turm) und wurde als Freizeitgestaltung für die Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung entwickelt. Die Konzeptidee beruht auf dem Grundgedanken, dass ästhetische Gestalten als Teilnahme in der Gesellschaft dienen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Mensch mit geistiger Behinderung
3. Sozialpädagogische Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung in Wohngruppenform
3.1 Institution Wohngruppe
3.2 Ziele
3.3 Pädagogische Fördermaßnahmen
4. Begriffsbestimmung
4.1 Ästhetische Bildung
5. Ästhetische Bildung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung
5.1 Möglichkeiten der Förderung für Menschen mit geistiger Behinderung
5.2 Methoden & Techniken
5.3 Theorien
5.4 Qualifikation der Mitarbeiter
6. Projekt „TAT“
6.1 Beschreibung des Projekts
6.2 Teilnehmer
6.3 Verwendete Materialien & Techniken
6.4 Durchführung/ Ablauf
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie ästhetische Bildung als pädagogischer Ansatz genutzt werden kann, um Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohngruppen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Zentral ist dabei die Frage, wie durch kreative Prozesse und eine spezifische Gestaltung des Alltags Barrieren abgebaut und neue Ausdrucksformen ermöglicht werden können.
- Ästhetische Bildung als pädagogisches Konzept
- Methoden und Theorien der ästhetischen Praxis
- Individuelle Entwicklungsförderung in Wohngruppen
- Praxisbeispiel: Das Projekt „TAT“ (Treff am Turm)
- Soziale Inklusion durch kreatives Gestalten
Auszug aus dem Buch
5.2 Methoden & Techniken
Methoden und Techniken der ästhetischen Bildung beinhalten eine strukturierte und zielgerichtete Entwicklungsmöglichkeit für die Menschen mit geistiger Behinderung. Eine Methode der ästhetischen Arbeit ist das bildnerische Gestalten. Das gestalterische Arbeiten beinhaltet wichtige Aspekte wie das Wahrnehmen, die Eigenständigkeit, das Auseinandersetzen, die Materialerfahrung, das Denken und das Kommunizieren.
Die Wahrnehmungsförderung setzt deshalb an den grundlegenden Funktionen der Wahrnehmung an. Zu Beginn werden körpernahe Wahrnehmungsfunktionen angeregt, wie z.B. Ertasten von verschiedenen Materialien oder zur Körperwahrnehmung Gleichgewichtsübungen. Das Ziel der Wahrnehmungsförderung ist eine Wahrnehmungssensibilisierung und hat die Aufgabe Sinneserfahrungen zu erleben.
Durch das gestalterische Arbeiten werden das Bewusstsein der eigenen Wahrnehmung, Wahrnehmungsstrategien und mehrere Sinnesbereiche gefördert. Die Adressaten*Innen lernen Eindrücke aus ihrer Umwelt aufzunehmen, sich an ihr zu orientieren und weiterzuverarbeiten. Das erste Ziel ist also das Bewusstwerden der eigenen Wahrnehmung und bestimmte Wahrnehmungsstrategien zu ermöglichen.
Der kreative Ansatz nimmt in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung eine wichtige Bedeutung ein. Das kreative Gestalten dient zur Hilfestellung bei Ausdrucksformen von den Adressaten*Innen, wenn die verbale Alltagssprache nicht mehr als Kommunikationsmittel ausreicht. Durch das bildnerische Gestalten wird den Adressaten*Innen ermöglicht seine*ihre Ideen umzusetzen und in den Austausch mit ihrer Umwelt zu kommen. Es geht vor allem darum Bilder selber zu produzieren. In der Arbeit für Menschen mit Behinderung ist es dabei wichtig, dass der Blick auf das äußere Wahrgenommene und das innere Wahrgenommene, wie beispielsweise die Phantasien oder Vorstellungen, zu erkennen gilt. Die Adressaten*Innen sollen lernen, eigene Vorstellungen durch Bilder zu entwickeln und das vermittelte Verständnis oder Wissen zu überdenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen der ästhetischen Bildung abgesteckt und das Ziel der Arbeit sowie das Praxisbeispiel "TAT" vorgestellt.
2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert geistige Behinderung sowohl gesetzlich als auch aus medizinischer und pädagogischer Perspektive.
3. Sozialpädagogische Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung in Wohngruppenform: Es wird die Institution Wohngruppe erläutert, deren Ziele sowie die pädagogischen Maßnahmen zur Förderung der Selbstständigkeit und Alltagsgestaltung.
4. Begriffsbestimmung: Dieser Abschnitt differenziert den Begriff der ästhetischen Bildung und erläutert dessen Bedeutung für die Persönlichkeitsbildung.
5. Ästhetische Bildung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung: Es werden die vier Grunddimensionen der Förderung, spezifische Methoden und Techniken, theoretische Zugänge sowie die Anforderungen an das pädagogische Fachpersonal detailliert.
6. Projekt „TAT“: Dieses Kapitel beschreibt das Praxisprojekt "Treff am Turm" inklusive der Zielgruppe, der Materialien, der Techniken und des konkreten Ablaufs.
7. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Bedeutung ästhetischer Arbeit für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ein inklusionsorientiertes Handeln.
Schlüsselwörter
Ästhetische Bildung, geistige Behinderung, Wohngruppe, Sozialpädagogik, Inklusion, Wahrnehmungsförderung, Persönlichkeitsbildung, gestalterische Arbeit, kreative Ausdrucksformen, Teilhabe, Selbstständigkeit, Projekt TAT, soziale Integration, methodische Ästhetik, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung ästhetischer Bildung als pädagogisches Mittel in der Behindertenhilfe, speziell innerhalb betreuter Wohngruppen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungsförderung, der methodischen Gestaltung kreativer Prozesse, der individuellen Persönlichkeitsentwicklung und der Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ästhetische Bildungsangebote Menschen mit geistiger Behinderung dabei unterstützen können, ihre Fähigkeiten zu entfalten und als gleichberechtigte Mitglieder an der Gesellschaft teilzuhaben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Studienarbeit, die Fachliteratur analysiert und diese anhand des Praxisbeispiels „TAT“ (Treff am Turm) veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Behinderung und Wohngruppen, die Definition ästhetischer Bildung, die Darstellung spezifischer Förderdimensionen und Methoden sowie die detaillierte Vorstellung eines konkreten Praxisprojekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ästhetische Bildung, geistige Behinderung, Inklusion, Wahrnehmungsförderung und soziale Teilhabe.
Welche Rolle spielt das Projekt „TAT“ innerhalb der Arbeit?
Das Projekt „TAT“ dient als konkretes Praxisbeispiel, um die theoretisch hergeleiteten Möglichkeiten der ästhetischen Bildung in der realen Freizeitgestaltung für Menschen mit und ohne Behinderung zu illustrieren.
Warum wird die Wahrnehmungsförderung so stark betont?
Sie gilt als grundlegende Voraussetzung für ästhetisches Arbeiten, da viele Menschen mit geistiger Behinderung Einschränkungen in der Wahrnehmung haben oder Schwierigkeiten besitzen, Wahrgenommenes kreativ umzusetzen.
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- Anonym (Author), 2017, Ästhetische Bildung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419419