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Trauma und Kontamination. Varianten des Gedächtnisses an die Eroberung Konstantinopels 1204 im Mittelalter

Gottes Wille oder menschliche Gier? Ein Vergleich der Aufzeichnungen von Niketas Choniates und Gunther von Pairis

Titel: Trauma und Kontamination. Varianten des Gedächtnisses an die Eroberung Konstantinopels 1204 im Mittelalter

Hausarbeit , 2017 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Constanze Noack (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit habe ich mithilfe vieler verschiedener Quellen die emotionale Aufarbeitung des 4. Kreuzzugs dargestellt.
Der vierte Kreuzzug wird bis heute stark in der Forschung diskutiert. Aber warum ist genau dieser so interessant, was unterscheidet ihn von anderen? Um diesen Fragen nachzugehen wäre es sinnvoll, den Kreuzzug als solches zu definieren, um so Besonderheiten und Unterschiede herausarbeiten zu können. Dies ist aber durchaus schwierig und die Bedeutung des Wortes zu komplex. Sicher ist aber, dass kaum jemand den Ausgang des Vorhabens erahnt hat, als Papst Innozenz III. 1198 in seiner päpstlichen Bulle zum Kreuzzug gegen Jerusalem aufruft. Das Besondere am vierten Kreuzzug ist, dass das eigentliche Ziel Jerusalem bald eine nebensächliche Rolle spielte und die christlichen Städte Zara und Konstantinopel von den Kreuzrittern und venezianischen Verbündeten eingenommen und geplündert wurden. Es liegt eine Interessenverschiebung von dem vermeintlich göttlichen Auftrag hin zu wirtschaftlichen und politischen Vorteilen vor. Die Problematik daran ist, dass Christen im Auftrag der Kirche eine andere christliche Stadt überfallen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. VORSTELLUNG DER AUTOREN UND WERKE

2.1. NIKETAS CHONIATES - CHRONIKE DIEGESIS

2.2. GUNTHER VON PAIRIS – HISTORIA CONSTANTINOPOLITANA

3. GEGENSÄTZLICHE POSITIONEN - WILLE GOTTES ODER WELTLICHE GIER?

3.1. MOTIVE FÜR DEN ÜBERFALL

3.2. AUGENZEUGENBERICHTE DES ÜBERFALLS

3.3. RELIQUIENRAUB – UMGANG MIT DEN OBJEKTEN

3.4. DIE SICHTWEISE ÜBER VENEZIANER

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Wahrnehmung und Aufarbeitung der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 durch den byzantinischen Chronisten Niketas Choniates und den Zisterziensermönch Gunther von Pairis. Das primäre Ziel besteht darin, durch einen direkten Vergleich dieser zwei gegensätzlichen Perspektiven die Mechanismen der selektiven Erinnerung und der Rechtfertigung eines religiös motivierten Überfalls auf eine christliche Stadt herauszuarbeiten.

  • Vergleich byzantinischer und lateinischer Quellen zum Vierten Kreuzzug
  • Analyse der Motive für den Überfall und die Plünderung Konstantinopels
  • Untersuchung der religiösen Legitimation von Reliquienraub
  • Gegenüberstellung der Wahrnehmung der Akteure (insb. Enrico Dandolo)
  • Reflexion über historische Konstruktion und Manipulierbarkeit von Geschichtsschreibung

Auszug aus dem Buch

3.2. Augenzeugenberichte des Überfalls

Die Berichte über den Überfall gehen weit auseinander. Ein so einschneidendes Ereignis wird immer sehr emotional und subjektiv betrachtet. Sowohl die Täter als auch die Opfer haben ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge und sehen die Wahrheit in ihrem Licht. Aber genau diese Anschauungen und Interpretationen sind aufschlussreich und ermöglichen eine Rekonstruktion der damaligen Ereignisse aber auch des vorherrschenden Weltbildes. Choniates spricht von einer sehr gewaltsamen Übernahme der Eroberer, die auch mehrere Tage andauerte und schließlich am 12. April 1204 erfolgreich war.

„Am Montag der sechsten Fastenwoche, es war der 12. April, fuhren sie jedoch wieder an die Stadt heran und drängten sich an die Küste. Es war schon Mittag, und noch immer hielten die Unseren stand. Der Kampf tobte heftiger und erbitterter als wenige Tage vorher. Da es aber vorherbestimmt war, daß unsere Stadt, die Herrscherin über alle Städte, das Joch der Knechtschaft auf sich nehmen sollte, da Gott es für richtig befand [...].“

Werden aber die Aufzeichnungen Gunther von Pairis in Betracht gezogen, entsteht ein vollkommen anderes Bild. Er skizziert eine schnelle und gewaltlose Übernahme durch die Kreuzritter und zieht einen Vergleich zum Einzug Christi am Palmsonntag. In den Aufzeichnungen Choniates hingegen, ist von einem Montag die Rede.

„Actum est hoc circa Ramos Palmarum Deo, ni fallimur, ita disponente, ut eadem die Christi exercitus hanc triumphaliter perfidam urbem irrumperet, qua Christus veniens ad triumphum passionis sanctam ingressus est civitatem.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den Vierten Kreuzzug als umstrittenes Unterfangen und führt in die Thematik der Interessenverschiebung vom geistlichen Auftrag zur politischen und wirtschaftlichen Plünderung christlicher Städte ein.

2. VORSTELLUNG DER AUTOREN UND WERKE: Dieses Kapitel stellt die beiden zentralen Chronisten, Niketas Choniates und Gunther von Pairis, sowie ihre jeweiligen Werke vor und beleuchtet deren unterschiedliche biographische Hintergründe und Intentionen.

3. GEGENSÄTZLICHE POSITIONEN - WILLE GOTTES ODER WELTLICHE GIER?: Der Hauptteil vergleicht die Sichtweisen der beiden Autoren hinsichtlich der Motive, der Art des Überfalls, des Reliquienraubs und der Bewertung der venezianischen Akteure, wobei die selektive Erinnerung beider Seiten hervorgehoben wird.

4. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wahrnehmung des Ereignisses durch die jeweilige Perspektive und gesellschaftliche Rolle der Chronisten massiv geprägt ist, was eine objektive Rekonstruktion der Schuldfrage nahezu unmöglich macht.

Schlüsselwörter

Vierter Kreuzzug, Konstantinopel, Niketas Choniates, Gunther von Pairis, Eroberung 1204, Historia Constantinopolitana, Chronike diegesis, Augenzeugenbericht, Reliquienraub, Enrico Dandolo, byzantinisches Reich, Kreuzzüge, Geschichtsschreibung, Erinnerungskultur, Interpretation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie zwei zeitgenössische Chronisten, Niketas Choniates und Gunther von Pairis, das traumatische Ereignis der Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 in ihren Werken jeweils aus einer völlig anderen, teils widersprüchlichen Perspektive darstellen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Motive des Vierten Kreuzzugs, die Schilderung der Eroberung der Stadt, die Problematik des Reliquienraubs durch christliche Kämpfer sowie die Wahrnehmung der Rolle Venedigs und des Dogen Enrico Dandolo.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch den Vergleich der Texte aufzuzeigen, wie persönliche Betroffenheit, religiöse Überzeugung und politische Absichten die historische Darstellung und das kollektive Gedächtnis an ein Ereignis maßgeblich beeinflussen und verzerren können.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Quellenanalyse. Dabei werden die Texte von Choniates und Gunther von Pairis systematisch gegenübergestellt, um Diskrepanzen in der Darstellung desselben Ereignisses zu identifizieren und in den jeweiligen historischen Kontext einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Unterpunkte, welche die Motive für den Überfall, die subjektiven Augenzeugenberichte, den Umgang mit geraubten Reliquien und die unterschiedliche Bewertung der venezianischen Akteure detailliert untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vierte Kreuzzug, Erinnerungskultur, byzantinisches Reich, Geschichtsschreibung, Plünderung Konstantinopels und die Namen der beiden Chronisten maßgeblich charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Überfalls zwischen den Autoren?

Während Niketas Choniates das Ereignis als chaotischen und gewaltsamen Akt der Barbarei beschreibt, bemüht sich Gunther von Pairis um eine positive Darstellung, die das Geschehen als fast gewaltlos und durch Gottes Willen gelenkt interpretiert.

Welche Rolle spielt die Legitimation im Text von Gunther von Pairis?

Gunther von Pairis steht unter Legitimationsdruck, da der von ihm geschätzte Abt Martin von Pairis Reliquien bei einer Plünderung an Christen geraubt hat. Er versucht dies durch die Darstellung einer angeblichen freiwilligen Übergabe seitens der Griechen zu rechtfertigen.

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Details

Titel
Trauma und Kontamination. Varianten des Gedächtnisses an die Eroberung Konstantinopels 1204 im Mittelalter
Untertitel
Gottes Wille oder menschliche Gier? Ein Vergleich der Aufzeichnungen von Niketas Choniates und Gunther von Pairis
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (ZEGK - Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Memoria
Note
2,0
Autor
Constanze Noack (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V419440
ISBN (eBook)
9783668682702
ISBN (Buch)
9783668682719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
4 Kreuzzug Konstantinopel 1204
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Constanze Noack (Autor:in), 2017, Trauma und Kontamination. Varianten des Gedächtnisses an die Eroberung Konstantinopels 1204 im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419440
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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