Galba - Otho - Vitellius. Machtergreifung und Scheitern ihrer Herrschaft im Römischen Reich 68/69 n. Chr.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Machtergreifung Galbas
1.1 Der Aufstand des Vindex und das Verhalten der germanischen Konsularlegaten
1.2 Galbas Erhebung
1.3 Reaktionen in den Provinzen
1.4 Nero reagiert
1.5 Der Konflikt zwischen Vindex und Verginius Rufus 5 1.6 Galba setzt sich durch
1.7 Der Sturz des Nymphidius Sabinus
1.8 Galbas Herrschaft verliert Akzeptanz

2 Die Machtergreifung Othos
2.1 Die Frage der Nachfolge
2.2 Othos Putsch
2.3 Die prekäre Akzeptanz
2.4 Die Niederlage

3 Die Machtergreifung des Vitellius
3.1 Der anomische Prozess in den Rheinheeren
3.2 Der Kandidat
3.3 Die soldatische Spontaneität überrollt die Planung der Usurpation
3.4 Der Anschluss der meisten westlichen Provinzen
3.5 Propaganda und Selbststilisierung
3.6 Affektives Nahverhältnis und monarchische Willkür
3.7 Vitellius ist unfähig zur Stabilisierung seines Regimes

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Jahr 68/69 n. Chr. war ein Jahr der Bürgerkriege im Römischen Reich. In diesem sogenannten Vierkaiserjahr wurden nach dem Tode Neros der Reihe nach Galba, Otho, Vitellius und schließlich Vespasian zu Kaisern des Römischen Reiches proklamiert. Es war eine Zeit, in welcher das Kaisertum bzw. die Prinzipatskonzeption des Augustus sich bewähren und die Krise im Reich meistern musste.

In unserer Hausarbeit soll es im Speziellen um die römischen Kaiser Galba, Otho und Vitellius gehen. Wir werden den Fragen nachgehen, wie und unter welchen Umständen sie die Macht im Reich an sich reißen konnten.

Außerdem sollen Antworten darauf gefunden werden, warum alle drei Kaiser nur eine recht kurze Zeit regieren konnten bis dann schließlich Vespasian erfolgreich aus den Machtkämpfen hervortrat und mit ihm die 1. Flavische Dynastie an die Macht kam.

Wir werden chronologisch vorgehen, d.h. mit der Machtübernahme Galbas beginnen und mit dem Scheitern des Vitellius enden, um so die turbulenten Ereignisse dieser Zeit verständlich machen zu können.

Vornehmlich orientieren wir uns dabei an Egon Flaigs „Den Kaiser herausfordern“, der sich in seinem Buch mit der Usurpation im Römischen Reich auseinandersetzt und dabei das Funktionieren der römischen Monarchie näher beleuchtet.

1. Die Machtergreifung Galbas

1.1 Der Aufstand des Vindex und das Verhalten der germanischen Konsularlegaten

Die Krise des Kaisertums im Römischen Reich wurde durch Nero heraufbeschworen. Das Verhalten, welches er ab 62 n. Chr. an den Tag legte, entsprach nicht dem eines Princeps und brachte das Reich in Gefahr.[1] Drei Jahre nach der gescheiterten pisonischen Verschwörung ergriff der Statthalter der Provinz Gallia Lugdunensis, C. Iulius Vindex, die Initiative zum Sturz Neros. Er wollte einen neuen Kaiser kreieren und hatte dabei Servius Sulpicius Galba, den Statthalter der Provinz Hispania Tarraconensis, im Blick und trat mit diesem in Verbindung. Seine Akklamation zum Imperator wehrte Galba ab, änderte aber seine Statthalterbezeichnung (Legatus senatus ac populi Romani) und gab damit zu erkennen, dass er sich von Nero lossagte.[2] Dieser wiederum ließ als Gegenmaßnahme Vindex zum hostis erklären (später auch Galba). Durch die Hostiserklärung gegen Vindex zog L. Verginius Rufus, der Befehlshaber des obergermanischen Heeres, mit seinen Truppen von Mainz nach Besancon und lieferte Vindex eine Schlacht, in der 20000 Gallier fielen. Vindex verlor und gab sich selbst den Tod.[3]

Anders als Heinz Bellen redet Egon Flaig von einer Duldung des Aufstandes durch die germanischen Konsularlegaten Fonteius Capito und Verginius Rufus.

Er vertritt die Auffassung, dass es viel zu lange dauerte, bis die Rheinarmeen in Bewegung gesetzt wurden; denn (spätestens) Anfang März erklärte Vindex öffentlich seinen Abfall von Nero, und bis Ende des Monats setzte sich immer noch keine Truppeneinheit in Bewegung. Für Flaig ist also das entscheidende Ereignis für den Verlauf des politischen Prozesses nicht die Erhebung des Vindex (s.o.), sondern das Stillehalten beider Rheinarmeen und damit die Duldung des Aufstandes.

Auch den Soldaten der Rheinarmee spricht Flaig die Treue zu ihrem Imperator ab, denn wären die Legionäre ihrem Imperator treu geblieben, hätten sie durch Meuterei den Abmarsch zur Niederwerfung der Aufständischen erzwungen. Sie aber gehorchten ihren Konsularlegaten und kümmerten sich nicht mehr um Nero.

Auf diese Weise (durch einfaches Abwarten) konnten Rufus und Capito nun die Loyalität ihrer Legionen ermessen und erkannten, welch enormen Handlungsspielraum ihnen dadurch eröffnet war.[4]

1.2 Galbas Erhebung

Galba erklärte seinen Abfall von Nero um den 4. April 68 in Nova Carthago beinahe risikolos, denn er wusste vor seiner Erhebung darüber Bescheid, dass beide Rheinarmeen nach Beginn des Aufstandes (s.o.) sich immer noch nicht in Bewegung gesetzt hatten.[5]

Daraus konnte er auf eine Duldung des Aufstandes durch die germanischen Legaten schließen. Es konnte auch sein, dass die Kommandeure am Rhein nicht für ihren Imperator marschieren, ohne selber weiterzuwissen. Flaig ist der Meinung, dass es in einem solchen Fall nur eines kleinen Anstoßes bedurfte, sie (die germanischen Legaten) zum öffentlich erklärten Abfall vom Kaiser zu bewegen. Entsprechend konnte Galba sicher sein, dass seine Erhebung auf Capito und Rufus , inklusive ihrer Legionen, eine Signalwirkung haben werde.

Die Akklamation (als Legat des Senates und des römischen Volkes) erfolgte durch eine anwesende Abteilung seiner Legion (war also eine militärische), sowie durch anwesende Provinziale, die durchweg römische Bürger waren.[6]

1.3 Reaktionen in den Provinzen

Durch seine Erhebung gab Galba im Westen das Signal für den offenen Abfall der Provinzen.

So besetzte der Legat der III. Augusta in Numidien, Clodius Macer, mit seiner Legion Karthago, die Hauptstadt der Provinz Africa, und fiel somit ebenfalls von Nero ab. Aber im Unterschied zum prokuratorischen Statthalter der Mauretania Tingitana Lucceius Albinus, der ebenso von Nero abgefallen war, erkannte Macer Galba als zukünftigen Kaiser nicht an.

Nach der Besetzung Karthagos ordnete Macer an, die Getreideimporte nach Rom zu blockieren, was dort früh zu Engpässen bei der Getreideversorgung geführt haben wird. Er fing an, Münzen mit eigenem Namen zu prägen, was wiederum zeigte, dass jeglicher Bezug zu Galba fehlte.[7]

Macer nannte sich auf seinen Münzen „Legatus pro praetore Africae“ und gab entsprechend seinem Titel, wie auch Galba, einen ´republikanischen´ Anstrich.[8] Des Weiteren trat er mit Namen und Gesicht in das Münzbild und zeigte damit, dass er selber Ansprüche auf den Thron erhob und sich Nero entgegenstellte.

Ebenfalls wie Galba, hatte er sich von seinen Truppen zum Imperator ausrufen lassen, es aber nicht in die offizielle Anrede übernommen.

Macer war also für Galba weniger ein Verbündeter im Kampf gegen Nero, sondern vielmehr ein Mitstreiter im Kampf um die Kaiserwürde. Gegen Galba konnte er sich aber schließlich nicht durchsetzen , da er u.a. im Rangsystem der römischen Aristokratie dem hochadligen Galba weit unterlegen war. Entsprechend erhielt er weniger Unterstützung, auch weil er finanzielle Schwierigkeiten zu bewältigen hatte und politischen Widerstand mit terroristischen Mitteln zu brechen versuchte.[9] Im Gegensatz zu Macer schloss sich der Konsularlegat Trebellius Maximus in der Dreilegionen- Provinz Britannien Galba sofort an, da er unter diesem sein Amt behalten durfte.[10]

[...]


[1] Zu nennen wäre an dieser Stelle z.B. Neros einjährige Tour durch Griechenland trotz Jüdischen Aufstandes 66 n. Chr.

[2] Siehe auch 2.2.

[3] Vgl. Bellen, Heinz: Grundzüge der römischen Geschichte. Zweiter Teil: Die Kaiserzeit von Augustus bis Diocletian, Darmstadt 1994, S. 66f. Dazu im Folgenden noch ausführlicher.

[4] Vgl. Flaig, Egon: Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Frankfurt/Main; New York 1992 (= Historische Studien. 7), S. 246-249.

[5] Vgl. Ebd., S. 250. Flaig geht an dieser Stelle noch auf den Informationsaustausch zwischen den Statthaltern ein, welcher bei Einbüßung der Kontrolle der Zentrale gezielt, zuverlässig und in hoher Geschwindigkeit erfolgte.

[6] Vgl. Flaig, S. 250f.

[7] Vgl. Ebd., S. 257ff.

[8] Vgl. Bellen, S. 67.

[9] Vgl. Flaig, S. 259ff.

[10] Vgl. Ebd., S. 261f. An dieser Stelle kann ich aber der Argumentation Flaigs nicht ganz folgen. Er schreibt, dass Trebellius Maximus unter Galba sein Amt behielt und demnach nicht zögerte sich Galba anzuschließen, als die Nachricht (der Erhebung Galbas) in Britannien eintraf. Hier stellt sich doch die Frage, warum Trebellius Maximus sein Amt unter Galba behielt, obwohl dieser sich doch gerade erst erhoben hatte?

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Details

Titel
Galba - Otho - Vitellius. Machtergreifung und Scheitern ihrer Herrschaft im Römischen Reich 68/69 n. Chr.
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V41948
ISBN (eBook)
9783638401005
ISBN (Buch)
9783638790772
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Galba, Otho, Vitellius, Machtergreifung, Scheitern, Herrschaft, Römischen, Reich, Römer, Römisches
Arbeit zitieren
Gunnar Norda (Autor), 2004, Galba - Otho - Vitellius. Machtergreifung und Scheitern ihrer Herrschaft im Römischen Reich 68/69 n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41948

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