Exegese - Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Mk 2, 13-17)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. TEXT
1.1 Übersetzung des Textes
1.2 Textkritik und Begründung der Auswahl
1.3 Realien und Begriffsklärung

2. ANALYSE
2.1 Literarkritik
2.1.1 Struktur der Perikope
2.1.2 Verfasser, Abfassungszeit und Abfassungsort
2.1.3 Der Textabschnitt und seine Stellung im Kontext des Markusevangeliums
2.1.4 Einheitlichkeit der Perikope
2.1.5 Quellenkritik
2.1.6 Synoptischer Vergleich
2.2 Formgeschichte
2.3 Redaktionsgeschichte

3. Zusammenfassung und Interpretation

Literaturverzeichnis

1. TEXT

1.1 Übersetzung des Textes

Übersetzung nach Luther:

Markus 2,13-17 - „Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern“

13 Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.

14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.

15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten.

16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Ißt er mit den Zöllnern und Sündern?

17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

1.2 Textkritik und Begründung der Auswahl

Die Perikope Mk 2, 13-17 scheint in der Übersetzung eindeutig zu sein. Dieses ergibt sich aus dem Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen. Gewählt habe ich hierfür die Einheitsübersetzung, die Lutherbibel, die Elberfelder Bibel und die Zürcher Bibel.

Die unterschiedlichen Übersetzungen weisen einige Differenzen bezüglich der Wortwahl, des Tempusvorkommens und des Satzbaus auf.

Neben im Allgemeinen unterschiedlichen einleitenden Konjunktionen, liegen in Vers 13 auch verschiedene Mengenbezeichnungen vor. Die Einheitsübersetzung spricht zwar ebenso wie die Lutherbibel von einer großen Menge von Menschen, jedoch verwendet sie die Wörter „Scharen von Menschen“, während in der Lutherbibel von „alles Volk“ die Rede ist. Das letztere Attribut schließt im Gegensatz zur Einheitsübersetzung keine einzige Person aus Jesu Zuhörerschaft aus.

Neben diesen Aspekten gibt es in einigen Übersetzungen weitere Unterschiede, wie beispielsweise in den Tempusangleichungen (z.B. ist in Vers 14 „Und er spricht zu ihm“ (Elberfelder Übersetzung) nicht angeglichen, während „und [er] sprach zu ihm“ (Lutherbibel) und „er sagte zu ihm“ (Einheitsübersetzung) angeglichen ist). Ursachen hierfür können beim jeweiligen Übersetzer selbst liegen. Aufgrund von Zeitsprüngen, die der dieser eventuell als irritierend, schwierig oder hindernd beim Lesen empfand, „glättete“ er den Text, indem er ihn im einheitlichen Präteritum wiedergibt. Obwohl die Benutzung des historischen Präsens einen Text lebendiger und spannender werden lässt, verzichten die Einheitsübersetzung und auch die Lutherbibel zu Gunsten der einfacheren Lesart darauf und weichen vom griechischen Ursprungstext ab.

In Vers 15 gibt es auffällige Unterschiede in den Übersetzungen. Während die Einheitsübersetzung neutral angibt „[Jesus war ] beim Essen“ und so auch nichts über die Art und Weise des Geschehens aussagt, finden wir in der Lutherbibel die Worte „[Jesus saß ] zu Tisch“ und in der Elberfelder Übersetzung sogar „[Jesus lag ] zu Tisch“. Diese Unterschiede sind meiner Meinung nach nicht auf Abschreibefehler der Autoren zurückführen, sondern deuten auf eine beabsichtigte Veränderung des Textes hin. Wie es zur Zeit Jesu im Allgemeinen üblich war, wurden die Mahlzeiten liegend eingenommen. Erst im Laufe der Zeit gingen die Menschen dazu über, ihre Mahlzeiten im Sitzen einzunehmen. Möglicherweise ist deshalb die Textstelle von den jeweiligen Schreibern geändert worden, einfach, weil der Ausdruck „zu Tische liegen“ den Menschen fremd geworden war und eine zeitgemäßere Darstellung geschaffen werden sollte.

Vor allem an drei Stellen finden sich meiner Meinung nach voneinander abweichende Übersetzungen, die auch von inhaltlicher Bedeutung sein können:

1. In Vers 15 ist nicht eindeutig ersichtlich, in wessen Haus sich das Mahl abspielt. Die Elberfelder Übersetzung, die Lutherbibel und die Einheitsübersetzung schreiben: „in seinem Haus“, während die Zürcher Bibel „in dessen Haus“ schreibt. Es könnte sich im letzteren Fall bereits um eine Deutung handeln, die von der Parallelstelle Lk 5,27-32 her vorgenommen wird. Daher halte ich mich an die in den drei erstgenannten Übersetzungen vorgelegte Version.
2. In Vers 17 schreiben die Elberfelder Bibel und die Lutherbibel: „Die Starken bedürfen keines Arztes“, während die Einheitsübersetzung von den Gesunden spricht. Die Wortwahl scheint sich auf den ersten Blick nur auf den körperlichen Zustand und die Gesundheit der Menschen zu beziehen, auch deshalb, weil Jesus explizit in allen Übersetzungen von einem Arzt spricht, der Kranke heilen soll. Man kann es auch so interpretieren, dass der Ausdruck „die Starken“ eher dem griechischen Ursprungstext entspricht und „die Gesunden“ bereits eine Angleichung ist, die den Gegensatz zwischen „gesund“ und „krank“ verdeutlichen soll.
3. Ferner ist in Vers 17 in der Lutherbibel, der Elberfelder Bibel und der Einheitsübersetzung folgender Ausspruch wiederzufinden: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen “, während die Zürcher Bibel von „zu berufen “ spricht. Die genauere Übersetzung erscheint mir (aus den genannten Aspekten unter Punkt 2) „zu rufen “ zu sein. „zu berufen “ ist meines Erachtens eine Deutung, die einen engeren Bezug zur genannten Berufungsgeschichte herstellt.

Aufgrund der in diesem Kapitel behandelten Aspekte, lege ich meiner Exegese die Übersetzung des Markustextes aus der Lutherbibel zu Grunde. Die Elberfelder Bibel erhebt zwar den Anspruch die „genaueste und zuverlässigste deutsche Bibelübersetzung zu sein“[1], jedoch konnte ich keine nennenswerten inhaltlichen Unterschiede in der ausgewählten Perikope zur Lutherbibel feststellen. Im Wesentlichen wurde die Lutherbibel, wie in diesem Kapitel schon erwähnt, zu Gunsten einer einfacheren Lesart angeglichen und ist somit leichter verständlich.

1.3 Realien und Begriffsklärung

Nachfolge:

Im Allgemeinen versteht man unter dem Begriff Nachfolge einen Anschluss an eine religiöse Führergestalt, der sich bestimmend für die ganze Lebensführung auswirkt.[2]

Allen Berufungsgeschichten des NT ist gemeinsam, dass das Interesse nicht demjenigen gilt, der Jesus nachfolgt, sondern Jesus selbst, der beruft.[3]

Ebenso verhält es sich bei den Berufungen im AT, z.B. bei der Berufung des Mose (2.Mose 3f.) und des Elisas (1.Kön.19,19). Jedoch gibt es hier einen Unterschied zu Mk 2,14, da die Berufenen an den genannten Stellen des AT es wagen, sich dem Ruf Gottes zu widersetzen und Jesus nicht bedingungslos folgen.[4]

Zöllner:

Fast jede Provinz des römischen Reiches bildete ein eigenes Zollgebiet. An den Übergängen von solchen Provinzen saßen die Zöllner, die die Zölle auf die Waren, die über die Grenzen transportiert wurden, erhoben. Im Gegensatz zu den Steuern flossen die Zölle in die Tasche von dem jeweiligen Landesherrn. Die Zöllner pachteten einen bestimmten Zoll und mussten dem Landesherrn jährlich einen von ihm festgesetzten Betrag zahlen. Jeder Minderertrag musste dem-entsprechend vom Zöllner ersetzt werden, jeden Mehrertrag konnte er für sich behalten. Diese Unbestimmtheit der Zölle machten sich viele Zöllner zunutze und es kam zu etlichen Spannungen zwischen Bevölkerung und Zöllnern. Die Bevölkerung sah dieses Gewerbe als unehrenhaft an und so wurden Zöllner mit Sündern und Heiden gleichgestellt. Auch Levi haben wir uns als solchen Zöllner vorzustellen.[5]

[...]


[1] vgl. Vorwort zur Elberfelder Bibel

[2] vgl. Reclams Bibellexikon, S.348f.

[3] vgl. Bultmann, Geschichte der synoptischen Tradition, S.27

[4] vgl. Schmithals, Das Evangelium nach Markus 1, S.169

[5] vgl. Gnilka, Das Evangelium nach Markus 1,S.105f. und Reclams Bibellexikon, S.556

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Exegese - Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Mk 2, 13-17)
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Evangelische Theologie und Religionspädagogik)
Veranstaltung
Das Neue Testament kennenlernen
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V41949
ISBN (eBook)
9783638401012
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Berufung, Levi, Mahl, Zöllnern, Neue, Testament
Arbeit zitieren
Angela Oetzmann (Autor), 2002, Exegese - Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Mk 2, 13-17), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41949

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