Textkritik und Begründung der Auswahl
Die Perikope Mk 2, 13-17 scheint in der Übersetzung eindeutig zu sein. Dieses ergibt sich aus dem Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen. Gewählt habe ich hierfür die Einheitsübersetzung, die Lutherbibel, die Elberfelder Bibel und die Zürcher Bibel.
Die unterschiedlichen Übersetzungen weisen einige Differenzen bezüglich der Wortwahl, des Tempusvorkommens und des Satzbaus auf.
Neben im Allgemeinen unterschiedlichen einleitenden Konjunktionen, liegen in Vers 13 auch verschiedene Mengenbezeichnungen vor. Die Einheitsübersetzung spricht zwar ebenso wie die Lutherbibel von einer großen Menge von Menschen, jedoch verwendet sie die Wörter „Scharen von Menschen“, während in der Lutherbibel von „alles Volk“ die Rede ist. Das letztere Attribut schließt im Gegensatz zur Einheitsübersetzung keine einzige Person aus Jesu Zuhörerschaft aus.
Neben diesen Aspekten gibt es in einigen Übersetzungen weitere Unterschiede, wie beispielsweise in den Tempusangleichungen (z.B. ist in Vers 14 „Und er spricht zu ihm“ (Elberfelder Übersetzung) nicht angeglichen, während „und [er] sprach zu ihm“ (Lutherbibel) und „er sagte zu ihm“ (Einheitsübersetzung) angeglichen ist). Ursachen hierfür können beim jeweiligen Übersetzer selbst liegen. Aufgrund von Zeitsprüngen, die der dieser eventuell als irritierend, schwierig oder hindernd beim Lesen empfand, „glättete“ er den Text, indem er ihn im einheitlichen Präteritum wiedergibt. Obwohl die Benutzung des historischen Präsens einen Text lebendiger und spannender werden lässt, verzichten die Einheitsübersetzung und auch die Lutherbibel zu Gunsten der einfacheren Lesart darauf und weichen vom griechischen Ursprungstext ab.
In Vers 15 gibt es auffällige Unterschiede in den Übersetzungen. Während die Einheitsübersetzung neutral angibt „[Jesus war] beim Essen“ und so auch nichts über die Art und Weise des Geschehens aussagt, finden wir in der Lutherbibel die Worte „[Jesus saß] zu Tisch“ und in der Elberfelder Übersetzung sogar „[Jesus lag] zu Tisch“. Diese Unterschiede sind meiner Meinung nach nicht auf Abschreibefehler der Autoren zurückführen, sondern deuten auf eine beabsichtigte Veränderung des Textes hin. Wie es zur Zeit Jesu im Allgemeinen üblich war, wurden die Mahlzeiten liegend eingenommen. Erst im Laufe der Zeit gingen die Menschen dazu über, ihre Mahlzeiten im Sitzen einzunehmen...
Inhaltsverzeichnis
1. TEXT
1.1 ÜBERSETZUNG DES TEXTES
1.2 TEXTKRITIK UND BEGRÜNDUNG DER AUSWAHL
1.3 REALIEN UND BEGRIFFSKLÄRUNG
2. ANALYSE
2.1 LITERARKRITIK
2.1.1 Struktur der Perikope
2.1.2 Verfasser, Abfassungszeit und Abfassungsort
2.1.3 Der Textabschnitt und seine Stellung im Kontext des Markusevangeliums
2.1.4 Einheitlichkeit der Perikope
2.1.5 Quellenkritik
2.1.6 Synoptischer Vergleich
2.2 FORMGESCHICHTE
2.3 REDAKTIONSGESCHICHTE
3. ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Exegese verfolgt das Ziel, die biblische Perikope von der Berufung des Levi und dem Mahl mit den Zöllnern (Mk 2,13-17) textkritisch, literarkritisch, formgeschichtlich und redaktionsgeschichtlich zu analysieren, um die theologischen Intentionen hinter der Darstellung Jesu im Markusevangelium zu ergründen.
- Textkritische Untersuchung und Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen.
- Analyse der literarischen Struktur und Einheitlichkeit der Perikope.
- Untersuchung des "Sitz im Leben" sowie der redaktionellen Arbeit des Evangelisten Markus.
- Erläuterung zentraler Begriffe wie "Nachfolge", "Zöllner", "Sünder" und "Tischgemeinschaft".
- Interpretation der symbolischen Bedeutung des Mahls als Zeichen der Integration und Heilszusage.
Auszug aus dem Buch
1.1 Übersetzung des Textes
Übersetzung nach Luther:
Markus 2,13-17 - „Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern“
13 Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie.
14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.
15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten.
16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Ißt er mit den Zöllnern und Sündern?
17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. TEXT: Dieses Kapitel liefert die Basis der Untersuchung durch die Luther-Übersetzung des Textes, eine textkritische Begründung der Auswahl sowie eine Erläuterung der für das Verständnis notwendigen historischen Realien und Fachbegriffe.
2. ANALYSE: Der Hauptteil umfasst die detaillierte wissenschaftliche Untersuchung der Perikope hinsichtlich literarischer Struktur, Form- und Redaktionsgeschichte sowie einen synoptischen Vergleich mit den Parallelstellen bei Matthäus und Lukas.
3. ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION: Das abschließende Kapitel führt die gewonnenen Analyseergebnisse zusammen und interpretiert die Berufung des Levi sowie das Mahl mit den Zöllnern als Zeichen für Jesu Hinwendung zu den gesellschaftlich Ausgegrenzten.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Exegese, Berufung des Levi, Zöllnermahl, Nachfolge, Tischgemeinschaft, Sünder, Pharisäer, Gesetz, Redaktionsgeschichte, Formgeschichte, Markuspriorität, Heilszusage, Integration, Gottesherrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Analyse der biblischen Erzählung von der Berufung des Levi und dem gemeinsamen Mahl mit Zöllnern im Markusevangelium.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Frage nach der Nachfolge Jesu, sein Umgang mit gesellschaftlich Randständigen sowie das Verständnis von Sünde, Gesetz und Heilung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den theologischen Kern der Perikope durch eine historisch-kritische Methode freizulegen und die Intention des Evangelisten Markus zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden klassische exegetische Methoden angewandt: Textkritik, Literarkritik, Formgeschichte und Redaktionsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der Perikope, diskutiert die Autorenschaft, untersucht die Einheitlichkeit des Textes und vergleicht ihn mit den synoptischen Parallelen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Markusevangelium, Nachfolge, Zöllner, Sünder, Tischgemeinschaft und Gottesherrschaft.
Warum ordnet der Autor die Berufung des Levi als theologisches und nicht historisches Interesse ein?
Aufgrund des Symbolcharakters der Szene, in der nicht der Berufene, sondern die Initiative Jesu im Vordergrund steht, deutet dies auf ein theologisches Interesse hin.
Was bedeutet die Bezeichnung Jesu als „Arzt“ in diesem Kontext?
Sie verknüpft das Heilshandeln Gottes im Alten Testament mit der Vollmacht Jesu, Sünder zu berufen, und interpretiert Heilung als Sündenvergebung.
- Quote paper
- Angela Oetzmann (Author), 2002, Exegese - Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Mk 2, 13-17), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41949