Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste. Segen oder Fluch für die Demokratie?


Essay, 2016

5 Seiten, Note: unbenotete Studienleistung

Stephan Münch (Autor)


Leseprobe

Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste - Segen oder Fluch für die Demokratie?

Dieses Essay beschäftigt sich mit der viel umstrittenen Frage, ob soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste ein Segen oder ein Fluch für unsere Demokratie sind. Berücksichtigt werden dabei die Funktionen und Leistungen von Medien für die Demokratie, eine Andacht auf die Gefahren durch Medienkonzentration für unsere Demokratie und die Auswirkungen neuer Medien auf politische Willensbildung.

Generell zeigen sich sowohl negative, als auch positive Seiten durch den Einfluss der Medien in Form von sozialen Netzwerken und Kurznachrichtendiensten wie Twitter, Facebook und Co. auf unsere Demokratie.

Sie erreichen die Bevölkerung in Form von schriftlicher, bildlicher und akustischer Informationsquelle. Durch sie ist es möglich, Ereignisse und Meinungen innerhalb kürzester Zeit weit zu verbreiten. Besonders bei anstehenden Wahlen ist es wichtig, schnellst möglichst das Programm der Parteien und Kandidaten ans Volk heranzutragen. Sie bringen die Gesellschaft zusammen, beispielsweise beim Public Viewing während der Fußball WM oder bei Ansichten über Themen in Diskussionen und dienen als Integrationsfunktion, damit jeder Bürger informiert ist und über die aktuellsten Ereignisse Bescheid weiß, die um ihn herum passieren. Sie präsentieren die öffentliche Meinung und beeinflussen durch Kommentare und Kritik die individuelle und freie Meinungsbildung der Bevölkerung. Die Medien ermöglichen eine Orientierung in der Masse am Informationsfluss, der aus der Politik heranströmt und bieten somit eine Orientierungsfunktion. Dabei wird die Darstellung und Richtung der Medien größtenteils von der Bevölkerung bestimmt, da nur produziert wird, was guten Absatz findet.

Laut dem Grundgesetz über Presse- und Rundfunkfreiheit darf die Regierung keinen Einfluss auf den Inhalt der Medien haben, um die öffentliche Aufgabe der Medien, also das Informieren der Bevölkerung, zu sichern, damit sich jeder eine eigene Meinung bilden kann und nicht das vorgeschrieben bekommt, was der Staat gerne möchte, denn schließlich leben wir in einer Demokratie und keinem totalitärem Machtregime. Die Medien üben durch ihre von der Regierung unabhängigen Berichte eine Kontrollfunktion gegenüber der Regierung aus. Nicht umsonst nennt man sie die „vierte Gewalt“, denn sie schauen den Machthabern genau auf die Finger und bringen manche Details ans Licht, die der Staat lieber nicht publik gesehen hätte. Außerdem sind die Medien ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie, schließlich kann kein Volk über seine Gesellschaft entscheiden, wenn dieses nicht ausreichend über die Geschehnisse informiert ist. Der Bürger muss über die politische Situation mit all ihren Themen und Problemen Bescheid wissen, um bei einer Wahl die am besten geeignete Partei zu wählen, die diese Thematik am besten handhaben kann. Die Medien sind also Vermittler zwischen Staat und Volk, um es der Bevölkerung verständlicher zu machen, was in der Politik vor sich geht und dem Staat zu zeigen, was der Großteil der Bevölkerung will und welche Meinungen sie vertreten.

Durch ihre Funktion als Vermittler und Informant haben die Medien eine ungeheure Macht über die Bevölkerung erlangt. Studien zeigen, dass ein Durchschnittsbürger etwa zehn Stunden am Tag mit Medien konfrontiert ist. Angefangen von der morgendlichen Tageszeitung, über Radio hören im Auto, bis hin zur abendlichen Tagesschau zum Abendessen. Sicherlich gibt es jene Menschen, die den sparsamen Umgang mit Medien gelernt haben und eher weniger davon konsumieren, als auch diese, welche eine regelrechte Dauerbeschallung vom Fernseher den ganzen Tag erhalten. Der Medienkonsum steigt seit den letzten Jahrzenten allerdings stetig. Fakt ist auf jeden Fall, dass alle Altersklassen, Bildungsschichten und soziale Milieus von den Medien beeinflusst werden und damit Macht über den Alltag der Menschen gefunden hat.

Kritiker der Medien mit Hinsicht auf unsere Demokratie sind der Meinung, dass vor allem die neuen Medien, eher schaden statt helfen. Schon im 19. Jahrhundert kritisierte die Kirche unter Papst Pius IX. die Presse als lügnerisch und verführend. Durch die unterschiedlichen Bildungsstände der Bevölkerung ist nicht jeder medienkompetent. Medienkompetent bedeutet, dass der Empfänger der Informationen mit diesen auch umgehen kann, sich also nicht von ihnen überfordert fühlt oder gar blindlinks alles glaubt, was er mitbekommt. Vor allem Kinder und Jugendliche mit Zugang zum Internet, die in sozialen Netzwerken schnell Meinungen aufschnappen, sind häufiger leichter zu beeinflussen, weil sie den Umgang mit solchen Informationen und Themen noch nicht gewohnt sind oder mit Familie und Freunden noch nicht erprobt haben. Zudem kommt noch hinzu, dass mangelnde Bildung oft mit mangelndem Interesse an Politik einhergeht, da bildungsschwächere Familien durchschnittlich seltener über Politik diskutieren, was beim Nachwuchs zu einem verminderten Interesse an Politik führen kann. Kapseln sich nun politikverdrossene Bürger von den Geschehnissen ab, verstehen sie weniger von der Politik, was wiederum zu einer noch größeren Politikverdrossenheit durch Frustration und Unverständnis führt. In sozialen Netzwerken können solche Bürger dann auf Gleichgesinnte stoßen, welche eventuell in eine Nische gehen, welche sich aus Frust gegen die Politik richtet und sich von diesen negativ beeinflussen lassen. Für sie ist es dann angenehmer, sich an Kommentare und Foren zu wenden, die ihren Ansichten entsprechen und meiden andere Perspektiven durch selektive Mediennutzung. Die Bevölkerung konsumiert zu viel, als das sie eigenständig über die Informationen nachdenkt, kritisch hinterfragt und sich daraus resultierend eine Meinung bildet.

Da sich die Medien nach dem „Angebot und Nachfrage“ - Schema richten, werden leider nicht immer die wichtigen Themen besprochen, sondern nur das, was eine neue Sensation werden könnte und einen hohen Unterhaltungswert hat, um die Bevölkerung anzusprechen. Aus diesem Grund werden Randgruppen dabei meistens vollkommen außer Acht gelassen und haben kaum eine Chance auf Gehör bei so einem ungleichen Machtverhältnis. So könnte es durch die einseitige Verbreitung von Ansichten einer Thematik dazu kommen, dass sich in der Bevölkerung eine Einförmigkeit bildet und individuelle Meinungen untergehen. Diese Fokussierung führt auf Dauer zu einer Verfälschung der Wirklichkeit. Die Medien richten sich allerdings nicht grundlos nur an die Mehrheit. Die steigende Kommerzialisierung und bestimmt auch Profitgier setzen die Medienbranche und auch die öffentlich-rechtlichen Medien so unter Druck, dass diese immer öfter auf sensationslüsterne Klatsch und Tratsch Geschichten zurückgreifen müssen, um mithalten zu können, geschweige denn, sich zu halten. Die wachsende Medienkonzentration auf die Mehrheit des Volkes hat allerdings zum Nachteil, dass sich eine einseitige Medienlandschaft bildet und da die Auswahlkriterien der Informationen nicht offen gelegt werden, ist zudem eine Manipulation möglich, ebenso die Befürchtung, dass Medienunternehmer ihre umfangreiche Macht über eine so große Masse an Menschen für politische Zwecke missbrauchen könnten, den die Arbeit von Lobbyisten ist in Deutschland nicht transparent genug.

Auf die Fragestellung hin, ob Medien nun ein Fluch oder ein Segen für unsere Demokratie ist, lässt sich sagen, dass die Medien eine Notwendigkeit sind, damit unsere Demokratie überhaupt bestehen kann und sie grundsätzlich etwas Positives anstreben, indem sie als Kontrollinstanz der Regierung fungieren und die Bevölkerung über die aktuelle Politik aufklären, damit diese überhaupt Entscheidungen für ihre Gesellschaft treffen kann. Allerdings ist die derzeitige, durch die Kommerzialisierung beeinflusste Situation der medialen Aufklärung fragwürdig, weil sie hauptsächlich auf Profit, Macht und Erfolg aus ist. Es wird nur die Mehrheit angesprochen, die mit ihrer Meinung natürlich nicht unbedingt Recht haben muss und ignoriert Randgruppen so gut wie immer. Das aktuelle Beispiel der Randgruppe Pegida würde ich an dieser Stelle allerdings eher als sensationslüsterne Geschichte einsortieren, als in die Meinung der Mehrheit. Pegida ist zwar eine Randgruppe politischer Meinung, aber diese Meinung entspricht sicherlich nicht der Mehrheit der Bevölkerung und besticht eher durch den hohen Unterhaltungsfaktor der Anhänger, als mit überzeugenden Argumenten, die die Bürger ansprechen. Folglich gehen die Medien aktuell immer noch nicht auf Randgruppen ein, was am Beispiel Pegida vielleicht auch nicht immer negativ sein muss. Extremistisches Gedankengut jeglicher Form, egal ob „Links“, „Rechts“ oder religiös, beschränkt sich derzeit zum Glück eher auf wenige Bürger und wird durch die Fokussierung auf die Mehrheit seltener thematisiert. Darüber hinaus besteht die Gefahr von Manipulation oder von politischem oder/und wirtschaftlichem Missbrauch durch den hohen Einfluss der Medienunternehmen und ist dabei nicht zu unterschätzen, denn bestimmt gibt es genug Lobbyisten von multinationalen Konzernen oder Verbänden, die die Macht der Medien gerne für ihre Interessen einsetzen würden. Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste sind jedenfalls ein ursprünglicher, gut gemeinter und notwendiger Segen, der aufgrund der Kommerzialisierung zum Fluch geworden ist, allerdings noch viel schlimmer kommen könnte, wenn diese Macht ausgenutzt werden würde. Das Dilemma zwischen Notwendigkeit und drohendem Machtmissbrauch ist allgegenwertig und lässt sich nicht nach einem schwarz-weiß-Schema beurteilen. Medien sind beides für unsere Demokratie, sowohl Segen, als auch Fluch, aber verzichten können wir auf sie nicht. Damit die Medien eher zum Segen als zum Fluch mutieren, sollte man die Bildung der Bevölkerung fördern und zum Beispiel in Schulen schon den Kleinsten durch einen „Medienführerschein“, ähnlich wie der „Verkehrsführerschein“ zum sicheren Überqueren von Straßen für Kinder, Medienkompetenz beibringen, bevor sie negativ beeinflusst werden können und durch diesen „Führerschein“ lernen, kritisch zu hinterfragen, was in den Nachrichten so alles passiert. Da kritisch denkende Bürger nun aber schwerer zu beeinflussen und somit schlechter zu lenken sind, steht dies nicht im Interesse der Medien, denn diese würden dadurch an Macht verlieren. Unwissende Menschen sind leichter zu führen und daher besteht das Nachmittagsprogramm aus Talkshows und Realitysoaps statt aus kritischen Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen um die Bevölkerung weiterhin zugänglich zu halten.

Literaturverzeichnis

- https://www.bpb.de/dialog/156365/das-internet-segen-oder-fluch

- http://www.bpb.de/izpb/7492/warum-medien-wichtig-sind-funktionen-in-der-demokratie?p=all

- http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/peter-sloterdijk-massenmedien-gefaehrden-die-demokratie-a-192459.html

- http://www.politikundunterricht.de/1_02/A4-A7.htm

- https://de.wikipedia.org/wiki/Medienkonzentration

- http://www.derwesten.de/kultur/bedroht-das-internet-die-demokratie-id3731490.html

- http://www.bpb.de/izpb/7543/wie-medien-genutzt-werden-und-was-sie-bewirken?p=all

- http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/139163/funktionen-und-probleme

- http://www.bpb.de/apuz/28442/gesellschaftliche-folgen-der-medienkonzentration

- https://www.owep.de/artikel/40/macht-und-einfluss-medien-in-deutschland

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Details

Titel
Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste. Segen oder Fluch für die Demokratie?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
unbenotete Studienleistung
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V419566
ISBN (eBook)
9783668684201
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, netzwerke, kurznachrichtendienste, segen, fluch, demokratie
Arbeit zitieren
Stephan Münch (Autor), 2016, Soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste. Segen oder Fluch für die Demokratie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419566

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