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Der Körper im Blickfeld der Macht

Title: Der Körper im Blickfeld der Macht

Seminar Paper , 2004 , 14 Pages , Grade: 2

Autor:in: Diane Trentinian (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Einleitung

Leben Gundlings, das ist kein historisches Theaterstück, das die Vergangenheit glorifizieren will. Im Gegenteil: das Bühnenwerk Heiner Müllers (1929-1995) bedient sich oft einer nackten Gewalt und Brutalität, es brüskiert, es rüttelt wach. Es scheint kein gutes Haar an der deutschen Vergangenheit lassen zu wollen. Doch dahinter steht der Versuch, die Gegenwart zu erklären, Parallelen aufzuweisen, Fehler zu entlarven.

Es ist meist erst der Blick aufs Detail, der die oft versteckten Anspielungen, die Ironie provokant auffälliger Zusammenhänge, die psychologischen Untiefen der Protagonisten zu erkennen gibt. Wie verhält es sich mit Leben Gundlings? Was verbindet die Szenen miteinander und mit der Gegenwart der 70er Jahre? Eine Zugangsmöglichkeit bietet sich, wenn man sich zu verdeutlichen versucht, wogegen Müller angehen will: es ist dies erstens die unkritische Annahme, der Rationalismus der Aufklärung habe nur positive Wirkungen gehabt, und zweitens die „Gewaltbereitschaft, Betonung der Staatsräson und Produktionsfetischismus – Unterwerfung der äußeren wie der inneren, menschlichen Natur – Charakteristika aller sog. zivilisierten patriarchalischen Gesellschaften“1.

Nach Emmerich ist es Müller dabei weniger wichtig, eine falsche Sichtweise des Vergangenen zu revidieren, als hinter unser „gesellschaftliches Handeln“2 zu schauen und herauszufinden, wo es gründet. Ähnlich geht auch Michel Foucault (1926-1984) an die Geschichtsschreibung heran: fast erscheint sie als ein Mittel zum höheren Zwecke der Erkenntnis. Auch er zeichnet Vergangenheit nach, auf wissenschaftliche Art, und genauso mit der Gegenwart als Thema3.

Sowohl Müller als auch Foucault thematisieren staatliche Macht seit der Aufklärung und die Rolle des Einzelnen. Es wird zu zeigen sein, wie sehr das Theoriegebäude Foucaults den Grundzügen des Müllerschen Stückes ähnelt, wenngleich sich diese Analyse auf einzelne Ausschnitte der Werke zu beschränken haben wird.
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1 Emmerich 1982: S.154.

2 Ebd.: S. 155.

3 „Nun, ich habe nicht vor, die Geschichte der Vergangenheit in die Begriffe der Gegenwart zu fassen. Wohl aber ist es meine Absicht, die Geschichte der Gegenwart zu schreiben.“ ÜS: S. 43

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Michel Foucault

1.1. Überwachen und Strafen

1.2. Drei Figuren der Bestrafung

1.3. Der Körper als Objekt der Disziplinarmacht

2. Heiner Müller

2.1. Geschichtsphilosophie

2.2. Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei

Schluß

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Theaterstück "Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei" von Heiner Müller unter Anwendung der Machttheorie von Michel Foucault, um die Verbindung zwischen staatlicher Macht, Körperkontrolle und der deutschen Vergangenheit zu ergründen.

  • Analyse der Foucaultschen Disziplinarmacht und ihre Mechanismen.
  • Untersuchung der preußischen Gesellschaft als System der Körper-Diktatur.
  • Reflexion der Dialektik der Aufklärung bei Heiner Müller.
  • Dekonstruktion von nationalen Legitimationskonzepten durch das Theaterstück.
  • Betrachtung der Rolle des Einzelnen und der Intellektuellen im Machtgefüge.

Auszug aus dem Buch

2.2. Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei

Schon in der ersten Szene spricht Müller „Preußen-Deutschland bürgerliche Aufklärung im empathischen Sinne generell“ ab. Der junge Friedrich verkörpert die Gedankenwelt der französischen Aufklärung und wird von seinem Vater gemaßregelt: „Er ist nicht in Versailles“. Die weiteren Ermahnungen beziehen sich auf die fehlende soldatische Haltung Friedrichs und enden damit, daß Friedrich Wilhelm die Flöte des Knaben zerbricht. Die Flöte verkörpert Friedrichs Hinwendung zum Musischen, kann an dieser Stelle aber auch schon phallische Bedeutung haben, das Zerbrechen also Einwirkung auf die Mannwerdung des Jungen haben. Dies und das Miterleben des rohen Umgangs der Soldaten zeigen nach Emmerich die preußische Definition von „Männlichkeit im Sinne von Gewaltbereitschaft, Brutalität“. Friedrich wird diese Erziehung zu verinnerlichen haben, will er sich nicht den Zorn seines Vaters zuziehen. Die Figur Gundlings, des Hofgelehrten, der in dieser Szene zum Gespött gemacht wird, steht für den Intellektuellen, der durch „masochistische Unterwerfung“ versucht, den Konflikt mit der Macht zu lösen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Michel Foucault: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Foucaults Machtbegriff, insbesondere das Werk "Überwachen und Strafen" und das Konzept der Disziplinarmacht.

1.1. Überwachen und Strafen: Dieses Unterkapitel beschreibt die Entstehung von Foucaults Gefängnisstudie und seine Hinterfragung der Strafmethoden seit dem 18. Jahrhundert.

1.2. Drei Figuren der Bestrafung: Hier werden die historischen Bestrafungstypen (Marter, humanistische Strafe, Gefängnis) im Kontext der Machtausübung differenziert.

1.3. Der Körper als Objekt der Disziplinarmacht: Das Kapitel analysiert die vier Methoden, mit denen Disziplinarmacht den Körper kontrolliert und nutzbar macht.

2. Heiner Müller: Der Abschnitt führt in Müllers Beschäftigung mit der deutschen Geschichte und seine Kritik an Diktaturen ein.

2.1. Geschichtsphilosophie: Dieses Kapitel beleuchtet Müllers Auseinandersetzung mit dem preußischen Erbe und der DDR-Ideologie.

2.2. Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei: Diese Analyse widmet sich den Szenen des Stücks, um die körperbezogenen Machtstrukturen und den Einfluss der väterlichen Erziehung auf Friedrich darzustellen.

Schluß: Die Arbeit resümiert, dass Foucaults Theorie ein wertvolles Analyseinstrument bietet, um die im Stück verhandelten historischen und machtpolitischen Aspekte zu verstehen.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Heiner Müller, Leben Gundlings, Disziplinarmacht, Machtanalyse, Körperkontrolle, Aufklärung, Preußen, DDR, Unterwerfung, Geschichtsphilosophie, Strafe, Überwachen, Subjektivierung, Staatstheater.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht Heiner Müllers Stück "Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei" mithilfe der machttheoretischen Ansätze von Michel Foucault.

Welche zentralen Themen werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse staatlicher Macht seit der Aufklärung, der Rolle des Einzelnen, Körperkontrolle und der kritischen Auseinandersetzung mit deutscher Historie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Theoriegebäude Foucaults genutzt werden kann, um Müllers Interpretation des deutschen "Erbes" und die Darstellung von Gewalt besser zu verstehen.

Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, bei der Foucaults diskurstheoretische und machtanalytische Konzepte auf die Szenen des Theaterstücks angewendet werden.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in Foucaults "Disziplinarmacht" und die anschließende Anwendung dieser auf Müllers Stück unter Berücksichtigung der preußischen Geschichte.

Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Machtapparat, Disziplinierung, Körper-Diktatur, Subjektformierung und die Dekonstruktion nationaler Mythen.

Wie interpretiert der Autor das Zerbrechen der Flöte in der ersten Szene?

Das Zerbrechen der Flöte durch den Vater wird als symbolischer Akt der Unterdrückung der künstlerischen Natur Friedrichs und als Gewaltvorgang gewertet, der auf seine erzwungene soldatische "Männlichkeit" abzielt.

Welche Bedeutung kommt dem "Irrenhaus" im Stück zu?

Das Irrenhaus dient als Ort für diejenigen, die nicht in das normierte System des preußischen Staates passen, und verdeutlicht die Mechanismen der Ausgrenzung innerhalb der Disziplinarmacht.

Warum wird Friedrich von Müller als "falscher König" dargestellt?

Friedrich wird durch die ständige Fremdbestimmung und Unterwerfung unter das System so sehr seiner Individualität beraubt, dass er unfähig zur Selbstbestimmung ist, was Müller als Versagen auf dem Thron darstellt.

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Details

Title
Der Körper im Blickfeld der Macht
College
University of Münster
Course
Thematisches Seminar: Intertextualität und Gewalt: Das Theater Heiner Müllers
Grade
2
Author
Diane Trentinian (Author)
Publication Year
2004
Pages
14
Catalog Number
V41963
ISBN (eBook)
9783638401142
Language
German
Tags
Körper Blickfeld Macht Thematisches Seminar Intertextualität Gewalt Theater Heiner Müllers
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diane Trentinian (Author), 2004, Der Körper im Blickfeld der Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41963
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