Die Einschulung Ihres Kindes ist ein großer Schritt für das Kind, aber auch für die ganze Familie. Das Familienleben wird sich ändern. Dieser Schritt ist sicherlich mit großer Aufregung verbunden und bei einigen Kindern auch mit einem unguten Gefühl. Das Neue ist so ungewiss: Wird die Lehrerin nett sein? Werde ich Freunde finden? Werde ich auch gut in der Schule sein? Das sind Fragen, die sich die Kinder stellen. Auch Sie als Mutter oder Vater hoffen, dass die Schullaufbahn Ihres Kind gut verläuft und stehen vor der Ungewissheit. Wie kann ich mein Kind unterstützen, damit es in der Schule gut mitkommt? Ist mein Kind wirklich fit für die Schule? Darf mein Kind bei den Hausaufgaben Fehler machen? Darf es mit den Fingern rechnen? Wie kann ich mein Kind beim Lernen unterstützen? Das sind nur Beispiele für Fragen, die Ihnen vielleicht durch den Kopf gehen.
Ich bin heute hier, um mit Ihnen über mögliche Antworten auf diese Fragen nachzudenken. Ich werde Ihnen zunächst einen kurzen Überblick zur kindlichen Entwicklung geben. Was sind die Voraussetzungen für einen guten Schulstart? Wie können Sie Ihr Kind beim „Lernen lernen“ unterstützen?
Die Entwicklung Ihres Kindes ist ein Prozess. Dabei werden bestimmte Entwicklungsstufen erreicht und es ist wichtig, dass keine Stufe übersprungen wird. Stellen Sie sich einen Baum beim Wachsen vor: Beim Stamm entsteht jedes Jahr ein neuer Ring. So wird der Baum kräftig und stabil. Ähnlich ist es auch mit der Entwicklung Ihres Kindes. Wir werden sehen, dass auch diese in Phasen verläuft, wobei jede Phase wichtig ist. In jeder Phase sind bestimmte Dinge „dran“, die dem Kind helfen, sich zu entwickeln.
Wir werden sehen, dass es auch beim Erlernen von Kulturfertigkeiten wie dem Lesen, dem Schreiben und dem Rechnen Entwicklungsphasen gibt. Jede Phase ist wichtig, in jeder Phase braucht Ihr Kind genügend Zeit, um sie vollständig zu durchlaufen. Das ist wie bei einem Weg, den wir gehen wollen, wenn wir eine Strecke zurücklegen wollen. Wir setzen Schritt vor Schritt und gehen den ganzen Weg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmung und Bewegung
2.1 Das Gehirn
2.2 Die Wahrnehmung
2.2.1 Die Bedeutung der Wahrnehmung für schulisches Lernen
2.2.2 Der Prozess der Wahrnehmung
2.2.3 Sinnessysteme
2.3 Motorik
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Asymmetrisch-Tonischer-Nackenreflex (ATNR)
2.3.3 Symmetrisch-Tonischer-Nackenreflex (STNR)
3 Vorläuferfertigkeiten
3.1 Sprache
3.1.1 Phonologische Bewusstheit
3.1.2 Logografische Erkennung
3.2 Vorläuferfertigkeiten beim Rechnen
3.2.1 Simultanerfassung von Anzahlen
3.2.2 Entwicklung der Zahlwortreihe
3.2.3 Entwicklung der Kardinalität
3.2.4 Entwicklung vorschulischer Rechenstrategien
4 Kulturfertigkeiten
4.1 Schreiben
4.1.1 Lautgetreues Schreiben
4.1.2 Wie können Sie Ihr Kind in dieser Phase unterstützen?
4.1.3 Ist es richtig, zu schreiben, was man hört?
4.2 Rechnen
4.2.1 Warum ist zählendes Rechnen zulässig?
4.2.2 Warum ist es beim Rechnen wichtig, dass die Kindern Richtungen kennen?
5 Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieses Vortrags ist es, Eltern dabei zu unterstützen, die Entwicklung ihrer Kinder im Vorschulalter und in der Schuleingangsphase fundiert zu begleiten. Die Arbeit erläutert, dass Lernen ein stufenweiser Prozess ist, der auf körperlichen und wahrnehmungsbasierten Voraussetzungen aufbaut, und gibt konkrete Ratschläge zur Förderung dieser Fähigkeiten.
- Bedeutung von Wahrnehmung und Motorik für das Lernen
- Frühkindliche Reflexe und deren Einfluss auf die Schulreife
- Vorläuferfertigkeiten in Sprache und mathematischem Denken
- Förderung der Kulturfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen
- Praktische Strategien für den Erziehungsalltag
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Der Prozess der Wahrnehmung
Körperlich-sinnliches Erleben ist wichtig für die Kinder, weil es ein Training für die Sinnesorgane ist. Ich denke da zum Beispiel an das Freispiel draußen an der frischen Luft. Sinnesorgane müssen benutzt werden, um nicht zu verkümmern. So können sie sich ausbilden und weiterentwickeln. In unserer Gesellschaft verschwindet aber körperlich-sinnliches Erleben immer mehr. Es ist heutzutage die Regel, dass viel Zeit im Haus und auch vor dem Bildschirm verbracht wird. Dabei werden die Sinne jedoch nur sehr einseitig angeregt, vor allem das Sehen und Hören, jedoch viel Bewegung bekommen wir auch nicht. Im Alltag stehen den Kindern weniger Entdeckungsräume zur Verfügung. Sie als Eltern können Ihr Kind fördern, indem Sie es viel draußen spielen lassen. Ausflüge in den Wald sind besonders förderlich, alle Sinne anzuregen. Sind Sie mit Ihrem Kind im Wald, halten Sie doch einmal inne und lauschen: Welche Geräusche kann ich hören? Fahrradtouren, Drachensteigen, Picknick im Park oder am See, das sind Aktivitäten die nicht nur Ihren Kindern guttun.
Schauen wir uns nun kurz an, wie die Wahrnehmung funktioniert: Sinne sind „Antennen“, über die wir mit der Umwelt kommunizieren. Sie sind sozusagen die Nahtstelle zwischen innen und außen, zwischen Mensch und Umwelt. Wahrnehmung ist ein kreisförmiger Prozess.
Die Umwelt sendet Reize aus, die von unseren Sinnen aufgenommen werden. Diese Reize werden ins Gehirn weitergeleitet, wo sie gespeichert, mit bisher Gespeichertem verglichen, neu verknüpft und interpretiert werden. Daraus entsteht dann ein Impuls für eine Reaktion. Diese Reaktion erfolgt und hat wiederum Einfluss auf die Umwelt (vgl. Zimmer 2011, S. 45ff.). Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Prozess.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mit dem Schulstart verbundene Aufregung und betont die Bedeutung, die Entwicklung als stufenweisen Prozess zu verstehen, bei dem kein Schritt übersprungen werden sollte.
2 Wahrnehmung und Bewegung: Dieses Kapitel erläutert die neurobiologischen Grundlagen des Lernens und verdeutlicht, wie Bewegung, Wahrnehmung und frühkindliche Reflexe die schulische Leistungsfähigkeit beeinflussen.
3 Vorläuferfertigkeiten: Hier werden die essenziellen Voraussetzungen für das Lesen, Schreiben und Rechnen dargelegt, insbesondere die phonologische Bewusstheit sowie der Zahlensinn bei Kindern.
4 Kulturfertigkeiten: Das Kapitel bietet Einblicke in den Schriftspracherwerb und die mathematische Entwicklung, wobei explizit der Umgang mit Fehlern und die Bedeutung von Rechenstrategien thematisiert werden.
5 Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Kernaussagen zusammen und ermutigt Eltern, ihre Kinder geduldig auf ihrem individuellen Lernweg zu begleiten.
Schlüsselwörter
Schulreife, Wahrnehmung, Motorik, frühkindliche Reflexe, Lerntherapie, phonologische Bewusstheit, mathematisches Verständnis, Schriftspracherwerb, Entwicklungsphasen, Gehirnentwicklung, Sensorik, Elterliche Unterstützung, Vorläuferfertigkeiten, Lernen lernen, Kinesiologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Vortrag grundlegend?
Der Vortrag befasst sich mit der Unterstützung von Kindern während der Übergangsphase vom Kindergarten in die Grundschule unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer und lerntherapeutischer Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Wahrnehmung, der Motorik, dem Einfluss frühkindlicher Reflexe sowie den grundlegenden Vorläuferfertigkeiten für Sprache und Mathematik.
Was ist das primäre Ziel des Vortrags?
Ziel ist es, Eltern Ängste zu nehmen und ihnen zu vermitteln, wie sie die kindliche Entwicklung durch gezielte Förderung der Sinneswahrnehmung und ein Verständnis für Entwicklungsphasen optimal unterstützen können.
Welche wissenschaftlichen Grundlagen werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf etablierte pädagogische und entwicklungspsychologische Erkenntnisse, unter anderem von Autoren wie Dorothea Beigel, Stanislas Dehaene und Renate Zimmer.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedeutung von Gehirnfunktionen, die Bedeutung von Bewegung (Sensorik/Motorik) und die konkrete Vorbereitung auf die Kulturfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ganzheitliche Förderung, Lernentwicklung, Schulstart, frühkindliche Reflexe und schulisches Lernen beschreiben.
Warum ist lautgetreues Schreiben in der ersten Klasse für Kinder sinnvoll?
Es ist entwicklungsgerecht, da Kinder zunächst die Struktur der Schriftsprache begreifen müssen, indem sie Laute in Buchstaben übersetzen, ohne zu Beginn bereits komplexe Rechtschreibregeln bewältigen zu müssen.
Warum ist die „Kraft der fünf“ beim Rechnen für Kinder hilfreich?
Da unser Zahlensystem auf der Basis zehn basiert und wir an einer Hand fünf Finger haben, dient die Zahl Fünf als hilfreiche Orientierungsgröße, um Mengen zu erfassen und Rechenoperationen handelnd zu verstehen.
- Quote paper
- Claudia Kampmann (Author), 2018, Schritt für Schritt den ganzen Weg gehen. Wie Eltern die Entwicklung ihres Kindes im Vorschulalter und in der Schuleingangsphase unterstützen können, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419730