Selbstwert und Selbstkonzept bei LeistungssportlerInnen verschiedener Sportarten im Vergleich


Bachelorarbeit, 2016

71 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Selbstwert und Selbstkonzept bei LeistungssportlerInnen verschiedener Sportarten im Vergleich

DANKSAGUNG

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

Abstract

1 Einleitung
1.1 Begriffsklärung
1.2 Theoretischer und empirischer Forschungsstand
1.2.1 Die Entwicklung des Selbstwertes
1.2.2 Das hierarchische Selbstkonzeptmodell nach Shavelson, Hubner &
1.2.3 Entwicklungspsychologische Zusammenhänge von Selbstkonzept und sozialen Attributen

2 Ableitung der Fragestellung

3 Hypothesen
3.1 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in Einzel- und Teamsportarten
3.2 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten
3.3 Gerichtete Haupthypothese zur Unterscheidung des physischen Selbstkonzeptes bei SportlerInnen in Einzel- und Teamsportarten
3.4 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des physischen Selbstkonzeptes bei SportlerInnen in ästhetischen und nichtästhetischen
3.5 Gerichtete Unterhypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in spezifischen ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten
3.6 Gerichtete Zusammenhangshypothesen

4 Methoden
4.1 Experimentelles Forschungsdesign
4.2 Stichprobenbeschreibung
4.2.1 Soziodemographische Merkmale der Gesamtstichprobe
4.2.2 Sportbezogene Merkmale der Gesamtstichprobe
4.3 Versuchsmaterialien
4.3.1 Physical Self-Description Questionnaire
4.3.2 Multidimensionale Selbstwertskala
4.3.3 Eating Disorder Inventory-
4.4 Generierung der Stichproben und Datenerhebung
4.5 Statistische Auswertung und angewandte statistische Verfahren

5 Ergebnisse
5.1 Voraussetzungen der angewandten statistischen Verfahren
5.2 Testung der Hypothesen

6 Diskussion
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Interpretationen und Implikationen

LITERATURVERZEICHNIS

Anhang C: Der Physical Self-Description Questionnaire (PSDQ) Kurzform

DANKSAGUNG

Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Arbeit unterstützt und motiviert haben.

Danken möchte ich meiner Betreuerin Frau Doktor Uta Kraus, die mich richtungsweisend und mit viel Engagement während meiner Arbeit begleitet hat. Vielen Dank!

Des Weiteren möchte ich Hanno Meissner für seine Zeit als Korrekturleser und seinen Rat danken. Du hast mir sehr weitergeholfen. Immer wenn ich gezweifelt hab warst Du als Freund zur Stelle, vielen Dank!

Insbesondere möchte ich meiner Familie danken. Vielen Dank für die Unterstützung sowie dafür, dass Sport in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Bestandteil und Ressource meines eigenen Lebens ist!

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Das hierarchische Selbstkonzeptmodell

Abbildung 2: Hierarchischer Aufbau der Multidimensionalen Selbstwertskala

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Soziodemographische Merkmale der Gesamtstichprobe

Tabelle 2: Sportbezogene Merkmale der Gesamtstichprobe

Tabelle 3: Ergebnisse des Levene-Tests

Abstract

Im Rahmen dieser Arbeit wird auf den Selbstwert und das Selbstkonzept von LeistungssportlerInnen verschiedener Sportarten im Vergleich eingegangen. Hierbei wird das physische Selbstkonzept zum einen, als auch der Selbstwert, in multidimensionaler Form, zum anderen betrachtet. In weiterer Analyse werden Zusammenhänge verschiedener Aspekte von Verhaltensgewohnheiten erschlossen, wie z.B. Streben nach Perfektionismus, bzw. interozeptive Wahrnehmung und Selbstwertschätzung von LeistungssportlerInnen zusammenhängen. Da die Begrifflichkeiten sehr vielschichtig sind und im Rahmen der Sportpsychologie von LeistungssportlerInnen von Bedeutung, soll veranschaulicht werden, wie Selbstwert und Selbstbild von SportlerInnen entstehen, und welche verschiedenen Ressourcen und Schwierigkeiten dies mit sich bringen kann.

Die Leitfragen dieser Bachelorarbeit sind: Führen ästhetische Sportarten zu einem höheren Selbstwert? Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Anspruch der SportlerInnen perfekt sein zu wollen und deren Selbstwert? Wie äußert sich Selbstwertgefühl bei TeamsportlerInnen, bzw. SportlerInnen in nichtästhetischen Sportarten, im Vergleich zu SportlerInnen in Einzelsportarten bzw. SportlerInnen ästhetischer Sportarten? Ist die interozeptive Wahrnehmnung ein Indikator für fehlenden Selbstwert von LeistungssportlerInnen?

Nach einer Einleitung, in der Thematik und Ziel meiner Bachelorarbeit kurz dargestellt werden, werden die Begrifflichkeiten erläutert, um die es in dieser Bachelorarbeit geht. Weiterhin wird der theoretische und empirische Forschungsstand beschrieben. Im zweiten Kapitel befinden sich die Leitfragen. Im folgenden Kapitel werden die Hypothesen, auf denen die Leitfragen und die Datenanalyse basieren, dargestellt. Das methodische Vorgehen wird im vierten Kapitel beschrieben, wobei zunächst die Stichprobe, die soziodemographischen und sportbezogenen Variablen erwähnt werden. Anschließend werden die verschiedenen Fragebögen, welche die Selbstwertschätzung, Selbstkonzept, Perfektionismus und interozeptive Wahrnehmung der SportlerInnen messen, dargestellt. Danach werden die angewandten statistischen Verfahren und die Untersuchungsdurchführung veranschaulicht. Im fünften Kapitel werden konkrete Ergebnisse der zuvor genannten Hypothesen dargestellt. Die Voraussetzungen der statistischen Testverfahren werden zunächst überprüft, um daran anschließend zu analysieren, welche Rückschlüsse die Gruppenzugehörigkeit von SportlerInnen bzgl. ihres Selbstkonzeptes oder Selbstwertgefühls zulässt. In der Diskussion werden die Kernaussagen der Arbeit noch einmal zusammengefasst. Es wird ein Ausblick in die Zukunft der LeistungsportlerInnen gewagt, im Hinblick auf die Förderung von Ressourcen und selbstwertdienlichen Strategien. Schlussfolgernd wird angenommen, dass jede/r LeistungssportlerIn unabhängig von der Sportart, erlernen kann selbstwertdienliche Strategien anzuwenden und belastbar zu sein. Hierbei nimmt die Förderung von Ressourcen & Resilienz einen wichtigen Platz ein. Für das Wohlbefinden des/der SportlerIn sind Maßnahmen zur Selbstfürsorge, soziale Unterstützung, Selbstwirksamkeit und Sinnerleben wesentlich, wodurch die Lebensqualität und - zufriedenheit steigen. Die grundsätzliche Bedeutsamkeit von Selbstwert und Selbstkonzept im Leistungssport sowie gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten dafür Grundlage und Ausgangspunkt sein.

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll Unterschiede im Selbstwertgefühl und Selbstkonzept von LeistungssportlerInnen in verschiedenen Sportarten erfassen. Insbesondere soll der Zusammenhang von Selbstwert und interozeptiver Wahrnehmung, bzw. Perfektionismus in den ästhetischen Sportarten dargestellt werden.

Eine angemessene Selbstwertschätzung ist essentiell für psychische Regulation, deshalb gilt eine positive Einstellung zu sich selbst als Indikator für psychische Gesundheit (Bracken & Lamprecht, 2003). Personen, die von sich selbst überzeugt sind, führen Erfolge auf die eigenen Fähigkeiten zurück und Misserfolge attribuieren sie auf ungünstige Umstände.

Dieses Verhalten stabilisiert das Selbstbild. Im Gegensatz tendieren Personen, die an ihren Fähigkeiten zweifeln dazu, ihre Erfolge auf äußere Umstände und beispielsweise Glück zurückzuführen, während sie bei Misserfolgen die Meinung vertreten selbst schuld daran zu sein (Weiner, 1994).

1.1 Begriffsklärung

Im folgenden Abschnitt werden die relevanten Begrifflichkeiten, um die es in dieser Bachelorarbeit geht, definiert und beschrieben.

Ästhetische Sportarten zeichnen sich dadurch aus, dass die Qualität der Bewegungen und des körperlichen Gesamteindrucks im Vordergrund steht. Dabei sind ästhetische Bewegungsmerkmale, Bewegungsabläufe und ausgewogene körperliche Proportionen als grundlegende Merkmale zu nennen. Sie bilden die Basis für die Leistungsbewertung in ästhetischen Sportarten (Prohl & Röthig, 2003). In seiner höchsten Ausprägung wird der vollkommene ästhetische Ausdruck und Bewegung auch als Anmut oder Grazie bezeichnet. Nach Buytendijk (1956) ist Anmut der Ausdruck der „schönen Seele“, in der sich Sinnlichkeit, Verstand, Pflicht und Neigung vereinen. Folgende Dimensionen von gefühlsästhetischen Erfahrungen von Bewegungen sind hierbei zu nennen: 1) Strukturierung der Bewegung, wie z.B. innere Rationalität und Ordnung, 2) Bewegungsvariabilität, d.h. Stimmigkeit der Bewegung und 3) Entwicklung von Fantasie und individueller Ausdrucksfähigkeit (Prohl & Röthig, 2003). Zu den ästhetischen Sportarten zählen in dieser Bachelorarbeit: Reitsport, Synchronschwimmen, Tanzen, Turnen und Voltigieren (vgl. Anhang F).

Nichtästhetische Sportarten sind in diesem Kontext alle Sportarten, die sich von den ästhetischen Sportarten abgrenzen, d.h. Sportarten bei denen die funktionale Komponente grundlegend ist. Der Körper funktioniert hierbei in seinen Bewegungsabläufen als auch in seinen Bewegungsmerkmalen. Sportliche Handlungen werden demnach zweckmäßig erbracht. Der Erfolg der sportlichen Leistung ist nicht von der Ästhetik und Anmut des Körpers, sondern vom Funktionieren des Körpers abhängig. In dieser Bachelorarbeit werden folgende nichtästhetische Sportarten innerhalb der Gesamtstichprobe näher betrachtet: American Football, Basketball, BMX Rennsport, Feldhockey, Fitness, Fußball, Handball, Kraftsport, Lacrosse, Leichtathletik, Rudern, Schwimmen, Skirennen, Tennis, Tischtennis, Triathlon, Ultimative Frisbee und Volleyball (vgl. Anhang F).

Als Einzelsportarten sind folgende Sportarten innerhalb der Gesamtstichprobe zu nennen: BMX Rennsport, Fitness, Kampfsport, Leichtathletik, Reitsport, Schwimmen, Skirennen, Tennis, Tischtennis, Triathlon und Ultimative Frisbee (vgl. Anhang F).

Als Team wird ein Zusammenschluss von SportlerInnen bezeichnet, die ein gemeinsames Ziel erreichen wollen und deren Handeln sich auf dieses Ziel ausrichtet. Zudem sind sie als Gruppe durch Elemente der formalen Organisation definiert. Teamsportarten zeichnen sich weiterhin durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl aus. Die Regeln der einzelnen Teamsportarten bedingen, in welchem Ausmaß Handlungsmöglichkeiten für die SportlerInnen gegeben sind, wie z.B. Kooperation, Wettbewerb oder Individualismus. Des Weiteren sind durch die Regeln auch Größe und Zusammensetzung des Teams festgelegt. Für die Struktur einer Mannschaft und deren Aufstellung ist es bedeutsam, welche strukturellen Hierarchien hierbei entstehen und mit welchen sozialen Fertigkeiten und Fähigkeiten TrainerInnen diese dynamischen Prozesse steuern und gestalten (Prohl & Röthig, 2003).

Zu den Teamsportarten der Gesamtstichprobe gehören die Sportarten American Football, Basketball, Feldhockey, Fußball, Handball, Lacrosse, Rudern, Synchronschwimmen, Tanzen, Turnen, Volleyball und Voltigieren (vgl. Anhang F).

Der Leistungskader beinhaltet eine ausgewählte Gruppe von SportlerInnen, die aufgrund ihrer sportliche Siege und Platzierungen in den Spitzenverband oder Landesverband aufgenommen werden. Nach harten Trainings- und Wettkampfprozessen sind hierbei weitere Leistungssteigerungen zu erwarten (Prohl & Röthig, 2003). Folgende Statusstufen werden unterschieden: der A- Kader entspricht dem internationalen Niveau, z.B. 1. Bundesliga; der B- Kader befindet sich auf nationalem Niveau, z.B. 2. Bundesliga. Der C- Kader fördert nationalen Nachwuchs und Talente, z.B. in der 3. Bundesliga. Im C- Kader beginnt das Hochleistungstraining. Der D/C- Kader wird als Landeskader bezeichnet und entspricht der Regionalliga. In diesem Kader beginnt das Leistungstraining für die AthletInnen und es findet der Übergang von Landes- zur Bundesebene statt. Im D- Kader wird auf Landesebene trainiert. Der Schwerpunkt im D- Kader liegt auf der Landesförderung junger SportlerInnen (Deutscher Olympischer Sportbund, 2015; Prohl & Röthig, 2003).

Leistungssport umfasst sportliches Agieren mit dem Ziel der Leistungssteigerung bis hin zum Sieg und/oder Rekord. Als Leistung wird jede Handlung bezeichnet, die bewertet wird auf der Basis von Gütemaßstäben. Deswegen ist solches Verhalten, welches der Leistungsfähigkeit entgegenwirkt, zu vermeiden. Hartes Training und eine leistungserhaltende Lebenseinstellung sind maßgebende Faktoren. Die Regeln des Konkurrenzprinzips und des Prinzips der Chancengleichheit im Wettkampf sind weitere Aspekte, welche den Leistungssport in Abgrenzung zum Freizeitsport oder Breitensport definieren (Prohl & Röthig, 2003).

Mehrere Theorien liegen zum Konstrukt des Selbstwertes vor (vgl. Kapitel 2), die aufeinander aufbauen und teils miteinander konkurrieren (Potreck-Rose & Jacob, 2003). Eine Abgrenzung der Begriffe Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz dient dem besseren Verständnis: Selbstvertrauen bezieht sich meist auf die Haltung etwas zu können und kompetent in bestimmten Bereichen zu sein. Der Selbstwert wird eher im wissenschaftlichen Kontext verwendet, und meint die eigenen persönlichen Attribute, deren kompetenzunabhängige Einschätzungen als auch eigene Überzeugungen. Deshalb kann Selbstvertrauen als Anteil des Selbstwertes definiert werden. Der Begriff Selbstakzeptanz ist einzuordnen in die therapeutische Richtung Klientenzentrierter Gesprächspsychotherapie (Potreck-Rose & Jacob, 2003). Um die Begrifflichkeit Selbstwert auf höchster Generalisierungsebene zu verwenden, d.h. um Konzeptualisierung und Messung zu ermöglichen, wird in der Wissenschaft zwischen den Bereichen globalem und bereichsspezifischen Selbstwert differenziert. Der globale Selbstwert ist gleichzusetzen mit einem Eigenschaftsbegriff und entspricht einer Trait-Komponente der Persönlichkeit. Der bereichsspezifische Selbstwert ist als die Summe positiver Selbstbewertungen aus verschiedenen Lebensbereichen definiert, z.B. in der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS) von Schütz und Sellin (Potreck-Rose & Jacob, 2003; Schütz & Sellin, 2005). In der MSWS kann eine differenzierte Betrachtung individueller Selbstwerte stattfinden, da verschiedene Skalenwerte zur Verfügung stehen, wie z.B. die allgemeine Selbstwertschätzung, die soziale Selbstwertschätzung, leistungsbezogene Selbstwertschätzung und Selbstwertschätzung physischer Attraktivität (Potreck-Rose & Jacob, 2003; Schütz & Sellin, 2005).

Das physische Selbstkonzept wird auch als Körperkonzept bezeichnet. Es ist das sogenannte Selbstbild, welches ein/eine SportlerIn von sich hat. Dies entsteht in Auseinandersetzung mit der Umwelt und als Ergebnis von Rückmeldungen durch diese, sowie durch eigene Interpretation (Prohl & Röthig, 2003). Das Ziel im Entwicklungsverlauf ist es, ein positives stabiles Selbstkonzept zu erreichen, z.B. durch wechselseitige Beziehung von Selbstkonzept und dem eigenen Handeln und Erleben. Der/die SportlerIn, der/die sich als sportlich erfolgreich erlebt, wird in Folge dessen auch sportlich aktiver und motivierter sein. Im Umkehrschluss führen gehäufte Misserfolge zu einem negativen physischen Selbstkonzept, auf was letztlich Sportabstinenz folgen kann (Prohl & Röthig, 2003).

Zum physischen Selbstkonzept, welches als hypothetisches Konstrukt gilt, sind somit alle körperbezogenen Informationen zu zählen. Vor allem die subjektive Wahrnehmung eigener physischer Attraktivität als auch sportlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten sind weitere Bestandteile (vgl. Abb.1). Es folgen aus der Subdimension physischer Attraktivität des weiteren die Implikationen der eigenen Einstellung zum Körper sowie Sorgen um die Figur (Prohl & Röthig, 2003).

Perfektionismus ist im Alltagsverständnis das Streben nach Vollkommenheit, bzw. das Exzellenzstreben. Shafran et al. definieren Perfektionismus als eine Gruppe von „beliefs that perfection can, and should be, attained“ (Shafran et al. 2010 xi). Nach Chan (2008) sind olympische Höchstleistungen, wissenschaftliche Durchbrüche und große Kunstwerke als Produkte des menschlichen Strebens nach Exzellenz oder Perfektion zu bezeichnen.

Allerdings ist der Begriff des Perfektionismus widersprüchlich, denn die konträre Denkrichtung geht davon aus, dass Menschen Perfektion nie erreichen werden und ein Streben nach Vollkommenheit sich destruktiv auf das Lebensglück auswirken kann (Spitzer, 2015). Perfektionismus ist weder Krankheit noch psychische Störung, aber er gilt als ein einflussreicher transdiagnostischer Vulnerabilitätsfaktor für alle Achse-I-Diagnosen, d.h. alle psychischen Störungen mit Ausnahme der Persönlichkeitsstörungen und spezifischen Entwicklungsstörungen (Spitzer, 2015). Beispiele für Achse-I-Störungen sind die Affektiven Störungen, Angststörungen, Essstörungen, Lernstörungen, Schlafstörungen, Störung der Impulskontrolle, Schizophrenie und Phobie. Alle Achse-I-Störungen führen zu einer Beeinträchtigung des sozialen Lebens (DSM-V, 2013).

Als interozeptive Wahrnehmung wird die Wahrnehmung von Innenreizen bezeichnet, d.h. Vorgänge aus dem Körperinnern, primär aus den eigenen Körperabschnitten und über eigene Körperabschnitte. Zum einen wird in Propriozeption, d.h. Wahrnehmung von Körperlage und -bewegung im Raum, und zum anderen die Viszerozeption, d.h. Wahrnehmung von Organtätigkeiten differenziert (Buser et al., 2007). Das primäre interozeptive System ist beim Menschen in der rechten anterioren Insel lokalisiert. Sie ist als multisensorischer Cortex an der emotionalen Bewertung von Schmerz beteiligt und an weiteren Körperwahrnehmungen, z.B. Temperatur, Juckreiz, Berührung, muskuläre und Eingeweideempfindungen, vasomotorische Aktivität, Hunger und Durst (Craig, 2003). Die interozeptive Wahrnehmung ist somit grundlegend für das subjektive Bild des körperlichen Selbst, d.h. hier entsteht das Gefühl von Interozeption, kann es dazu kommen, dass SportlerInnen sinnvolle Alarmsignale des eigenen Körpers ignorieren bzw. bei gesteigerter Interozeption kann es zu Krankheiten, wie z.B. Angststörungen kommen. Ein Überinterpretieren und ebenso ein Ignorieren von körperlichen Vorgängen führt dann zu körperlichen Reaktionen und Alarmzeichen. Je nach Krankheitsbild, z.B. bei fehlender bzw. übersteigerter Interozeption kann eine Wahrnehmungsförderung, Förderung der Körperwahrnehmung und des Körpererlebens nützlich sein, bzw. kann eine verminderte Beachtung der Köpersignale zum Erfolg führen (Craig, 2003).Körpereinheit und von Eigenwahrnehmung der Emotionen. Bei allen Individuen existieren erworbene kognitive Schemata, welche die Interozeption beeinflussen, was jedoch abhängig von Lernprozessen und Erfahrungen ist.

Bei mangelhafter Wahrnehmung von Körpervorgängen und verminderter

1.2 Theoretischer und empirischer Forschungsstand

I n diesem Kapitel soll der empirische und theoretische Stand der Forschung zum Thema Selbstwert und Selbstkonzept von Leistungssporterlnnen veranschaulicht werden. Es werden aktuelle empirische Befunde genannt und die wichtigsten Erkenntnisse dargestellt. Aus der Selbstkonzeptforschung ist bisher bekannt, dass sich das Selbstkonzept altersunabhängig weiterentwickelt über die Lebensspanne (Wippert, 2011; Stiller & Alfermann in Conzelmann, 2008). In einer Längsschnittstudie von Alfermann, Stiller und Würth (2003) an jugendlichen Leistungssportlerinnen konnte festgestellt werden, dass sich bei positiver Leistungsentwicklung in Folge dessen ein positives Selbstkonzept einstellt.

Sport und Bewegung sind somit als wichtiger Beitrag zur Entwicklung vom Selbstwertgefühl und Selbstkonzept anzusehen. Dies wurde durch weitere Studien mehrfach belegt (Welk, Corbin & Lewis, 1995; Mrazek & Hartmann, 1989; Whitehead & Corbin, 1997). Jedoch führt Sport nicht automatisch zu einer Erhöhung des Selbstwertgefühls, sondern ist eher als eine Moderatorvariable zu bezeichnen. Die Selbstkonzeptansätze der letzten Jahrzehnte sind uneinheitlich und es bestehen verschiedene Auffassungen. Im Folgenden werde ich versuchen, die zeitgeschichtliche Entwicklung der Begrifflichkeiten „Selbstwert“ und „Selbstkonzept“ darzustellen, im Hinblick auf das weitere methodische Vorgehen in meiner Bachelorarbeit.

1.2.1 Die Entwicklung des Selbstwertes

Der Begriff des „Selbst“ hat eine lange Geschichte. Die früheste psychologische Definition entstand durch William James (1892). Nach seinen Auffassungen ist das „Selbst“ das Wissen um die eigene Person und wird als „self as knower“ bezeichnet. Eine ähnliche Auffassung vertritt Metz-Göckel (2000), der das „Selbst“ als die Gesamtheit des Wissens um die eigene Person bezeichnet. Nach Cooley (1902) ist das Wissen um sich selbst nur dann möglich, wenn soziale Rückmeldungen vorhanden sind. Der Mensch ist somit die Spiegelung dessen, was die Umwelt an Reaktionen auf die eigene Person zurücksendet, d.h. es existiert ein sogenanntes „Spiegel-Selbst“. Individuen können sich demnach nur in Wechselwirkung mit anderen entwickeln. Zum Beispiel lernen Kinder, dass Handlungen von anderen Personen auf sie selbst bezogen sind, und dass ihre eigenen Handlungen die Reaktion anderer beeinflussen können. Nach Baumeister (1993) besitzt das „Selbst“ eine exekutive Funktion, welche gleichzusetzen ist mit der Handlungsfähigkeit des Menschen.

Das „Selbst“ lässt sich in zwei Anteile untergliedern: Zum einen entspricht das Selbstkonzept der deskriptiven Komponente, und zum anderen ist der Selbstwert als evaluative Komponente zu nennen (Potreck-Rose & Jacob, 2003; Schütz & Sellin,2005). Es stellt sich in diesem Kontext die Frage, wie der Selbstwert gemessen wird. Nach James (1892) ist das Verhältnis aus eigener Kompetenz und eigenem Anspruch als Selbstwert zu bezeichnen.

Das bedeutet, je subjektiv wichtiger ein bestimmter Kompetenzbereich für eine Person ist, umso mehr erhöht die Kompetenz den Selbstwert bzw. verringert sie ihn bei Inkompetenz. Somit ist es plausibel, dass eine sportliche Begabung nur dann den Selbstwert erhöht, wenn SportlerInnen Wert darauf legen ihre Erfolge zu erreichen. Nach Cooleys Auffassung (1902) ist der Selbstwert größer, wenn eine Person soziale Unterstützung und Anerkennung von seiner bzw. ihrer Umwelt erhält. Alle verschiedenen Konzeptualisierungen des Selbst und des Selbstwertes nehmen an, dass eine dynamische Entwicklungsfähigkeit über die gesamte Lebensspanne besteht, und dies mit wesentlichen Entwicklungsanteilen des Selbstkonzeptes in der Kindheit einhergeht (Ludwig-Körner, 1992; Potreck-Rose & Jacob, 2003; Wippert, 2011; Conzelmann & Hänsel, 2008).

1.2.2 Das hierarchische Selbstkonzeptmodell nach Shavelson, Hubner &

Stanton

In der sportpsychologischen Selbstkonzeptforschung wird seit den 1990er Jahren verstärkt das Selbstkonzeptmodell von Shavelson et al. (1976) verwendet (Conzelmann & Hänsel, 2008). Nach Shavelson, Hubner und Stanton (1976) ist das Selbstkonzept „ a person’s perception of himself.“ (Zitat nach Shavelson, 1976, S.411). Das Selbstkonzept wird nicht unabhängig von der Umwelt betrachtet, sondern wird geformt durch Erfahrungen, Handlungen des Einzelnen und durch die Reaktionen der Umwelt und der Bezugspersonen darauf. Auch die subjektiven Repräsentationen und Interpretationen dieser Zusammenhänge spielen dabei eine Rolle (Marsh & Shavelson, 1985).

Shavelson et al. (1976) sind der Auffassung, dass ein übergeordnetes globales Selbstkonzept in verschiedene Anteile des Selbstkonzeptes unterteilt werden kann, welche im Gedächtnis in Form von Netzwerken repräsentiert sind.

Das allgemeine Selbstkonzeptmodell ist in hierarchischer Struktur aufgebaut und beinhaltet neben dem akademischen Selbstkonzept die Ebene des nichtakademischen Selbstkonzeptes. Als kognitive Bereiche des akademischen Selbstkonzeptes sind, z.B. Englisch, Geschichte, Mathematik, Biologie, u.a. zu nennen (Shavelson et al., 1976; Shavelson & Bolus, 1981). Zum nichtakademischen Selbstkonzept gehören das soziale, das emotionale und das physische Selbstkonzept. Basierend auf diesem Modell entstand der Physical Self-Description Questionnaire (PSDQ) für den deutschsprachigen Raum von Stiller und Alfermann (2007). Teilkonstrukte des physischen Selbstkonzeptes, um die es in dieser Bachelorarbeit gehen wird, sind hierbei die körperlichen Fähigkeiten und das Aussehen (Shavelson et al., 1976; Shavelson & Bolus, 1981; Stiller & Alfermann, 2005). Die Subdimension physischer Attraktivität impliziert die eigene Einstellung zum Körper sowie die Sorge um die Figur (Prohl & Röthig, 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das hierarchische Selbstkonzeptmodell (Shavelson, Hubner & Stanton, 1976, S.13; Alfermann & Stiller in Prohl & Röthig, 2003, S. 470)

1.2.3 Entwicklungspsychologische Zusammenhänge von Selbstkonzept und sozialen Attributen

Die Herausbildung eines positiven und differenzierten Selbstkonzeptes ist als zentrale Entwicklungsaufgabe zu nennen, da es als Indikator für Gesundheit gilt (Bracken & Lamprecht, 2003). Die Entwicklung des Selbstwertes findet zunächst primär im Familiensetting statt. Strafende Eltern geben ihren Kindern wenig Selbstwertgefühl, während Unterstützung und Nachsicht zu einem höheren Selbstwert führen. Vor allem bedingungs- lose Unterstützung, Wertschätzung und ein vertrauensvolles Familienklima fördern den Selbstwert von Kindern und Jugendlichen. Das Selbstkonzept entwickelt sich v.a. über Selbstbewertung, direkte und indirekte Rückmeldung von Bezugspersonen, als auch über soziale Vergleiche (Bracken & Lamprecht, 2003; Schütz, 2003). Es besteht ein positiver Zusammenhang von Selbstwert und verschiedenen sozialen Variablen, wie zum Beispiel Beliebtheit, Sozialkompetenz, und soziale Integration, geringe Schüchternheit, Partnerschaft und soziale Unterstützung (Schütz, 2000). Ein geringer Selbstwert korreliert hoch mit Depression, und anderen psychischen Störungen, z.B. Zwangsstörungen, Angststörungen, sozialer Ängstlichkeit, Bulimie, etc. (Rudolf, 1999).

Schütz (2000) nimmt an, dass Personen, die einen hohen Selbstwert haben, sich ihrer sozialen Integration sicher sind, individuelle Ziele verfolgen und weniger bedürfnisorientiert bzgl. des Partners vorgehen. Weiterhin ist anzunehmen, dass Personen mit hohem Selbstwert ihre hochgesteckten Ziele erreichen und verfolgen. Wenn der eigene Selbstwert jedoch überhöht ausgeprägt ist, sinkt die soziale Adaptivität, d.h. soziale Konflikte können häufiger auftreten (Schütz, 2000). Ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Selbstwert und dem körperlichen Selbstbild scheint gegeben zu sein. Denn der Selbstwert steht in einem starken Zusammenhang zur eigenen Einschätzung der Attraktivität. Zum Beispiel haben übergewichtige Menschen meist einen niedrigeren Selbstwert. Mädchen orientieren sich bereits vor dem Einsetzen der Pubertät an Schlankheitsidealen, woraus die spätere Problematik von Essstörungen und Selbstwertproblemen resultiert (Kreikebaum, 1999).

Dieser Zusammenhang ist insofern nachvollziehbar, da in unserer Gesellschaft das Aussehen, das Gewicht und die Figur wichtige Teilaspekte für eine soziale Bewertung sind. (Potreck-Rose & Jacob, 2003).

2 Ableitung der Fragestellung

Die Leitfragen dieser Bachelorarbeit sind:

- Führen ästhetische Sportarten zu einem höheren Selbstwert?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Anspruch perfekt sein zu wollen und dem Selbstwertgefühl bei SportlerInnen aus ästhetischen Sportarten?
- Wie äußert sich Selbstwertgefühl bei TeamsportlerInnen, bzw. SportlerInnen aus nichtästhetischen Sportarten, im Vergleich zu SportlerInnen ästhetischer Sportarten bzw. Einzelsportarten?
- Ist die verminderte interozeptive Wahrnehmnung ein Indikator für fehlenden Selbstwert bzw. fehlendes Selbstkonzept von LeistungssportlerInnen?

3 Hypothesen

Der Fragebogen „Körperbild im Leistungssport“ erfasst primär funktionale und ästhetische Dimensionen des Körperbilds mit Hilfe von diagnostischen Verfahren aus der Psychologie. Des Weiteren sind mit den Fragebögen MSWS, PSDQ und EDI-2 die Dimensionen des Selbstwerts, des physischen Selbstkonzepts und des Essverhaltens erfasst worden.

Im Folgenden werden Hypothesen aufgestellt, um die Unterschiede im Selbstwert und Selbstkonzept bei LeistungssportlerInnen zu vergleichen. Die SportlerInnen gehören den Sportgruppen Einzel- und Teamsport, bzw. nichästhetischen und ästhetischen Sportarten an. Weiterhin werden Korrelationshypothesen aufgestellt, die den Zusammenhang von Perfektionismus, bzw. interozeptiver Wahrnehmung und Selbstwert bzw. Selbstkonzept bei ästhetischen SportlerInnen belegen sollen.

3.1 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in Einzel- und Teamsportarten

Im leistungsorientierten Teamsport ist Selbstvertrauen Voraussetzung für erfolgreiches Spiel. Mit stabiler innerer Sicherheit sind auch neue und schwierige Situationen für selbstbewusste SpielerInnen zu lösen. Die erfolgreiche Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die SpielerInnen erfolgs- und zielorientiert handeln. Vor allem risikobereite SpielerInnen, die ein großes Selbstvertrauen mitbringen sind essenziell für den Erfolg einer Mannschaft.

Zudem ist es von Bedeutung, dass die Mannschaft die Prinzipien der Sicherheit, Zuverlässigkeit und Konstanz sowie Risikobereitschaft umsetzt (Trosse, 2003).

Aufgrund dessen erwarte ich höhere Werte bzgl. des Selbstwertes bei TeamsportlerInnen im Vergleich zu EinzelsportlerInnen.

H1 Der Selbstwert in der Skala zum körperlichen Selbstwert ist höher bei SportlerInnen in Teamsportarten als bei SportlerInnen in Einzelsportarten (MSWS).

H2 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der physischen Attraktivität ist höher bei SportlerInnen in Teamsportarten als bei SportlerInnen in Einzelsportarten (MSWS).

H3 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der Sportlichkeit ist höher bei SportlerInnen in Teamsportarten als bei SportlerInnen in Einzelsportarten (MSWS).

3.2 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten

Nach Quinten (1994) sind ästhetische Sportarten, z.B. Tanzen verbunden mit Kongruenzaspekten der eigenen Bewegung und deren Bewertung. Hierbei ist anzunehmen, dass Selbstwert und Selbstkonzept weniger ausgeprägt sein könnten, da das eigene Bewegungsverhalten in ästhetischen Sportarten nicht selten selbstkritisch bezweifelt wird.

Aufgrund dessen erwarte ich höhere Werte bezüglich des Selbstwertes bei SportlerInnen aus nichtästhetischen Sportarten, bei denen vorrangig die funktionale Komponente des Körpers relevant für Erfolge zu sein scheint.

H4 Der Selbstwert in der Skala zum körperlichen Selbstwert ist höher bei SportlerInnen in nichtästhetischen Sportarten als bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten (MSWS).

H5 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der physischen Attraktivität ist höher bei SportlerInnen in nichtästhetischen Sportarten als bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten (MSWS).

H6 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der Sportlichkeit ist höher bei SportlerInnen in nichtästhetischen Sportarten als bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten (MSWS).

3.3 Gerichtete Haupthypothese zur Unterscheidung des physischen Selbstkonzeptes bei SportlerInnen in Einzel- und Teamsportarten

H7 Der globale Selbstwert bei ist höher bei SportlerInnen in Teamsportarten als bei SportlerInnen in Einzelsportarten (PSDQ).

3.4 Gerichtete Haupthypothesen zur Unterscheidung des physischen Selbstkonzeptes bei SportlerInnen in ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten

H8 Der globale Selbstwert ist höher bei SportlerInnen in nichtästhetischen Sportarten als bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten (PSDQ).

H9 Der globale Selbstwert ist höher bei BallsportlerInnen als bei VoltigiererInnen, TänzerInnen und TurnerInnen (PSDQ).

3.5 Gerichtete Unterhypothesen zur Unterscheidung des Selbstwertes bei SportlerInnen in spezifischen ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten

H10 Der Selbstwert in der Skala zum körperlichen Selbstwert ist höher bei BallsportlerInnen als bei VoltigiererInnen, TänzerInnen und TurnerInnen (MSWS).

H11 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der physischen Attraktivität ist höher bei BallsportlerInnen als bei VoltigiererInnen, TänzerInnen und TurnerInnen (MSWS).

H12 Der Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der Sportlichkeit ist höher bei BallsportlerInnen als bei VoltigiererInnen, TänzerInnen und TurnerInnen (MSWS) .

3.6 Gerichtete Zusammenhangshypothesen

Bei LeistungssportlerInnen scheint ein gemischter Selbstwert optimal zu sein, d.h. hohe Werte bzgl. Selbstakzeptanz bei gleichzeitigem hohem Selbstwert (Koivula, Hassmen & Fallby, 2002). Diese Kombination steigert den Selbstwert bei Erfolg und bei Misserfolg bleibt der Selbstwert erhalten. Nach Koivula et al. (2002) haben SportlerInnen mit hoher Selbstakzeptanz und geringem Selbstwert auch geringe Werte bzgl. Perfektionismus, was darauf schließen lässt, dass reine Selbstakzeptanz schlecht zu hohen Maßstäben passt. Ich erwarte demnach einen positiven Zusammenhang von Perfektionismus und Selbstwert bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten.

H13 Es wird ein positiver Zusammenhang zwischen dem Eating Disorder Inventory-2 in der Skala zum Perfektionismus und dem Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung physischer Attraktivität (MSWS) bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten erwartet.

H14 Es wird ein positiver Zusammenhang zwischen dem Eating Disorder Inventory-2 in der Skala zum Perfektionismus und dem globalen Selbstwert des PSDQ bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten erwartet.

Nach Alkemeyer (2001) ist Leistungssport unter dem Aspekt der Leistungs- und Konkurrenzorientierung als kulturtypische Form der Vergesellschaftung und Verkörperlichung anzusehen, wobei die SportlerInnen sich z.T. in einer Ebene der Instrumentalisierung ihres Körpers bewegen. Somit könnte eine Trennung von Körper und Geist ablaufen, der sich negativ auf den Selbstwert und die interozeptive Wahrnehmung von SportlerInnen auswirken könnte. Der Körper wird bewusst geformt und funktional eingesetzt zum Leistungsinteresse des/der SportlerIn oder der Eltern bzw. der Gesellschaft (Moegling, 2006, S. 222).

H15 Es wird ein negativer Zusammenhang zwischen dem Eating Disorder Inventory-2 in der Skala zur interozeptiven Wahrnehmung und Selbstwert in der Skala zur Selbstwertschätzung der Sportlichkeit (MSWS) bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten erwartet.

H16 Es wird ein negativer Zusammenhang zwischen dem Eating Disorder Inventory-2 in der Skala zur interozeptiven Wahrnehmung und globalen Selbstwert des PSDQ bei SportlerInnen in ästhetischen Sportarten erwartet.

4 Methoden

Die methodische Umsetzung zur Überprüfung der Hypothesen wird in diesem Kapitel näher erläutert.

4.1 Experimentelles Forschungsdesign

Nach Hager (1987) entspricht ein Experiment den Anforderungen der empirischen Forschung, wenn 1) die unabhängigen Variablen (UV) und abhängigen Variablen (AV) zu unterscheiden sind, 2) die AV immer auf die UV folgt und 3) die Daten von mindestens zwei Probandengruppen miteinander verglichen werden.

Folgende drei Gruppierungen wurden innerhalb der Gesamtsstichprobe (N=136) gebildet, was den unabhängigen Variablen entspricht. So wird zwischen Einzel - und Teamsportarten (Gruppe I) unterschieden. Des Weiteren wird zwischen ästhetischen und nichtästhetischen Sportarten (Gruppe II) differenziert. Insbesondere wird der Selbstwert und das Selbstkonzept von SportlerInnen in den ästhetischen Sportarten Voltigieren, Tanzen und Turnen mit dem Selbstwert und dem Selbstkonzept von BallsportlerInnen (Gruppe III) verglichen. Dabei wird unter anderem auf die Frage des eigenen Selbstwertes und des physischen Selbstkonzeptes eingegangen, wobei die Selbstwertschätzung der physischen Attraktivität (SWPA), die Selbstwertschätzung der Sportlichkeit (SWSP), die körperbezogene Selbstwertschätzung (KSW), sowie die globale Selbstwertschätzung (GSW) zu den abhängigen Variablen gehören.

4.2 Stichprobenbeschreibung

Zur Überprüfung der Hypothesen bzgl. des Selbstwertes und des Selbstkonzeptes von SportlerInnen wurden drei verschiedene Gruppierungen innerhalb der Gesamtstichprobe (N=136) gebildet, was den unabhängigen Variablen entspricht.

Die Verteilung der Einzel- und Teamsportarten liegt bei 38:98, was 27.9% und 72.1% der Gesamtstichprobe entspricht. Die ästhetischen Sportarten und nicht ästhetischen Sportarten sind mit 51:85 verteilt, was 37.5% und 62.5% der Gesamtstichprobe ausmacht. Bei den ästhetischen Sportarten Voltigieren, Tanzen und Turnen vs. den nichtästhetischen Sportarten des Ballsports ist eine Verteilung von 43:38 festzustellen, was Prozentwerten von 31.6% und 27.9% entspricht (vgl. Anhang F).

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Selbstwert und Selbstkonzept bei LeistungssportlerInnen verschiedener Sportarten im Vergleich
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Psychologie)
Note
1.3
Autor
Jahr
2016
Seiten
71
Katalognummer
V419819
ISBN (eBook)
9783668760820
ISBN (Buch)
9783668760837
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportpsychologie, Physical Self-Description Questionnaire, PSDQ, MSWS, Selbstwert, Multidimensionale Selbstwertskala, Eating Disorder Inventory-2, EDI- 2, Anorexia nervosa, Selbstkonzept, Leistungssport, Diagnostik, interozeptive Wahrnehmung, Selbstwertschätzung, ästhetische Sportarten, Teamsportarten, Perfektionismus, Shavelson Hubner & Stanton, Statistik, Coaching
Arbeit zitieren
Nadja Doerfel (Autor), 2016, Selbstwert und Selbstkonzept bei LeistungssportlerInnen verschiedener Sportarten im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419819

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