Vergleich der Darstellung der Adjektivdeklination in den Grammatiken des Deutschen am Beispiel Duden, Helbig/ Buscha und Klipp und Klar


Hausarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adjektivdeklination in linguistischer und didaktischer Hinsicht

2.1. Linguistische Einordnung und Charakterisierung der Adjektivdeklination
2.2. Potenzielle Probleme mit der Didaktisierung der Adjektivdeklination und mögliche Lernschwierigkeiten

3. Vergleich der Darstellung der Adjektivdeklination in den Grammatiken des Deutschen
3.1. Auswahl der Grammatiken und Hinweise zum Vergleich
3.2. Helbig/Buscha: Ein Handbuch für den Ausländerunterricht
3.3. Dudengrammatik - Unentbehrlich für richtiges Deutsch
3.4. Fayndrch/Tallowitz: Klipp und Klar: Übungsgrammatik Grundstufe Deutsch
3.5. Tabellarische Übersicht

4. Fazit

Abkürzungen

1. Einleitung

Das Grammatikphänomen ״Adjektivdeklination“ ist nach wie vor eines der höchstempfindlichsten Probleme im Fremdsprachenunterricht des Deutschen. Aus eigener Erfahrung kann festgestellt werden, dass dieses Phänomen viele Lehr- und Lernschwierigkeiten beim Fremdsprachenunterricht des Deutschen in der Türkei mit sich bringt. Wenn die Deutschlernenden erstmals mit der Adjektivdeklination im DaF-Unterricht konfrontiert werden, verlieren sie ihre Motivation und bilden Voreingenommenheit zu diesem höchstempfindlichsten Grammatikkapitel. Auch für die Lehrenden ist es verwirrend, dieses Phänomen in der Unterrichtseinheit effektiv behandeln zu müssen, um das Interesse der DaF-Lerner zu wecken. Bei der Unterrichtsvorbereitung spielt die Auswahl der Grammatik eine ausschlaggebende Rolle. Eine eindeutige Darstellung der Adjektivdeklination ist in den Grammatiken kaum zu finden. Da in den Grammatiken immer mehrere Deklinationstypen auftauchen, sind die Auswahlkriterien des Lehrers bei den Deklinationstypen meistens unklar. Weil die Grammatiken von verschiedenen Deklinationsparadigmen ausgehen, können die Deklinationsparadigmen bei der Vermittlung dieses Themas eine Vermischung verursachen. Aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen aus beiden Perspektiven besteht auch mein Forschungsinteresse darin, herauszufinden, wie dieses Phänomen in den Grammatiken am Beispiel von Helbig/Buscha, Duden und Klipp und Klar dargestellt wird, und welche potenzielle Probleme sich bei der Didaktisierung erkennen lassen.

Die Analyse von vorhandenen Grammatiken und deren Vergleich ermöglicht die Darlegung der präferierten Darstellungsweisen der Adjektivdeklination und deren Vor- und Nachteile. Da diese Werke in der Regel als Grundsteine der deutschen Grammatik bezeichnet werden, kann eine solche Auseinandersetzung zusätzlich die potenziellen Probleme der Deutschlernenden bei der Beschäftigung mit der Adjektivdeklination in Erscheinung treten lassen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Beschreibung und Bewertung von Darstellungsweisen der Adjektivdeklination in ausgewählten Grammatiken zusammenzufassen. Als Basis dieser Auseinandersetzung dienen die drei Grammatiken, die sich als linguistische und didaktische Grammatiken abgrenzen lassen.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Flauptteile. Im ersten Teil werden die linguistische Einordnung, die Charakterisierung des Grammatikphänomens und die potenziellen Probleme mit der Didaktisierung sowie die möglichen Lernschwierigkeiten in Betracht gezogen. Abschließend wird im zweiten Teil gezeigt, wie die Analyse und Auswertung der drei ausgewählten Grammatiken in Bezug auf linguistische und didaktische Merkmale durchgeführt wird.

2. Adjektivdeklination in linguistischer und didaktischer Hinsicht

2.1. Linguistische Einordnung und Charakterisierung der Adjektivdeklination

Wenn man einen Blick auf den forschungsgeschichtlichen Hintergrund der Adjektivdeklination wirft, stellt man fest, dass dieses Grammatikphänomen bereits seit den achtziger Jahren sowohl für Linguisten, als auch für Didaktiker ein großes Diskussionsthema ist. Da in Grammatiken und DaF- Lehrwerken einige Veränderungen, wie Z.B. die Darstellungsart der einzelnen Formen (Kasus- und Genusreihenfolge), die Anzahl der Deklinationstypen und die Funktionsprinzipien der Deklination vorhanden waren, gab es viele Meinungsverschiedenheiten zwischen Sprachwissenschaftlern, was die Adjektivdeklination anbelangt, (vgl. Vandenheede:1998)

Das Adjektiv, das vor dem Nomen steht, wird als ein Teil der Nomina bezeichnet und hat eine attributive Funktion. Die Adjektive, die attributive Funktion haben, fungieren dazu, Gegenstände zu charakterisieren und ihnen Eigenschaften zuzuschreiben. Die morphologische Struktur des Adjektivs ist dadurch gekennzeichnet, dass es sowohl dekliniert als auch kompariert werden kann (vgl. Admoni:1960, Eisenberg: 2006). Die Deklination der attributiven Adjektive hängt vom (folgenden) Substantiv und vom vorausgehenden Artikelwort des Substantivs ab. Zwischen dem Substantiv und dem attributiven Adjektiv existiert eine grammatische Kongruenz in:[1]

- Genus: Maskulin: ein großer Garten; Neutrum: ein großes Zimmer; Feminin: eine große Küche
- Numerus: Singular: der große Garten; Plural: die großen Gärten
- Kasus: Nominativ: der große Garten; Akkusativ: den großen Garten; Dativ: dem großen Garten; Genitiv: des großen Gartens

Vandenheede:1998 erwähnte, dass in DaF-Lehrwerken die ״Reihenfolge der Kasus" aus kommunikativen Gründen überwiegend verwechselt worden ist und zumeist die Reihenfolge (Nom.-

Akk.- Dat.- Gen.) anzutreffen war, obwohl diese Grammatiken nach dem traditionellen lateinischen Vorbild modelliert waren (Nom.- Gen.- Dat.- Akk.). Er stellte fest, dass eine ähnliche Situation für die Genusanordnung auch zum Ausdruck kommt.

Die Reihenfolge der Genus Mask.- Fem.- Neutr, lässt die Tendenz erkennen, dass diese Reihenfolge in den Grammatiken am meisten vorkommt.[2]Trotzdem gibt es auch Grammatiken, die die Reihenfolge Mask.- Neutr. - Fem. akzeptiert haben, zusätzlich wurde die gleiche Reihenfolge von DaF-Lehrwerken immer mehr unterstützt. Die Verknüpfung zwischen der Genusanordnung Mask.-Neutr.-Fem. und der Kasusreihenfolge Nom.-Akk.-Dat.-Gen. wird als didaktisch günstiger bezeichnet. Die Gründe dafür sind die Formengleichheit zwischen Mask, und Neutr, im Dativ und Genitiv und die Formenübereinstimmung zwischen Nominativ und Akkusativ, Mask. bzw. Nominativ und Akkusativ Fern, und zum Teil auch zwischen Fern. Singular und Plural Mask./Fem./Neutr. PI. (vgl. Vandenheede:1998) Infolgedessen verdeutlicht Vandenheede anhand zweier Tabellen den Vergleich zwischen der traditionellen und neueren Anordnung der Flexive der starken Deklination:

Tabelle 1: traditionelle Kasusanordnung (Vandenheede:1998,s.22)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: moderne Kasusanordnung (Vandenheede:1998,s.22)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der ersten Tabelle bemerkt man, dass die traditionelle Kasusordnung schwer zu verankern ist und während der Vermittlung der Adjektivdeklination viele Probleme verursachen kann. Die zweite Tabelle zeigt uns, dass die Reihenfolge von Kasus und Genus miteinander verknüpft ist, und dass, mittels der modernen Kasusanordnung, eine mnemotechnische Hilfe zur Erlernung der Verteilung der schwachen Endungen benötigt wird. Fast jeder kennt im Bereich des Deutsch als Fremdsprache (DaF) die bekannteste mnemotechnische Hilfe, die sog. Adjektiv -'Zahnbürste', Adjektiv -'Pistole' (vgl. Vandenheede:1998) ' oder 'Topfmodell' um eine bessere Einprägung der schwachen Endungen zu ermöglichen.

Da die Veränderungen der Kasus- und Genusreihenfolge eine sehr wichtige Rolle bei der Einordnung der Adjektivdeklination spielen, sollte man die Zahl der Deklinationstypen nicht außer Betracht lassen. Darski:2010 hat die Klassifizierung der Deklinationstypen folgendermaßen identifiziert:

,,Jacob Grimm unterschied in der ״Deutschen Grammatik" zwei Klassen der Adjektivdeklination, die er stark und schwach nannte. In der Grimmschen Nachfolge wurde noch die gemischte Deklination eingeführt Als starke Deklination wird die Beugung ohne den bestimmten Artikel bezeichnet, als schwache - die mit dem bestimmten Artikel, als gemischte - die mit dem unbestimmten Artikel. Die Termini stark, schwach und gemischt finden sich weiterhin in den meisten Deutschen Grammatiken und Monografien um die Jahrhundertwende." (Darski:2010: 319)

Im Laufe der Zeit wurden die Grimmschen Begriffe starke bzw. schwache Deklination in Grammatiken in verschiedener Art und Weise bezeichnet. Diese Bezeichnungen lauteten:

- ״pronominale bzw. nominale (u.a. Schmidt 1966:184 und Grundzüge 1984:629),
- determinierende bzw. attribuierende (Brinkmann 1971:85),
- determinierende bzw. interminierende (Darski 1979:204),
- große, marschierende Flexion bzw. kleine, begleitende Flexion (Meinert 1989:137)" (Vandenheede:1998, S.23)

Die oben genannten Deklinationstypen lassen sich folgenderweise beschreiben[3]:

Das Adjektiv trägt bei der starken Deklination die Endung des bestimmten Artikels (der, das, die/die). Die einzige morphologische Ausnahme ist Genitiv Singular beim Maskulinum und Neutrum (hier ist die Endung -en statt -es wie klugen Mannes/Kindes). Diese Deklinationsart bezieht sich auf die Adjektive nach Nullartikel, nach Artikelwörtern deren, dessen, wessen, nach endungslosen Zahladjektiven (z. B. zwei, drei) oder nach den endungslosen Formen manch, solch, welch, viel, wenig, weiter nach mehrere, etliche usw.

Die Endungen der Adjektive bei der starken Deklination:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die schwache Deklination verwendet man bei Adjektiven nach einem bestimmten Artikel {der, das, die) oder nach Artikelwörtern derjenige, derselbe, dieser, jeder, mancher, solche, irgendwelcher, alle usw. Eine Kennzeichnung für diesen Deklinationstyp ist, dass die Flexionsendung -en fast in allen grammatischen Kategorien vorkommt. Die Ausnahmen bilden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Endungen der Adjektive bei der schwachen Deklination:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gemischte Deklination ist durch die Mischung von Elementen der starken und schwachen Deklination gekennzeichnet. Das Adjektiv hat die starke Endung nach den folgenden endungslosen (suffixlosen) Formen[4]:

- Singular Maskulin Nominativ (z.B. kein kalter Rauch)
- Singular Neutrum Nominativ (z.B. ein kaltes Bier)
- Singular Neutrum Akkusativ (z.B. mein kleines Geheimnis)

In allen anderen Formen tragen die Adjektive schwache Endungen.

Die gemischte Deklination benutzt man bei Adjektiven nach einem unbestimmten Artikel (ein), nach kein, nach den possessiven Artikelformen oder nach manch ein, solch ein, welch ein usw.

Bei der gemischten Deklination treten als Endungsmorpheme auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Thurmair (2001) befasst sich mit der Darstellung der Adjektivdeklination einiger Lehrwerke, die von vier Paradigmen ausgehen (nach bestimmtem Artikel, nach unbestimmtem Artikel, nach Possessivartikel und nach fehlendem Artikel). Demgegenüber gibt es auch, insbesondere wenn man die Deklination der ganzen Nominalgruppe berücksichtigt, eine einfache - und damit klarere - Darstellung mit zwei Paradigmen (s. dazu Z.B. das Lehrwerk "Die Suche", Eismann et al. 1994: 180 oder "Klipp und Klar", Fandrych & Tallowitz 2000: 180ff.). (Thurmair, Maria (2001): Die Rolle der Linguistik im Studium Deutsch als Fremdsprache. German as a Foreign Language: GFL (2/2001), S.50: http://epub.uni-regensburg.de/25139/ abgerufen am 08.01.2016)

Neben diesen gegensätzlichen Stellungnahmen werden in den Grammatiken zwei bis vier Deklinationstypen dargestellt. Was die Anzahl der Deklinationstypen betrifft, existieren keine Kompromisslösungen.

[...]


[1]Unter grammatischer Kongruenz wird die ״Übereinstimmung" zwischen unterschiedlichen Elementen des Satzes in bestimmten grammatischen Kategorien (Person, Numerus, Genus, Kasus) verstanden."

(Hel big/Buscha :2001,S.536)

[2]Die Genusanordnung Mask.-Fern.-Neutr, findet sich in der Dudengrammatik, die Genusanordnung Mask.- Neutr.-Fern, in den Grammatiken Flelbig/Buscha und Klipp und Klar.

[3]Vgl. Neugebauerová (2008): ״Sprechen Sie Deutsch?" ״Themen aktuelľ'-Lehrwerkbeurteilung und Lernschwierigkeiten (anhand empirischer Untersuchung), s.54f.

[4]Duden: Die Grammatik (2009:364)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Darstellung der Adjektivdeklination in den Grammatiken des Deutschen am Beispiel Duden, Helbig/ Buscha und Klipp und Klar
Hochschule
Universität Leipzig  (Herder Institut)
Veranstaltung
Grammatik und Lexikon im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache: Linguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V419892
ISBN (eBook)
9783668684911
ISBN (Buch)
9783668684928
Dateigröße
1158 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adjektivdeklination, Grammatik, Linguistik, Vergleich der Grammatiken
Arbeit zitieren
Saeda Nayer (Autor), 2016, Vergleich der Darstellung der Adjektivdeklination in den Grammatiken des Deutschen am Beispiel Duden, Helbig/ Buscha und Klipp und Klar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419892

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