Im Zentrum dieser Arbeit steht das Werk von Alexander Sergejewitsch Puschkin (1999) „Der steinerne Gast“, der in seinem Drama die Don Juan Gestalt aufgreift und die literarische Figur des Verführers in einem neuen Licht erscheinen lässt, indem der „Frauenheld“ Don Juan die menschliche Leidenschaft voll und ganz verkörpert. Darüber hinaus wird sich im Verlauf der Arbeit mitunter auf den Don Juan Urstoff von Tirso de Molina (1976) bezogen und aus ihm die wesentlichen Motive des Diener-Herrschaftsverhältnisses herausgearbeitet. Aufgrund unterschiedlicher Interpretationen des Don Juan variieren zum Teil die Namen der Protagonisten. So finden sich beispielsweise für den Diener die Namen Leporello, Catalinón und Sgnarello. Im ersten Teil dieser Arbeit werden die Eigenschaften der Dienerfigur als Vertrauter untersucht. Dazu gehört auch, dass die Herr-Diener-Konstellation eingehend analysiert wird. Ebenfalls wird hinterfragt, welchen Einfluss die Dienerfigur auf Don Juan tatsächlich darstellt und ob das Verhältnis zwischen Don Juan und seinem Diener nicht weit über eine Herr-Diener-Beziehung hinausgeht. Im weiteren Verlauf wird untersucht, ob Leporello prophetische Fähigkeiten besitzt und somit symbolisch als Warnschild für die Streiche seines Herrn dient. Anschließend wird die Dienerfi-gur als „Hasenfuß“ betrachtet und mit dem einhergehenden Verhalten seines Herrn verglichen. An dieser Stelle wird besonders die Polarität zwischen Herrn und Diener herausgearbeitet.
Im zweiten Teil steht das Herr-Diener-Verhältnis im Mittelpunkt. Zum einen wird sich auf das Herr-Diener-Verhältnis im Hinblick auf die Liebesabenteuer Don Juans bezogen und zum anderen auf das Verhältnis zwischen Herr und Diener im Hinblick auf den steinernen Gast. Diesbezüglich wird die literarische Figur Don Juan als „rücksichtsloser Verführer“ untersucht. In diesem Zusammenhang wird analysiert, welche grundlegende Rolle sein Diener in Bezug auf die juanesken Liebesabenteuer spielt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eigenschaften der Dienerfigur
2.1. Die Dienerfigur als Vertrauter
2.2. Die Dienerfigur als Prophezeier
2.3. Die Dienerfigur als „Hasenfuß“
3. Diener-Herrscher-Verhältnis
3.1. Diener-Herrscher-Verhältnis im Hinblick auf die Liebesabenteuer
3.2. Diener-Herr-Verhältnis im Hinblick auf den steinernen Gast
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Diener-Herrscher-Verhältnis im Drama „Der steinerne Gast“ von Alexander Puschkin. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen Don Juan und seinem Diener sowie die Analyse der dienerlichen Eigenschaften, die weit über eine bloße Dienstbotenrolle hinausgehen.
- Charakterisierung der Dienerfigur als Vertrauter, Prophezeier und „Hasenfuß“.
- Analyse des Einflusses der Dienerfigur auf das Handeln und die emotionale Welt von Don Juan.
- Untersuchung der Machtdynamik und Polarität zwischen Herr und Diener.
- Die Rolle des Dieners im Kontext der Liebesabenteuer und der Begegnung mit dem steinernen Gast.
Auszug aus dem Buch
2.3. Die Dienerfigur als „Hasenfuß“
Die Dienerfigur verkörpert durch seine Feigheit und Mutlosigkeit das genaue Gegenteil seines furchtlosen Herrn Don Juan. „Erhabne, wunderschöne Statue! Mein Herr, der Don Juan, er bittet Euch ergeben, ihn aufzusuchen…Nein, ich kann nicht, hab Angst.“ Bekanntermaßen zeichnet sich das Bild des unberechenbaren Frauenverführers Don Juan durch seine intensiven Leidenschaftlichkeiten, Durchtriebenheiten und Tapferkeiten aus. Gleichermaßen legt die russische Schriftstellerin A. A. Akhmatova dar, dass Don Juan den Tod nicht fürchtet und keinen einzigen Gedanken daran verschwendet sowie keinerlei Angst verspürt.
Don Juan fühlt sich in den gegebenen Lebensumständen sehr wohl und wandert fröhlich und vertrauensvoll durch das Leben. Entsprechend widmet der Frauenheld sein gesamtes Leben der Leidenschaft, welche für ihn das Grundlegendste und Einzige ist. Die Dienerfiguren hingegen werden sowohl im Drama von Puschkin (1999) als auch im Drama von Tirso de Molina (1976) offenkundig als „Hasenfuß“ dargestellt, indem diese ihre Furcht geradewegs beim Namen nennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Herr-Diener-Verhältnisses bei Puschkin ein und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Eigenschaften der Dienerfigur: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Rollen der Dienerfigur als Vertrauter, prophetische Instanz und ängstlicher Gegenpart zum Helden.
3. Diener-Herrscher-Verhältnis: Hier wird das Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten in Bezug auf die Liebesabenteuer und die Konfrontation mit dem übernatürlichen steinernen Gast untersucht.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass beide Figuren trotz der einseitigen Machtverteilung in einer gegenseitigen Abhängigkeit als literarisches Gespann funktionieren.
Schlüsselwörter
Don Juan, Alexander Puschkin, Leporello, Herr-Diener-Verhältnis, Literaturwissenschaft, Der steinerne Gast, Verführer, Abhängigkeit, Rollenbilder, Literaturanalyse, Dramentheorie, Polarität, Motivik, Drama, Klassik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Interaktion zwischen Don Juan und seinem Diener in Puschkins Drama „Der steinerne Gast“.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Charakterisierung der Dienerfigur, das Machtgefälle im Verhältnis zum Herrn und die psychologische sowie dramaturgische Abhängigkeit beider Figuren voneinander.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie das Diener-Herrscher-Verhältnis das Drama strukturiert und ob die Dienerfigur eine eigenständige Bedeutung innerhalb des Werkes besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die vorwiegend auf der Auswertung primärer dramatischer Texte sowie relevanter Forschungsliteratur basiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf dem Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Eigenschaften der Dienerfigur (Vertrauter, Prophezeier, Hasenfuß) und die Analyse ihrer Rolle in konkreten Handlungssituationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Don Juan, Herr-Diener-Verhältnis, Abhängigkeit, Polarität und Literaturanalyse beschreiben den Fokus der Arbeit treffend.
Warum wird die Dienerfigur auch als „Prophezeier“ bezeichnet?
Die Figur warnt ihren Herrn wiederholt vor den negativen Konsequenzen seiner Handlungen, was ihr eine prophetische, fast moralisch mahnende Funktion innerhalb der Handlung verleiht.
Wie unterscheidet sich die Rolle des „steinernen Gastes“ in diesem Werk?
Puschkin inszeniert den steinernen Gast nicht nur als rächenden Vater, sondern spezifisch als Ehemann der Doña Anna, was ihn direkt zum Rivalen Don Juans macht.
- Arbeit zitieren
- Sina Sontowski (Autor:in), 2017, Diener-Herrschaftsverhältnis im Puschkin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419916