Alternative Wege der Leistungsbeurteilung in der Montessoripädagogik


Seminararbeit, 2015

22 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Konkretisierung
2.1. Leistungsbewertung in der Montessoripädagogik
2.2. Alternative Leistungsbewertung in der Reformpädagogik
2.2.1. Freinet-Pädagogik
2.2.2. Jena-Plan Schule

3. Praktische Beispiele
3.1. Das Beurteilungszeugnis
3.2. Das Pensenbuch / Das Brückenbuch

4. Fazit

5. Anlagen zur Seminararbeit
5.1. Literaturquellen
5.2. Internetquellen
5.3. Bildquellen

1. Einleitung

Im Zuge meiner Hausarbeit will ich mich vertieft damit auseinandersetzen, welche Möglichketen und Wege die Montessoripädagogik (und partiell andere reformpädagogische Richtungen) anwenden, um Leistungsbeurteilungen alternativ zum Regelschulsystem zu ermöglichen. Als angehender Montessori-Lehrer erscheint es mir als zentral mich damit auseinanderzusetzen, inwieweit in einer weitestgehend offenen Form des Unterrichts Leistungen evaluiert sowie erhoben werden können. Ebenso erachte ich es als wichtig, sich dem immer wiederkehrenden Vorwurf zu stellen, dass Leistung nun mal gesellschaftlich gefordert werde und dass man es nicht früh genug lernen könne, wie wichtig Leistungserbringung sei. Der Ruf einer „Verweichlichung der Kinder“ hängt der Reformpädagogik immer wieder nach[1].

Nicht primär beschäftigen wird sich diese Ausarbeitung mit der Frage, ob Leistungsbeurteilungen an Schulen per se sinnvoll sind oder nicht, da dies den Rahmen der Seminararbeit sprengen würde. Es geht vielmehr darum, die Formen der Leistungsbeurteilungen zu untersuchen und zu skizzieren. Dabei will ich abschließend in einem persönlichen Fazit darauf eingehen, ob alternative Formen der Leistungsbewertung (und auch des Leistungsverständnisses) einen Mehrwert (auch in der Regelpädagogik) darstellen und darstellen könnten. Nähern wird sich diese Arbeit zunächst in einer theoretischen Form (unter Einbezug des Gedankenguts von Maria Montessori) und soll abschließend mit praktischen Beispielen komplettiert werden.

Die Literaturauswahl zu meiner Seminararbeit ist mannigfaltig. Zur theoretischen Betrachtung der Thematik muss zwangsläufig der Griff zu Literatur über die Leitgedanken Maria Montessoris selbst erfolgen. Beim Blick auf praktischen Ausformungen von Montessori-Schulen bietet ebenso vielfältige Sekundärliteratur einige praktische Einblicke.

Dabei muss vorweg bemerkt werden, dass jede Montessori-Schule ihre eigenen Wege in der Ausgestaltung der Montessoripädagogik geht. Montessori-Schulen werden meist von Trägervereinen geführt, die von Elternvorständen ausgefüllt werden. Daher hat, insbesondere in der Leistungsbeurteilung als gesellschaftlich polarisierendem Gebiet, jede Schule eine eigene Herangehensweise in dieser Thematik. Demzufolge dürfen praktische Beispiele dieser Hausarbeit nicht übergeneralisiert werden.

Auch ist festzustellen, dass diese Seminararbeit keinen Anspruch auf eine vollständige Ausleuchtung der Thematik „Alternative Wege der Leistungsbeurteilung in der Montessoripädagogik“ stellt. Vielmehr soll das Essay Schlaglichter auf mir wichtig erscheinenden Themenfelder werfen. Ergänzend zur Leistungsbeurteilung in der Montessoripädagogik werden oberflächlich andere reformpädagogische Ansätze (Freinet-Pädagogik sowie Jena-Plan Schule) kurz skizziert.

2. Theoretische Konkretisierung

2.1. Leistungsbewertung in der Montessoripädagogik

Um den Leistungsbegriff Maria Montessoris verstehen zu können, muss man die Grundgedanken ihrer Pädagogik umreißen. Dabei geht es in der Montessoripädagogik vornehmlich um die Erziehungsziele „Selbstfindung und Selbstverwirklichung, des selbstständigen und selbstorganisierten Lernens (…)“[2]. Folglich ist auch die Selbstbildung ein elementarer Bestandteil dieser reformpädagogischen Pädagogik. Dabei ist ein zentraler Moment von Montessoris Pädagogik zum Beispiel auch die „sensiblen Perioden eines Kindes“. Diese Phasen beschreiben eine besondere Empfänglichkeit des Kindes für eine bestimmte Fähigkeit. Diese Perioden sind dabei nur von vorübergehender Dauer.[3]Daraus folgt, dass sich Lernen in all seinen Facetten an den Bedürfnissen und Voraussetzungen des individuellen Kindes orientieren muss. Dabei „lernen Kinder mit Hilfe instinktiver Interessenskonzentrationen, und zwar in unterschiedlicher Dauer und Intensität, jenseits von autoritärem Drill und festgelegten Stundenplänen.“[4]

Unter den oben genannten Voraussetzungen beschreibt Montessori einen „innewohnenden, angeborenen Arbeitsinstinkt bzw. –trieb (…) [den] im Besonderen seinen Willen zur Leistung, somit zur Selbst- und Welterorberung und vor allem die damit verbundene Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Schöpfung“[5]ausmacht. Dabei hat Montessori einen Leistungsbegriff an sich nie explizit erwähnt[6], fordert aber trotz freier Wahl der Arbeit ein hohes Maß an Selbstständigkeit sowie Selbsttätigkeit des Kindes ein.[7]Folgern kann man aus diesen Überlegungen, dass das Kind in allererster Linie Leistung für sich selbst erbringt und diese im Idealfall (hohe Selbstständigkeit und Selbstkontrolle über didaktische Materialien) auch selbst evaluieren kann. Dabei spricht Montessori beispielweise davon, dass „jedes Kind (…) einen wachsamen Lehrmeister in sich“[8]hat. Zur optimalen Anbahnung von Freiarbeit des Kindes bieten Montessori-Schulen vorbereite Umgebungen an, die zu Lernleistungen anregen sollen.

In Montessori-Schulen wird Leistung verstanden als „die selbstentdeckende Lernaktivität des Schülers unter den Bedingungen der Wahlfreiheit in einer vorbereiteten Umgebung.“[9]Das heißt, es sind in der Montessori-Pädagogik prinzipiell keine Klassenarbeiten, Tests, mündliche Abfragen etc. vorgesehen. Dass Montessori dies komplett abgelehnt hat, daran besteht kein Zweifel.[10]

Problematisch erweist sich der subjektorientierte Leistungsbegriff Montessoris jedoch, wenn man ihn mit dem gesellschaftlichen Leistungsbegriff konfrontiert, denn „das was Kinder dort tun, wird eher in die Ecke des Spieles gerückt“[11]. Schulen (staatliche Genehmigung oder Anerkennung vorausgesetzt) müssen den öffentlichen Auftrag erfüllen sowie auch zur Sozialisation von Kindern beitragen. Zudem müssen sich eben jene Schulen vorgegebenen Prüfungsordnungen unterwerfen, die Leistungsbewertungen und -kontrollen einfordern. Ebenso fühlen sich auch Eltern im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Leistungsverständnis sowie dem „montessorischem Leistungsverständnis“ unsicher und fordern Fähigkeiten-Standards ihrer Kinder.[12]Demzufolge müssen Kinder auch an Montessori-Schulen an den konventionellen Leistungsbegriff herangeführt und damit konfrontiert werden.

Somit ist es bei vielen Montessori-Grundschulen normal, dass es ab der dritten und vierten Jahrgangsstufe halbjährlich Zeugnisse gibt, mit denen Leistungen bewertet werden.[13]Dabei werden Eltern als auch Schüler in einem persönlichen Gespräch über die Entwicklung und den Leistungsstand des Kindes sowie das Zeugnis selbst informiert. In Jahrgangsstufe eins und zwei werden Zeugnisse in Form von ausführlichen Verbalbeurteilungen (auch: Beurteilungszeugnisse) vergeben. Darin werden Hinweise zum Arbeits- und Sozialverhalten dokumentiert sowie Hinweise zu Lernbereichen und Fächern gegeben.[14]Hierbei wird in angemessener Form auch die individuelle Bezugsnorm der Leistungsbewertung umgesetzt.

Für eine Leistungserhebung ist selbstverständlich auch von Bedeutung, welche Leistungsstandards überhaupt abgeprüft werden sollen. Dabei ist in allen Bundesländern der jeweilige Lehrplan des Kultusministeriums die entscheidende Instanz. Dennoch gibt es auch an Montessori-Schulen oftmals besondere Lernziele, die entsprechend bewertet werden.[15]

Die Art und Weise, wie Bewertungskriterien und –maßstäbe definiert werden, kann von Schule zu Schule variieren. Ein Beispiel für das Bewertungsnetz zur Freiarbeit an einer Montessori-Schule in Bonn entwickelte eine Arbeitsgruppe aus Schulleitern (siehe Bild 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei ist Leistungsbewertung in drei Bausteine aufgeteilt, wobei das Produkt des Lernens und Handelns sowie Präsentationen im Unterricht mit dem traditionellen Bewertungssystem bewertet wird. Im Hinblick auf den Lernprozess, der in der Freiarbeit einen entscheidenden Teil einnimmt (Stichwort: Polarisation der Aufmerksamkeit), nehmen Beobachtungen einen entscheidenden Platz für individuelle Leistungsbewertungen ein. Dabei werden Entwicklungs- sowie Lernfortschritte dokumentiert. Diese Beobachtungen dienen in der Regel aber nicht primär dem Vorsatz einer Leistungskontrolle, sondern sollen in der Montessoripädagogik die „Grundlage für die Planung des eigenen Unterrichts“[16]optimieren. Lernzielkontrollen können auf schriftlicher Basis (Klassenarbeit / Test) oder mündlich absolviert werden. Dabei können die Kinder auch selbstständig nach einem Test verlangen, der dann individuell mit dem Kind absolviert wird. Für die dauerhafte Dokumentation der Lernfortschritte von Kindern werden an vielen Montessori-Schulen Pensenbücher (auch: Brückenbuch) eingesetzt, in welchen vermerkt ist, welche Aufgaben das Kind zu erledigen hat und der Lernfortschritt durch entsprechende Anmerkungen der Lehrkraft dokumentiert wird. Dabei orientieren sich die Pensenbücher am vorhandenen didaktischen Material, an der individuellen Entwicklungskonstellation des Kindes sowie am Lehrplan des jeweiligen Bundeslandes.[17]

In Gliederungspunkt 3. werde ich mich ausführlich mit praktischen Beispielen befassen, die Leistungsbewertungen an Montessori-Schulen anschaulich skizzieren sollen.

2.2. Alternative Leistungsbewertung in der Reformpädagogik

Im Folgenden will ich einen kurzen Exkurs zu alternativen Leistungsbewertungen in der Freinet-Pädagogik sowie Jena-Plan Schule dokumentieren, um andere reformpädagogische Betrachtungs- und Umsetzungsmöglichkeiten von Leistung sowie Leistungsbewertung aufzuzeigen. Gemeinsamkeiten haben alle reformpädagogischen Bewegungen in dem Anspruch, „Pädagogik vom Kinde aus“[18]zu betreiben.

[...]


[1]Vgl. Solzbacher, Claudia/Freitag, Christine: Anpassen, verändern, abschaffen? Schulische Leistungsbewertung in der Diskussion; S. 273-274.

[2]Eichelberger, Harald: Handbuch zur Montessori-Didaktik; S. 9.

[3]Vgl. Ebd.; S.17-21.

[4]Stumpf, Hildegard: Die wichtigsten Pädagogen, Wiesbaden 2012; S.125.

[5]https://www.montessori-europe.com/sites/default/files/me/files/congress/2004_prag/PRAG-Dr-Meisterjahn-Knebel-Achievement-Leistung.pdf; zuletzt abgerufen am 05.10.2015.

[6]Vgl. Ebd.

[7]Vgl. Eichelberger, Harald: Handbuch zur Montessori-Didaktik; S.21.

[8]https://www.montessori-europe.com/sites/default/files/me/files/congress/2004_prag/PRAG-Dr-Meisterjahn-Knebel-Achievement-Leistung.pdf; zuletzt abgerufen am 05.10.2015.

[9]Vgl. Solzbacher, Claudia/Freitag, Christine: Anpassen, verändern, abschaffen?; S. 284.

[10]Vgl. Ebd.; S. 284.

[11]Solzbacher, Claudia/Freitag, Christine: Anpassen, verändern, abschaffen?; S. 274.

[12]Vgl. Ludwig, Harald u.a.: Leistungserziehung und Montessori-Pädagogik. Chancen und Probleme der Leistungsförderung in einer kinderorientierten Pädagogik; S.32.

[13]Vgl. Stein, Barbara: Theorie und Praxis in der Montessori-Grundschule, S.129.

[14]Vgl. Ebd.; S.136.

[15]Vgl. Stein, Barbara: Theorie und Praxis in der Montessori-Grundschule; S.135.

[16]Vgl. Ebd.; S.131.

[17]Vgl. http://www.blikk.it/angebote/reformpaedagogik/rp10066.htm; zuletzt abgerufen am 05.10.2015.

[18]Bohl, Thorsten: Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht; S. 52.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Alternative Wege der Leistungsbeurteilung in der Montessoripädagogik
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V420430
ISBN (eBook)
9783668684058
ISBN (Buch)
9783668684065
Dateigröße
1891 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Montessoripädagogik, Grundschule, Pädagogik, Bildung, Reformpädagogik, Leistungsbeurteilung
Arbeit zitieren
Matthias Marx (Autor), 2015, Alternative Wege der Leistungsbeurteilung in der Montessoripädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420430

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