Löss am Haarlass in Heidelberg. Eigenschaften, Verbreitung, Nutzung und Entstehung


Ausarbeitung, 2017
13 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

1. Eiqenschaften

Der Name "Loss" bezieht sich auf die Schweizer Vokabel "losch", welche fur locker steht. Loss zahlt zu den Lockersedimenten und ist eins vom Wind verfrachtetes Ablagerungssediment (vgl. Kuntze et. al., 1994, S.236). Schon wahrend dieser Ablagerung oder danach kann es jedoch auch durch weitere Prozesse abgelagert werden. Wenn Loss nach seiner Anwehung nicht mehr abgelagert wird, spricht man von primarem Loss. Wenn er jedoch beispielweise durch Abspulungen weiter verfrachtet wird, spricht man von sekundarem Loss. Speziell bei Abspulungen dann vom sogenannten Schwemmloss. Solifluktionsloss ist ein umgelagerter und in Schuttdecken eingemischter Loss und somit ebenfalls ein sekundarer Loss. Loss wird grofttenteils dem Schluff zugeordnet (vgl. Blume et. al., 2010, S. 34). Wenn man dies zwischen den Finger reibt, bleibt es zwischen den Fingerrillen haften. Sand ware zu grob, urn zwischen den Fingerrillen zu haften. Das Korngroftenmaximum liegt im Grobschluffbereich, somit ist es sehr feinkornig, schon staubartig. Die Korngrofte betragt 0,01 mm bis 0,05 mm. Die Hauptkomponenten von Loss sind Quarz, Kalk, Feldspat und Glimmer (vgl. Blume et al., 2010, S.34). Quarz ist ein kristallines Mineral und dessen Anteil im Loss liegt bei 60 bis 80 Prozent. Die Anteile von Kalk betragen hingegen nur zehn bis 30 Prozent. Feldspat und Glimmer kommen jeweils nur in kleinen Anteilen vor. Zudem ist Loss ein sehr carbonatreiches Lockersediment (vgl. Zech et. al., 2014, S. 114). Im Originalzustand ist Loss nicht geschichtet, jedoch sehr gut sortiert abgelagert. Obwohl es teilweise in wechselnden Anteilen mit Feinsand gemischt ist, galtet es als sehr homogen. Wenn der Sandgehalt hoher als 50 Prozent ist, spricht man von Sandloss (fruher Flottsand genannt), was eine verwandte Form des Losses ist (vgl. Blume et. al., 2010, S. 34).

Eine wichtige Eigenschaft von Loss ist dessen Standhaftigkeit. In Lossboden befinden sich senkrechte Kapillaren, welchen man verdankt, ein gropes Volumen an Wasser aufzunehmen. Durch die Losung und Wiederabscheidung des Kalks innerhalb der Kapillaren kommt es zu einer Umrindung und festen Verbindung der Lossteilchen und somit wird der Loss sehr standfest. Diese begunstigt die Bildung von Losswanden an Flussufern, Hohlwegen und die Entstehung von Ackerterassen. Fur gewohnlich ist Loss sehr poros, was auf Graswurzeln, die sich im abgelagerten Mineralstaub bildeten, zuruckzufuhren ist. Aufgrund Eisenoxide und -hydroxide weist Loss eine gelbliche bis ockerbraune Farbung auf. Je nach Region ist diese Farbung mehr oder weniger ausgepragt (vgl. Blume et. al., 2010, S.35).

2. Verbreitunq

Loss ist ein sehr weit verbreitetes Sediment und kommt, bis auf Ausnahmen der Arktis und Antarktis auf alien Kontinenten vor. Etwa zehn Prozent der Festlandsflache der Erde wird von Loss eingenommen. Vor allem in den mittleren Breiten verbreitet sich Loss am meisten. In den Tropen Oder hohen Breiten gibt es nur vereinzelnde Vorkommen. Die mitteleuropaische Losszone erstreckt sich von Belgien bis in die Westukraine und kann dort in gunstigen Lagen bis zu 10 Meter machtig werden (vgl. Blume et. al., 2010, S.34). In Suddeutschland werden Losszonen als Gaulandschaften bezeichnet und in Norddeutschland als Borden. In Sudwestdeutschland bezeichnet man Lossvorkommen volkstumlich als Mergel Oder Leimen. Auch der Sandloss kommt in einigen Gebieten von Nord- und Suddeutschland inselartig vor.

Die machtigste Lossdecke befindet sich in Ostasien, vor allem in China. Hier erreichen die Lossmachtigkeiten bis mehrere 400 Meter (vgl. Blume et. al., 2010, S.34). Der verfestigte Flugstaub ist gelbbraun und sehr nahrstoffreich. Hier findet die groftte Lossablagerung weltweit statt. Entlang des Flusses Huang He (Abb. 1), was auf Deutsch "gelber Fluss" bedeutet, steht er in Decken von bis zu 400 Meter an. Ebenso wie die weltweit groftte Lossablagerung, verfugt kein Fluss weltweit uber mehr Sedimentfracht wie dieser. Hier spricht man von rund 40 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser. Aufgrund der starken Sedimentation erhoht sich das Flussbett und muss durch immer hohere Deiche eingebettet werden. Die einzelnen Lossschichten im Bergland der Provinzen Henan, Shaanxi und Gansu sind bis zu 300 Meter machtig. Weitere groftere Lossgebiete liegen in Nordamerika und in Argentinien (Blume et. al., 2010, S.34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Huang He in China

3. Die Nutzung

Loss ist ein sehr fruchtbarer Boden und spielt deshalb eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Die Lossgebiete gehoren in Mitteleuropa zum Altsiedelland. Vor allem in den Bordenlandschaften am Rande der deutschen Mittelgebirge sind sie von grower Bedeutung. Die Fruchtbarkeit hat der Boden seiner mittelgroften Korngrofte zu verdanken. Diese sorgt dafur, dass die reichhaltig vorhandenen Minerale leicht zuganglich sind. Damit einhergehend ist der Boden porenreich und somit gut durchluftet (vgl. Zech et. al., 2002, S.30). Das Grundwasser wir geschutzt, indem Schadstoffe wie Schwermetalle und ein Ubermaft an Nitrat weitgehend zuruckgehalten werden. Durch die guten Drainagefahigkeiten kann das Wasser bei Regen gut abflieften und dennoch wird genug Wasser in den unteren Schichten gespeichert, was vor allem in Europa wichtig ist. Die Wurzeln der Pflanzen konnen so tief in die Erde eindringen und werden dort dauerhaft mit ausreichend Flussigkeit versorgt (vgl. Eitel et. al., 2013, S.113). In Regionen mit Lossboden mussen aus diesem Grund fast nie kunstliche Bewasserungssysteme eingesetzt werden. Diese Eigenschaften erleichtern die Bodenbildung fur Braunerden, Parabraunerden und Schwarzerden (vgl. Eitel et. al., 2013, S.11). Diese Boden lassen sich leicht bearbeiten. Besonders der Weinbau profitiert davon, da die Reben optimal versorgt werden. Weine, die auf Lossboden entstehen, haben einen eigenen Geschmack. Hervorstechend ist dabei die frische Note und die gut strukturierte Mineralitat (vgl. Internetquelle 1). Aber nicht nur fur den Weinbau sind diese Boden in der Agrarwirtschaft enorm wichtig. Schatzungsweise findet etwa 80 Prozent der Welt Mais- sowie Getreideproduktion auf Loss statt (vgl. Internetquelle 2). In Sachsen sind unter landwirtschaftlichen Gesichtspunkten die Boden der Loss- und Sandlosslandschaften die ertragsstarksten Standorte. In bestimmten Gebieten, wie dem Mittelsachsischen Loss- Hugelland, dominiert daher die landwirtschaftliche Flachennutzung mit mehr als 60 Prozent der Gesamtflache (vgl. Internetquelle 3).

Loss kann andererseits aber auch eine Gefahrdung darstellen. Bei zu starker landwirtschaftlichen Nutzung oder sonstiger Verdichtung kann der Boden beispielsweise schnell fortschreitend verwittern. Damit einhergehend verliert eran Bindungskraft.

Dies wirkt sich vor allem bei starken Regenfallen negativ aus, da es so zu Bodenrutschen, Grabenbildung und ahnlichen Phanomenen kommen kann (vgl. Zech et.al., 2002, S.30). Ein gutes Beispiel hierfur sind die Losshohlwege (Abb. 2), von denen man auch sehr viele am Kaiserstuhl wiederfindet.

Durch haufiges befahren mit Karren und den Tritten von Mensch und Tier wird der Loss aufgelockert und dann vom Regen ausgespult. So graben sich die Wege mit der Zeit immer tiefer in den Boden und die Wande werden hoher und steiler (vgl. Internetquelle 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Losshohlweg im Kaiserstuhl

Auch in der Tier- und Pflanzenwelt spielt Loss eine grofte Bedeutung. Der Loss am Kaiserstuhl ist fur seine besondere Flora und Fauna bekannt (vgl. Stahr et. al.,2008, S.149). Er bietet Nistplatze und Unterschlupf fur viel Tierarten. Ohne ihn konnten manche sogar gar nicht uberleben. Einer enormen Anzahl von Bienen- und Wespenarten bietet er einen optimalen Lebensraum. Sie legen ihre Bruthohlen in den Wanden an. Bei einer Untersuchung wurden am Kaiserstuhl 82 verschiedene Bienenarten festgestellt. Einige von ihnen leben ausnahmslos an Loftwanden. Vogelarten wie der Mauersegler und auch der tropische Bienenfresser bauen ihre Nester hier.

Der Bienenfresser hat sich durch den vielen Loss am Kaiserstuhl stark vermehrt, sodass sich hier nun das groftte Brutvorkommen nordlich der Alpen befindet.

Auch Reptilien wie die Smaragdeidechse findet man an Losshohlwegen. Sie kommt in ganz Baden-Wurttemberg nur am Kaiserstuhl vor. An den Hohlwegen kann man eine ganz eigene Pflanzenwelt zu Gesicht bekommen. Charakteristisch sind zum Beispiel Hopfen, Waldrebe, Berberitze und Pfaffenhutchen, die in den Gebuschen vorkommen. An offenen

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Löss am Haarlass in Heidelberg. Eigenschaften, Verbreitung, Nutzung und Entstehung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V420600
ISBN (eBook)
9783668688346
ISBN (Buch)
9783668688353
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Löss, Löss am Haarlass, Löss in Heidelberg, Sedimente
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Löss am Haarlass in Heidelberg. Eigenschaften, Verbreitung, Nutzung und Entstehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420600

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