Textverständlichkeit nach dem Hamburger Verständlichkeitskonzept

Wie verständlich sind Sachtexte für Schüler-/innen?


Hausarbeit, 2016
15 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Hamburger Verständlichkeitskonzept
Dimension der Einfachheit
Dimension der Gliederung und Ordnung
Dimension der Kürze und Prägnanz
Dimension der Anregenden Zusätze
Ein optimal verständlicher Text

3.Sachtexte in der Schule
Textkohärenz und Textkohäsion
Beispielsachtext

4.Resümee

5.Literaturverzeichnis

6.Abbildungsverzeichnis.

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit geht es um die Verständlichkeit von Texten unter der Fragegestellung "Wie verständlich sind Sachtexte für Schüler?". Die Arbeit beschäftigt sich unter anderem damit, wie Texte formuliert werden sollten, um vom Rezipienten verstanden zu werden.

Die Textverständlichkeit von Texten ist innerhalb der Linguistik der Verständnisforschung zuzuordnen. Die Textverständlichkeit ist alleine auf die Verständlichkeit der Texte ausgerichtet und vom Begriff "Textverstehen" zu unterscheiden. Bei der Textverständlichkeit geht es darum, welche Texteigenschaften das Verständnis erleichtern oder erschweren und wie man Texte in die Praxis optimieren kann.

Täglich hört man von Schüler oder Schülerinnen Aussagen wie "ich verstehe das nicht!", sobald ein Sachtext gelesen werden soll. Dies liegt daran, dass sie nicht hinter den Sinn des Inhaltes gelangen. Hierbei ist meist nicht der Inhalt selbst ausschlaggebend für die Nicht-Verständlichkeit, sondern die sprachliche Verpackung dieser Inhalte, die es zum Regelfall macht, dass Texte nicht verstanden werden. Im schulischen Kontext werden jedoch zur Wissensvermittlung hauptsächlich Sachtexte verwendet. Nicht nur die Fächer Deutsch oder Fremdsprachen sind davon betroffen, auch Sachfächer wie Politik, Geographie, Geschichte oder Biologie gehören dazu. Viele Texte werden von Schülern, Schülerinnen und Lehrpersonen als sprachlich unverständlich, unzureichend lernorientiert sowie unstrukturiert bezeichnet. Da die Wissensvermittlung einer der mit wichtigsten Bestandteile im schulischen Kontext ist, ist die Textverständlichkeit von großer Bedeutung. Nicht für alle Leser ist derselbe Text akzeptabel oder brauchbar, die Messbarkeit der Verständlichkeit gestaltet sich damit überaus komplex und kompliziert (vgl. Sauer, 1995, S. 157).

Im Folgenden werde ich auf das Hamburger Verständlichkeitskonzept und dessen Merkmale eingehen. Anschließend beschäftige ich mich mit Sachtexten in der Schule und mit der globalen Kohärenzbildung von Schülern. Im letzten Teil meiner Hausarbeit habe ich mir einen Sachtext aus dem Bereich Naturwissenschaften ausgesucht und werde diesen auf seine Verständlichkeit überprüfen.

2. Hamburger Verständlichkeitskonzept

Das Hamburger Verständlichkeitskonzept bewertet die Verständlichkeit von Texten. Entstanden ist dieses durch die drei Hamburger Psychologie-Professoren Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun und Reinhard Tausch. Diese machten selbst einige negative Erfahrungen in Hinsicht auf unverständliche Texte, sodass sie anfingen, sich Gedanken darüber zu machen, woran man einen verständlichen Text erkennt. Bei dem Konzept geht man nicht davon aus, dass Verständnisschwierigkeiten an dem Leser oder der Leserin liegen, sondern an der unverständlichen Ausdrucksweise der Autorin/des Autors. Das Verfahren gilt zwar als "sehr ökonomisch und praktisch" wird aber auch als "relativ subjektiv" kritisiert (Groeben, 1982, S. 197). Als Verfasser von Texten sollten komplexe Sätze oder viele Fremdwörter vermieden werden, da man hierbei die Lesefähigkeit des Lesers oder der Leserin nicht kennt.

Laut Groeben handelt es sich hierbei um ein mehr induktives Vorgehen als deduktives, das von möglichen Textmerkmalen aus die relevante Dimension aufbaut (vgl. Groeben, 1982, S. 188). Ein deduktives Vorgehen hingegen beschreibt Groeben in einem Verständlichkeitsmodell, welches sich mit dem Hamburger Modell sehr ähnelt. Die Hamburger Forscher gehen zunächst von einzelnen konkreten Merkmalen aus, die sich zur Beschreibung und Einschätzung von Texten eignen. Die Sammlung solcher Textcharakteristika entnehmen die Hamburger Autoren der bisherigen Forschung einschließlich der hermeneutischen Rhetorik und Stilistik (Groeben, 1982, S. 190). Anschließend untersuchten sie verschiedene Texte hinsichtlich dieser Eigenschaftsmerkmale. Aufgrund dieser Untersuchungen lassen sich nun die Zusammenhänge der einzelnen Merkmale berechnen und diese zu Dimensionen zusammenfassen (vgl. Groeben, 1982, S. 190). Das Konzept umfasst vier Dimensionen, welche alle messbar sind und entweder zur Verständlichkeit beitragen oder nicht. Bei jeder einzelnen Dimension wird eine fünfstufige Skala von +2 bis –2 verwendet. Alle vier Dimensionen werden als weitgehend unabhängig voneinander postuliert. Bei Dimension drei und vier ist diese Unabhängigkeit jedoch eingeschränkt, da eine zusätzliche Stimulanz den Text gleichzeitig automatisch verlängert (vgl. Groeben, 1982, S. 193). Insgesamt erfüllt das Verständlichkeitskonzept sieben Merkmale bzw. Kriterien (vgl. Groeben, 1982, S. 197):

Es ist universell, d.h. anwendbar auf jegliche Art von Informationstexten. Es ist exhaustiv, d.h. es erfasst durch die 18 Eindrucksmerkmale alle verständnisfördernde Eigenschaften eines Textes. Außerdem wird es als messbar bestimmt, da die vier Dimensionen verschiedene Kennwerte einschließen. Zudem ist es handlich, indem es die intuitiven Eindrücke in Form des unmittelbaren Ratings zusammenfasst. Als differenziert wird es auch beschrieben, da es Hinweise darauf gibt, wie Texte hinsichtlich ihrer Verständlichkeit optimiert werden können. Auf Grund des Nachweises des besseren Verstehen-Behaltens bei optimierten Texten kann das Konzept auch als valide und trainierbar bezeichnet werden.

Dimension der Einfachheit

Die "Einfachheit" zählt zu einer der vier Dimensionen des Hamburger Verständlichkeitskonzeptes. Zu dieser zählt zum Beispiel die Satzlänge eines Textes. Ein einfacher, kurzer Satz umfasst neun bis 13 Wörter. Kurze Begriffe zählen auch zu den Merkmalen der Einfachheit. Zu kurzen Begriffen kann man Wörter mit bis zu drei Silben zählen. Bei Verwendung von Fachbegriffen sollten diese verständlich erklärt werden und die behandelnden Sachverhalte deutlich und einfach dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Dimensionsbild der Gliederung/Ordnung (nach Langer, 1974, S. 13)

Die Abbildung stellt das Dimensionsbild der Einfachheit nach Langer, 1974, dar. Unter den Begriff "Einfachheit" zählen einfache Darstellungen, einfache kurze Sätze, geläufige Wörter, erklärte Fachwörter und konkrete und anschauliche Texte. Gegenübergestellt wird die "Kompliziertheit", welche komplizierte Darstellungen, lange verschachtelte Sätze, ungeläufige Wörter, nicht erklärte Fachwörter und abstrakte und unanschauliche Texte umfasst. Ein Text kann diesen Merkmalen nach eingeordnet werden.

Nach Langer ist die Dimension "Einfachheit" als wichtigste Dimension anzusehen (vgl. Langer, 1974, S. 24f.).

Dimension der Gliederung und Ordnung

Lesern fällt es leichter Texte zu verstehen, wenn sie inhaltlich folgerichtig aufgebaut sind. Hierunter kann man verstehen, dass Texte einen roten Faden haben sollten, um sie einfacher verstehen zu können. Hinzu kommt in dieser Dimension, dass Texte durch ihre optische Gliederung übersichtlich sein sollen. Dies kann durch Überschriften, Formatierungen, Aufzählungen usw. erreicht werden. Wenn Abschnitte vorhanden sind, sollten Sinnzusammenhänge erkennbar sein. Der wesentliche Inhalt eines Abschnittes sollte am Anfang des Satzes oder Abschnittes stehen. Pro Satz sollte zudem nur ein Gedanke aufgegriffen und ausformuliert werden, um das Textverständnis zu erleichtern. Die Dimension "Gliederung und Ordnung" ist nach Langer von 'erheblicher Bedeutung' (vgl. Langer, 1974, S. 24f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Dimensionsbild der Gliederung/Ordnung (nach Langer, 1974, S. 14)

Auf der Abbildung 1.2 ist das Dimensionsbild der Gliederung/Ordnung dargestellt. Ein Text mit großer Ordnung ist durch eine gute Gliederung, folgerichtigen Sätzen, einen übersichtlichen Aufbau und durch eine deutliche Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem gekennzeichnet. Außerdem sollte er einen roten Faden haben, sowie alles nach der Reihe geordnet sein. Ein unverständlicher Text hingegen ist ungegliedert, unübersichtlich, zusammenhangslos, wirr, Leser können nicht von Wesentlichem und Unwesentlichem unterschieden und man verliert oft den Faden.

Dimension der Kürze und Prägnanz

Ein weiterer Aspekt für einen verständlichen Text ist dessen Kürze und Prägnanz. Der Inhalt eines Textes sollte weder weitschweifig geschrieben sein, noch gedrängt werden. Ein zu langatmiger Text erleichtert die Verständlichkeit ebenso wenig wie ein zu kurzer Text. Das Inhaltsziel sollte dem Leser immer klar und deutlich zu erkennen sein. Die Verwendung von Verben an Stelle von Substantiven spielt hierbei auch eine erleichternde Rolle. Während die ersten beiden Dimensionen eine große Rolle in Bezug auf die Textverständlichkeit spielen, ist die Dimension Kürze und Prägnanz 'weniger entscheidend', 'aber in ihrer Bedeutung häufig unterschätzt' (vgl. Langer, 1974, S. 24f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.3: Dimensionsbild der Kürze und Prägnanz (nach Langer, 1974, S. 15)

Das Dimensionsbild zeigt, dass ein Mittelmaß für die Länge des Textes gefunden werden muss. Der Text sollte nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein. Er sollte auf das Wesentliche beschränkt sein, sodass das Lernziel gut erkennbar ist und der Leser die Schlüsselaussage begreifen kann. Viele unwesentliche Informationen oder Abschweifungen vom eigentlichen Thema sollten vermieden werden. Viele Informationen können oft weggelassen werden, da diese nicht relevant für das Inhaltsziel sind.

Dimension der Anregenden Zusätze

Die letzte Dimension nach dem Hamburger Modell ist die Dimension der Anregenden Zusätze. Mit Anregenden Zusätze sind Beispiele zum Thema, Illustrationen, Analogien usw. gemeint. Diese können zur Verdeutlichung beitragen und gegebenenfalls Textinformationen leichter verständlich machen. Wichtig ist, dass hierbei darauf geachtet wird, die Zusätze überlegt und passend einzusetzen, sodass sie nicht zu Verwirrungen oder Unklarheiten führen. Bei der letzten Dimension erhält schon die Dimensionsbenennung die Gewichtung: nämlich, dass sie nur zusätzlich einzusetzen ist (vgl. Langer, 1974, S. 24f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Textverständlichkeit nach dem Hamburger Verständlichkeitskonzept
Untertitel
Wie verständlich sind Sachtexte für Schüler-/innen?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V420603
ISBN (eBook)
9783668718418
ISBN (Buch)
9783668718425
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachtexte, Verständlichkeit von Sachtexten, Verständlichkeit von Texten, Verständlichkeit, Hamburger Verständlichkeitskonzept, Verständlichkeitskonzept
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Textverständlichkeit nach dem Hamburger Verständlichkeitskonzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420603

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