Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Umgang mit und das Erlebnis von Zeit beschäftigt jeden Menschen. So spielt auch die Zeit in Goethes Spätwerk „Um Mitternacht“ eine besondere Rolle. Auch Eduard Mörike beschäftigt sich sechs Jahre später in einem gleichnamigen Gedicht mit der Mitternacht und dem Erlebnis von Zeit. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei beiden Werken um Mitternachtsgedichte handelt und das Zeiterlebnis eine besondere Rolle spielt, bietet sich ein Vergleich der beiden Gedichte an. Im Folgenden werden also zunächst beide Werke unter den eben genannten Aspekten analysiert und anschließend miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Goethes Gedicht: „Um Mitternacht“
3. Mörikes Gedicht: „Um Mitternacht“
4. Vergleich der Gedichte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche literarische Verarbeitung des Zeiterlebnisses sowie der Mitternacht als zentralem Motiv in den gleichnamigen Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe und Eduard Mörike.
- Analyse des autobiografischen Altersgedichts von Goethe
- Untersuchung der Personifizierung der Nacht bei Mörike
- Vergleichende Betrachtung der Zeiterfahrung und -wahrnehmung
- Biografische Einordnung der Entstehungszusammenhänge
- Gegenüberstellung von Rückblick und Flucht als narrative Strategien
Auszug aus dem Buch
Goethes Mitternachtsgedicht
Goethes Mitternachtsgedicht ist laut seinem Tagebuch im Jahre 1818 entstanden und wurde 1822 zum Druck gebracht. Über das Gedicht schreibt der Autor: „Hier nun fühl ich unwiderstehlichen Trieb, ein Lebenslied einzuschalten, das mir seit seiner mitternächtigen unvorgesehenen Entstehung immer wert gewesen“. Weiterhin sagt Goethe über „Um Mitternacht“, dass es „sein Verhältnis zu [ihm] nicht verloren [hat], es ist von [ihm] noch ein lebendiger Teil und lebt mit [ihm] fort“. Diese Aussage Goethes ist nachzuvollziehen, wenn man sich den Inhalt des Gedichtes näher ansieht. Es handelt sich um ein biographisches Altersgedicht. Das lyrische Ich blickt in drei Etappen auf sein vergangenes Leben zurück, es liest sich wie ein verkürzter Lebenslauf. Diese drei Lebensetappen werden in drei Strophen mit jeweils fünf Versen präsentiert.
In der ersten Strophe erinnert sich das lyrische Ich daran, wie es als „kleiner Knabe“ (V. 2) um Mitternacht „zu Vaters Haus“ (V. 3) ging. Dies machte das lyrische Ich „nicht eben gerne“ (V. 1). Vermutlich fürchtet der Knabe sich vor der Dunkelheit oder ist zumindest beunruhigt. Dennoch findet er, dass die Sterne „doch alle gar zu schön [leuchteten]“ (V. 4). In dieser ersten Strophe wird bereits angedeutet, dass der Zeitpunkt der nächtlichen Wanderung des Knaben eine besondere Rolle spielt. In zwei Versen wird beschrieben, dass es Mitternacht ist (V. 1, V. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Zeiterlebens ein und begründet den Vergleich der beiden Gedichte „Um Mitternacht“ von Goethe und Mörike.
2. Goethes Gedicht: „Um Mitternacht“: Dieses Kapitel analysiert Goethes Werk als biographisches Altersgedicht, in dem das lyrische Ich in drei Strophen auf verschiedene Lebensphasen zurückblickt.
3. Mörikes Gedicht: „Um Mitternacht“: Die Analyse von Mörikes Gedicht verdeutlicht, wie durch die Personifizierung der Nacht und der Quellen die Gegenwart als zentrales Erlebnis dargestellt wird.
4. Vergleich der Gedichte: Im abschließenden Vergleich werden die unterschiedlichen Ansätze – Goethes lebensgeschichtlicher Rückblick und Mörikes Flucht in die Stille der Nacht – einander gegenübergestellt.
Schlüsselwörter
Mitternacht, Johann Wolfgang von Goethe, Eduard Mörike, Zeiterfahrung, Altersgedicht, Lyrisches Ich, Personifizierung, Literaturvergleich, Vergänglichkeit, Gegenwart, Vergangenheit, Naturlyrik, Motivgeschichte, Lebenslauf, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem literarischen Vergleich der Gedichte „Um Mitternacht“ von Johann Wolfgang von Goethe und Eduard Mörike hinsichtlich ihrer Darstellung von Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zeitwahrnehmung, dem Altersthema, der Funktion der nächtlichen Natur sowie der autobiografischen Dimension in der Lyrik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie beide Autoren das gleiche Motiv der Mitternacht nutzen, um höchst unterschiedliche philosophische und persönliche Aussagen über die Zeit zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer textnahen literaturwissenschaftlichen Analyse der Primärquellen sowie einer anschließenden komparativen Gegenüberstellung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Einzelinterpretation von Goethes und Mörikes Gedichten sowie den anschließenden direkten Vergleich unter Einbeziehung biografischer Hintergründe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mitternacht, Zeiterfahrung, biographisches Altersgedicht, Personifizierung, Vergangenheit und Gegenwart.
Inwiefern unterscheidet sich das lyrische Ich bei Goethe und Mörike?
Während Goethes Gedicht von einem deutlich ausgeprägten, reflektierenden lyrischen Ich getragen wird, fehlt ein solches bei Mörike; dort übernimmt die personifizierte Nacht die Rolle des Beobachters.
Welche Rolle spielt die Biografie bei der Entstehung von Mörikes Gedicht?
Mörike schrieb sein Gedicht in jungen Jahren, wobei er Erlebnisse wie den Tod seines Vaters verarbeitete, was sein Bedürfnis nach der Stille der Nacht als Flucht vor dem Leid erklärt.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Der Umgang mit Zeit. "Um Mitternacht" von Johann Wolfgang von Goethe und Eduard Mörike im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421025