Wehrpflicht für Frauen in Israel. Ein Mehrwert für das Militär


Hausarbeit, 2018
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

GESCHICHTE DER ISRAEL DEFENSE FORCE

AUFBAU DER ISRAEL DEFENSE FORCE

DAS MILITÄR IN DER ISRAELISCHEN GESELLSCHAFT

GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAUEN

SYMBOLIK UND BILD DER FRAUEN

OPFER UND SCHWÄCHE

FAZIT

BIBLIOGRAPHIE

Einleitung

„The army is the supreme symbol of duty and as long as women are not equal to men in performing this duty, they have not yet obtained true equality. If the daughters of Israel are absent from the army, then the character of the Yishuv1 will be distorted.“ (“Women of the Israel Defense Forces: ‘Chen’ Women’s Corps,” n.d.). David Ben Gurion, der erste Premierminister Israels, sieht die Wehrpflicht für Frauen in Israel, einem durch Kriege und gewaltsame Konflikte geprägtes Land, als Grundsatz an. Für zwei Jahre werden die israelischen Soldatinnen in der Israel Defense Force (IDF) ausgebildet, denn in Israel müssen nicht nur Männer, sondern auch Frauen im Militär dienen. Somit ist es das einzige westlichdemokratische Land, in dem die Wehrpflicht auch für Frauen gilt.

Die Wehrpflicht für Frauen in Israel ist ein kontrovers diskutiertes Thema. In diesem Kontext habe ich mir die Frage gestellt, ob und welchen Mehrwert und aber auch welche Gefahren die Wehrpflicht für Frauen, für das israelische Militär, die Gesellschaft und die Soldatinnen darstellt.

Zunächst möchte ich einen kurzen Einblick in die Geschichte Israels im Hinblick auf die Entstehung seiner Armee geben. Anschließend den Aufbau der Israel Defense Force erläutern, wobei ich besonderes Augenmerk auf die Position der Frauen richten werde. Darauf basierend werde ich mich mit den verschiedenen Positionen und der Akzeptanz des Militärs und der Wehrpflicht für Frauen in Israel beschäftigen, was an die Frage nach der Gleichberechtigung von Frauen im Militär und der israelischen Gesellschaft anschließt und stark mit dem Bild und der Symbolik der Frau als Soldatin in Verbindung steht.

Die Frage, inwiefern Frauen überhaupt für den Militärdienst geeignet sind und das Thema sexueller Missbrauch und weibliche Kriegsopfer bilden einen letzten Gliederungspunkt. Abschließend werde ich die Bedeutung der Wehrpflicht für Frauen in Israel für die Soldatinnen, das Militär und die Gesellschaft zusammenfassend darstellen.

Geschichte der Israel Defense Force

Aus den schon bestehenden militärähnlichen Strukturen entstand 1948 die Israel Defense Force, auch Zahal genannt, als Ben Gurion kurz vor Ende des Britischen Mandats am 14. Mai 1948 den jüdischen Staat proklamierte (vgl. Zechmann, 2014, S.4). „Der Zusammenschluss verschiedener [paramilitärischer] Organisationen wie z.B. Hagana, Palmach und Lehi ermöglichte eine offizielle Gründung des Militärs von Seiten der Regierung“ (Zechmann, 2014, S. 4).

Grund für die sofortige und dringende Einrichtung des israelischen Militärs lag in der ständigen Angst, die das Land prägte. Diese Angst ist in der Geschichte des israelischen Volkes begründet, die von ständiger Verfolgung und der Schoa geprägt ist, sowie von andauernden Konflikten mit Anrainerstaaten und der Verwundbarkeit des Landes durch seine geographische Lage, in dem sich wenig Rückzugsmöglichkeiten bieten (vgl. Klein, 2001, S. 123). So „war es sehr wichtig, auch von offizieller Seite, die amtliche Gründung der IDF zu deklarieren. Offiziell wird dies auf den 31. Mai 1948 datiert“ (“Israel Defense Force,” n.d.).

Seitdem spielt das Militär eine fundamentale Rolle in der israelischen Gesellschaft. Die gesellschaftliche Akzeptanz und Legitimation stützt sich besonders auf drei Grundpfeiler:

Die Hoffnung, dass man durch die Armee die Chance hat, sich in Zukunft gegen Progrome und Verfolgung, wie sie in der Vergangenheit geschehen sind, wehren zu können, bzw. sie zu verhindern.

Die Devise „Nie wieder wehrlos“ (Klein, 2001, S. 112) zu sein, die aus dem Masada Mythos hervorgeht.

Das Motto „Es gibt keine Wahl“ (Klein, 2001, S.116), das auf dem Mythos von David gegen Goliath gründet.

Aus diesen Beweggründen ist auch die Mission der IDF entstanden, die da lautet:

„To defend the existence, territorial integrity and sovereignty of the state of Israel. To protect the inhabitants of Israel and to combat all forms of terrorism which threaten the daily life“ (“Israel Defense Force,” n.d.).

Frauen waren von Anfang an genauso für einen gewissen Zeitraum zum Militärdienst verpflichtet wie Männer. Dies hatte aber nicht nur den Hintergrund der Gleichberechtigung, sondern diente viel mehr als Mittel zum Zweck der Verteidigung, damit ein ausreichend starkes Heer gestellt werden konnte (vgl. Andreas, 2001).

Aufbau der Israel Defense Force

Die IDF setzt sich aus dem Wehrdienst, dem Reservedienst und der Berufsarmee zusammen (vgl. Zechmann, 2014, S.4). Der Wehrdienst wird im Alter zwischen 18 und 26 Jahren absolviert (vgl. Timm, 2008). Frauen müssen sich für einen Wehrdienst von 2 Jahren mit anschließendem Reservedienst bis zum Alter von 24 Jahren verpflichten. Bei Männern ist die Wehrpflicht auf drei Jahre festgelegt. Als Reservisten müssen sie bis zum 42. Lebensjahr3 der Armee zur Verfügung stehen (vgl. Friedl, 2008).

Ultraorthodoxe Juden sind als einzige offiziell vom Dienst an der Waffe befreit, was häufig von Wehrpflichtverweigerern als Argument angebracht wird. Viele säkulare Israelis halten es aber für unangebracht, dass orthodoxe Juden auf Grund ihrer religiösen Überzeugung sich dem Wehrdienst entziehen können.

Der Wehrdienst für Frauen umfasst nur jüdische Rekrutinnen. Schwangere und verheiratete Frauen sind grundsätzlich vom Wehrdienst befreit. Aber auch alle anderen Frauen haben die Möglichkeit, sich dem Wehrdienst zu entziehen, wenn sie mit ihren religiösen Überzeugungen bei einem Richter vorsprechen (vgl. Fügemann, 2004, S.9). Gleiches gilt bei Gewissenskonflikten. In diesem Fall haben Soldaten und Soldatinnen die Chance, vor das „Advisory Committee to the Minister of Defense on Exemption from Service“ zu treten. Den Wehrdienst zu verweigern ist für Frauen deutlich einfacher und in der Gesellschaft besser akzeptiert, als bei Männern.

„Nicht selten werden während der Dienstzeit Schul- oder Berufsabschlüsse erworben“ (Timm, 2008), da das Militär großen Wert auf Ausbildung und Weiterbildung seiner Soldaten legt.

Die Wehrpflicht im jugendlichen Alter ist „eine kollektive Erfahrung, die die jüdischen Israelis als junge Erwachsene tief prägt […], schon früh [werden] Weichen für den künftigen Lebensweg […] [gestellt]“ (Putz, 2013). Die Wehrpflicht dient auch als Schritt zur Selbstständigkeit und Ablösung vom Elternhaus. So „ […] hat die Armee - neben der Schule - eine wichtige Funktion bei der staatsbürgerlich-patriotischen Erziehung der jungen Generation, bei der "Verschmelzung" der unterschiedlichen Ethnien, sowie bei der sprachlichen und gesellschaftlichen Integration von Neueinwanderern“ (Timm, 2008).

Das Militär in der israelischen Gesellschaft

Das israelische Heer gilt als das schlagfertigste im Nahen Osten mit großer Macht und hoher Professionalität. „Diese Kombination kommt in Gesellschaften vor, die ständigen Bedrohungen ihrer Sicherheit ausgesetzt sind und deren Ideologie militärische Werte als positiv erachtet“ (Klein, 2001, S. 25).

Soldaten sind Teil des israelischen Kollektivs (vgl. Zechmann, 2014, S. 4). „Über die Grenzen von Geschlecht, sozialer Herkunft und auch Generation hinaus, ist das Militär ein verbindendes Element“ (Klein, 2001, S. 122 ff. ). Vereinigt durch seine Geschichte und Mythologie, zieht im Militär das ganze israelische Volk an einem Strang. Frauen und Männer gemeinsam. So wird die IDF auch „Armee des Volkes“ oder „Schule der Nation“ (Timm, 2008) genannt.

Geschichte und Mythologie des israelischen Volkes bilden auch die Basis für das hohe Ansehen, das Soldaten und das Militär als Institution in großen Teilen der israelischen Gesellschaft genießen. Häufig wird man in der Gesellschaft nur dann vollständig anerkannt, wenn man im Militär gedient hat. Auch wenn die Verweigerung in den letzten Jahren immer größere Akzeptanz gefunden hat, verspüren Personen, die sich nicht mit dem Militär identifizieren können oder ihren Militärdienst verweigern, gesellschaftlichen Druck.

Vor allem beim Thema der Wehrpflicht für Frauen kommt es aber zur gesellschaftlichen Spaltung. Zu den Gegnern zählen hauptsächlich gläubige Gruppierungen. Aus ihrer religiösen Überzeugung heraus, lehnen vor allem die ultraorthodoxen Juden die Wehrpflicht und speziell den Wehrdienst für Frauen ab. Sie sehen es nicht als Teil der weiblichen Rolle, am Militärdienst teilzunehmen. Aber auch ein Teil der Feministinnen lehnt die allgemeine Wehrpflicht auf Grund der patriarchalischen Strukturen im Militär ab (vgl. Michael, 2008).

[...]


1 Die jüdische Bevölkerung in Palästina, vor der Staatsgründung Israels

2 Die Verteidiger der Festung Masada stürzten sich in den Selbstmord um nicht in die Hände der Römer zu fallen, die diese erstürmten. So war bis 1985 der Verteidigungseid der israelischen Soldaten „Masada soll nie wieder fallen“ (Kaiser, 2015)

3 bzw. bei Offizieren 51. Lebensjahr

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wehrpflicht für Frauen in Israel. Ein Mehrwert für das Militär
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V421144
ISBN (eBook)
9783668687233
ISBN (Buch)
9783668687240
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soldatinnen, Militär, Soldat, Soldatin, Israel, IDF, Israel Defense Force, Frau, Gleichberechtigung, Naher Osten, Wehrpflicht, Armee, Wehrdienst, Militärdienst, Missbrauch, Masada Mythos, David und Goliath, Verteidigung, Waffe, Religion, Opfer, israelisch
Arbeit zitieren
Aline Schmittmann (Autor), 2018, Wehrpflicht für Frauen in Israel. Ein Mehrwert für das Militär, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421144

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