Trotz des Strebens nach einer interkulturellen Öffnung ist das Nationalverständnis Deutschlands überwiegend von einer Vorstellung kultureller Homogenität geprägt. Deutschland wird als einsprachig und – auf die Religionszugehörigkeit bezogen – einheitlich christlich geprägt gesehen. Diesem gängigen Selbstverständnis steht die Tatsache gegenüber, dass nahezu ein Fünftel der Bevölkerung Deutschlands einen Migrationshintergrund aufweist und diese sich durch eine ausgedehnte Heterogenität und Differenziertheit auszeichnet. Die infolge der Zuwanderung veränderte demographische Zusammensetzung der Bevölkerung Deutschlands übt Einfluss auf die Lebens- und Berufslagen und stellt die Soziale Arbeit vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Das Zauberwort in diesem Kontext heißt „interkulturelle Kompetenz“. Die vorliegende Arbeit setzt sich daher, unter Einbezug der Themen Migration, Kultur, Interkulturalität und des Kompetenzbegriffes, mit der „interkulturellen Kompetenz Sozialer Arbeit“ auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Migration
2.1 Migration und ihre Ursachen
2.2 Das Migrationsgeschehen in Deutschland
2.3 Zur Bezeichnung „Migrationshintergrund“
2.4 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland
2.5 Notwendigkeit eines kritischen Umgangs bei der Bezeichnung „Menschen mit Migrationshintergrund“
2.6 Der Umgang mit Migration in Deutschland
3 Kultur
3.1 Der Kulturbegriff
3.2 Die Erfindung von Fremdheit – Kultur als Differenzkategorie
3.3 Kulturelle Identität
4 Interkulturalität
4.1 Pluralisierung der Lebenswelten
4.2 Gesellschaftlicher Umgang mit Diversität: zwischen Annerkennung und Ausgrenzung
5 Annäherung an den Kompetenzbegriff in der Sozialen Arbeit
6 Interkulturelles Verständnis in der Sozialen Arbeit
6.1 Der Umgang mit Differenz in der Sozialen Arbeit
6.2 Interkulturelle Orientierung und Öffnung
6.3 Soziale Arbeit im Migrationskontext
6.4 Zugangsbarrieren deutscher Sozialarbeiter_innen zur Migrantenklientel?
6.4.1 Multiethnische Teams
6.5 Elemente und Ebenen interkultureller Kompetenz
6.6 Interkulturelle Kompetenz als Schlüsselkompetenz Sozialer Arbeit? – eine kritische Auseinandersetzung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz interkultureller Kompetenz als Schlüsselkompetenz für die Soziale Arbeit in der modernen Migrationsgesellschaft, unter kritischer Beleuchtung der Begrifflichkeiten und theoretischen Grundlagen.
- Grundlagen und Definitionen von Migration und Migrationshintergrund
- Kulturtheoretische Perspektiven und die Konstruktion von Fremdheit
- Anforderungen an Soziale Arbeit in einer durch Pluralisierung geprägten Gesellschaft
- Die kritische Debatte um Interkulturalität und interkulturelle Kompetenz
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Erfindung von Fremdheit – Kultur als Differenzkategorie
Wie bereits anfangs des Kapitels erwähnt, verwerfen einige Erziehungswissenschaftler_innen den Begriff der Kultur. Durch dessen Gebrauch befürchten sie eine Kulturalisierung von gesellschaftlichen Problemlagen (vgl. Auernheimer 2012, S. 76). Diese Verunsicherung leitet sich von der Erkenntnis ab, dass der Differenzdiskurs zur Exotisierung und Ausgrenzung beigetragen hat, so der Ethnologe Schiffauer (vgl. ebd.). Daher möchte ich im Folgenden das Verständnis und die Erfindung von Fremdheit im Kontext der Kultur näher ausführen.
Kultur definiert sich in der Abgrenzung und dem Verhältnis zu anderen Kulturen (vgl. Gemende u.a. 1999, S. 13). Ausgehend von der eigenen kulturellen Identität wird so zwischen dem eigenen Vertrauten sowie dem fremden Unbekannten unterschieden (vgl. Wimmer 1997, o.S.). Das Sprechen über den „Migrationshintergrund“ und die damit verbundene kulturelle Differenz reproduziert folglich die Unterscheidung zwischen den als „normalen Deutschen“ angesehenen und denjenigen, die auf Grund ihres Migrationshintergrundes nicht dazugehören. Durch die sich wiederholende Bezugnahme auf das „Fremde“ wird der Gebrauch des „Wir“ und „des Anderen“ am Leben gehalten (vgl. Munsch 2014, S. 70). Durch die Konstruktion des „Anderen“ oder „Fremden“ werden andere Kulturen nicht so wahrgenommen, wie sie wirklich existieren, da es zu Fremdzuschreibungen kommt. Die Wahrnehmung des „Fremden“ wird ebenfalls durch eigene Erwartungen, Ängste oder Wünsche beeinflusst (vgl. Gemende u.a. 1999, S. 14). Georg Auernheimer spricht hierbei von einer „Konstruktion von Fremdheit“ (vgl. Auernheimer 2012, S. 77).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz interkultureller Kompetenz vor dem Hintergrund des sozialen Wandels und der Zuwanderung in Deutschland ein.
2 Migration: Es werden Formen und Ursachen von Migration sowie die soziologische Bedeutung des Begriffs „Migrationshintergrund“ erörtert.
3 Kultur: Dieses Kapitel kritisiert einen homogenen Kulturbegriff und beleuchtet Kultur als dynamisches Konstrukt und Differenzkategorie.
4 Interkulturalität: Es werden Modelle interkultureller Interaktion sowie die Pluralisierung der Lebenswelten als gesellschaftliche Realität analysiert.
5 Annäherung an den Kompetenzbegriff in der Sozialen Arbeit: Eine theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs und dessen Bedeutung für das Handeln in pädagogischen Berufen.
6 Interkulturelles Verständnis in der Sozialen Arbeit: Analyse der Herausforderungen für Sozialarbeiter, wie Zugangsbarrieren und die Notwendigkeit reflexiver Haltungen in der Arbeit mit Migranten.
7 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende kritische Reflexion darüber, warum interkulturelle Verständigung eine grundlegende Haltung der Sozialen Arbeit sein sollte.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Soziale Arbeit, Migration, Migrationshintergrund, Kulturverständnis, Pluralisierung, Lebenswelten, Differenzakzeptanz, Identität, Interkulturelle Öffnung, Fremdheit, Diskriminierung, Fachkraft, Reflexion, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, ob und warum interkulturelle Kompetenz als eine wesentliche Schlüsselkompetenz für die professionelle Soziale Arbeit in Deutschland betrachtet werden muss.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Migration, Kulturbegriff, Interkulturalität und Kompetenztheorie miteinander, um daraus Anforderungen für das sozialarbeiterische Handeln abzuleiten.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, aktuelle theoretische Grundlagen zu erarbeiten, um zu begründen, inwieweit eine interkulturelle Ausrichtung der Sozialen Arbeit zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, um den theoretischen Rahmen zu spannen und die verschiedenen Konzepte der Interkulturalität kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen zur Migration, den Kulturbegriff als Differenzkategorie und die Anwendung dieser Erkenntnisse auf das spezifische Berufsfeld der Sozialen Arbeit inklusive der Analyse von Barrieren und Kompetenzanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Interkulturelle Kompetenz, Soziale Arbeit, Migrationsgesellschaft, Reflexivität, Differenzakzeptanz und interkulturelle Öffnung.
Warum wird der Begriff "Migrationshintergrund" kritisch betrachtet?
Die Arbeit weist darauf hin, dass der Begriff oft zu einer Stigmatisierung führt und die Heterogenität der betroffenen Personen ausblendet, da er als Kategorisierungsinstrument agiert.
Wie unterscheidet sich "interkulturelle Verständigung" von "interkultureller Kompetenz"?
Die Autorin bevorzugt den Begriff "Verständigung", da er den Prozesscharakter und die gegenseitige Aushandlung zwischen den Beteiligten stärker betont als der oft als "Zauberformel" oder rein erlernbares Zusatzwissen kritisierte Kompetenzbegriff.
- Arbeit zitieren
- Lisa Straub (Autor:in), 2014, Interkulturelle Kompetenz. Eine Schlüsselkompetenz in der Sozialen Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421275