Die vorliegende Arbeit möchte sich weniger mit dem ideologischen Gehalt in Carlo Go ldonis Werken beschäftigen, sondern verfolgt das Ziel, einen Überblick hinsichtlich der damaligen Theatersituation zu geben. Bezugsort der Untersuchung ist Goldonis Heimatstadt Venedig, auch wenn die zu behandelnden Theatergepflogenheiten zum großen Teil in ganz Norditalien und über dessen Grenzen hinaus ihre Anwendung erfuhren. Weiterhin nimmt in dieser Arbeit Goldonis Theaterreform und deren Auswirkungen auf Regie und Schauspiel in seinen Werken einen hohen Stellenwert ein.
Als Quellen zu dieser Untersuchung dienten Goldonis im Jahr 1787 vollendete Memoiren ebenso wie ausgewählte Werke und diverse Aufsätze von Theaterwissenschaftlern.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel dieser Arbeit
2. Das venezianische Theater im 18. Jahrhundert
3. Eine Kurzbiographie
4. Goldonis Theaterreform
5. Regie und Schauspiel in Goldonis Werken
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die grundlegende Theatersituation in Venedig während des 18. Jahrhunderts und analysiert die wegweisende Theaterreform von Carlo Goldoni. Im Zentrum steht dabei der Wandel vom improvisierten Stegreifspiel der Commedia dell’arte hin zum fixierten, bürgerlichen Lustspiel, wobei insbesondere die Auswirkungen auf die Regiearbeit und die schauspielerische Darstellung beleuchtet werden.
- Die venezianische Theaterlandschaft im 18. Jahrhundert
- Biographische Hintergründe zu Carlo Goldoni
- Die Prinzipien und Ziele der goldonischen Theaterreform
- Realismus, Charakterdarstellung und Textfixierung
- Die praktische Umsetzung von Regie und Schauspiel in ausgewählten Werken
Auszug aus dem Buch
5. Regie und Schauspiel in Goldonis Werken
Nachdem nun geklärt ist, dass Goldoni großen Wert auf die Natürlichkeit von Handlung und Darstellung gelegt hat, stellt sich die Frage, wie zu Lebzeiten des Dichters Regie und Schauspiel in der Praxis realisiert wurden. Es ist bekannt, dass zeitgenössische Opern und die Werke von Goldonis Rivalen Carlo Gozzi mit zum Teil großem dekorativen und technischen Aufwand in Szene gesetzt wurden. Es war damals also bereits üblich, Dramen möglichst illusionistisch darzustellen. Goldonis Regieanweisungen im Nebentext seiner Werke lassen jedoch vermuten, dass das Hauptaugenmerk eher auf der realistischen Darstellung der Figuren lag als auf szenischen Effekten.
Der technische Aufwand während der Vorstellungen war demnach relativ gering. Eine Ausnahme bildete „Der Lügner“ („Il Bugiardo“, 1750), in dem eine fahrende Gondel vorkam (I, 1).
Auffallend häufig sprachen die Figuren zu sich selbst oder zum Publikum. Dies sollte helfen, den jeweiligen Charakter besser zu verstehen und diente darüber hinaus einer verstärkten Anteilnahme des Publikums an der Handlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel dieser Arbeit: Einführung in die Zielsetzung, den Fokus auf die Theatersituation in Venedig und die Bedeutung von Goldonis Theaterreform.
2. Das venezianische Theater im 18. Jahrhundert: Beschreibung der kulturellen Bedeutung Venedigs, der Theaterhäuser und der Tradition der Commedia dell’arte.
3. Eine Kurzbiographie: Überblick über das Leben von Carlo Goldoni, seine Ausbildung und seinen Werdegang als Theaterautor.
4. Goldonis Theaterreform: Erläuterung der Abkehr vom Stegreifspiel hin zum realistischen, bürgerlichen Lustspiel durch die Einführung von Charakteren und festen Dialogen.
5. Regie und Schauspiel in Goldonis Werken: Untersuchung der praktischen Anwendung von Regieanweisungen und schauspielerischen Mitteln zur Steigerung der Glaubwürdigkeit.
6. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Bedeutung von Goldonis Wirken für das italienische Theater und dessen Einfluss auf spätere Epochen.
Schlüsselwörter
Carlo Goldoni, Venedig, Commedia dell’arte, Theaterreform, Lustspiel, Regie, Schauspiel, Realismus, Charakterkomödie, Szenarien, Nebentext, Schauspielertruppen, 18. Jahrhundert, Bühnentechnik, Textfixierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Theaterlandschaft in Venedig während des 18. Jahrhunderts, insbesondere mit dem Übergang von der traditionellen Commedia dell'arte zum bürgerlichen Lustspiel durch Carlo Goldoni.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theaterpraxis des 18. Jahrhunderts, die biographische Entwicklung Goldonis sowie die methodischen Änderungen in der Regie und Schauspielkunst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die damalige Theatersituation zu geben und die Auswirkungen von Goldonis Reformen auf die Bühnendarstellung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theaterwissenschaftliche Untersuchung, die auf Goldonis Memoiren, seinen dramatischen Werken sowie theaterwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der historischen Gegebenheiten, Goldonis Werdegang, seine theoretischen Reformansätze und die konkrete Ausgestaltung von Regie und Schauspiel in seinen Komödien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Goldoni, Commedia dell’arte, Theaterreform, Realismus und bürgerliches Lustspiel.
Warum lehnte Goldoni die traditionelle Commedia dell'arte teilweise ab?
Er kritisierte die mangelnde Glaubwürdigkeit der Maskenfiguren und wollte die Menschheit natürlicher darstellen, statt nur vage Szenarien zu improvisieren.
Welche Bedeutung hatten Essenszenen in Goldonis Werken?
Essenszenen dienten als spezifisches Mittel der Charakterzeichnung, um das soziale Benehmen der Figuren authentisch auf der Bühne darzustellen.
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- Mag. Stephan Burianek (Author), 2005, Das Theater des Carlo Goldoni, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42132