Selbstwertschätzung und Arbeitslosigkeit, Validierung der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS)


Diplomarbeit, 2005

98 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. ZUSAMMENFASSUNG

2. EINLEITUNG

3. THEORETISCHER HINTERGRUND
3.1 Das Selbst
3.2 Das Selbstkonzept
3.3 Die Selbstwertschätzung
3.3.1 Definition
3.3.2 Globale vs. bereichsspezifische Selbstwertschätzung
3.3.3 Messung der Selbstwertschätzung
3.4 Herleitung der Hypothesen zur Validierung der MSWS
3.4.1 Die MSWS
3.4.1.1 Itemkennwerte
3.4.1.2 Interne Konsistenz
3.4.1.3 Skaleninterkorrelation
3.4.1.4 Faktorenstruktur
3.4.1.5 Korrelationen zu demographischen Variablen
3.4.1.6 Konvergente Validität
3.4.2 Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen
3.5 Mögliche Moderatorvariablen in der Erwerbslosigkeit
3.5.1 Alter
3.5.2 Geschlecht
3.5.3 Sozialer Status
3.5.4 Dauer der Erwerbslosigkeit
3.5.5 Familienstand
3.5.6 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
3.6 Zusammenstellung der Hypothesen

4. METHODIK
4.1 Beschreibung der Untersuchungsstichprobe
4.2 Design und Durchführung der Untersuchung
4.3 Darstellung der Erhebungsinstrumente
4.3.1 MSWS
4.3.2 Rosenberg-Skala

5. ERGEBNISSE
5.1 Deskriptiver Vergleich der Gütekriterien der MSWS
5.1.1 Itemkennwerte
5.1.2 Interne Konsistenz
5.1.3 Skaleninterkorrelation
5.1.4 Faktorenstruktur
5.1.5 Korrelationen mit demographischen Variablen
5.1.6 Konvergente Validität
5.2 Vergleich der Selbstwertschätzung
5.2.1 Mittelwertsvergleich der Selbstwertschätzung der Norm- und der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen
5.2.2 Gruppenunterschiede innerhalb erwerbsloser Personen

6. DISKUSSION
6.1 Diskussion der Ergebnisse
6.1.1 Anwendung der MSWS bei erwerbslosen Personen
6.1.2 Unterschiede in der Selbstwertschätzung
6.1.3 Selbstwertschätzung verschiedenen Gruppen erwerbsloser Personen
6.2 Limitierung der Untersuchung
6.2.1 Selektionseffekt und weitere Einschränkungen
6.2.2 Soziale Erwünschtheit
6.2.3 Ausschluss der Kausalität für die Ergebnisinterpretation
6.2.4 Validierungsmethode

7. AUSBLICK UND SCHLUSSBEMERKUNGEN

8. LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG : ERGÄNZUNG STATISTISCHER ANALYSEN

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Beispiel für die hierarchische Organisation des Selbstkonzeptes in Anlehnung an Shavelson, Hubner & Stanton (1976); entnommen aus der Handanweisung zur MSWS von Schütz und Sellin (in Vorbereitung)

Abbildung 2: Hierarchischer Aufbau der MSWS in Anlehung an Schütz und Sellin (in Vorbereitung)

Abbildung 3 Scree-Plot der Faktorenanalyse

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Skalenbezeichnungen, Skalenabkürzungen, dazugehörige Zusammensetzung, Itemzahl und Beispielitems der Subskalen der MSWS

Tabelle 2: Demographische Stichprobenmerkmale der Untersuchungsstichprobe (N = 136)

Tabelle 3: Auflistung der Bildungseinrichtungen, Erhebungszeit, Anzahl der Personen sowie Art und Dauer der Weiterbildungsmaßnahme

Tabelle 4: Itemkennwerte aller Items der Subskalen der MSWS für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen

Tabelle 5: Interne Konsistenz, Mittelwert, Standardabweichung, Item- und Stichprobenanzahl der MSWS für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 6: Interkorrelation der Subskalen sowie der übergeordneten Skalen der MSWS bei der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 7: Exploratorische Faktorenanalyse der MSWS für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 8: Exploratorische Faktorenanalyse für die forcierte sechsfaktorielle Lösung für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 9: Korrelationen der Subskalen mit übergeordneten Skalen der MSWS und verschiedenen demographischen Angaben

Tabelle 10: Korrelationen zwischen den Skalen der MSWS und der Rosenberg-Skala (von Collani & Herzberg, 2003) zur Überprüfung der konvergenten Validität (123 < N < 135)

Tabelle 11: Mittelwertsvergleich der Subskalen und der übergeordneten Skalen der MSWS in der Normstichprobe (N = 434) und der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 12: Mittelwertsvergleich der Subskalen und der übergeordneten Skalen der MSWS in der parallelisierten Normstichprobe (N = 136) und der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen (N = 136)

Tabelle 13: Effekte in unterschiedlichen Gruppen erwerbsloser Personen auf die Selbstwertschätzung

Tabelle 14: Mittelwertsvergleich der Altersgruppen

Tabelle 15: Mittelwertsvergleich der Untersuchungsgruppen zum Schulabschluss

Tabelle 16: Mittelwertsvergleich der Untersuchungsgruppen zur Berufsausbildung

Tabelle 17: Mittelwertsvergleich der Untersuchungsgruppe zur Erwerbslosigkeitsdauer

Tabelle 18: Mittelwertsvergleich der Untersuchungsgruppen zum Familienstand

Tabelle 19: Mittelwertvergleich der Subskalen der MSWS und der übergeordneten Skalen der MSWS erwerbsloser Personen, die an vs. die nicht an ABM teilgenommen haben

Tabelle 20: ANOVA für den Vergleich der Mittelwerte auf den Subskalen und den übergeordneten Skalen der MSWS mit den Faktoren Geschlecht und Stichprobe und deren Interaktion

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. ZUSAMMENFASSUNG

Die Multidimensionale Selbstwertskala (MSWS, Schütz & Sellin, in Vorbereitung) ist ein Instrument zur Erfassung unterschiedlicher Facetten der Selbstwertschätzung und wurde in der vorliegenden Untersuchung an einer Stichprobe erwerbsloser Personen (N=136) validiert. Die in der Handanweisung gefundenen statistischen Kennwerte zu den Gütekriterien der MSWS für die Normstichprobe wurden mit denen einer Stichprobe erwerbsloser Personen verglichen. Hierzu liegen Kennwerte zu jedem Item der Subskalen, zur internen Konsistenz der Subskalen, zur Skaleninterkorrelation, zur Faktorenstruktur, zur Korrelation mit demographischen Variablen und zur konvergenten Validität vor. Die gefundenen Itemkennwerte für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen konnten als zufrieden stellend bezeichnet werden. Zur Reliabilität lagen Werte der internen Konsistenz vor, die nur als mäßig annehmbar gewertet werden können. Analysen zur Skaleninterkorrelation ergaben befriedigende Ergebnisse. Die empirisch gefundene sechsfaktorielle Struktur für die Normstichprobe konnte für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen nicht nachgewiesen werden. Ergebnisse über die Korrelationen mit demographischen Variablen wurden vorgestellt. Die Überprüfung der konvergenten Validität ergab positive Korrelationen zwischen allen Skalenbereichen der MSWS und der Rosenberg–Selbstwertskala (von Collani & Herzberg, 2003). Neben dem Vergleich der statistischen Kennwerte für die beiden Stichproben erfolgte darüber hinaus eine Extremgruppen-Validierung. Hierzu wurde angenommen, dass sich Unterschiede in der Selbstwertschätzung zwischen der Normstichprobe und der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen ergeben. Dies wurde bestätigt. Zusätzlich wurde der Einfluss möglicher moderierender Variablen wie Alter, Geschlecht, sozialer Status, Dauer der Erwerbslosigkeit, Familienstand und Teilnahme an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen innerhalb der erwerbslosen Stichprobe überprüft. Wie die Ergebnisse zeigten, konnten Effekte von moderierenden Variablen auf die Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen nachgewiesen werden. Eine Diskussion stellt den Bezug her zwischen den theoretisch abgeleiteten Fragestellungen und den gefundenen empirischen Ergebnissen. Darüber hinaus wurden methodische Limitierungen der Arbeit diskutiert. Weitere Forschungsvorhaben wurden im Ausblick vorgestellt und Schlussbemerkungen zu den aktuellen arbeitspolitischen Umstrukturierungen gemacht.

Abstract

In this research project the Multidimensionale Selbstwertskala (MSWS, Schütz & Sellin, in preparation), a measurement to observe different facets of self-esteem, was validated among a sample of 136 unemployed people. This involved the analysis of (a) item indices, (b) internal consistency, (c) intercorrelation, (d) factorial structure, (e) convergent validity and (f) correlation of demographic variables The results of the validation for the unemployed sample were compared with the results of the original sample. According to the comparison of the two samples, the item indices have shown good results, the internal consistencies of the subscales of the MSWS were shown, the intercorrelations of the subscale of the MSWS were acceptable, the original six-factor model of the MSWS can not be replicated, the correlation between the subscales of the MSWS with demographic variables were assessed and at least the convergent validity showed acceptable correlations between the subscales of the MSWS and the Rosenberg-Self-Esteem-Scale (von Collani & Herzberg, 2003). Most of the findings were consistent with previous findings for the original sample. The results indicated that the proposed validity and reliability of the MSWS were given.

Furthermore, the measure’s validity has been examined in an extreme group of unemployed people. There were comparisons of means with the subscales of the MSWS between the sample of unemployed people and the original sample. Most unemployed people showed a higher level of self-esteem, in most cases. Moreover the influence of moderating variables like age, gender, social status, endurance of unemployment, social support and participation in job programs is also assessed in the sample of unemployed people. Significant differences among most categories were found. All results, potential limitations of this study and further ideas for studies were discussed.

2. EINLEITUNG

Zentraler Gegenstand dieser Arbeit ist die Validierung der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS, Schütz & Sellin, in Vorbereitung) an einer Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen. Die MSWS ist ein Selbstbeschreibungsinstrument zur Erfassung mehrerer Facetten der Selbstwertschätzung. Bei der Validierung wird zum einen überprüft, ob sich die statistischen Kennwerte zu den Gütekriterien der MSWS, wie sie für die Normstichprobe gefunden wurden, ebenfalls für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen finden lassen. Betrachtet werden die Itemkennwerte, die interne Konsistenz, Interkorrelationen, die Faktorenstruktur, Korrelationen zu demographischen Variablen, die konvergenten Validität, und in besonderem Maß Unterschiede in der Selbstwertschätzung zwischen der Norm- und der Untersuchungsstichprobe. Darüber hinaus werden zur Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen vertiefend relevante Variablen betrachtet, die die Beziehung zwischen Erwerbslosigkeit und der Selbstwertschätzung moderieren könnten. Die Analysen sollen Aufschluss darüber geben, wie differenziert die Skala in der Lage ist, ein multidimensionales Bild der Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen abzubilden und ob diese ein geeignetes Instrument zum praktischen Einsatz an erwerbslosen Personen darstellt oder ob gegebenenfalls eine Modifikation, im Sinne einer Anpassung spezieller Items im Kontext der Erwerbslosigkeit, nötig sein könnte. Die Extremgruppe, bestehend aus erwerbslosen Personen, wird mit der Normstichprobe verglichen. Im folgenden wird kurz auf das Erleben in der Erwerbslosigkeit eingegangen.

Erwerbsarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Selbstkonzepts und der Selbstwertschätzung durch die Vermittlung von Handlungskompetenz (Aschenbach und Frey, 1997; Schumacher, 1986). Wenn ein Mensch Misserfolge erlebt, kann dies zu einem Verlust seiner Selbstwertschätzung führen. Ein solches Misserfolgserlebnis stellt die Erfahrung der Erwerbslosigkeit dar. Zahlreiche Buchtitel wie „Vom Schock zum Fatalismus? Soziale und psychische Auswirkungen der Arbeitslosigkeit“ (Wacker, 1978), „Arbeitslos – chancenlos? Verläufe von Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland“ (Hahn & Schön, 1996) oder „Arbeitslos – ein „Fall“ für die Sozialhilfe?“ (Bothin & Wunsch, 1992) weisen auf die negativen Komponenten der Erwerbslosigkeit hin. Negative Aspekte der Erwerbslosigkeit sind die Beschränkungen materieller Ressourcen, das nicht zu unterschätzende Phänomen des Zerfalls an Zeitstruktur durch äußere Zeitgeber und die mehr innerpsychischen Phänomene, wie das Gefühl wachsender Abhängigkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht. Darüber hinaus ist diese Situation stark mit Verlusterleben assoziiert, wie dem Wegbrechen an sozialen Kontakten. Vielfach kann damit ein Abgleiten in die Isolation einhergehen. Weiterhin besteht die Gefahr des Verlusts an Lebensperspektive und an mangelnden Verstärkungs-, Identifikations- und Verwirklichungsmöglichkeiten (vgl. Balz et al., 1988; Kirchler, 1993). Die erwähnten Auswirkungen der Erwerbslosigkeit sind besonders im Rahmen der Umstrukturierungen um Hartz IV hoch aktuell. Wochenzeitschriften wie der Spiegel am 17.05.2004 berichten über Arbeitslose und titeln „Abstieg in die vierte Liga – Gestern noch Chef, heute Hiwi“ (Spiegel, 2004). So wird berichtet, dass sich einiges geändert hat „im Deutschland der Agenden und Reformen, der Hartz-Kommission und der Massenarbeitslosigkeit“ (S. 112). Geschildert wird das Schicksal hochqualifizierter BürgerInnen, die durch die schlechte Arbeitsmarktlage unverschuldet erwerbslos geworden sind und nun vergeblich auf Wiedereinstellung hoffen. Nichts schützt vor Erwerbslosigkeit, so das gezogene Fazit aus dem Artikel: nicht die Qualifizierung, nicht die regionale Arbeitsmarktlage, nicht das Geschlecht und nicht das Alter. Die Erwerbslosigkeit kann jeden treffen und geht damit alle an. Auch die Tageszeitungen sind voll von Meldungen resignierter Menschen. So berichtet die TAZ vom 26.10.2004 über einen erwerbslosen 36-jährigen Reserveoffizier, der nach zwölf Jahren als Berufssoldat und studierter Betriebswirtschaftler vom Staat einen 1-Euro-Job als Reinigungsunterstützung in einem Hallenbad zugewiesen bekommen hat. Die Verunsicherung durch die hohe Arbeitslosenrate, von einem möglichen Abstieg in die Erwerbslosigkeit bedroht zu sein und die damit verbundene Wahrnehmung, nicht mehr gebraucht zu werden, wächst in der Gesellschaft und kann Auswirkungen auf die Persönlichkeit haben. Der Reserveoffizier äußert, dass er beim Bund jeden Tag bei 200 Rekruten darauf geachtet hat, dass die Würde stimmt und impliziert damit, dass ihm seine genommen wurde. Die eigene Würde liegt in der Selbstwertschätzung begründet, dem zentralen Konstrukt dieser Arbeit.

3. THEORETISCHER HINTERGRUND

Das Selbst ist bereits seit den Arbeiten von William James im Jahre 1890 Gegenstand psychologischer Forschung. Seitdem haben Diskussionen um das Selbst und seiner thematisch relevanten Konstrukte in Philosophie, sowie in fast allen wissenschaftlichen Bereichen der Psychologie, zur Ausweitung und Ausdifferenzierung des Begriffs bis zum heutigen Tag geführt. Im Folgenden wird auf das Selbst und das Selbstkonzept kurz eingegangen, um sich dann mit dem zentralen Konstrukt dieser Arbeit, der Selbstwertschätzung tiefer auseinanderzusetzen.

3.1 Das Selbst

Um sich dem zentralen Konstrukt der Selbstwertschätzung dieser Arbeit zu nähern, ist zunächst zu klären, was das Selbst ist. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, wie einer der bedeutendsten Forscher zu diesem Thema deutlich macht: „Even dictionaries are quite unhelpful for defining self. It is a word that everyone uses but no one defines“ (Baumeister, 1998, p. 681). Greve (2000) gibt eine Definition des Selbst und beschreibt es

„als ein dynamisches System, das einerseits auf die jeweilige Person bezogene

Überzeugungs- und Erinnerungsinhalte in hochstrukturierter Form und

andererseits die mit diesen Inhalten und Strukturen operierenden Prozesse und

Mechanismen umfasst.“ (Greve, 2000, S. 17).

Damit werden von Greve (2000) zwei Aspekte des Selbst unterschieden, die schon in Arbeiten zum Selbst von William James (1890) zum Ausdruck kommen. Darin unterscheidet der Autor die beiden Dimensionen „I“ und „Me“. Mit „I“ drückte James (1890) den psychologischen Prozess, der für die Selbstwahrnehmung (Selbst als Subjekt) verantwortlich ist aus, wohingegen das „Me“ das Wissen über sich selbst (Selbst als Objekt) beinhaltet.

In Bezug zur Erwerbslosigkeit ist es wichtig zu erwähnen, dass das Selbst bei der psychischen Regulation eine große Fülle von Funktionen erfüllt. Das Selbst steuert zum einen die Art und Weise, wie auf Erfolge und Misserfolge reagiert wird (vgl. Blaine & Crocker, 1993; Dauenheimer et al., 1997), zum anderen die Verarbeitung selbstbezogener Informationen (vgl. Markus, 1977) und hat darüber hinaus Einfluss auf das Handeln durch die Erwartung von der Wirksamkeit eigenen Verhaltens (vgl. Bandura, 1978). Durch diese Steuerfunktion kommt dem Selbst in der Erwerbslosigkeit eine wesentliche Stellung zu. Erwerbslosigkeit wird zumeist als persönlicher Misserfolg verstanden, der eine Vielzahl von Reaktionen des Individuums zulässt, welche maßgeblich vom Selbst bestimmt werden.

3.2 Das Selbstkonzept

Das Selbstkonzept als deskriptive Komponente des Selbst umfasst das subjektive Bild der eigenen Person. Weiter kann es definiert werden als die Summe selbstbezogener Einschätzungen und Einstellungen, als subjektive Theorie über die eigene Person oder als mentale Repräsentation von sich selbst (Schütz, 2003; Baumeister, 1998; Markus & Wurf, 1987). Zum Aufbau des Selbstkonzeptes existieren unterschiedliche Ansichten. Deusinger (1986) beschreibt das Konzeptmuster als multidimensional und bezieht sich auf unterschiedliche Bereiche, wie etwa Erfahrungen, Emotionen und Bewertungen. Der Grundstein zur Annahme der Multidimensionalität des Selbstkonzeptes legten Shavelson, Hubner und Stanton (1976). In ihrem Modell gehen die Autoren von einer hierarchischen Struktur des Selbstkonzeptes aus. Ausgangspunkt stellt das globale bzw. allgemeine Selbstkonzept dar, welches sich immer weiter in einzelne Selbstbereiche zergliedert. Shavelson et al. (1976) unterscheiden dabei vier Subbereiche, die in intellektuelles, soziales, emotionales und physisches Selbstkonzept unterteilt werden können. Andere Autoren unterstützen diese Annahme der Multidimensionalität des Selbstkonzeptes (vgl. Harter, 1999; Bracken, 1996; Marsh, 1993).

Unklar bleibt dabei, inwieweit bestimmte Bereiche für ein Individuum bedeutsamer sind als andere und die Wirkrichtung des Einflusses des allgemeinen und des bereichsspezifischen Selbstkonzeptes (Pelham, 1995; Marsh, 1993, 1995; Marsh, Walker & Debus, 1991; Harter, 1990; Pelham & Swann, 1989). Als erwiesen gilt, dass es für das Individuum von Vorteil ist, ein komplexes Selbstkonzept zu besitzen, da auf alternative Selbstkonzeptbereiche zurückgegriffen werden kann, wenn ein anderer Bereich beschädigt oder bedroht ist (Dodgson & Wood, 1998).

Das Modell von Shavelson et al. (1976) umfasst zentral die Facetten des Selbstkonzepts. Die Autoren führen allerdings an, die gefundenen Erkenntnisse auf die Selbstwertschätzung zu übertragen. Im folgenden Abschnitt wird auf die Selbstwertschätzung vertiefend eingegangen. Da Selbstkonzept und Selbstwertschätzung eng miteinander verwoben sind, wird im Abschnitt 3.3.2 auf die hierarchische Struktur des Selbstkonzeptes Bezug genommen und mit der Selbstwertschätzung verbunden. Dieser Abschnitt fungiert damit als Verbindungsstück zu den Ausführungen der beiden Konstrukte.

3.3 Die Selbstwertschätzung

3.3.1 Definition

Die Selbstwertschätzung als evaluative Komponente des Selbst beinhaltet die subjektive Bewertung des Bildes der eigenen Person. Baumeister definiert die Selbstwertschätzung „as the positivity of the person´s evaluation of self“ (1998, p. 694). Auch Coopersmith (1967) erwähnt den evaluativen Aspekt der Selbstwertschätzung und beschreibt hierzu:

„it expresses an attitude of approval or disapproval, and indicates the extent to which the individual believes himself to be capable, significant, successful, and worthy. In short, self-esteem is a personal judgement of worthiness that is expressed in attitudes the individual holds toward himself” (p. 5).

Aus dieser Definition geht hervor, dass Selbstwertschätzung vor allem mit der individuellen Wertigkeit, die sich eine Person zuspricht, in Verbindung steht.

Für Selbstwertschätzung stehen synonym Bezeichnungen wie Selbstwert und Selbstwertgefühl. In aktuellen Forschungsarbeiten wird dem Begriff Selbstwertschätzung Vorrang eingeräumt, da er dem international gängigen „self-esteem“ am ehesten entspricht und darüber hinaus präziser ist (vgl. Schütz, 2003). Der Meinung der Autorin wird sich in der vorliegenden Arbeit angeschlossen und überwiegend der Begriff Selbstwertschätzung verwendet. Vereinzelt wird auf die Begriffe Selbstwert und Selbstwertgefühl zurückgegriffen, um den Inhalt älterer Forschungsstudien deutlich zu machen.

3.3.2 Globale vs. bereichsspezifische Selbstwertschätzung

Die Selbstwertschätzung wird unterteilt in globale und bereichsspezifische Selbstwertschätzung. In der Vergangenheit kam verstärkt der globalen Selbstwertschätzung Aufmerksamkeit zu. Als wegweisend ist die Veröffentlichung von Rosenberg (1965). Im Gegensatz dazu wurde der Forschungsstrang zur bereichsspezifischen Selbstwertschätzung vor allem durch die Revision der Janis-Field Feelings of Inadequancy Scale (Janis & Field, 1959) durch Fleming und Courtney (1984) angeregt. Bereits acht Jahre zuvor schlugen Shavelson, Hubner und Stanton (1976) aufgrund empirischer Untersuchungen ein hierarchisches Mehr-Facettenmodell des Selbstkonzeptes vor (vgl. Abschnitt 3.2). Allen multidimensionalen Modellen ist gemeinsam, dass sie das Konstrukt der globalen Selbstwertschätzung beinhalten (Harter, 2003). Ausgangspunkt zur Annahme eines Mehr-Facettenmodells der Selbstwertschätzung war die Überlegung, dass Personen in verschiedenen Dimensionen ihrer Selbstwertschätzung unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. So wurde vermutet, dass sich manche Personen in Bezug auf ihr körperliches Erscheinungsbild überaus positiv einschätzen, jedoch ihre kognitiven Fähigkeiten als unzureichend beurteilten. Differenziert wurden zunächst akademische und non-akademische Teilkomponenten. Letztgenannte wurden weiter unterteilt in eine soziale, emotionale und physische Komponente der Selbstwertschätzung. Abbildung 1 zeigt zur Veranschaulichung eine Anlehnung an das Modell von Shavelson, Hubner und Stanton (1976) in dem auf der ersten Ebene ein Generalfaktor und auf der zweiten Ebene einzelne gleichberechtigte Teilkomponenten aufgeführt sind. In einer weiteren Ebene werden die Facetten noch weiter differenziert.

Andere Autoren kommen zu ähnlichen Befunden zur Mehrdimensionalität der Selbstwertschätzung (vgl. Fleming & Watts, 1980; Deusinger, 1986; Fleming & Courtney, 1984, Marsh, Byrne & Shavelson, 1992). Wie Schütz und Sellin (in Vorbereitung) bereits festgestellt haben, besteht bei den Untersuchungen zum Selbstkonzept, Uneinigkeit darüber, welche Einzelfaktoren zu unterscheiden und wie diese strukturiert sind. Des Weiteren ist unklar, welche Bedeutung die jeweilige Facette hat. Insofern bleibt die Frage nach der Gewichtung der Dimensionen offen (vgl. Marsh, 1995; Pelham, 1995). Weiterhin ist ungeklärt, ob die allgemeine die bereichsspezifische Selbstwertschätzung beeinflusst oder vice versa (Harter, 1990; Marsh, Walker & Debus, 1991).

Abbildung 1 : Beispiel für die hierarchische Organisation des Selbstkonzeptes in Anlehnung an Shavelson, Hubner & Stanton (1976); entnommen aus der Handanweisung zur MSWS von Schütz und Sellin (in Vorbereitung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3.3 Messung der Selbstwertschätzung

Die Selbstwertschätzung als Persönlichkeitsvariable wird meist mit Hilfe von standardisierten Selbstbeschreibungsfragebögen erhoben. Entsprechende Skalen liegen in einer Vielzahl vor und einige sollen hier exemplarisch genannt werden. Im englischen Sprachraum kommt vor allem die Self-Esteem Scale von Rosenberg (1965), der Self-Esteem Inventory von Coopersmith (1967, 1975), der Self-Concept Inventory von Sears (1972), die Multidimensional Self-Concept Scale von Fleming und Courtney (1984) und die Self-Esteem Scale von Badura (1992) Bedeutung zu. Einen Überblick zu den Verfahren bietet die Arbeit von Blascovich und Tomaka (1991). Im deutschsprachigen Raum werden vielfach die deutsche Version der Selbstkonzeptskala von Harter (Asendorpf & van Aken, 1994) und die Rosenberg-Skala (Rosenberg, 1965) verwendet. Darüber hinaus ist die Frankfurter Selbstkonzeptskala (Deusinger, 1986) zu nennen, die unterschiedliche Bereiche des Selbstkonzeptes sowie die Selbstwertschätzung erfasst. Hormuth und Otto (1996) geben einen Überblick über den Einsatz der Skalen. Bisher fehlte im deutschen Sprachraum eine Skala zur Erfassung unterschiedlicher Facetten der Selbstwertschätzung. Diese Lücke wird mit der deutschen Version der MSWS von Schütz und Sellin (in Vorbereitung) geschlossen. Die MSWS wird im nächsten Abschnitt detailliert betrachtet und auf deren Validierung eingegangen.

3.4 Herleitung der Hypothesen zur Validierung der MSWS

Die Validierung der MSWS an einer Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen stützt sich zum einen auf die empirisch gefundenen Gütekriterien der MSWS an der Normstichprobe, die in der Handanweisung berichtet wurden, und zum anderen auf den Vergleich der bereichsspezifischen Selbstwertschätzung zwischen der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen und der Normstichprobe. Am Ende eines jeden Abschnittes steht die Fragestellung. Eine Zusammenstellung aller Hypothesen dieser Arbeit findet sich in Abschnitt 3.6, der den theoretischen Teil dieser Arbeit abschließt.

3.4.1 Die MSWS

Mit Hilfe der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS, Schütz & Sellin, in Vorbereitung) können unterschiedliche Facetten der Selbstwertschätzung erfasst werden. Vorläufer der Skala ist die Feelings of Inadequacy Scale von Janis und Field (1959). Sie erfasst Facetten der Selbstwertschätzung und wurde revidiert und weiterentwickelt. Bei der Mutidimensional Self-Concept Scale (MSCS) von Fleming und Watts (1980) handelt es sich um eine dieser Weiterentwicklungen, die ursprünglich für den Einsatz an Studierenden konstruiert wurde. In Faktorenanalysen wurden drei Faktoren gefunden, die sich inhaltlich auf schulische/akademische Fähigkeiten, individuelle und soziale Selbstwertschätzung beziehen. Die beiden letztgenannten wurden zur non-akademischen Selbstwertschätzung zusammengefasst. Die Autoren ergänzten entsprechend dem Modell von Shavelson, Hubner und Stanton (1976; vgl. Abbildung 1) weitere Items und eliminierten oder reformulierten Items. Insbesondere die physische Komponente wurde durch weitere Items ergänzt. Ziel der Itemveränderung und -ergänzung war, eine möglichst große Annäherung an das multidimensionale und hierarchische Modell von Shavelson et al. (1976) zu erreichen. Endergebnis der Itemanpassung waren fünf theoretisch hergeleitete Subskalenbereiche mit insgesamt 36 Items: Emotionale Selbstwertschätzung, Sozialbereich, Leistungsbereich, Physische Attraktivität und Koordination. Der Sozialbereich wurde in zwei Teilkomponenten gegliedert. Um nahe am zugrunde liegenden Modell von Shalvelson et al. (1976) zu bleiben, wurden allerdings diese Teilkomponenten von den Autoren nicht berücksichtigt. Deren Ergebnisse zur Skalenkonstruktion bilden die Basis für die Entwicklung der MSWS (Schütz & Sellin, in Vorbereitung). Veränderungen finden sich in der Skalenlänge, Itemstruktur und -formulierung. Die Autorinnen überprüften die Skalenstruktur und konnten im Subskalenbereich der Sozialen Selbstwertschätzung zwei Faktoren finden, wie schon bei Fleming und Courtney (1984) angezeigt wurde. Diese wurden in Soziale Selbstwertschätzung, Umgang mit Kritik und Sicherheit im Kontakt benannt. Darüber hinaus wurde der Einsatzbereich auf andere als studentische Populationen erweitert. Dies wird vor allem im Bereich der Leistungsbezogenen Selbstwertschätzung deutlich, deren Items allgemeiner formuliert wurden und sich weniger stark am Erfahrungshorizont Studierender orientierten. Inhaltlich repräsentieren die 32 Items der sechs Subskalen folgende Dimensionen der Selbstwertschätzung. Items der emotionalen Selbstwertschätzung fragen nach der allgemeinen Selbstakzeptanz, der Selbstzufriedenheit und nach positiven Einstellungen und Gefühlen zur eigenen Person. Die Soziale Selbstwertschätzung – Sicherheit im Kontakt – fragt danach, wie sicher sich eine Person im sozialen Kontakt fühlt, ob die Person Hemmungen im Umgang mit anderen hat und sich im Kontakt mit diesen wohl fühlt. Die Items der Subskala soziale Selbstwertschätzung – Umgang mit Kritik – erfasst, ob eine Person sich wenig Sorgen darüber macht, was andere von ihr denken und eine negative Meinung von ihr haben könnten. Die Items der Leistungsbezogenen Selbstwertschätzung fragen nach den Überzeugungen zu beruflichen und fachlichen Fähigkeiten. Die physische Selbstwertschätzung – Attraktivität – fragt nach der Zufriedenheit mit dem Aussehen und dem Körper und die Selbstwertschätzung zur Sportlichkeit fragt letztlich nach den Überzeugungen zu sportlichen Fähigkeiten und der Koordination.

Zur Veranschaulichung der Struktur der MSWS dient darüber hinaus die nachfolgende Tabelle 1.

Tabelle 1 : Skalenbezeichnungen, Skalenabkürzungen, dazugehörige Zusammensetzung, Itemzahl und Beispielitems der Subskalen der MSWS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4.1.1 Itemkennwerte

Die Autorinnen Schütz und Sellin (in Vorbereitung) berichten im Zusammenhang mit der Itemanalyse der MSWS folgende Kennwerte: Mittelwert, Standardabweichung, Trennschärfe, Alpha (wenn Item gelöscht) jedes Items. Die Mittelwerte schwanken zwischen 3.60 (SWSP12) und 6.00 (ESWS01). Die Itemstreuung der Items variieren von 1.26 (LSWS09) bis 1.89 (SWSP15). Bei der Trennschärfeanalyse zeigten sich Werte zwischen .41 und .75. Darüber hinaus wurde angegeben, wie sich die interne Konsistenz eines jeden Items der Subskalenbereiche ändern würde, wenn dieses Item aus dem entsprechenden Subskalenbereich eliminiert werden würde. Angegeben wurden Werte zwischen .66 und .85. Bezogen auf die Itemkennwerte wird folgende Fragestelle formuliert:

H1: Die gefundenen Itemkennwerte für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen sollten denen der Normstichprobe ähneln.

3.4.1.2 Interne Konsistenz

An der Normstichprobe wurde die interne Konsistenz der MSWS untersucht. Sie wurde als befriedigend bis gut beurteilt. Interne Konsistenzen zwischen .75 und .87 wurden für die Subskalen berichtet. Die übergeordneten Skalen zeigten Werte zwischen .85 und .93. Nach der allgemeinen Konvention von Fisseni (2004) liegen somit mittlere bis hohe Reliabiltätskoeffizienten für die MSWS vor. Ausnahmen bilden mit niedrigen Koeffizienten für die interne Konsistenz die beiden Subskalen der Leistungsbezogenen Selbstwertschätzung (LSWS) mit .75 und der Selbstwertschätzung Sportlichkeit (SWSP) mit .78. Die Ergebnisse der Handanweisung werden einer vergleichenden Betrachtung mit den Ergebnissen der Reliabiltätsuntersuchung an der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen unterzogen und damit folgende Hypothese abgeleitet:

H2: In der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen werden ähnliche

Werte in der Ausprägung der Reliabilitätskoeffizienten, wie in der

Normstichprobe erwartet.

3.4.1.3 Skaleninterkorrelation

Alle Subskalen der MSWS korrelieren hoch miteinander. Dies spricht für eine starke Verbundenheit der Subskalen. In der Handanweisung wurden positive Korrelationen innerhalb der Subskalenbereiche von .26 bis .68 berichtet und in den übergeordneten Skalen zeigten sich positive Korrelationen zwischen .41 und .87. Ob sich diese Beziehung zwischen den Subskalen in der Untersuchungsstichprobe finden lässt, soll hier überprüft werden.

H3: Vermutet wird, dass korrelative Zusammenhänge ähnlich den gefundenen

empirischen Daten zu den Skalenbereichen für die Normstichprobe in der Untersuchungsstichprobe gezeigt werden können.

3.4.1.4 Faktorenstruktur

In Abbildung 2 findet sich der hierarchische Aufbau der MSWS (Schütz & Sellin, in Vorbereitung). Wie sich zeigt, handelt es sich um sechs Subskalen, die verschiedene Facetten der Selbstwertschätzung erfassen. Die Subskala Gesamtselbstwert setzt sich aus den Subskalen Allgemeine und Körperbezogene Selbstwertschätzung zusammen. Die Subskala Allgemeine Selbstwertschätzung untergliedert sich insgesamt in vier Subskalenbereiche und die Subskala Körperbezogene Selbstwertschätzung in zwei. Die Subskala Allgemeine Selbstwertschätzung umfasst die emotionale, soziale (Sicherheit im Kontakt/Umgang mit Kritik) und leistungsbezogene Selbstwertschätzung. Die Subskala Körperbezogene Selbstwertschätzung subsumiert die Selbstwertschätzung der physischen Attraktivität und der Sportlichkeit.

Abbildung 2 : Hierarchischer Aufbau der MSWS in Anlehung an Schütz und Sellin (in Vorbereitung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entsprechend der Handanweisung ist von der Eindimensionalität aller Subskalen auszugehen. Die Subskalen der MSWS wurden aus einem Itempool gewonnen und konnten durch faktorenanalytische Verfahren extrahiert werden. Die Auswertung hat gezeigt, dass alle Items hoch auf den jeweiligen Subskalenfaktor laden. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die empirisch gefundenen Faktoren die theoretisch vorgesehenen Items laden.

H4: Dahinter soll die Annahme geprüft werden, ob sich entsprechend der Handanweisung die sechs empirisch gefundenen Faktoren, die mit den Subskalen korrespondieren auch für die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen extrahieren lassen.

3.4.1.5 Korrelationen zu demographischen Variablen

In der Handanweisung wurden korrelative Beziehungen aller Skalenbereiche der MSWS mit demographischen Variablen der Normstichprobe berichtet. Zum Geschlecht fanden sich durchweg positive Korrelationen von .06 (SWKO) bis zu .26 (KSW). Darüber hinaus erbrachte ein Mittelwertsvergleich in einigen Subskalen signifikante Geschlechtsunterschiede. Demnach findet sich eine höhere Selbstwertschätzung für Männer als für Frauen. Bei den Altersgruppen zeigten sich überwiegend niedrige positive Korrelationen. Ein Mittelwertvergleich zwischen den Altersgruppen erbrachte jedoch keine signifikanten Gruppenunterschiede. Das Bildungsniveau wurde zum einen über den Schulabschluss und zum anderen über die Berufsausbildung ermittelt. Zum Schulabschluss zeigte sich ein Muster mit sehr schwach positiven und negativen Zusammenhängen (-.09, SWKR bis .05 ASW). Somit finden sich kaum korrelative Beziehungen zwischen dem Schulabschluss und dem Niveau der Selbstwertschätzung. Das gleiche Muster zeigte sich für die Berufsausbildung. Hier wurden sehr schwache Zusammenhänge zwischen den Skalenbereichen und der Berufsausbildung berichtet (.-01, SWSP bis .06 LSWS).

H5: Bezogen auf die Untersuchungsstichprobe werden ähnliche korrelative

Zusammenhänge zwischen dem Skalenbereich und den demographischen Variablen Geschlecht, Altersgruppen, Schulabschluss und Berufsausbildung wie für die Normstichprobe erwartet.

3.4.1.6 Konvergente Validität

Korrelationen wurden zwischen der MSWS mit der Rosenberg-Selbstwertskala (Ferring & Fillipp, 1996; revidiert von von Collani & Herzberg, 2003) ermittelt. Zur konvergenten Validität, die für die Normstichprobe ermittelt wurde, ergaben sich moderate bis hohe Korrelationen.

H6: Angenommen wird, dass alle Skalenbereiche der Multidimensionalen

Selbstwertskala (Schütz & Sellin, in Vorbereitung) mit der Rosenberg-Skala (von Collani & Herzberg, 2003) positiv korrelieren.

3.4.2 Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen

Der Vergleich der Selbstwertschätzung zwischen der Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen und der Normstichprobe stellt einen wesentlichen Beitrag zur Validierung der Multidimensionalen Selbstwertskala (Schütz & Sellin, in Vorbereitung) dar. Eine Validierungsuntersuchung zur MSWS an einer klinischen Stichprobe liegt bereits von Frank Rüdel (2003) vor. Da die Validierung in der vorliegenden Arbeit an einer Extremgruppe erwerbsloser Personen erfolgt, soll im Weiteren auf die Selbstwertschätzung in der Erwerbslosigkeit eingegangen werden.

Erste Meta-Analysen belegen, dass ein Belastungseffekt durch Erwerbslosigkeit existiert (z. B. Murphy & Athanasou, 1999; Moser & Paul, 2001). Bezogen auf die Selbstwertschätzung lassen Studienergebnisse den Schluss zu, dass die Selbstwertschätzung während der Erwerbslosigkeit vermindert ist (vgl. Martella & Maass, 2000; Wacker & Kolobkova, 2000; Warr, 1987; Jackson & Warr, 1984; Feather, 1982). Dies wurde bereits vor fast siebzig Jahren in einem Sammelreferat von Eisenberg und Lazarsfeld (1938) diskutiert. Schaufeli (1988) konnte in seiner Studie die Puffer-Hypothese des Selbstwertes bestätigen. Angenommen wurde, dass Selbstvertrauen die potentiell negativen Auswirkungen von Erwerbslosigkeit abfedern kann. Nachgewiesen wurde, dass Personen mit stärkerem Selbstvertrauen weniger negative Auswirkungen durch Erwerbslosigkeit berichten als Personen mit geringem Selbstvertrauen.

Nun könnte angenommen werden, dass Erwerbslosigkeit sich ausschließlich negativ auf das psychische Wohlbefinden und damit auf die Selbstwertschätzung auswirkt. Dies ist allerdings nicht der Fall. Somit zeigt sich kein einheitliches Bild vom positiven Zusammenhang des Erwerbsstatus mit der Selbstwertschätzung abzuzeichnen. Fryer (1988) beschreibt die Befundlage als „puzzling inconsistent“ (p. 214) und Wacker und Kolobkova (2000) sprechen bei der Durchsicht vorliegender empirischer Studien von einem „verwirrenden Eindruck“ (S. 70) der hinterlassen wird. Im Folgenden werden Studien aufgeführt, die als contraintuitiv zu bewerten sind und im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung die in der Forschungsliteratur zu finden ist, stehen, da deren Untersuchungsergebnisse entweder keinen Zusammenhang der Erwerbslosigkeit auf die Selbstwertschätzung oder gar einen Anstieg der Selbstwertschätzung in der Erwerbslosigkeit aufzeigen. So zeigte eine Studie von Cobb und Kasl (1977), dass die Selbstwertschätzung entlassener Arbeiter in den USA wider Erwarten anstieg. Hartley (1980) verglich den Selbstwert von arbeitslosen zu erwerbstätigen Managern und konnte zeigen, dass die Selbstwertschätzung der beiden Gruppen sich nicht unterschied, nicht einmal mit fortschreitender Dauer der Erwerbslosigkeit. Eine weitere Studie mit hoch gebildeten israelischen Erwerbstätigen und Arbeitlosen zeigte ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen Erwerbsstatus und Selbstwertschätzung (Shamir, 1986). Durch die gefundenen Ergebnisse nimmt der Autor Abstand von der Ansicht, Erwerbslosigkeit als traumatisches Ereignis zu sehen, und betrachtet den Selbstwert erwachsener Personen als stabile Persönlichkeitseigenschaft, die von den Auswirkungen der Erwerbslosigkeit weniger berührt bleibt, als bisher angenommen. Darüber hinaus führt er gesellschaftliche Veränderungen an, die eine Abkehr von Stigmatisierungsprozessen erkennen lassen. Erklärend bzw. einschränkend muss erwähnt werden, dass es sich bei der Stichprobe um hochqualifizierte Personen handelte, bei denen angenommen werden kann, dass sie in stärkerem Maße auf individuelle und materielle Ressourcen zurückgreifen konnten. Balz, Drewski, Schultz-Gambard und Mowka (1988) untersuchten die psychischen Auswirkungen andauernder Erwerbslosigkeit. In einer Längsschnittsstudie befragten sie Arbeitslose zweimal im Abstand von einem Jahr. Ein überraschendes Untersuchungsergebnis liegt insofern vor, da Personen, die während des Erhebungszeitraums nicht wiederbeschäftigt waren, im Vergleich stärkere depressive Symptome, nicht jedoch geringere Selbstwertschätzung zeigten. Eine Steigerung der Selbstwertschätzung wurde berichtet für Personen, die an einem Trainingsprogramm zur Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt teilnahmen und zum zweiten Messzeitpunkt wiederbeschäftigt waren. Zu einem empfindlichen Verlust von Selbstwertschätzung kam es bei Personen, die an dem Trainingsprogramm teilnahmen, aber nach einem Jahr keine Wiederbeschäftigung fanden. Bei den anderen Untersuchungsgruppen zeigten sich keine vergleichbaren Effekte. Ähnlich wie bei Shamir (1986) wird das Ergebnis mit einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft bezüglich der Schuldzuschreibungen und Bewertung von Erwerbslosigkeit erklärt. Bonss, Keupp und Koenen (1984, S. 144) erklären dies mit einer nachlassenden „identitätsstiftenden Bedeutung der Berufsarbeit“. Als weiteres Indiz dieser Entwicklung dürften sich die Äußerung von Mutz et al. (1995) zur Normalisierung diskontinuierlicher Erwerbsverläufe sehen lassen. Die Autoren meinen, dass sich die Erwerbslosigkeit einreiht in Pausen zwischen Erwerbsarbeit und Übergangsphasen zwischen Ausbildung, Elternschaft, Fort- und Weiterbildung und Ruhestand oder bewusst genommener Auszeit.

Als Fazit lässt sich aus den gemachten Angaben ziehen: die Befunde zur Veränderung der Selbstwertschätzung sind sehr widersprüchlich. Einige Studien sprechen für eine Verschlechterung, andere konstatieren keine Veränderung und andere einer Erhöhung der Selbstwertschätzung. Ein entscheidender Faktor scheint zu sein, welche Gruppe erwerbsloser Personen untersucht wird. Zu den vorstehenden Befunden wird folgende Fragestellung abgeleitet:

H7: Die Untersuchungsstichprobe erwerbsloser Personen unterscheidet sich in

ihrer bereichsbezogenen Selbstwertschätzung von der Normstichprobe.

3.5 Mögliche Moderatorvariablen in der Erwerbslosigkeit

Wie sich bei der Durchsicht der Literatur zur Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen zeigte, finden sich einige Variablen, die den Einfluss auf die Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen moderieren (vgl. Winefield et al., 1990, Rowley & Feather, 1987).

Generell kann zur Erwerbslosigkeit gesagt werden: „…unemployment is a complex, multifaceted experience, richly embedded in a large matrix of other psychosocial variables and processes, and unlikely to have a uniform impact on all individuals“ (Kasl, Rodriguez & Lasch, 1998, S. 125 f.). Die Betroffenen reagieren nicht in gleicher Weise auf dieses Ereignis. Die Entschlüsselung der Vielfalt relevanter Moderatoren ist daher eine wichtige Aufgabe, denn verständlich werden die Reaktionen der Betroffenen erst vor dem Hindergrund der Besonderheit ihrer individuellen und sozialen Lage. Warr (1987) zählt mögliche Variablen auf, welche die Auswirkungen der Erwerbslosigkeit moderieren. Der Autor nennt unter anderem Alter, Geschlecht, Dauer der Erwerbslosigkeit, sozialen Status und Familienstand. Diese Variablen könnten dabei hilfreich sein, mehr über die Beziehung der Erwerbslosigkeit und der Selbstwertschätzung zu erfahren. Zur Hypothesenableitung wird im Folgenden auf empirische Befunde in der Erwerbslosigkeitsforschung eingegangen.

3.5.1 Alter

Empirische Befunde belegen, dass die psychische Belastung für junge erwerbslose Personen und kurz vor der Pensionierung stehende Arbeitslose geringer ist als für Personen des mittleren Alters (Broomhall & Winefield, 1990; Rowley & Feather, 1987; Brinkmann, 1984; Hepworth, 1980; Frese & Mohr, 1978; Daniel, 1974; Eisenberg & Lazarsfeld, 1938). Die 60- bis 64jährigen sind am wenigsten belastet; dann folgen die 16- bis 19jährigen und die 50- bis 59jährigen. Die höchste psychische Belastung durch Erwerbslosigkeit zeigt sich bei Personen, die zwischen 35-44 Jahre alt sind (Jackson & Warr, 1984). Eine Erklärung scheint darin begründet zu liegen, dass arbeitslose Personen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren eine ausgeprägte Berufs- und Arbeitsorientierung aufweisen sowie besonders eingebunden sind in ihrer familiären Pflichterfüllung, so dass Erwerbslosigkeit sowohl den Betroffenen als auch die Familienstruktur belastet. Die Gruppe der Älteren dagegen orientiert sich bereits auf das Rentenalter hin und ist von Erwerbslosigkeit weniger beeinträchtigt.

Darüber hinaus trifft es besonders erwerbslose junge Erwachsene. Die Erfahrung von Erwerbslosigkeit und die Nicht-Erfahrung von Erwerbsarbeit stellt für sie eine Sozialisationsbarriere dar, was sich in höheren Depressionswerten und einer verringerten Ausprägung der Selbstwertschätzung zeigt (Schober, 1987; Feather, 1982). Erwerbslosigkeit hat bei jungen Menschen nicht nur Auswirkungen auf die berufliche Karriere, sondern darüber hinaus auf alle Bereiche des sozialen Lebens. Erwerbslosigkeit bei Berufsanfängern kann für die weitere Berufslaufbahn als Folge von Stigmatisierungstendenzen eine bleibende Benachteiligung bedeuten (Blossfeld, 1985). Aus den empirischen Befunden zur psychischen Belastung in der Erwerbslosigkeit wird, bezogen auf die Selbstwertschätzung, folgende Hypothese abgeleitet:

H8: Altersgruppen erwerbsloser Personen (20 - 34, 35 - 44 sowie 45 - 59 Jahren) unterscheiden sich in ihrer Selbstwertschätzung.

3.5.2 Geschlecht

Eine meta-analytische Untersuchung zu Geschlechtsunterschieden in der Selbstwertschätzung berichtet von Differenzen zugunsten der Männer (Kling, Showers & Buswell, 1999). Diese fallen zwar gering aus, lassen sich in Studien allerdings regelmäßig finden. Demnach lässt sich wiederkehrend für Männer eine leicht höhere Selbstwertschätzung finden als für Frauen. Nun soll der Frage nachgegangen werden, ob sich dieses Muster ebenso bei erwerbslosen Männern und Frauen finden lässt. Allgemein lässt sich sagen, dass erwerbslose Personen psychisch stärker belastet sind als erwerbstätige Personen. Dies gilt für Männer und Frauen. Studien zeigen eine bessere psychosoziale Befindlichkeit von erwerbslosen Frauen zu erwerbslosen Männern (vgl. Najam, Ashraf, Nasreen, Bashir & Khan, 1996; Muller, Hicks & Winocur, 1993; Warr, Jackson & Banks, 1988, Brinkmann, 1976). Eine schlechtere Befindlichkeit für Frauen zeigt sich in einer Studie von Verkleij (1987) sowie Warr und Payne (1983). Ebenso berichtet Gurney (1980) eine signifikant geringere Selbstwertschätzung erwerbsloser im Verhältnis zu erwerbstätigen Frauen, nicht jedoch für Männer. Im Gegensatz dazu fanden Stokes und Cochrane keinen Unterschied in der Befindlichkeit erwerbsloser Männer und Frauen. Die Befunde weisen darauf hin, detaillierter zu prüfen, welche Attribute die Unterschiede in der Befindlichkeit beeinflussen. Empirische Befunde legen nahe, dass es kaum Unterschiede zwischen Männern und allein stehenden und allein verdienenden Frauen gibt (Mohr, 1997). Das Geschlecht wird eine relevante Moderatorvariable, wenn es mit bestimmten Rollenerwartungen verbunden ist. Erklärungen werden darin gesehen, dass die Familie für Frauen neben der Erwerbsarbeit ein alternatives Arbeitsfeld darstellt, welches die Belastungen der Erwerbslosigkeit dämpfen kann (vgl. Warr & Parry, 1982; Cohn, 1978; Brandes, 1977). Trotz der wenig eindeutigen Befundlage hält sich weiterhin in der Literatur vehement das Bild, dass Frauen im Allgemeinen von Erwerbslosigkeit weniger beeinträchtigt sein sollen als Männer. Aufgrund mangelnder Information über den Status der Frauen als Alleinverdienerin verbleibt die Fragestellung ungerichtet und unspezifisch:

H9: Erwerbslose Männer und Frauen unterscheiden sich in der Höhe ihrer Selbstwertschätzung.

3.5.3 Sozialer Status

Twenge und Campbell (2002) fanden in einer Meta-Analyse heraus, dass der sozioökonomische Status niedrig doch signifikant positiv mit der Selbstwertschätzung zusammenhängt. Um den sozialen Status anzuzeigen, wurden in der Forschung eine Reihe unterschiedlicher Variablen herangezogen. In der vorliegenden Untersuchung wird der soziale Status zum einen durch den Schulabschluss und zum anderen durch die Berufsausbildung operationalisiert. Fröhlich (1979) zeigte, dass Erwerbslosigkeit für Angehörige unterer Berufsgruppen als selbstwertbedrohlicher empfunden wurde als für Arbeitslose aus höherqualifizierten Berufen. Ohne explizit auf die Selbstwertschätzung einzugehen konstatierte Marie Jahoda (1983), eine Pionierin der psychologischen Erwerbslosigkeitsforschung, dass Personen mit höherer Bildung Erwerbslosigkeit eher verkraften würden als andere. Erklärungsversuche liegen in der Annahme, dass Personen mit höherem Status über bessere Bewältigungsstrategien verfügen (Hepworth, 1980; Verklej, 1987).

Warr (1987), Warr und Payne (1983) konnten dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und der Betroffenheit der Arbeitslosen nachweisen. Zu ähnlichen Ergebnissen führten die Untersuchungen von Brinkmann (1976), Frese und Mohr (1978) und Payne, Warr & Hartley (1984). In Einklang damit stehen die Ergebnisse von Hartley (1980). Sie fand keinen Unterschied im Selbstwert zwischen arbeitslosen und beschäftigten Managern.

Trotz der uneinheitlichen empirischen Evidenzen liegt die Tendenz vor, dass das Ausmaß an Belastungen bei Arbeitern höher einzuschätzen ist als bei höherqualifizierten Erwerbslosen (Kieselbach & Schindler, 1984). Aufgrund der allgemeinen psychischen Belastungen durch die Erwerbslosigkeit werden ähnliche Ergebnisse für die Selbstwertschätzung erwerbsloser Personen erwartet und folgende Fragestellung zum sozialen Status formuliert:

H10: Erwerbslose Personen mit unterschiedlichen sozialen Status unterscheiden

sich in ihrer Selbstwertschätzung.

3.5.4 Dauer der Erwerbslosigkeit

Je länger ein als negativ erlebter Zustand anhält, desto schädigender wird dieser empfunden. Dies scheint sich allerdings bei der Erwerbslosigkeit komplexer zu gestalten. Eine Studie, die das Alter und die Dauer der Erwerbslosigkeit untersuchten, liegt von Warr und Jackson (1984) vor. Der Altersrange ihrer Stichprobe liegt zwischen 16 und 64 Jahren, die in zehn unterschiedliche Altersgruppen eingeteilt wurden. Die Dauer der Erwerbslosigkeit wurde in sechs Stufen unterteilt. In weniger als ein Monat, ein bis zwei Monate, zwei bis drei Monate, drei bis sechs Monate, sechs bis zwölf Monate und mehr als ein Jahr. Die Autoren berichten, dass innerhalb des ersten Monats die psychische Gesundheit Arbeitsloser im Vergleich zu erwerbstätigen Personen schlechter war. Weiter wurde von einer kleinen aber nicht signifikanten Verbesserung zwischen dem zweiten und dritten Monat und von einer Verschlechterung, die ab dem sechsten Monat stabil bleibt, berichtet. Daraus wird, in Anlehnung an die Operationalisierung von Warr und Jackson (1984) folgende Fragestellung abgeleitet:

H11: Erwerbslose Personen, die unterschiedlich lange erwerbslos sind,

unterscheiden sich in ihrer Selbstwertschätzung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 98 Seiten

Details

Titel
Selbstwertschätzung und Arbeitslosigkeit, Validierung der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS)
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Psychologie)
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
98
Katalognummer
V42152
ISBN (eBook)
9783638402545
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstwertschätzung, Arbeitslosigkeit, Validierung, Multidimensionalen, Selbstwertskala
Arbeit zitieren
Bettina Ehrnsperger (Autor), 2005, Selbstwertschätzung und Arbeitslosigkeit, Validierung der Multidimensionalen Selbstwertskala (MSWS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42152

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