Koordination und Koordinationstraining


Hausarbeit, 2001

12 Seiten, Note: bestanden (unbenotet)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Erste Annäherung an den Begriff Bewegungskoordination

2 Abgrenzung von Bewegungskoordination zu ähnlichen Begriffen

3 Bewegungskoordination aus unterschiedlichen Perspektiven

4 Theoretische Modelle zur Bewegungskoordination:

5 Strukturmodell zu koordinativen Anforderungskategorien

6 Koordinationstraining

7 Literatur

1 Erste Annäherung an den Begriff Bewegungskoordination

Eine einheitliche Begriffsbestimmung von Bewegungskoordination existiert nicht. Die bisherigen Zugangsweisen sind meist am spezifischen Erkenntnisinteresse und an den einzelnen Fachwissenschaften orientiert. Nur vereinzelt gibt es integrative Sichtweisen, die die Fachwissenschaften (Biomechanik, Physiologie, etc.) verbinden und auch die Sportpraxis einschließen. Dieses Phänomen hat zur Folge, dass es viele unterschiedliche Begriffsdefinitionen und Auffassungen von Bewegungskoordination gibt.[1]

Um den Begriff der Bewegungskoordination dennoch etwas allgemeiner/einheitlicher fassen zu können, ist es wichtig zunächst einmal den Terminus Koordination genauer zu definieren.

Das Wort Koordination stammt vom lateinischen „cum ordo“ ab und bedeutet „mit Ordnung“. Das heißt, „koordiniert ist das, was nach einer Ordnung abläuft. Ordnung setzt Vorschriften und Richtlinien voraus, nach denen eine Aktion abläuft.“[2]

Trotz der zahlreichen unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Bewegungskoordination liegt vielen eine gewisse Kernaussage zugrunde:

Das Phänomen Bewegungskoordination ist nur verständlich und erklärbar unter Berücksichtigung der konkreten Bewegungsaufgabe. Die Koordination der Bewegung und alle damit verbundenen Prozesse richten sich auf die Lösung einer konkreten motorischen Aufgabenstellung. Dies ist im eigentlichen Sinn des Wortes Koordinieren zu verstehen als Abstimmen, Organisieren eines Prozesses zur Erreichung eines Ziels. Ohne Zielorientierung kann nichts koordiniert werden, weil gar nicht klar ist, woraufhin koordiniert werden soll.[3]

2 Abgrenzung von Bewegungskoordination zu ähnlichen Begriffen

Bewegungskoordination wird häufig mit den Begriffen Bewegungsregulation, -steuerung, -organisation, und Bewegungshandlung in Verbindung gesetzt und teilweise sogar verwechselt. Im Folgenden soll daher eine begriffliche Präzisierung bzw. Abgrenzung vorgenommen werden.

Bewegungskoordination vs. Bewegungsregulation: Schnabel e.a. sehen keine großen Bedeutungsunterschiede, bevorzugen aber Bewegungskoordination. Einwand: Regelungsprozesse spielen zwar eine sehr große Rolle, stellen aber nur eines von mehreren Ordnungs- bzw. Organisationsprinzipien im Koordinationsprozess dar.

Exkurs: Organisationsprinzipien des Bewegungshandelns

- Die Organisation der Bewegung auf den Grundlage kybernetischer Prozesse (Regelkreissysteme), Verringerung von motorischen Ist-Sollwert Differenzen, Optimierung von Regelungsvorgängen;
- Die intentionale Bewegungsorganisation basierend auf Bewegungsrepräsentationen (interne Modellbildung), zweckbezogen verkürzte, subjektive, innere Modelle werden gebildet;
- Die Organisation des Bewegungsverhaltens durch ökologische Bewegungsangebote (Affordanzen), Wahrnehmung der Umwelt als Bestimmungsgröße;
- Die Selbstorganisation der Bewegungsausführung (synergetische Prozesse), Selbstorganisation der Bewegungskoordination bedeutet, dass Bewegungsstrukturen aus dem Zusammenspiel vieler Komponenten des sensomotorischen Systems entstehen, ohne dass dazu ein spezifischer Ordnungseinfluss von außen und eine explizite intentionale Kontrolle nötig wären.[4]

Bewegungskoordination vs. Bewegungssteuerung: Steuerungsprozesse sind sicherlich bei Bewegungsausführungen, die ohne Einbeziehung von Rückinformationen ablaufen müssen, grundlegend und dürfen daher nicht außer Acht gelassen werden. Sie werden aber auch als eines der Ordnungsprinzipien der Bewegungskoordination untergeordnet.

Bewegungskoordination vs. Bewegungsorganisation: Diese Begriffe sind nicht scharf voneinander abzugrenzen. Bewegungsorganisation kann als Synonym zu Bewegungskoordination gesehen werden.

Bewegungskoordination vs. Bewegungshandlung: Bewegungshandlung umfasst die Phasen Vorbereitung, Durchführung und Handlungsbewertung und ist damit umfassender als die Bewegungskoordination, die sich lediglich auf die ersten beiden Handlungsphasen beschränkt.[5]

Nach diesen Ausführungen gilt also folgendes Grundverständnis:

„Bewegungskoordination ist die Ordnung, die Organisation von Bewegungen und damit auch der zugrundeliegenden inneren Prozesse der Vorbereitung (Orientierung, Planung), der Steuerung und der Regelung (Kontrolle) in Ausrichtung auf ein Ziel bzw. einen Zweck. Die Bewegungskoordination ist Bestandteil der Bewegungshandlung.“[6] Zu den Phasen der Vorbereitung und Durchführung, die beide zur Bewegungshandlung zählen, kommt bei der Bewegungskoordination noch die Phase der Bewertung.

3 Bewegungskoordination aus unterschiedlichen Perspektiven

Erkenntnisse über die Bewegungskoordination sind abhängig vom jeweiligen Analyseinteresse und der wissenschaftlichen Position des Betrachters. Dabei kann sich die Analyse mehr auf das äußere Erscheinungsbild der Bewegung oder auf dessen innere Ursachen richten. Man unterscheidet hierbei in die morphologische, biomechanische, neurophysiologische und handlungstheoretische Betrachtung.

Morphologische Betrachtung (Qualitative Betrachtung des äußeren Erscheinungsbildes des Bewegungsablaufes):

Als Morphologie versteht man die Formen- und Gestaltenlehre. Unter diesem Gesichtspunkt geht es bei der morphologischen Betrachtung um das äußere Erscheinungsbild der Bewegung, also die äußerlich wahrnehmbare Seite von Bewegungsformen. Man konzentriert sich dabei auf Bewegungsrhythmus,
-Koppelung, -fluss, -präzision, -konstanz, -umfang, -tempo und –stärke. Ein Kritikpunkt der morphologischen Betrachtung ist die mögliche Subjektivität der Betrachtungsergebnisse.[7]

Biomechanische Betrachtung (Quantitative Aspekte des äußeren Bewegungsbildes und dessen innere biologische und physikalische Ursachen aus der Außenperspektive):

Aus Sicht der Biomechanik stellt die Frage nach den physikalischen Voraussetzungen und Bedingungen, von denen die Lösung einer Bewegungsaufgabe und damit die Koordinationsschwierigkeit abhängt. Diese sind insbesondere:

1. die zu erzeugenden bzw. auszunutzenden Kräfte.
2. die Kontrolle der Freiheitsgrade des Bewegungssystems. Der menschliche Körper besteht aus vielen Gliedern, die in einer kinematischen Kette über Gelenke miteinander verbunden sind. Die Bewegungsmöglichkeiten dieser Kette werden von der Anzahl der Gelenke und der Gelenkbeschaffenheit bestimmt. Die Summe aller Bewegungsmöglichkeiten nennt man Freiheitsgrade.
3. die Wechselwirkungen innerhalb des Bewegungssystems. Jede einzelne Muskelkontraktion wirkt sich auf die Koordination der Gesamtbewegung des Körpers aus; auf die Veränderung jeder winzigen Kleinigkeit antwortet die Bewegung als Ganzes.
4. die Bewältigung des Gleichgewichtproblems. Der menschliche Körper befindet sich in vielen Situationen in einer labilen Gleichgewichtslage, so dass ein Regulationsprozess für die Gleichgewichtserhaltung fast ständig nötig ist.[8]

Neurophysiologische Betrachtung (Innere biologisch-physiologische Aspekte aus der Außensicht):

Unter neurophysiologischem Gesichtspunkt interessiert der Zusammenhang zwischen Muskelkraft und den nicht mechanischen Größen wie Innervationszustand, Reizung, etc.. Selbstverständlich schließt eigentlich auch die Biomechanik physiologische Argumente und Analysen mit ein. Eine gesonderte Besprechung erfolgt nur aus Gründen der Systematik.[9]

[...]


[1] Vgl. Neumaier 1999, S. 9

[2] Vele 1989, S. 32

[3] vgl. Neumaier 1999, S. 10

[4] vgl. Neumaier 1999, S. 77

[5] vgl. Neumaier 1999, S. 10 ff

[6] Neumaier 1999, S. 13

[7] Neumaier 1999, S. 18 ff

[8] Neumaier 1999, S. 22 ff

[9] vgl. Neumaier 1999, S. 40 ff

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Koordination und Koordinationstraining
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
bestanden (unbenotet)
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V42155
ISBN (eBook)
9783638402569
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koordination, Koordinationstraining
Arbeit zitieren
Jan Streckfuß (Autor), 2001, Koordination und Koordinationstraining, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42155

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