Das Ziel meiner Arbeit ist die Herleitung des schlechten Gewissens aus der zweiten Abhandlung „Schuld, schlechtes Gewissen und Verwandtes“. Diese umfasst nach einem einleitenden Teil, in dem Nietzsche die Möglichkeit eines guten Gewissens durch ein “souveraines Individuum“ darlegt (Abschnitt 1-3), einen ausführlichen Teil über die Herleitung des schlechten Gewissens (Abschnitt 4-21) sowie einen Schlussteil, in dem er die Möglichkeit eines vom schlechten Gewissen befreiten Menschens aufzeigt.
Ich werde die Entwicklung des Gewissens zum schlechten Gewissen verfolgen und die Umstände darlegen, die dazu führten. Dazu werde ich mich entlang der einzelnen Abschnitte bewegen, ohne Sekundärliteratur mit einzubeziehen. Eine Herleitung direkt aus dem Text scheint mir das sinnvollste zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Vergessen und Versprechen
2.2 Das Gewissen
2.3 Die Strafe
2.3.1 Ursprünglicher Zweck der Strafe
2.3.2 Gläubiger und Schuldner
2.3.3 Recht und Gemeinschaft
2.3.4 Gerechtigkeit
2.3.5 Schlussfolgerungen über die Strafe
2.4 Die Herkunft des schlechten Gewissens
2.4.1 Das schlechte Gewissen als Krankheit
2.4.2 Die Ursache in der Gesellschaft
2.4.3 Die Schuld gegenüber Gott
2.4.4 Synthese von Schuld und schlechtem Gewissen
3 Schlussbemerkung
4 Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist die Herleitung der Entstehung des schlechten Gewissens basierend auf der zweiten Abhandlung von Friedrich Nietzsches Werk „Zur Genealogie der Moral“. Die Untersuchung analysiert die Transformation von menschlichen Instinkten und die Rolle der Gesellschaft bei der Verinnerlichung von Verantwortung.
- Die psychologische Entwicklung vom aktiven Vergessen zum Gedächtnis.
- Die Rolle der Strafe als Konditionierungsmittel in der Frühgeschichte.
- Das Vertragsverhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner als Ursprung moralischer Schuld.
- Der Einfluss der gesellschaftlichen Zwangsjacke auf die Verdrängung natürlicher Triebe.
- Die Verbindung von Schuld gegenüber Vorfahren und die Entstehung des christlichen Gottesbegriffs.
Auszug aus dem Buch
2.3.3 Recht und Gemeinschaft
Das Prinzip der Bestrafung durch den Gläubiger lässt sich auch über die Ebene des Ausgleiches zwischen zwei Personen heben. Auch die Menschen als Gemeinschaft, von Nietzsche Gemeinwesen genannt, können Abtrünnige bestrafen:
„Man lebt in einem Gemeinwesen, man geniesst die Vortheile eines Gemeinwesens (oh was für Vortheile! wir unterschätzen es heute mitunter), man wohnt geschützt, geschont, im Frieden und Vertrauen, sorglos in Hinsicht auf gewisse Schädigungen und Feindseligkeiten, denen der Mensch ausserhalb, der »Friedlose«, ausgesetzt ist […]. Was wird im andren Fall geschehn? Die Gemeinschaft, der getäuschte Gläubiger, wird sich bezahlt machen, so gut er kann, darauf darf man rechnen. Es handelt sich hier am wenigsten um den unmittelbaren Schaden, den der Schädiger angestiftet hat: von ihm noch abgesehn, ist der Verbrecher vor allem ein »Brecher«, ein Vertrags- und Wortbrüchiger gegen das Ganze, in Bezug auf alle Güter und Annehmlichkeiten des Gemeinlebens, an denen er bis dahin Antheil gehabt hat. Der Verbrecher ist ein Schuldner, der die ihm erwiesenen Vortheile und Vorschüsse nicht nur nicht zurückzahlt, sondern sich sogar an seinem Gläubiger vergreift: daher geht er von nun an, wie billig, nicht nur aller dieser Güter und Vortheile verlustig, – er wird vielmehr jetzt daran erinnert, was es mit diesen Gütern auf sich hat. Der Zorn des geschädigten Gläubigers, des Gemeinwesens giebt ihn dem wilden und vogelfreien Zustande wieder zurück, vor dem er bisher behütet war: es stösst ihn von sich, – und nun darf sich jede Art Feindseligkeit an ihm auslassen.“
Derjenige, der sich gegen die Gesetze des Gemeinwesens stellt, das Recht bricht, ist also der Schuldner, der sich gegenüber der Masse schuldig gemacht hat. Wie Nietzsche sagt, kommt es hierbei nicht so sehr auf die Tat selbst an, sondern auf den Umstand, dass jemand überhaupt gegen das Gemeinwesen handelt. Dieser Schuldner wird von der Gemeinschaft ausgeschlossen und verliert alle Privilegien, die er innerhalb derer genossen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Sektion definiert das Ziel der Arbeit, die Herleitung des schlechten Gewissens direkt aus Nietzsches Primärtext ohne Hinzuziehung von Sekundärliteratur zu verfolgen.
2 Hauptteil: Dieser zentrale Bereich untersucht die Entstehung des Gewissens durch das Erlernen des Versprechens, die Funktion der Strafe und die soziologische Verdrängung der Instinkte, die letztlich zum schlechten Gewissen führen.
3 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion darüber, dass Nietzsche zwar die Entstehung der Selbstverachtung aufdeckt, aber auch die notwendige Rolle der Kultur für diese Entwicklung anerkennt.
4 Literaturliste: Hier werden die für die Hausarbeit herangezogenen Ausgaben der Werke Nietzsches sowie ergänzende fachwissenschaftliche Literatur aufgeführt.
Schlüsselwörter
Nietzsche, Genealogie der Moral, schlechtes Gewissen, Strafe, Schuldner, Gläubiger, Gemeinwesen, Verinnerlichung, Instinkt, Christentum, Verantwortung, Gerechtigkeit, Versprechen, Züchtung, Moralpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung der Entstehung des sogenannten „schlechten Gewissens“ basierend auf der zweiten Abhandlung von Nietzsches „Zur Genealogie der Moral“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten zählen die psychologische Entwicklung des menschlichen Gedächtnisses, das Konzept der Strafe, das historische Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner sowie die Rolle der Gesellschaft bei der Unterdrückung natürlicher Instinkte.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit untersucht, wie das Gewissen, welches als Wissen um die eigene Verantwortung definiert wird, durch soziokulturelle Prozesse in ein „schlechtes Gewissen“ transformiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine exklusive Textanalyse der Primärquelle von Nietzsche, um die Herleitung des schlechten Gewissens chronologisch anhand der einzelnen Abschnitte des Werkes nachzuvollziehen, ohne dabei Sekundärliteratur zur Interpretation heranzuziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Vergessen und Versprechen, das Wesen der Strafe, die Entstehung des Rechtsverständnisses innerhalb von Gemeinschaften und die Genese des schlechten Gewissens als „Erkrankung“ des Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „schlechtes Gewissen“, „Verinnerlichung“, „Strafe“, „Schuldverhältnis“ und „triebhafte Natur“ beschreiben.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Strafe und Schuldgefühl?
Nietzsche (und folgend der Autor) argumentiert, dass die Strafe an sich ursprünglich kein Schuldgefühl hervorgerufen hat, sondern als ökonomisches Mittel der Konditionierung und Vergeltung diente, bevor Schuld später moralisch uminterpretiert wurde.
Welche Rolle spielt die Religion im Kontext der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet, wie das Christentum das ökonomische Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner in ein moralisches Schuldverhältnis gegenüber Gott umgewandelt hat, was zur Unabzahlbarkeit der Schuld führt.
Was versteht Nietzsche unter dem „souveränen Individuum“?
Es wird als ein Mensch beschrieben, der das Versprechen gelernt hat und ein „gutes Gewissen“ besitzt, da er autonom zu seinen Handlungen steht – eine absolute Ausnahme in der menschlichen Geschichte.
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- Christian Rudloff (Autor), 2008, Die Entstehung des schlechten Gewissens in Nietzsches "Genealogie der Moral", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421586