Coudenhove-Kalergi und das paneuropäische Manifest. Weshalb scheiterte diese Europaimagination aus der Zwischenkriegszeit?


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Graf Coudenhove-Kalergi

3. Das Paneuropäische Manifest und die Paneuropabewegung/-konzeption
3.1 Ursachen zur Gründung
3.2 Der Weg zur Verwirklichung Paneuropas

4. Das Scheitern? der Paneuropakonzeption
4.1 Stand die Persönlichkeit Coudenhove-Kalergis der Paneuropaidee im Weg?
4.2. Die Durchsetzung der Nationalsozialisten als Grund für das Scheitern der Paneuropaidee

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

Literatur

Quellen

1. Einleitung

„Europas Schicksalsstunde schlägt!In europäischen Fabriken werden täglich Waffen geschmiedet, um europäischeMänner zu zerreißen – in europäischen Laboratorien werden täglich Gifte gebraut, um europäische Frauen und Kinder zu vertilgen […] Europas Politik steuert einem neuen Krieg zu. […] – der europäische Vernichtungskrieg ausbrechen, der unseren Erdteil in einen Friedhof verwandelt.“[1] Mit diesen Worten beschrieb Richard Coudenhove-Kalergi in seinem Paneuropäischen Manifest die Lage Europas im Jahre 1923. Coudenhove-Kalergi antizipierte einen „europäischen Vernichtungskrieg“, der eine große Vernichtung und Verwüstung des europäischen Kontinents mit sich bringen würde. Doch wie konnte Coudenhove-Kalergi diesen „Vernichtungskrieg“ vorhersagen, obwohl der Erste Weltkrieg nur wenig Jahre zurücklag? Welche Bemühungen stellte er an, um diesen „Vernichtungskrieg“ aufzuhalten und weshalb haben sich diese Bemühungen nicht durchsetzen können? In dieser Hausarbeit werde ich mich auf die Frage konzentrieren, weshalb sich die Paneuropaidee nicht durchsetzen konnte bzw. weshalb man nicht eindeutig von einem Scheitern sprechen kann. Für die Beantwortung dieser Frage werde ich zunächst den Hauptinitiator, Richard Coudenhove-Kalergi, vorstellen, denn um einige Handlungen des Hauptinitiators zu verstehen, ist es wichtig seine Biografie zu kennen. Nach der Vorstellung der Person Coudenhove-Kalergis folgt eine Vorstellung seines Paneuropakonzepts anhand des Paneuropäischen Manifests. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich mich auf zwei wesentliche Gründe für die Nichtrealisierung des Paneuropakonzepts konzentrieren. Der erste Grund mit dem ich mich beschäftigen werde ist, dass sein Charakter der Paneuropakonzeption im Weg stand. Der zweite Punkt ist die Etablierung der Nationalsozialisten in Deutschland und damit einhergehend der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Für die Nichtverwirklichung der Paneuropaidee gibt es gewiss mehr Gründe, doch ich werde auf die für mich genannten zwei Hauptgründe konzentrieren.

2. Graf Coudenhove-Kalergi

„Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi gilt bis heute als einer der führenden Vordenker Europas in der Zwischenkriegszeit“ [2] , doch was zeichnete diesen Grafen aus, dass er bis heute als „führender Vordenker Europas“ bezeichnet wurde? Wer war er? Um das Paneuropa-Konzept zu verstehen und die Gedankengänge Coudenhove-Kalergis nachvollziehen zu können, muss man sich das Wesen Coudenhove-Kalergis anschauen.Coudenhove-Kalergi, der am 17. November 1894 geboren wurde, war der zweite Sohn eines österreichischen Diplomaten und einer Japanerin. Aus seiner Herkunft kann man entnehmen, dass er kein für die Zeit übliches nationalistisches Gedankengut innehat, denn ihm wurde „das Übernationale quasi dreifach in die Wiege gelegt“ [3] . Vor allem sieht man das durch sein Entspringen aus einer „globalen Ehe“. Außerdem sieht man dies durch seine Zugehörigkeit zum europäischen Adel, der untereinander verwandt ist. Als zweites wird dies durch die Verwurzelung seiner Familie und seiner persönlichen Sozialisation im alten Österreich-Ungarn deutlich, welches in der Sphäre der europäischen Staaten eine Sonderstellung hatte.[4] Es ist nämlich allgemein bekannt, dass Österreich-Ungarn ein Vielvölkerstaat war.[5] Ein letzter wichtiger Punkt, der die „Übernationalität“ Coudenhove-Kalergis bestätigt, ist, dass er von seiner japanischen Mutter erzogen wurde. Coudenhove-Kalergi nutzte seine Abstammung, um sich als europäischer Kosmopolit darzustellen.[6] Coudenhove-Kalergi hat den Paneuropagedanken geprägt, füllte den Begriff mit spezifischem Inhalt, machte „Paneuropa“ zu einem politischen Schlagwort und gründete die Paneuropabewegung.[7] Im Folgenden werde ich näher auf die Paneuropabewegung/-konzeption eingehen, dabei werde ich mich am Paneuropäischen Manifest[8] und einem Interview[9] von Richard Coudehove-Kalergi orientieren.

3. Das Paneuropäische Manifest und diePaneuropabewegung/-konzeption

Das Paneuropäische Manifest bildet den Startschuss der Paneuropabewegung im Jahre 1923. In diesem Manifest wird der Europagedanke Coudenhove-Kalergis während der Zwischenkriegszeit, die von wirtschaftlicher und politischer Stagnation bzw. Verzweiflung geprägt ist, kundgegeben. Das Paneuropäische Manifest erschien als erste Nummer in der Paneuropazeitschrift. Es ist eine kurze „prophetische, pointierte und empathische Zusammenfassung der Paneuropa-Monografie.“[10] Durch die einleitenden Worte: „Europäer! Europäerinnen!“[11] wird deutlich, dass diese Rede an jeden Europäer adressiert ist. Coudenhove-Kalergi hat durch seine Bezeichnung seiner Rede als Manifest versucht eine Parallele zum Kommunistischen Manifest ziehen, um zu zeigen, dass es sich scheinbar um ein besonderes Projekt handelt und dass diese Bewegung wegbereitend ist.[12]

3.1 Ursachen zur Gründung

In dieser Rede wird die Gründung der Bewegung und seine Idee bzw. sein Paneuropakonzept legitimiert. Coudenhove-Kalergi wollte etwas gründen, was der panamerikanischen Union ähnlich sei, jedoch sei Paneuropa nicht als Bundesstaat gedacht, sondern als eine Art Staatenbund.[13] Das Paneuropakonzept Coudenhove-Kalergis sollte ein neutraler Staatenbund sein, der ein Nebeneinander von verschiedenen Verfassungsformen dulde.[14]

Die Begründung dieser Konzeption basiert auf einige Gefahren, die der Autor für Europa sieht. Retrospektiv betrachtet kann man sogar sagen, dass diese Rede einige Ereignisse bzw. Entwicklungen, die zum zweiten Weltkrieg führten, antizipiert. Dies sieht man in den ersten Worten der Rede:

„Europas Schicksalsstunde schlägt!

In europäischen Fabriken werden täglich Waffen geschmiedet, um europäische Männer zu zerreißen - in europäischen Laboratorien werden täglich Gifte gebraut, um europäische Frauen und Kinder zu vertilgen.“[15] Coudenhove-Kalergi charakterisiert diesen kommenden Krieg als „Vernichtungskrieg“, der den ersten Weltkrieg an Schrecklichkeit weit hinter sich lassen werde, denn dessen Element sei Luft, dessen Waffe das Gift und dessen Ziel die Ausrottung.[16] Dieser „Vernichtungskrieg“ werde den Untergang Eupopas, seiner Kultur und Wirtschaft bedeuten, sodass andere Erdteile an dessen Stelle treten können. Dies ist die erste Gefahr die Coudenhove-Kalergi sieht. Die zweite Gefahr sieht er in einer Eroberung durch Russland, denn ein zersplittertes Europa könne sich vor Russland nicht schützen. Aus diesem Grund gäbe es nur eine Lösung und diese sei ein europäischer Zusammenschluss, denn „so liegt die Entscheidung über die russische Gefahr nicht bei Russland-sondern bei Europa“[17]. Europa müsse sich schneller als Russland wirtschaftlich erholen, um sich vor dieser Gefahr zu schützen. Darauf folgt die dritte und letzte Lebensgefahr für Europa und diese sei der ökonomische Ruin Europas. Europa müsse auch international bzw. interkontinental ökonomisch konkurrenzfähig bleiben. Dies würde nie ohne europäische Einigung geschehen, da die europäischen Zwischenzölle jede Produktion behindern und verteuern. Aus diesem Grund seien die vereinzelten europäischen Ökonomien dazu verdammt von den außereuropäischen Wirtschaftsmächten, wie etwa Amerika, Britannien, Russland und Ostasien, erdrückt zu werden. Die Angst vor einer wirtschaftlichen Kolonisation der Amerikaner ist groß, denn diese führe zu einer Versklavung der europäischen Arbeiterschaft durch amerikanisches Kapital. Für die Lösung der ersten Gefahr schlägt er einen paneuropäischen Schiedsvertrag vor, der den Frieden sichern wird. Die zweite Gefahr kann durch ein paneuropäisches Defensivbündnis, welches die Freiheit sichert, gelöst werden. Die letzte Gefahr soll durch eine paneuropäische Zollunion gebannt werden, die die europäischen Zwischenzölle abbaut und ein paneuropäisches Wirtschaftsgebiet schafft.[18]

Dieser Staatenbund soll geographisch gesehen die Halbinsel zwischen Russland, dem Atlantik und dem Mittelmeer umfassen. Hinzu kommen Island und europäischen Kolonien. Wie bereits erwähnt gehört Britannien nicht zu den Plänen des Paneuropakonzepts, da es ein eigenes Imperium bildet, in dem eine Gefahr gesehen wurde. Die Erhaltung und Intensivierung der europäischen Kolonien waren essentiell für die Realisierung des Ziels eines autarken Europas.[19]

3.2 Der Weg zur Verwirklichung Paneuropas

Im ersten Teil des Paneuropäischen Manifests hat er seine Idee eines gemeinsamen Europas vorgestellt und durch diverse Gefahren begründet, im folgenden Teil des Paneuropäischen Manifests stellt er den Weg zur Verwirklichung seines Konzeptes vor. Diesen Weg sieht er durch das Gruppieren europäischer Staaten nach panamerikanischen Vorbild oder durch die Gründung einer paneuropäischen Konferenz als realisierbar.

Darüber hinaus sollen Schiedsverträge gegenseitige Grenzgarantien unter den europäischen Staaten und ein Defensivbündnis zum Schutz vor der Gefahr im Osten abgeschlossen werden.

Als vierten Punkt nennt er die „Anbahnung einer Zollunion durch periodische Wirtschaftskonferenzen der europäischen Staaten.“[20]

Dieses Programm wird nicht als Unmöglich gehalten, die europäische Frage muss „aufgerollt“ werden. Um die europäische Frage zu lösen, müssen die Gefahren, die Europa plagen, erst erkannt und dann bekämpft werden. Dafür bedürfe es politischer Aufklärung. Die politische Aufklärung kann nur im Zusammenhang mit Propaganda geleistet werden. Hierbei wird jeder Nicht-Paneuropäer als Antieuropäer und jeder Neutrale als Verräter bezeichnet. Es ist nämlich der Kampf zwischen deutschen Paneuropäern und deutschen Antieuropäern, französischen Paneuropäern und französischen Antieuropäern etc.. Dementsprechend sind die Gegner dieser Bewegung ideologisch und nicht von ethnischer Abstammung abhängig.Das Vorhaben, Europa in dieser Form zu vereinigen, ist beachtlich, jedoch hat sich diese Konzeption nicht durchgesetzt.Im folgenden Teil meiner Hausarbeit werde ich Gründe für die Nichtverwirklichung des Paneuropakonzeptes darlegen.

[...]


[1] Coudenhove-Kalergi: Paneuropa, in: http://verfassungsvertrag.eu/II-01.PDF? S.19.

[2] Conze Vanessa, Leitbild Paneuropa? S.119

[3] Ebd. S.119

[4] Ebd. S.119.f.

[5] Segert Dieter, Entwicklung bis zum Ende der Monarchie(2002), in: http://www.bpb.de/izpb/9636/entwicklung-bis-zum-ende-der-monarchie

[6] Co Conze Vanessa, Leitbild Paneuropa? S.119 f.

[7] Frommelt Reinhard Paneuropa oder Mitteleuropa S.11

[8] Coudenhove-Kalergi: Das Paneuropäische Manifest (1923), in: http://verfassungsvertrag.eu/II-01.PDF?

[9] Schenk Erich, Interview mit dem Begründer und Präsidenten der Pan-Europa-Bewegung Richard CoudenhoveKalergi(1977), in: http://www.cvce.eu/obj/interview_von_richard_coudenhove_kalergi_die_grundung_der_paneuropa_bewegung_wien_19 _november_1971-de-d87a4c52-ca06-4de2-b55c-d1d54cca9ce1.html

[10] Ziegerhofer-Prettenthaler, Anita, Botschafter Europas S.92

[11] Coudenhove-Kalergi: Das Paneuropäische Manifest (1923), in: http://verfassungsvertrag.eu/II-01.PDF? S.19

[12] Frommelt Reinhard Paneuropa oder Mitteleuropa S.15

[13] Schenk Erich, Interview mit dem Begründer und Präsidenten der Pan-Europa-Bewegung Richard CoudenhoveKalergi(1977), in: http://www.cvce.eu/obj/interview_von_richard_coudenhove_kalergi_die_grundung_der_paneuropa_bewegung_wien_19 _november_1971-de-d87a4c52-ca06-4de2-b55c-d1d54cca9ce1.html

[14] Conze Vanessa, Leitbild Paneuropa? S.121

[15] Coudenhove-Kalergi: Das Paneuropäische Manifest (1923), in: http://verfassungsvertrag.eu/II-01.PDF? S.19

[16] Ebd. S.19

[17] Ebd. S.20

[18] Ebd. S.20

[19] Frommelt Reinhard Paneuropa oder Mitteleuropa S.14

[20] Coudenhove-Kalergi: Das Paneuropäische Manifest (1923), in: http://verfassungsvertrag.eu/II-01.PDF? S.21

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Coudenhove-Kalergi und das paneuropäische Manifest. Weshalb scheiterte diese Europaimagination aus der Zwischenkriegszeit?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V421613
ISBN (eBook)
9783668689473
ISBN (Buch)
9783668689480
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
coudenhove-kalergi, manifest, weshalb, europaimagination, Zwischenkriegszeit, Weimarer Republik, Paneuropa, Paneuropäisches Manifest, Vereingtes europa in Der Zwischenkriegszeit, Europaideen, Coudenhove, Interview, Weltkrieg, Nazis, Weimar, Nationalsozialismus, Nationalsozialisten, Ns-Bewegung, Geschichte Europas, europa
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Coudenhove-Kalergi und das paneuropäische Manifest. Weshalb scheiterte diese Europaimagination aus der Zwischenkriegszeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421613

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