Das Leitbild einer an Nachhaltigkeitsprinzipien orientierten Wirtschaft hat auch im Bankensektor stark an Bedeutung gewonnen: Corporate Social Responsibility, kurz CSR, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Megatrend entwickelt.
Doch warum nimmt der Begriff der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen eine so große Bedeutung ein?
Zunächst haben sich die Lebensverhältnisse der Menschen auf globaler Ebene maßgeblich verändert. Die Bedeutung der Folgen für das eigene Handeln steigt stetig an. Der Homo oeconomicus, welcher rational denkt und zum eigenen Vorteil handelt, passt nicht mehr vollständig in diese Denkweise hinein. Das Ziel einer Bank als Wirtschaftsunternehmen, die Gewinnmaximierung, wird mit der Offenlegung der unternehmerischen Aktivitäten jedoch außer der ökonomischen Dimension noch um andere Bereiche ergänzt, da das Wirtschaften auch soziale und ökologische Auswirkungen auf die Unternehmensumwelt und eine Vielzahl von Interessengruppen hat.
Eine Genossenschaftsbank ist allein durch das Genossenschaftsgesetz und seine genossenschaftlichen Prinzipien bereits in der Geschäftspolitik sehr nachhaltig aufgestellt und viele genossenschaftliche Kreditinstitute zeigen auf der sozialen und ökologischen Ebene ein sehr hohes Engagement. Finanzinstitute sind im eigentlichen Leistungserstellungsprozess nachhaltiger als zum Beispiel ein Produktionsunternehmen. Des Weiteren kann man sie als kunden- und wertorientiert betrachten. Das Kerngeschäft einer Bank besteht aus dem Einlagen- und Kreditgeschäft. In diesem Bezug kann die Bank gezielt Einfluss auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit nehmen, indem sie nachhaltige Kredite und Einlagen verkauft. Sie kann aber auch ihr eigenes Risiko und ihre Erträge mit unternehmerischer Verantwortung beeinflussen.
Doch nicht nur die betriebswirtschaftliche, sondern auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der CSR in Banken ist zu berücksichtigen. Seit der Finanzkrise wünschen sich die Menschen ein stabiles Finanzsystem, welches krisenfest wie auch transparent ist und die Konsequenzen für sein Handeln trägt. Vor allem die Finanzinstitute als Finanzintermediäre sollen Stabilität und Sicherheit suggerieren. Dabei müssen Externalitäten berücksichtigt werden, also externe Wirkungen, für die niemand bezahlt oder einen Ausgleich erhält. Die Aufgabe des Staates ist hierbei, die Gesetze und Richtlinien so zu formulieren, dass diese Wirkungen gemindert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Begriffliche und thematische Grundlagen der Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext
2.1 Begriffseinordnung der Nachhaltigkeit
2.1.1 Ursprung des Begriffs
2.1.2 Der Brundtland Bericht und der daraus abgeleitete Nachhaltigkeitsbegriff
2.1.3 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.2 Corporate Social Responsibility (CSR)
2.2.1 Begriffseinordnung und -entstehung
2.2.2 Anspruchsgruppen
2.2.3 Die Dimensionen der CSR
2.2.4 Die Ziele der Corporate Social Responsibility
2.3 Wechselbeziehungen zwischen Nachhaltigkeit und CSR und zusammenfassende Definition
2.4 Nachhaltigkeitsberichterstattung
2.5 Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung
2.5.1 ISO 26000
2.5.2 Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI)
2.5.3 Der DNK und die EFFAS-Kriterien
2.6 Nutzen von CSR und CSR-Messung für Banken
3 Konzeption der empirischen Untersuchung
3.1 Allgemeine Informationen über die Studie
3.2 Aufbereitung und Analyse des Datenmaterials
3.3 Repräsentativität der empirischen Erhebung
4 Bedeutung von CSR im genossenschaftlichen Sektor
4.1 Einordnung und Besonderheiten von Genossenschaftsbanken
4.2 Status Quo der Nachhaltigkeitspräsenz im Genossenschaftssektor
5 Erarbeitung eines Managementkonzeptes im Rahmen eines Messsystems für Nachhaltigkeit in Genossenschaftsbanken
5.1 Einführende Überlegungen
5.2 Funktion eines Messkonzeptes und dessen inhaltliche und formelle Anforderungen
5.3 Messung von CSR als Bestandteil einer konsistenten Ablauforganisation
5.4 Ausgewählte Messgrößen und Messinstrumente der Nachhaltigkeitsmessung
5.4.1 Kennzahlen und Indikatoren
5.4.2 Checkliste
5.4.3 Bewertung der Themenbereiche
5.5 Ausgestaltung und Rechtfertigung der Arbeit
5.5.1 Soziale Dimension
5.5.2 Ökologische Dimension
5.5.3 Ökonomische Dimension
5.6 Umgang mit den Ergebnissen
5.6.1 Gewichtung der Ergebnisse und Kombination mit der Bewertung
5.6.2 Kritische Würdigung des Messkonzeptes
5.6.3 Sustainable Balanced Scorecard als mögliche Alternative zum aufgestellten Konzept
6 Mögliche Handlungsempfehlungen
7 Fazit
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick und Umsetzungsmöglichkeiten in Zukunft
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Relevanz von Corporate Social Responsibility (CSR) für Genossenschaftsbanken auseinander und zielt darauf ab, ein praktisches Managementkonzept zur Messung von Nachhaltigkeitsleistungen in diesem spezifischen Bankensektor zu entwickeln.
- Theoretische Grundlagen zu Nachhaltigkeit und CSR
- Analyse des Status Quo der Nachhaltigkeitspräsenz in Genossenschaftsbanken
- Entwicklung eines Messsystems unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Dimensionen
- Durchführung einer empirischen Untersuchung zur Ermittlung von Bedarfen und Anforderungen
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für ein nachhaltigkeitsorientiertes Controlling
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Das Leitbild einer an Nachhaltigkeitsprinzipien orientierten Wirtschaft hat auch im Bankensektor stark an Bedeutung gewonnen: Corporate Social Responsibility, kurz CSR, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Megatrend entwickelt.1
Doch warum nimmt der Begriff der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen eine so große Bedeutung ein? Zunächst haben sich die Lebensverhältnisse der Menschen auf globaler Ebene maßgeblich verändert. Die Bedeutung der Folgen für das eigene Handeln steigt stetig an. Der Homo oeconomicus, welcher rational denkt und zum eigenen Vorteil handelt,2 passt nicht mehr vollständig in diese Denkweise hinein. Das Ziel einer Bank als Wirtschaftsunternehmen, die Gewinnmaximierung, wird mit der Offenlegung der unternehmerischen Aktivitäten jedoch außer der ökonomischen Dimension noch um andere Bereiche ergänzt, da das Wirtschaften auch soziale und ökologische Auswirkungen auf die Unternehmensumwelt und eine Vielzahl von Interessengruppen hat.
Eine Genossenschaftsbank ist allein durch das Genossenschaftsgesetz und seine genossenschaftlichen Prinzipien bereits in der Geschäftspolitik sehr nachhaltig aufgestellt und viele genossenschaftliche Kreditinstitute zeigen auf der sozialen und ökologischen Ebene ein sehr hohes Engagement. Finanzinstitute seien laut Günther im eigentlichen Leistungserstellungsprozess nachhaltiger als zum Beispiel ein Produktionsunternehmen.3 Des Weiteren kann man sie als kunden- und wertorientiert betrachten.4 Das Kerngeschäft einer Bank besteht aus dem Einlagen- und Kreditgeschäft. In diesem Bezug kann die Bank gezielt Einfluss auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit nehmen, indem sie nachhaltige Kredite und Einlagen verkauft. Sie kann aber auch ihr eigenes Risiko und ihre Erträge mit unternehmerischer Verantwortung beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung der Relevanz von Nachhaltigkeit im Bankensektor und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2 Begriffliche und thematische Grundlagen der Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext: Herleitung der theoretischen Fundamente von Nachhaltigkeit und CSR sowie Einordnung in den Unternehmenskontext.
3 Konzeption der empirischen Untersuchung: Beschreibung der methodischen Herangehensweise und Durchführung der Befragung genossenschaftlicher Primärbanken.
4 Bedeutung von CSR im genossenschaftlichen Sektor: Analyse der spezifischen Situation und Nachhaltigkeitspräsenz bei Genossenschaftsbanken.
5 Erarbeitung eines Managementkonzeptes im Rahmen eines Messsystems für Nachhaltigkeit in Genossenschaftsbanken: Entwicklung und Detaillierung eines Messkonzepts inklusive Indikatoren und Bewertungsmethodik.
6 Mögliche Handlungsempfehlungen: Ableitung konkreter Maßnahmen zur Implementierung und Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung.
7 Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, Nachhaltigkeit, Genossenschaftsbanken, Nachhaltigkeitsmessung, Managementkonzept, Stakeholder, Nachhaltigkeitsberichterstattung, soziale Dimension, ökologische Dimension, ökonomische Dimension, Kennzahlen, Indikatoren, Bankensektor, Nachhaltigkeitsmanagement, ESG.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in Genossenschaftsbanken und der Entwicklung eines strukturierten Managementkonzepts zu deren Messung.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit behandelt die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (sozial, ökologisch, ökonomisch) sowie die Anforderungen an die Berichterstattung und die Implementierung in die strategische Ausrichtung der Banken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Konzeption eines praxistauglichen Messsystems, mit dem Genossenschaftsbanken ihre unternehmerische Verantwortung (CSR) erfassen, steuern und optimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wurde eine empirische Untersuchung in Form einer Online-Befragung bei deutschen genossenschaftlichen Primärbanken durchgeführt, um deren Ist-Zustand und Bedürfnisse hinsichtlich der Nachhaltigkeitsmessung zu ermitteln.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Analyse des genossenschaftlichen Sektors und die detaillierte Ausarbeitung des Messkonzepts inkl. Kennzahlen und Bewertungssystemen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Corporate Social Responsibility (CSR), genossenschaftliche Prinzipien, Nachhaltigkeitsindikatoren, Stakeholder-Management und Sustainable Balanced Scorecard.
Welche Rolle spielt das Genossenschaftsgesetz für die CSR?
Es bildet die Basis der Geschäftspolitik, da Genossenschaften durch den Förderauftrag und das Identitätsprinzip bereits inhärent nachhaltig ausgerichtet sind.
Warum wird die Balanced Scorecard als Alternative diskutiert?
Sie wird als Instrument zur strategischen Steuerung bewertet, da sie nicht-finanzielle und finanzielle Ziele ausgewogen integrieren kann, was sie für die Nachhaltigkeitssteuerung besonders geeignet macht.
- Arbeit zitieren
- Julia Niebuhr (Autor:in), 2016, Corporate Social Responsibility in Genossenschaftsbanken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421622