Die Zeit proklamierte 2010 „Versuchslabor Grundschule“, der Spiegel titelte 2013 groß „Die Rechtschreip-Katerstrofe“ und die Studie von Wolfgang Steinig zeigt, dass die Rechtschreibleistungen der Schülerinnen und Schüler zurückgehen.
Aktuelle Schlagzeilen und Berichte in Foren und Leserbriefen von verzweifelten Müttern und Vätern, die über den Methodenirrsinn (besonders über die Methode „Lesen-durch-Schreiben) und die Rechtschreibung ihrer Kinder in der Grundschule klagen, geben einen ersten Anhaltspunkt.
Die Frage nach der richtigen Methode in der Didaktik im Erstleseunterricht ist geprägt durch einen langen Methodenstreit. Ist ein Fibellehrgang im Anfangsunterricht noch zeitgemäß oder gibt es bereits moderne und wissenschaftlich fundierte Alternativen?
Im Rahmen dieser Hausarbeit werden zuerst Leselehrmethoden beleuchtet, die Anlass des Methodenstreits waren. Die Argumente für und gegen einen Fibellehrgang schließen sich an. Anhand dieser Argumente, Forderungen und Studienergebnisse werde ich einen für mich stimmigen Ansatz für meinen späteren Anfangsunterricht im Fach Deutsch suchen und vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Fibel und ihre Methoden
3. Pro und Contra von Fibeln
3.1 Argumente gegen den Fibellehrgang
3.2 Argumente für den Fibellehrgang
4. Folgerungen für den Anfangsunterricht
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den anhaltenden Methodenstreit im Erstleseunterricht, insbesondere die Frage nach der Berechtigung und dem Nutzen von Fibellehrgängen im Vergleich zu alternativen Ansätzen wie dem Spracherfahrungsansatz. Ziel ist es, durch die Analyse fachwissenschaftlicher Argumente eine begründete Entscheidungshilfe für die Gestaltung des eigenen zukünftigen Anfangsunterrichts im Fach Deutsch zu erarbeiten.
- Historische Entwicklung und Bedeutung der Fibel
- Gegenüberstellung von synthetischen und analytischen Lehrmethoden
- Kritische Analyse des Fibellehrgangs aus Sicht der Fibelgegner
- Argumente für die Relevanz und Systematik von Fibeln in der Praxis
- Integration von Methoden im modernen Schriftspracherwerb
Auszug aus dem Buch
Argumente gegen den Fibellehrgang
Prof. Dr. Hans Brügelmann tituliert, dass, „Lehrgänge Krücken sind” und „[unsere eigenen] pädagogische Behinderungen kompensieren” (Brügelmann/Brinkmann 2005:11). Brügelmanns Ansatz ist es, auf einen festgelegten Lehrgang zu verzichten und den Kindern stattdessen individuelle Zugänge zur Schriftsprache zu ermöglichen. Nach Brügelmann sind Fibeln ein Korsett für Lehrkräfte, die dadurch die Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler kontrollieren können. Der Weg der Fibel ist bequem und verspricht Entlastung. Eine Einheitsfibel berücksichtigt die Individualität und Vorerfahrungen des Kindes nicht.
Gudrun Spitta stellt in ihrem Buch „Kinder schreiben eigene Texte” fünf Thesen vor, die den Fibellehrgang kritisieren. Diese Thesen sind die größten Kritikpunkte der Fibelgegner und finden sich auch in ähnlicher Form bei Brügelmann, Balhorn und Brinkmann wieder. Diese Thesen werden im Folgenden vorgestellt und mit Argumenten anderer Fibelgegner unterstützt und kommentiert.
1. „Vorwiegend fibelorientiertes Lesen- und Schreibenlernen verhindert durch das additive Einüben bestimmter isolierter Teilfertigkeiten, dass die Kinder den komplexen Vorgang des Lesens bzw. Schreibens als Prozess erfahren, bzw. durchschauen“ (Spitta 1988:14).
Kinder erhalten über die Fibel portionsweise Lernimpulse, auf welche sie reagieren müssen. Durch diese starre Schrittfolge erfahren sie nicht den tatsächlichen Gebrauch von Lesen und Schreiben, nämlich den Kommunikationszusammenhang. Nach Brügelmann sind moderne Fibellehrgänge zwar reicher und flexibler geworden und beinhalten Elemente des freien Schreibens, allerdings ist der praktische Gebrauch zu kritisieren. Buchstaben und Wörter werden zu klein- und gleichschrittig eingeführt, welche wiederum in „isolierten Teilleistungen „beigebracht” und in simplen Texten wieder und wieder „gelesen” werden” (Brügelmann/Brinkmann 2005:11). „Eine ‚Teilchendidaktik’, die Schrift lediglich als Folge einzelner Elemente vermittelt, ignoriert, dass Kinder in ‚Wellen‘ qualitativer Sprünge lernen“ (Brügelmann 1994:107).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen und aktuellen Diskurs über den Erstleseunterricht und den Methodenstreit, um die Relevanz der Frage nach der Zeitgemäßheit von Fibellehrgängen zu begründen.
2. Die Fibel und ihre Methoden: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Fibel, skizziert ihre historische Entwicklung und stellt verschiedene methodische Ansätze – von analytisch bis synthetisch – gegenüber.
3. Pro und Contra von Fibeln: Der Hauptteil setzt sich kritisch mit den Argumenten gegen starre Lehrgänge und den Verteidigungsargumenten für moderne, methodenintegrierte Fibelsysteme auseinander.
4. Folgerungen für den Anfangsunterricht: Auf Basis der theoretischen Diskussion leitet der Autor praktische Konsequenzen für den eigenen späteren Unterricht ab und bewertet aktuelle Ansätze wie die Silbenmethode.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine pragmatische Integration von Methoden, bei der die Interaktion zwischen Lehrkraft und Kind im Mittelpunkt steht.
Schlüsselwörter
Erstleseunterricht, Fibel, Schriftspracherwerb, Methodenstreit, Spracherfahrungsansatz, Analytische Methode, Synthetische Methode, Silbenmethode, Anlauttabelle, Lesen-durch-Schreiben, Pädagogik, Deutschunterricht, Grundschule, Schriftsprache, Differenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den langjährigen Methodenstreit im deutschen Erstleseunterricht bezüglich der Frage, ob Fibellehrgänge für den Schriftspracherwerb von Grundschulkindern sinnvoll sind oder ob moderne Alternativen vorzuziehen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Fibel, die verschiedenen didaktischen Ansätze (analytisch, synthetisch, ganzheitlich) sowie die kritische Gegenüberstellung von Fibelbefürwortern und -gegnern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, als angehende Lehrkraft eine fundierte Einschätzung zu erarbeiten, welcher Ansatz für den eigenen Deutschunterricht stimmig ist, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen an den Schriftspracherwerb.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse, bei der aktuelle fachwissenschaftliche Diskurse, Studien und verschiedene didaktische Konzepte ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Argumenten zu Fibellehrgängen sowie eine anschließende Transferleistung in Form von methodischen Folgerungen für den Unterricht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Schriftspracherwerb", "Methodenstreit", "Fibel", "Spracherfahrungsansatz" und "Silbenmethode" charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Fibel im modernen Unterricht?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Fibel nicht als starre "Krücke" gesehen werden sollte, sondern als orientierender "Brückenpfeiler", der Flexibilität und Differenzierung im Unterricht ermöglicht.
Welche Bedeutung kommt der "Silbenmethode" in der Arbeit zu?
Die Silbenmethode wird als vielversprechender Ansatz hervorgehoben, da sie die phonologische Bewusstheit fördert und durch ihre systematische Struktur insbesondere bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten Unterstützung bieten kann.
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- Simon Wüst (Author), 2017, Pro und Contra von Fibellehrgängen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421666