„Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.“ Diese Aussage von Charles Darwin trifft heute noch genauso zu wie zu Darwins Lebzeiten. Dieser Wandel wird uns gerade heute, in Zeiten von Massenmedien und einer immer stärker vernetzten Welt täglich mehr als bewusst. Die Welt wandelt sich, die Gesellschaft wandelt sich. Dies führt zwangsläufig auch zu einer Veränderung der Unternehmen und damit verbunden zu einem Umdenken der Unternehmensführung. Globalisierung, Internationalisierung und Digitalisierung sind unternehmerische Schlagworte, welche das Unternehmensmanagement vor immer steigende Komplexität verbunden mit immer neuen Problemen stellen. Um diese Probleme zu bewältigen, stehen heute eine Vielzahl an unterschiedlichen Organisationstheorien und Management-Konzepten zu Verfügung. Immer wieder taucht dabei der systemtheoretische Ansatz auf, also eine Orientierung der Unternehmensführung auf Grundlage der allgemeinen Systemtheorie. Einer der bekanntesten deutschen Vertreter ist der Soziologe Niklas Luhmann, der auf Grundlage der allgemeinen Systemtheorie das Modell der sozialen Systeme entwickelt hat. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob und inwieweit sich dieses Modell als Management-Konzept eignet. Hierzu wird zunächst erläutert, wozu Management-Konzepte dienen, welche Zweck sie verfolgen. Anschließend wird kurz auf die Grundlagen der allgemeinen Systemtheorie eingegangen, um die notwendige Frage zu beantworten, was unter der Systemtheorie zu verstehen ist. Darauf folgen die Grundlagen zum Modell der sozialen Systeme nach Luhmann. Da sich die Systemtheorie, wie später noch erläutert wird, im Unternehmenskontext deutlich von der klassischen Ökonomie unterscheidet, müssen diese Unterschiede ebenfalls kurz aufgeführt und erläutert werden. Nach Klärung der theoretischen Grundlagen erfolgt im 3. Abschnitt die Beantwortung der Frage, wie das Modell der sozialen Systeme in den Kontext von Unternehmen und Organisationen einzugliedern ist, bevor die finale Frage erörtert wird, inwieweit sich dieses Modell überhaupt als Management-Methode eignet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen zu Management-Konzepten und der Systemtheorie
2.1. Was ist Management und wieso braucht es ein Konzept?
2.2. Unterschiede der Systemtheorie nach Luhmann zur klassischen Ökonomie im Kontext von Organisationen
3. Luhmanns Modell der sozialen Systeme als Managementkonzept?
3.1. Das Modell der sozialen Systeme – Konsequenzen für Organisationen
3.2. Das Modell der sozialen Systeme – ein Managementkonzept?
4. Zusammenfassung und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Modell der sozialen Systeme von Niklas Luhmann als Managementkonzept für moderne Organisationen geeignet ist, um der steigenden Komplexität der Unternehmensführung zu begegnen.
- Grundlagen des Managements und die Notwendigkeit von Konzepten
- Gegenüberstellung der klassischen Ökonomie und der Systemtheorie nach Luhmann
- Analyse der sozialen Systeme und deren Konsequenzen für Organisationen
- Die Rolle von Kommunikation und Entscheidungen als zentrale Elemente in Organisationen
- Kritische Würdigung des systemtheoretischen Ansatzes in der Managementpraxis
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Modell der sozialen Systeme – Konsequenzen für Organisationen
Wie in Kapitel 2 erläutert, versteht man unter Management die Planung, Realisierung und Kontrolle von Aufgaben und Tätigkeiten. Oftmals findet man in Organisationen bis heute den Vergleich zwischen Organisationen und Maschinen. Die Organisation soll und muss wie eine gut geölte Maschine laufen, jeder hat seine Aufgabe und seine Funktion; das Management führt und steuert dabei diese Maschine.
Bei Anwendung des Modells der sozialen Systeme muss jedoch zwangsläufig ein Umdenken in der Organisation stattfinden. Manager müssen weg von personenzentriertem und prozessorientiertem Denken. Im Mittelpunkt muss die Kommunikation im Sinne von Luhmann stehen – also die genannte Selektion aus Information, Mitteilung und Verständnis. Hauptaufgabe muss sein, die Kommunikation anschlussfähig zu halten – es geht also weniger darum, möglichst detaillierte Anweisungen oder Organigramme zu befehligen, sondern vielmehr darum, das soziale System „Organisation“ durch Kommunikation zu beeinflussen. Personen spielen dann eine nicht weniger wichtige, aber dennoch nicht mehr zentrale Bedeutung.
Im Kontext von Organisationen lässt sich Kommunikation gleichsetzen mit Entscheidungen. Hier stellt sich nun in der Praxis die Frage, wie Kommunikation, wie Entscheidungen gemanagt werden können?
Von großer Bedeutung ist dabei zunächst die Erkenntnis, dass Entscheidungen temporär sind. Das heißt, im Moment der Entscheidung ist diese getroffen und nicht revidierbar. Es besteht lediglich die Möglichkeit, eine einmal getroffene Entscheidung im Rahmen der Anschlussfähigkeit durch weitere Entscheidungen in eine neue Richtung zu beeinflussen. Es ist von enormer Wichtigkeit, ein Verständnis dafür zu erlangen, wie die Kommunikation und die daraus resultierende Anschlusskommunikation zusammenhängt. Dies gewährleistet dem Management eine Steuerbarkeit und unter Umständen sogar eine Planbarkeit für den Fall, dass vorherrschende Muster erkannt und genutzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch Globalisierung und Digitalisierung bedingten Wandel und führt in die systemtheoretische Fragestellung ein, ob das Modell nach Luhmann als Managementkonzept dienen kann.
2. Grundlagen zu Management-Konzepten und der Systemtheorie: Dieses Kapitel klärt den Managementbegriff und stellt die wesentlichen Unterschiede zwischen der klassischen Ökonomie und der Luhmannschen Systemtheorie in Organisationen gegenüber.
3. Luhmanns Modell der sozialen Systeme als Managementkonzept?: Der Hauptteil analysiert die konkreten Konsequenzen für Organisationen und diskutiert, wie durch die Fokussierung auf Kommunikation und Entscheidungen ein neues Managementverständnis entstehen kann.
4. Zusammenfassung und Schluss: Das Abschlusskapitel resümiert, dass das Modell prinzipiell geeignet ist, jedoch ein tiefgreifendes Umdenken und eine hohe Einarbeitungsbereitschaft von Managern erfordert.
Schlüsselwörter
Luhmann, soziale Systeme, Systemtheorie, Managementkonzept, Organisation, Kommunikation, Komplexität, klassische Ökonomie, Entscheidungen, Anschlussfähigkeit, soziale Systeme, Führung, Struktur, Wandel, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das systemtheoretische Modell sozialer Systeme nach Niklas Luhmann als konzeptionelle Grundlage für modernes Management dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Management, die Gegenüberstellung von klassischer Ökonomie und Systemtheorie sowie die praktische Anwendbarkeit systemischer Konzepte in Unternehmen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit das Modell der sozialen Systeme von Luhmann als Managementkonzept geeignet ist und welche Herausforderungen dabei entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um systemtheoretische Annahmen mit klassischen ökonomischen Organisationsmodellen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die systemtheoretischen Kernbegriffe – wie Kommunikation, Anschlussfähigkeit und operationale Geschlossenheit – auf den Organisationskontext angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Luhmann, Systemtheorie, Kommunikation, Organisation, Komplexität und Managementkonzept.
Warum ist das Modell von Luhmann für Manager so anspruchsvoll?
Das Modell ist hochgradig abstrakt und erfordert ein grundlegendes Umdenken: Weg von der Steuerung von Personen hin zur Beeinflussung von Kommunikationsprozessen.
Welches Fazit zieht der Autor zur Eignung des Modells?
Der Autor bejaht die grundsätzliche Eignung, betont jedoch, dass die erfolgreiche Implementierung eine komplexe Einarbeitung und hohe Akzeptanz im Unternehmen voraussetzt.
- Arbeit zitieren
- B. Eng. Thomas Weimer (Autor:in), 2018, Das Modell der sozialen Systeme von Luhmann als Managementkonzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421677