Der Brief des Paulus an die Galater

Exegese zu Galater 5,25-6,2


Hausarbeit, 2015
29 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzungsvergleich
2.1 Lutherbibel und Zürcher Bibel
2.2 Das Neue Testament und Zürcher Bibel
2.3 Gute Nachricht und Zürcher Bibel
2.4 Welche Bibel?

3. Sachklärungen
3.1. Paulus
3.2 Die Galater
3.3 Der Anlass

4. Textanalyse
4.1 Wortfeld, Syntax, Kohäsion
4.1.1 Vers 25
4.1.2 Vers 26
4.1.3 Vers 1
4.1.4 Vers 2
4.1.5 Gesamt
4.2 Kontextanalyse
4.2.1 Grobgliederung
4.2.2 Detailierung
4.2.3 Stellung im Zusammenhang
4.3 Struktur des Textes und dessen Wirkung

5. Form- und Gattungsanalyse

6. Die Vorgeschichte des Textes
6.1 Schriftliche Vorgeschichte
6.2 Mündliche Vorgeschichte
6.3 Redaktionsanalyse

7. Traditionsgeschichtliche Überlegungen

8. Interpretation

9. Bibeldidaktischer Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Paulus steht und fällt mit seinem Galaterbrief.“[1]

Dieser Satz spiegelt nach meiner Arbeit mit Galater 5,25-6,2 genau meinen Eindruck wider. Ich habe mich für Galater 5,25-6,2 entschieden, weil ich der Ansicht bin, dass dieser Teil des Galaterbriefes seinen Akzent ganz anders setzt, als in vorangegangenen Teilen. Hier steht vor allem die Liebe im Zentrum, sowie die Mahnung, nicht immer an den Mitmenschen Fehler zu suchen, sondern zu allererst mit sich selbst ins Reine zu kommen. Ich halte diesen Abschnitt für äußerst wichtig, da er eine Paränese ausspricht, die meiner Meinung nach, auch heute noch eine große Bedeutung hat. Des Weiteren bin ich der Ansicht, dass dieser Abschnitt sehr gut in der Schule behandelt werden kann. Gerade auf Grund seiner Aktualität und dem allgemein bekannten Sprichwort aus 6,2[2], regt dieser Teil des Galaterbriefes zu Gesprächen mit Schülern an. Dieser Teil wirft Fragen auf, wie wir uns unseren Mitmenschen gegenüber zu verhalten haben. Genau diese Fragen gilt es mit den Schülerinnen und Schülern näher zu beleuchten. Meine Arbeit beginnt mit dem Übersetzungsvergleich. Hierbei habe ich vier Bibeln gewählt, welche ich miteinander verglichen habe. Im Anschluss daran komme ich zur Sachklärung, welche dreifach untergliedert wurde. Ich bin der Ansicht, dass eine genaue Erörterung des Hintergrundes grundlegend für das Verständnis der folgenden Auslegung ist. Die anschließende Textanalyse habe ich ebenfalls in drei Unterpunkte gegliedert und darunter weiter differenziert. Danach folgt die Form- und Gattungsanalyse und dann die Vorgeschichte des Textes. Im Anschluss befasse ich mich mit traditionsgeschichtlichen Überlegungen und einer abschließenden zusammenfassenden Interpretation. Der letzte Teil meiner Arbeit stellt einen bibeldidaktischen Ausblick dar, der sich mit der Umsetzung von Galater 5,25-6,2 im Unterricht auseinandersetzt.

2. Übersetzungsvergleich

2.1 Lutherbibel und Zürcher Bibel

Ein[3] Unterschied zwischen diesen beiden Bibeln, der sofort auffällt, ist die Gliederung des Textes. Die Zürcher Bibel beginnt bei Kapitel 5 Vers 25 mit der Überschrift „Leben im Geist“[4]. Für die Autoren der Zürcher Bibel fängt also bei 5,25 ein neuer Sinnabschnitt an, wohingegen die Lutherbibel „Das Leben im Geist“[5] bereits bei 5,16 ansiedelt. Bei Galater 6 setzt sie mit einer neuen Überschrift an: „Mahnung zur Brüderlichkeit“[6], die in der Zürcher Bibel gar nicht vorkommt. Ein weiterer Unterschied ist die Anrede in 6,1. Die Zürcher Bibel schreibt hier „Liebe Brüder und Schwestern“[7], die Lutherbibel lediglich „Liebe Brüder“[8]. Hierzu ist zu sagen, dass es für Brüder und Schwestern im Griechischen lediglich ein Wort gibt, dieses spricht beide Geschlechter an. In der Mehrzahl meint dieses Wort meist eine ganze Gemeinde, welche aus Männern und Frauen besteht.[9] Im Neuen Testament ist mit Bruder der Mitchrist gemeint, welcher die Zugehörigkeit zu Gott dem Vater, dem Heiligen Geist und Christus hat und dadurch Gemeindemitglied[10] ist. Wird nur ein Geschlecht angesprochen, wurde die deutsche Übersetzung schlichtweg fälschlich gewählt.[11]

2.2 Das Neue Testament und Zürcher Bibel

Auch bei diesen beiden Bibeln ist die Gliederung des Textes unterschiedlich. Die Gliederung der Zürcher Bibel wurde bereits beschrieben. Das Neue Testament gliedert den Text genauso wie die Lutherbibel, verwendet jedoch andere Überschriften. Bei Kapitel 5 Vers 16 lautet die Überschrift „Ermahnung zum Wandel im Geist“[12] und ab 6,1 „Geistlicher Wandel im Gemeindeleben“[13]. Ich finde, dass sich die Überschriften hier strenger anhören, als bei den bereits betrachteten Bibeln.

Auch hier wird die Gemeinde nur mit „Brüder“[14] angesprochen. Was hier aber noch zusätzlich auffällt, ist, dass bei der Anrede das Wort „Liebe“[15] fehlt. Das Neue Testament enthält eine Erklärung, aus welcher hervorgeht, dass sich die Verfasser am griechischen Grundtext orientiert haben und alles, was aus Verständnisgründen hinzugefügt wurde, durch eckige Klammern kenntlich gemacht wurde. In Galater 5,25-6,2 sind keine eckigen Klammern vorhanden, was folglich bedeuten würde, dass die Übersetzung aus dem Neuen Testament genau dem griechischen Grundtext entspricht und somit auch in selbigem die Anrede „Liebe“15 fehlen muss.[16] Auffällig ist des Weiteren, dass die Zürcher Bibel in 6,2 vom „Gesetz Christi“[17] spricht, das Neue Testament hingegen vom „Gesetz des Christus“[18]. Dies ist sehr auffällig, da in allen anderen Bibeln dieselbe Form, wie die der Zürcher Bibel vorzufinden ist.

2.3 Gute Nachricht und Zürcher Bibel

Die Gute Nachricht gliedert ihren Text genauso wie die Zürcher Bibel. Sie beginnt bei 5,25 mit „Die Last teilen“[19]. Auch hier unterscheiden sich wieder die Anreden. Zwar sprechen beide Bibeln sowohl Brüder, als auch Schwestern an, jedoch lässt die Gute Nachricht auch die Anrede „Liebe“15 weg. Der Text der Guten Nachricht Bibel ist etwas ausführlicher als die Zürcher Bibel, was wohl daran liegt, dass es sich um eine kommunikative Bibelübersetzung handelt. Dies bedeutet, dass die Texte so formuliert sind, dass sie leicht verständlich sind.

2.4 Welche Bibel?

Für den Übersetzungsvergleich und auch für meine weitere Arbeit möchte ich die Zürcher Bibel als Grundlage verwenden. Ich denke, dass sie einen guten Mittelweg meiner Bibeln bietet und von allen Übersetzungen etwas enthält. Außerdem habe ich mich schon sehr an sie und die Arbeit mit ihr gewöhnt, weshalb ich sie auch sehr gut verständlich finde.

3. Sachklärungen

3.1. Paulus

Zunächst stelle ich den Autor des Galaterbriefes genauer vor. Dank der Apostelgeschichte des Lukas sind einige charakteristische Tätigkeiten und Erlebnisse überliefert.[20] Paulus wurde etwa fünf nach Christus in Tarsus geboren. Er studierte in Jerusalem bei einem Rabbi und war stolzer Jude. Dies ist in der Apostelgeschichte 22,3 nachzulesen.[21] Den Doppelnamen Saulus Paulus besaß er von Anfang an. Scha’ul ist sein hebräischer Name, welchen ihm seine Eltern gaben. Da seine Familie auf den Stamm Benjamins zurückgeht wurde er nach dem jüdischen König Saul benannt. Paulus hingegen ist lateinischer Abstammung und ähnelt dem Namen Saulus klanglich. Dieser Name bringt die Zugehörigkeit zum römischen Reich zum Ausdruck, da Paulus sowohl die römische Staatszugehörigkeit, als auch die zu Tarsus besaß.[22] Paulus war streng gläubiger Jude, weshalb er im Jahr 32 nach Damaskus zog, um dort im Auftrag des Hohen Rates Christen zu verfolgen.[23] Stattdessen hatte er sein Damaskuserlebnis, durch welches er bekehrt wurde und fortan keine Christen mehr verfolgte, sondern Heiden, also Nichtjuden, das Evangelium verkündigte. Des Paulus Erkenntnis durch dieses Erlebnis war: „Er will dich nicht richten, sondern retten“.[24] Gott hat ihm seinen Sohn, den Christus, offenbart und so wurde er vom Verfolger zum Apostel der Völker.[25] Nach seiner Bekehrung, hatte Paulus jedoch zunächst keinen Kontakt zur Jerusalemer Urgemeinde, welche aus Petrus, Johannes und Jakobus bestand.[26] Erst im Jahre 34 nach Christus, also etwa zwei Jahre nach seinem Damaskuserlebnis, lernte Paulus in Jerusalem Petrus und Jakobus kennen. Von Barnabas wurde Paulus in die Mission berufen und mit ihm zusammen predigte er Juden und Heiden die frohe Botschaft von Jesus Christus. Obwohl sowohl Barnabas, als auch Paulus Judenchristen waren, verlangten sie von ihren Anhängern weder, sich beschneiden zu lassen, noch die jüdischen Speisevorschriften und Reinheitsgebote einzuhalten.

Im Jahre 48 fand in Jerusalem ein Apostelkonvent statt, zu welchem Paulus mit Barnabas und dem Heidenchrist Titus reiste. Hierbei wurde die Teilung der Missionsaufgabe entschieden. Petrus, Jakobus und Johannes predigten den Juden und Paulus und Barnabas den Heiden. Kurz darauf kam es zu einem Streit zwischen Petrus und Paulus, da Petrus in Antiochia ohne Bedenken mit Heidenchristen an einem Tisch gegessen hatte und sich, nachdem Jakobus‘ Leute dies bemerkten und ihn auf die jüdischen Speisevorschriften aufmerksam machten, zurückzog. Paulus fand dieses Verhalten unerhört und hielt ihm daraufhin das Evangelium vor. Wie die Auseinandersetzung letztlich endete, ist nicht bekannt. Nach etlichen Missionsreisen starb Paulus im Jahre 60 unter Nero den Märtyrertod.[27]

3.2 Die Galater

Die Empfänger des Galaterbriefes, die Galater, waren ein keltischer Stamm, welcher sich circa 278 vor Christus nach kriegerischem Handeln, in der kleinasiatischen Landschaft Galatien niederließ, was der heutigen Türkei entspricht.[28] Doch ganz so einfach, wie es dieser Lexikonartikel darlegt, ist es leider nicht die Empfänger eindeutig zu identifizieren. Hier gibt es zwei Thesen. Die eine vertritt die Auffassung, dass Paulus an die Bewohner der Landschaft Galatien schrieb. Die andere hingegen, dass er an die Bewohner der römischen Provinz Galatien schrieb. Der erste Petrusbrief schreibt von Galatien als römische Provinz und auch Paulus verwendet stets die römischen Provinznamen. Die Apostelgeschichte hingegen verwendet die Landschaftsnamen. Für die Provinzhypothese spricht weiter, dass Paulus im Galaterbrief versucht gegen die jüdischen Gepflogenheiten anzukommen und in der Landschaft Galatiens nichts von jüdisch Gläubigen bekannt ist. In der Provinz Galatien hingegen gibt es jüdische Synagogen und Vertreter dieser Religion. Auch werden Gemeindegründungen in der Provinz überliefert. In der Landschaft wurde dagegen nichts verortet. Auf Grund dieser Argumentation liegt es nahe, zu glauben, dass Paulus‘ Galaterbrief den Bewohnern der Provinz Galatiens galt, jenen, die schon bei seiner ersten Missionsreise im südlichen Teil Kleinasiens beheimatet waren.[29] Je nachdem, welcher Hypothese man Glauben schenkt, ändert sich das Jahr in welchem er den Brief schrieb und der Ort, von welchem aus er Selbigen versandte. Hätte die nordgalatische Hypothese recht, welche besagt, dass die Empfänger des Galaterbriefes Bewohner der Landschaft Galatiens waren, hätte Paulus den Brief zwischen 54 und 57 in Ephesus geschrieben. Bei der südgalatischen Hypothese, der Provinzhypothese, hätte Paulus den Brief wohl zwischen 48 und 51 in Korinth verfasst.[30]

3.3 Der Anlass

Warum schrieb Paulus den Galatern diesen impulsiven Brief? Durch die Mission des Paulus waren die Gemeinden Galatiens entstanden. Nach dieser Mission mussten wohl weitere Verkünder des Glauben an Christus gekommen sein, welche die Einhaltung der jüdischen Gesetze verlangten.[31] Hiergegen wollte Paulus unbedingt vorgehen. Er wollte, dass Christen und Heiden eine Gemeinschaft haben. Für ihn war Jesu Tod am Kreuz ein Sünde- und Erlösungstod für alle Menschen, deshalb darf der Glaube an Jesus nicht an Gesetze gebunden sein. Daher predigte Paulus das gesetztesfreie Evangelium. Angenommen von Gott durch Glauben und nicht durch das Gesetz.[32]

4. Textanalyse

4.1 Wortfeld, Syntax, Kohäsion

Nachfolgend befasse ich mich mit den sprachlichen Besonderheiten und Auffälligkeiten des Galaterbriefes.

Auf Grund dessen, dass Paulus in Galater 5,25-6,2 häufig den Imperativ verwendet, sind bevorzugt Verben zu finden. Er lässt den Galatern selbst keinen Spielraum, er entscheidet für sie und schließt sich selbst hierbei mit ein, was wiederum ein Gefühl von Gemeinschaft vermittelt. Paulus gibt hier allgemeingültige Handlungsanweisungen, welche beschreiben, wie man sich das „Leben im Geist“[33] vorzustellen hat.

4.1.1 Vers 25

Vers 25 stellt eine Mischung aus Imperativ und Indikativ dar, wodurch beschrieben wird, wie der Mensch ist und wie ein Christ sich zu verhalten, also am Geist auszurichten hat.[34] Die Verflechtung von Indikativ und Imperativ kann auch darauf hin deuten, dass auch im Leben mit Gott ein Geben und Nehmen besteht. Der Indikativ bildet den Anfang, sowie das Ende und beschreibt damit einen Zustand. Zwischen Anfang und Ende ist der Imperativ zu finden, indem dem Gläubigen gesagt wird, wie er im Geist leben soll. Beim gesetztestreuen Christen hingegen wird allein mit Hilfe des Imperativs versucht, zwanghaft eine Veränderung herbeizuführen. Es bestehen Vorschriften und Regeln, die versuchen das Leben zu lenken und in die richtige Bahn zu bringen, fast schon zu zwängen.[35] Ferner handelt es sich um einen Konditionalsatz, was aufzeigen soll, was passiert oder passieren soll, wenn jener Fall vorliegt. Paulus möchte von den Galatern, dass sie sich wie Christen verhalten, die ihre Existenz im Fleisch, also das Leben nach dem Gesetz, bereits hinter sich gelassen haben. Sie sollen nun leben, wie jemand, der im Geist, also im Einklang mit Gott und durch Glauben, lebt.[36] Das Gegenteil zum Leben im Einklang mit dem Geist ist nämlich ein Leben im Fleisch, welches sich am Gesetz und nicht am Glauben an Jesus Christus orientiert. Das Fleisch steht für die Leiblichkeit, die auch all die menschlichen Versuchungen und Untugenden mit sich bringt.[37] Hiermit greift Paulus nochmals den eigentlichen Konflikt auf, nämlich die Irrlehrer, die ein anderes Evangelium verkündigt haben, bei welchem leben im Geist nur durch Einhaltung der jüdischen Gesetze möglich ist.[38] Auffällig ist das Leitwort „Geist“[39], welches allein in diesem einen Vers zweimal erscheint. Es zeigt, dass es Paulus wohl sehr wichtig war, deutlich zu machen, worum es geht und dass es sich hierbei nicht um einen einfachen Lebenswandel handelt, sondern um einen radikalen Umbruch, bedingt durch den Heiligen Geist von Jesu Christus, Gottes Sohn. Ein Leben mit Gott ist ein Geschenk! Dieses Geschenk bringt aber mit sich, dass man auf seine Lebensführung achten muss.

4.1.2 Vers 26

Hier wird konkretisiert, was Paulus meint, wenn er davon spricht, dass man sich nun am Geist auszurichten hat. Hier verwendet Paulus wieder den Imperativ, um auszudrücken, dass die Galater sich so verhalten müssen, beziehungsweise wie sie sich nicht verhalten dürfen. Hier findet eine Aufzählung von typisch menschlichen Verhaltensweisen statt. Paulus führt hier vor Augen, wie wir Menschen und damit auch damals die Galater, uns verhalten. Durch dieses Vorführen, stellt er die brüderliche Liebe in den Vordergrund, die wichtiger sein soll, als alles andere. Die negativen Eigenschaften des Menschen, welche Paulus nennt, sind die Sucht nach Ansehen, die Provokation unserer Mitmenschen, sowie Neid. Diese drei Eigenschaften wirken wie ein Teufelskreis aufeinander ein. Der Gesetzesmensch versucht der Beste zu sein, der Frommste und möchte dadurch Ansehen erlangen. Wer nun so ehrgeizig handelt, fordert seine Mitmenschen zu denselben Taten auf, provoziert sie dazu, sich mit ihm zu messen. Daraus folgt dann der Neid, denn einer ist meist überlegen. Und aus diesem Neid folgt dann wiederum die Sucht nach Ansehen und Erfolg, weshalb man versucht noch frommer zu leben, sich noch mehr an den Gesetzen zu orientieren. Da hierbei aber einzig und allein egoistisch gehandelt wird und jeder nur an sich selbst interessiert ist, ist dies kein wahrer Glaube.[40] In Vers 20 stellt Paulus bereits acht Verhaltensweisen vor, welche die Gemeinschaft zerstören und dadurch dem Liebesgebot entgegenwirken. Hier besteht also ein Zusammenhang zu Vers 26.[41] Diese Verhaltensweisen sind menschlich und gehören nicht zum Geist. Paulus führt in Vers 26 den Wir-Stil fort. Vielleicht weil er weiß, dass auch er nicht unfehlbar ist und jeder Mensch ein Sünder ist.

4.1.3 Vers 1

Zunächst fällt die Anrede auf, welche durch das Wort Liebe sehr persönlich und vertraulich wirkt. Vielleicht zeugt dies von besonderer Dringlichkeit des nachfolgenden Anliegens. Es kann allerdings auch als eine Art Einleitung zur Mahnung verstanden werden. Eine Mahnung zur Brüderlichkeit in der Gemeinde und dazu, dass keiner von den Galatern überheblich wird und einen anderen bei einem Fehltritt verurteilt.[42] Es scheint ein wichtiges Anliegen des Paulus zu sein. Durch die Anrede wird verdeutlicht, dass alle Christen durch den Glauben zu Geschwistern werden und somit jeden ein Fehltritt treffen kann, weil wir als Menschen Sünder sind. Nun legt Paulus ein Beispiel dar, wie sich die Galater beim Leben im Geist zu verhalten haben, nämlich einen Sünder liebevoll und gütig wieder auf den rechten Weg führen. Paulus betont hier das Verhalten innerhalb der Gemeinde. Er will nicht, dass sich Einzelne in den Vordergrund drängen, Sünder bloßstellen und aus der Gemeinde verweisen, denn genau das sind die bereits in 5,26 erwähnten Untugenden der Menschen und so würde sich der Gesetzesmensch verhalten. Die Gemeindemitglieder sollen dem Sünder den richtigen Weg weisen und ihm so einen Neuanfang innerhalb der Gemeinde ermöglichen.[43] Der Sünder soll auf Jesu Gnade hingewiesen werden, er soll verstehen, dass Jesus uns Menschen als Sünder annimmt und für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Paulus verwendet hier das Wort sanftmütig, was ihn sehr einfühlsam und herzlich wirken lässt und was in 5,22 als eine Frucht des Geistes bezeichnet wird. Hiermit will er das Verhalten des Sünders nicht entschuldigen, er versucht ihn lediglich in Schutz zu nehmen.[44] Er selbst sieht sich hier als Mitsünder und schließt sich bei seiner Argumentation nicht aus, weil er weiß, dass jedem ein Fehltritt passieren kann und auch er nicht unfehlbar ist. Ihn kann auch jeder Zeit die Versuchung überkommen und zu einem Fehltritt leiten.[45] Keiner soll sich also dem anderen gegenüber überlegen fühlen, es soll eher eine gegenseitige Zurechtweisung sein, sodass alle Gemeindemitglieder auf Augenhöhe zueinander sind. Da wir alle Sünder sind, kann jeden solch ein Fehltritt treffen. Es gibt also keinen Grund, sich gegenüber seinen Gemeindemitgliedern überlegen zu fühlen. Galater 6,1 ist überdies ein komplex gebauter Satz, der viele einzelne Satzteile enthält. Dieser wird durch einen Konzessivsatz eingeführt.

[...]


[1] Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, S. 21

[2] Ich werde in meiner Arbeit noch genauer darauf eingehen

[3] Hier sind zwei Lutherbibeln gemeint, eine aus dem Jahr 1973 und eine aus dem Jahr 2000. Bis auf ein paar zeitlich bedingte wörtliche Unterschiede, sind die beiden Bibeln identisch.

[4] Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[5] Die Bibel. 2000, Deutsche Bibelgesellschaft 2000, S. 219 des NT

[6] Ebd.

[7] Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[8] Die Bibel. 2000, Deutsche Bibelgesellschaft 2000, S. 219 des NT

[9] Vgl. Gute-Nachricht-Bibel. 1997, Deutsche Bibelgesellschaft 1997, S. 245 des NT

[10] Also Männer UND Frauen

[11] Vgl. Gute-Nachricht-Bibel. 1997, Deutsche Bibelgesellschaft 1997, S. 356 in der Sacherklärung

[12] Das Neue Testament. 2000, Hänssler Verlag 2000, S. 358

[13] Ebd.

[14] Das Neue Testament. 2000, Hänssler Verlag 2000, S. 358

[15] Ebd.

[16] Vgl. ebd. S. X

[17] Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[18] Das Neue Testament. 2000, Hänssler Verlag 2000, S. 358

[19] Gute-Nachricht-Bibel. 1997, Deutsche Bibelgesellschaft 1997, S. 251 des NT

[20] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 17

[21] Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 11

[22] Vgl. Lee-Linke: Paulus der Jude, 2005, S. 9f.

[23] Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 14

[24] Lee-Linke: Paulus der Jude, 2005, S. 11

[25] Vgl. ebd., S. 12
Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 11

[26] Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 11

[27] Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 15f.

[28] Vgl. Das aktuelle wissen.de Lexikon, 2004, Band 7, S. 335

[29] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 17f.

[30] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 18

[31] Vgl. ebd. S. 19f.

[32] Vgl. Gutschera, Maier: Geschichte der Kirchen, 2006, S. 16

[33] Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[34] Vgl. Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[35] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 123

[36] Vgl. Becker, Conzelmann, Friedrich: Das Neue Testament Deutsch, 1976, S. 74

[37] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 123

[38] Vgl. Lührmann: Zürcher Bibelkommentar, 1978, S. 96

[39] Zürcher Bibel. 2008, Verlag der Zürcher Bibel 2008, S. 303 des NT

[40] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 125

[41] Vgl. Becker, Conzelmann, Friedrich: Das Neue Testament Deutsch, 1976, S. 74

[42] Vgl. Lührmann: Zürcher Bibelkommentar, 1978, S. 96

[43] Vgl. Becker, Conzelmann, Friedrich: Das Neue Testament Deutsch, 1976, S. 75

[44] Vgl. Radl: Stuttgarter Kleiner Kommentar, 1985, S. 87

[45] Vgl. Brandenburg: Der Brief des Paulus an die Galater, 1994, S. 125
Vgl. Lührmann: Zürcher Bibelkommentar, 1978, S. 96

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der Brief des Paulus an die Galater
Untertitel
Exegese zu Galater 5,25-6,2
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
29
Katalognummer
V421698
ISBN (eBook)
9783668713819
ISBN (Buch)
9783668713826
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Galaterbrief, Galater, Paulus
Arbeit zitieren
Laura Volkmann (Autor), 2015, Der Brief des Paulus an die Galater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/421698

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