Als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, schien auch bei diesem Einfall, wie bereits beim Überfall auf Polen und während des Westfeldzuges, das Konzept des Blitzkrieges Erfolg zu haben. Die deutschen Armeen stießen schnell vor, die Rote Armee wurde anfangs überrannt und erlitt in Kesselschlachten enorme Verluste. Die Wehrmacht stand fünf Monate nach ihrem Einmarsch vor Moskau. In dem von den Deutschen okkupierten Gebiet lebte ungefähr 40% der sowjetischen Gesamtbevölkerung. Annähernd die Hälfte der ökonomischen Ressourcen der Sowjetunion gingen an die Deutschen verloren, der größte Verlust entstand in der Landwirtschaft, die ihren fruchtbarsten Boden in den besetzten Gebieten hatte (die Ukraine bspw. galt als die „Kornkammer“ der Sowjetunion). Die dramatischen Anfangsniederlagen zeigten, dass die Rote Armee der Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt nichts entgegenzusetzen hatte und auf militärische Hilfe angewiesen war.
Unter diesen Bedingungen war es für die Sowjetunion nahezu unumgänglich, eine gut funktionierende Partisanenbewegung aufzubauen. Die Schwierigkeit, eine solche Partisanenbewegung unter Kriegsbedingungen aufzubauen, sowie die Frage ihrer Wirksamkeit bei der Bekämpfung der Wehrmacht wird in der vorliegenden Arbeit untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Schwierigkeiten beim Neuaufbau der Partisanenbewegung
2.1. Die Situation in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten
2.2. Die kriegsbedingten Schwierigkeiten bei der Aufstellung der Partisanenverbände
3. Der erfolgreiche Aufbau der Partisanenbewegung
3.1. Anfängliche Probleme der Partisanenbewegung
3.2. Die erfolgreiche Verteidigung Moskaus als Neuanfang
3.3. Frühjahr 1942 – eine neue Situation
4. Auftrag und Vorgehensweise der Partisanen
4.1. Die Aufgaben der Partisanen
4.2. Aufbau und Kommandostruktur der Partisanen
4.3. Die Wirksamkeit der Partisanenaktionen
5. Das Verhalten der Deutschen gegenüber Partisanen und Zivilbevölkerung
5.1. Der Umgang mit der Zivilbevölkerung
5.2. Der Umgang mit ergriffenen Partisanen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den mühsamen Neuaufbau und die Entwicklung der sowjetischen Partisanenbewegung während des Zweiten Weltkriegs unter Berücksichtigung der organisatorischen Herausforderungen, der politischen Instrumentalisierung sowie der wechselseitigen Auswirkungen zwischen den irregulären Kämpfern, der Roten Armee und der deutschen Besatzungspolitik.
- Entwicklung und organisatorische Probleme der Partisanenverbände
- Wechselwirkung zwischen Partisanenkampf und Zivilbevölkerung
- Einfluss der deutschen Besatzungspolitik auf die Radikalisierung
- Koordinierung zwischen regulärer Armee und Partisanenstrukturen
- Die psychologische Dimension der Partisanenführung
Auszug aus dem Buch
4.3. Die Wirksamkeit der Partisanenaktionen
Die Frage nach der Wirksamkeit der Partisanenaktionen, und die damit verbundene Frage nach der Wichtigkeit des Partisanenkampfes für den sowjetischen Sieg, sind in der Forschung sehr umstritten. Die sowjetische Literatur, und in fast noch größerem Maße die DDR-Literatur, neigen zu starken Übertreibungen in Bezug auf die Erfolge, welche die Partisanen für sich verbuchen konnten. Die westlichen Forscher wiederum neigen dazu, ihren Beitrag für den sowjetischen Sieg sehr gering einzuschätzen.
So gibt es z. B. die Ansicht, dass der militärische Effekt der Partisanenaktionen, angesichts der für diese Aktionen eingesetzten Kräfte, relativ gering war. Doch auch wenn die Relation zwischen militärischem Erfolg und der Anzahl der eingesetzten Kräfte vielleicht unausgewogen war, ist im Endeffekt dennoch der Erfolg von Partisanenaktionen nicht von der Hand zu weisen. In einem Geheimbericht über die Partisanenaktivitäten im Generalkommissariat Ostland für die Zeit vom 1. 7. 1942 bis zum 30. 4. 1943 ist zu lesen: „(…). In Fachkreisen schätzt man, daß 50% des Gesamtgebietes Weißruthenien als der Landwirtschaft entglitten bezeichnet werden müssen. Ferner sind rund 80% der Staatsgüter in der Hand der Partisanen bezw. (sic!) so gefährdet, daß sie unter „Ausfall“ laufen (…). Heute liegen die Dinge so, daß ein großer Teil der vorjährigen Ernte vernichtet, Güter verbrannt, Mühlen, Molkereien, Industrie- und Gewerbebetriebe zerstört und fast der gesamte von uns aufgestellte Verwaltungsapparat in den Rayonstädten, Gemeinden und Dörfern einfach nicht mehr vorhanden ist. (…).“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Überfall auf die Sowjetunion und die anfängliche Notwendigkeit, eine Partisanenbewegung unter ideologischen Vorgaben neu zu formieren.
2. Die Schwierigkeiten beim Neuaufbau der Partisanenbewegung: Analysiert die Herausforderungen durch die deutsche Besatzung, fehlende Unterstützung in annektierten Gebieten und stalinistische Vorbehalte.
3. Der erfolgreiche Aufbau der Partisanenbewegung: Erläutert die Wende durch den Erfolg vor Moskau, die Ausbildung von Führungskräften und die zunehmende Unterstützung der Partisanen.
4. Auftrag und Vorgehensweise der Partisanen: Detailliert die Aufgaben, die Kommandostrukturen und die Effektivität des Partisanenkampfes gegen deutsche Nachschubwege.
5. Das Verhalten der Deutschen gegenüber Partisanen und Zivilbevölkerung: Untersucht die deutsche Terrorpolitik gegenüber der Zivilbevölkerung sowie die brutale Behandlung gefangener Partisanen.
6. Schlussbetrachtung: Führt aus, dass die Partisanenbewegung zu einer bedeutsamen, wenn auch nicht vollkommen freiwilligen, Widerstandskraft anwuchs, die eine wichtige psychologische Belastung für die Wehrmacht darstellte.
Schlüsselwörter
Partisanenbewegung, Sowjetunion, Wehrmacht, Zweiter Weltkrieg, Partisanenkrieg, Besatzungspolitik, Widerstand, Rote Armee, Zivilbevölkerung, Propaganda, Terror, Volksrächer, Ostfront, Partisanenbekämpfung, Guerilla
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser historischen Analyse primär?
Die Arbeit analysiert den organisatorischen und taktischen Aufbau der sowjetischen Partisanenverbände während des Zweiten Weltkriegs unter dem Druck der deutschen Besatzung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Aspekte sind der Aufbau der Partisanenbewegung, die Koordination mit der Roten Armee sowie das grausame Verhalten der Besatzungsmacht gegenüber der Bevölkerung.
Was ist die Forschungsfrage der Publikation?
Die Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen die Partisanenbewegung entstehen konnte und wie effektiv ihr Beitrag zum Kampf gegen die Wehrmacht tatsächlich war.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es erfolgt eine quellenkritische Literaturanalyse unter Einbeziehung sowjetischer, DDR-amerikanischer und westlicher Publikationen sowie offizieller Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des organisatorischen Aufbaus, der Aufgaben der Kämpfer und die Analyse der deutschen Gegenmaßnahmen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Kernbegriffe umfassen Partisanenkampf, Vernichtungskrieg, Besatzungsterror und die militärische Interaktion zwischen regulären und irregulären Truppen.
Wie reagierte die deutsche Führung auf die Partisanen?
Die deutsche Führung antwortete mit brutalen „Bandenbekämpfungsaktionen“, bei denen oft die Zivilbevölkerung als Vorwand zur Zerstörung von Infrastruktur und zur Terrorisierung genutzt wurde.
Was war der Wendepunkt für die Partisanenbewegung?
Die erfolgreiche Verteidigung Moskaus im Winter 1941/42 markierte einen psychologischen Wendepunkt, der die Partisanenbewegung neu motivierte und die Stärkung durch staatliche Versorgung einleitete.
- Quote paper
- M. A. Markus Renner (Author), 1999, Die sowjetische Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42176