Das königliche Hochzeitsmahl (Mt 22, 1-14). Erarbeitung des matthäischen Gleichnistexts anhand der Methoden der historisch-kritischen Exegese


Seminararbeit, 2003

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textpräparation

3. Literarkritik
3.1 Erläuterung der Literarkritik
3.2 Kontextanalyse
3.3 Kohärenzanalyse
3.4 Synoptischer Vergleich

4. Formgeschichte
4.1 Erläuterung der Formgeschichte
4.2 Bestimmung der Gattung
4.3 Sprachliche Intention des Textes
4.4 Sitz im Leben

5. Traditionsgeschichte
5.1 Erläuterung der Traditionsgeschichte
5.2 Durchführung der Traditionsgeschichte
5.2.1 Himmelreich
5.2.2 Hochzeit
5.2.3 König

6. Redaktions- und Kompositionskritik
6.1 Erläuterung der Redaktions- und Kompositionskritik
6.2 Redaktionelle Eingriffe
6.3 Analyse der Großgattung nach Niebuhr
6.4 Theologisches Profil
6.4.1 Geschichtliche Einordnung
6.4.2 Situation und Adressaten
6.4.3 Theologie des Matthäus

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Text Mt 22, 1–14, dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Diese Perikope soll anhand ausgewählter Schritte der historisch– kritischen Exegese bearbeitet werden.

Die historisch– kritische Exegese bildet die Grundlage zur wissenschaftlichen Interpretation biblischer Texte und ist zu dem auch deren älteste Auslegungsart[1].

Die historisch – kritische Exegese versucht herauszuarbeiten, welche Bedeutung der biblische Text in seiner damaligen Situation innehatte. Diese Erarbeitung erfolgt durch überprüfbare Methoden[2].

Im Seminar haben wir exemplarisch sieben Methoden zur historisch – kritischen Exegese durchgeführt. Begonnen haben wir mit der Textkritik, die sich mit der Rekonstruktion des Originaltextes anhand der Handschriften beschäftigt. Da der Kurs aber nicht über Griechischkenntnisse verfügte, haben wir uns auf einen Vergleich verschiedener Übersetzungen des Bibeltextes beschränkt. Danach folgte die Literakritik, die den Text auf Kohärenz und Stimmigkeit untersucht und ihn mit dem vorangehenden und nachfolgenden Text in einen Zusammenhang bringt. Der nächste Schritt war die Linguistik, die das Ziel hat, die individuelle Gestalt des Textes zu ermitteln. Danach folgte die Formgeschichte, in der Fragen nach dem Aufbau, dem Inhalt, der Intention und der Funktion beantwortet werden sollen. Anschließend folgte die Traditionsgeschichte, welche die in den Text aufgenommen Traditionen der damaligen Zeit untersucht. Danach wurde die Methode der Überlieferungsgeschichte durchgeführt, die nach der mündlichen Vorgeschichte des Textes und der Erfassung der Veränderungen des Textes während der mündlichen Überlieferung sucht. Als letzte Methode folgte die Redaktions- und Kompositionskritik, die versucht Fragen nach dem Autor, dessen Eingriffe in den Text und die Stellung des Textes im Gesamtwerk zu klären.

Von den gerade aufgeführten sieben Methoden werde ich in dieser Hausarbeit nur vier durchführen. Diese vier Schritte sind die Literarkritik, die Formgeschichte, die Traditionsgeschichte und die Redaktions- und Kompositionskritik, die ich im Folgenden weiter ausführen werde.

Außerdem möchte ich in dieser Hausarbeit zeigen, welche Hintergründe und Überlegungen hinter dieser Textstelle stecken, die beim einfachen Lesen nicht deutlich geworden wären.

2. Textpräparation von Mt 22, 1–14

1 a Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis:

2 a Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König,

2 b der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.

3 a Er schickte seine Diener,

3 b um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.

3 c Sie aber wollten nicht kommen.

4 a Da schickte er noch mal einmal Diener

4 b und trug ihnen auf:

4 c Sagt den Eingeladenen:

4 d Mein Mahl ist fertig,

4 e die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,

4 f alles ist bereit.

4 g Kommt zur Hochzeit!

5 a Sie aber kümmerten sich nicht darum,

5 b sondern der eine ging auf seinen Acker,

5 c der andere in seinen Laden,

6 a wieder andere fielen über seine Diener her,

6 b misshandelten sie

6 c und brachten sie um.

7 a Da wurde der König zornig;

7 b er schickte sein Heer,

7 c ließ die Mörder töten

7 d und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

8 a Dann sagte er zu seinen Dienern:

8 b Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,

8 c aber die Gäste waren es nicht wert (eingeladen zu werden).

9 a Geht also hinaus auf die Straßen

9 b und ladet alle,

9 c die ihr trefft,

9 d zur Hochzeit ein.

10 a Die Diener gingen auf die Straßen hinaus

10 b und holten alle,

10 c die sie trafen,

10 d Böse und Gute,

10 e und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

11 a Als sie sich gesetzt hatten

11 b und der König eintrat,

11 c um sich die Gäste anzusehen,

11 d bemerkte er unter ihnen einen Mann,

11 e der kein Hochzeitsgewand anhatte.

12 a Er sagte zu ihm:

12 b Mein Freund,

12 c wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen?

12 d Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.

13 a Da befahl der König seinen Dienern:

13 b Bindet ihm Hände und Füße,

13 c und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis!

13 d Dort wird er heulen

13 e und mit den Zähnen knirschen.

14 a Denn viele sind gerufen,

14 b aber nur wenige auserwählt.

3. Literarkritik

3.1 Erläuterung der Literarkritik

Die Literarkritik befasst sich laut Fenske mit der Frage nach dem historischen Wachstums eines Textes. Dabei geht sie der Frage nach, ob der Text eventuell aus mehreren Quellen entstand oder durch Streichungen oder Hinzufügungen verändert wurde. Um dieses herauszufinden untersucht man den Text anhand von drei Methoden. Der erste Schritt ist die Kontextanalyse, bei der der Text von dem vorangehenden und nachfolgenden Text abgegrenzt wird, indem Veränderungen des Ortes, der Personen, Gattungen, Inhalt und der Zeit herauszustellen. Danach folgt die Kohärenzanalyse, bei der der Text auf Brüche und Spannungen im Darstellungsverlauf untersucht wird.

Der letzte Schritt ist der synoptische Vergleich, bei dem die synoptischen Evangelien miteinander verglichen werden, um herauszustellen, welche schriftlichen Quellen dem Text zugrunde liegen.[3][4]

3.2 Kontextanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand der Kontextanalyse erkennt man, dass sich das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl nahtlos an das vorangehende Gleichnis von den bösen Winzern anschließt. Die Einleitung von Mt 22,1 bezieht sich auf den Schluss des vorangegangenen Gleichnis, denn es gibt weder einen thematischen Wechsel, da auch dieses Gleichnis vom Reich Gottes handelt, noch gibt es einen Wechsel in der Personenkonstellation, denn eingeleitet wird es durch die Worte, dass Jesus ihnen ein weiteres Gleichnis erzählt[5]. Auch die Formulierung „antwortend“ zu Beginn des Gleichnisses lässt erkennen, dass mit dieser Perikope Bezug auf das vorangegangene Gleichnis von den bösen Winzern genommen wird[6]. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Perikopen zusammengehören besteht darin, dass es inhaltliche Übereinstimmungen gibt. Denn in beiden Texten werden die Knechte mehrmals ausgesandt und bei der letzten Aussendung von Untertanen gequält und getötet. Man erkennt also, dass diese beiden Gleichnisse zusammen gehören.

Anders ist es mit dem nachfolgenden Text um die Frage nach der kaiserlichen Steuer.

An dieser Stelle gibt es einen Personenwechsel, denn im ersten Teil geht hauptsächlich

um die Pharisäer, deren Jünger und die Anhänger des Herodes. Jesus kommt erst an

späterer Stelle hinzu. Außerdem treten in diesem Text die Pharisäer nicht persönlich mit

Jesus in Kontakt, sondern schicken ihre Jünger. Auch der Beginn des Textes mit dem

Wort „damals“ lässt darauf schließen, dass zwischen dem Gleichnis vom königlichen

Hochzeitsmahl und der Frage nach der kaiserlichen Steuer einige Zeit vergangen ist.

Ein weiterer Aspekt, der darauf hinweist, dass diese beiden Texte nicht aneinander

anschließen, ist der Gattungsunterschied, denn die Frage nach der kaiserlichen Steuer

ist nicht, wie der vorangehende Text ein Gleichnis, sondern ein Streitgespräch[7].

3.3 Kohärenzanalyse

Der Text Mt 22,1–14 weist einige Spannungen und auch Brüche auf.

Die erste fragliche Textstelle lässt sich in Vers 3c finden. Es ist seltsam, dass alle

geladenen Gäste die Einladung eines Königs zurückweisen. Hinzukommt, dass auch

keine Gründe für die Zurückweisung der Einladung genannt werden. Auch ist es sehr

unwahrscheinlich, dass jemand öffentlich die Diener des Königs misshandelt oder sogar

tötet, wie es in Vers 6a–6c der Fall ist.

Ein deutlicher Bruch innerhalb des Textverlaufes stellt auch die Aussendung des

königlichen Heeres in Vers 7b–7d dar. Denn zu Beginn des Textes wird berichtet, dass das Fest vorbereitet und das Mastvieh bereits geschlachtet sei. Wie kann da noch Zeit für eine Aussendung eines Heeres sein, die eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt und die erstgeladenen Gäste umbringt?

Desweiteren passt die Bemerkung in Vers 10d, in der betont wird, dass sowohl

gute als auch schlechte Leute von der Straße eingeladen wurden nicht in den

Kontext. Ebenso verhält es sich mit der Anklage und dem Urteil des Königs gegen einen Gast von der Straße in Vers 12 c–13c. Es ist unverständlich, dass der König voraussetzt, dass seine Gäste, die er von der Straße hat einladen lassen, Hochzeitsgewänder tragen. Daher sind dieser Vorwurf und die nachfolgende Bestrafung sehr unverständlich.

[...]


[1] Vgl. Berg, Ein Wort wie Feuer, S. 456

[2] Vgl. Fenske, Arbeitsbuch zur Exegese, S. 17

[3] Vgl. Fenske, Arbeitsbuch zu Exegese, S. 27 f.

[4] Vgl. Luck, Das Evangelium nach Mt, S. 239.

[5] Vgl. Matthäus 22,1.

[6] Vgl. Vögtle, Gott und seine Gäste, S. 47 f.

[7] Vgl. Luck, Das Evangelium nach Mt, S. 239.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das königliche Hochzeitsmahl (Mt 22, 1-14). Erarbeitung des matthäischen Gleichnistexts anhand der Methoden der historisch-kritischen Exegese
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Prosemeniar zur Exegese
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V42192
ISBN (eBook)
9783638402859
ISBN (Buch)
9783640471904
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochzeitsmahl, Erarbeitung, Gleichnistexts, Methoden, Exegese, Prosemeniar, Exegese
Arbeit zitieren
Nathalie Echterling (Autor), 2003, Das königliche Hochzeitsmahl (Mt 22, 1-14). Erarbeitung des matthäischen Gleichnistexts anhand der Methoden der historisch-kritischen Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42192

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