Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Systematic Theology

Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz

Title: Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 18 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Jan Frerichs (Author)

Theology - Systematic Theology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Auschwitz als Ausgangspunkt eines fundamentalen Umdenkens

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen. Matthäus 7,16-20

Ginge man mit diesem bestechend einfachen neutestamentlichen Bild als Maßstab an die Geschichte des Christentums mit seinen zahlreichen dunklen Kapiteln heran, so wäre das Ergebnis sicher „ein Korb mit reifem Obst“ (Amos 8,1f.) und unverkennbar vielen faulen Früchten. In welchem Maß und in welcher Art auch immer sich Christen von der Geschichte ihrer „Väter und Mütter“ berühren lassen, es führt kein verantwortbarer Weg daran vorbei, die schlechten Früchte nicht still und leise - vielleicht verschämt - hinter dem Rücken von Größe, Einfluß, Universalität und reichlich vordergründigem Trost verschwinden zu lassen. Spätestens seit Ausschwitz ist ein fundamentales Umdenken unumgänglich. Gerade weil es kein Zurück mehr gibt, Auschwitz – und es steht für die Vernichtung von Millionen – ist unleugbar geschehen, muß auf dem Hintergrund eines definitiven „Nie wieder“ der Blick auf die christlichen Wurzeln des Antijudaismus und des daraus gewachsenen Antisemitismus fallen.

„Wir Christen kommen niemals hinter Auschwitz zurück; über Auschwitz hinaus aber kommen wir, genau besehen, nicht mehr allein, sondern nur noch mit den Opfern von Auschwitz. Das ist in meinen Augen der Preis für die Kontinuität des Christentums jenseits von Auschwitz. Man sage nicht: Schließlich gibt es für uns Christen andere Gotteserfahrungen als die von Auschwitz. Gewiß! Aber wenn es für uns keinen Gott in Auschwitz gibt, wie soll es ihn dann für uns anderswo geben? Man sage auch nicht, eine solche Auffassung verstoße gegen den Kern der kirchlichen Lehre, derzufolge den Christen die Nähe Gottes in Jesus Christus unwiderruflich verbürgt ist. Es bleibt ja immerhin die Frage, für welches Christentum diese Zusage gilt. Etwa für ein antijudaistisch sich identifizierendes Christentum, das zu den historischen Wurzeln von Auschwitz gehört, oder eben für eines, das seine eigene Identität nur wissen und verkünden kann im Angesicht dieser jüdischen Leidensgeschichte? ...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Auschwitz als Ausgangspunkt eines fundamentalen Umdenkens

II. Problemfelder

1. Exegetische Grundlagen

2. Verschiedene Denkweisen

3. Das Besondere des Christentums

III. Horizonte der Christologie

1. Christologie ohne Israel

2. Israel als Kontext der Christologie

IV. Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz

1. Ein theo-logisches Christologie-Modell

2. Jesus Christus in einer theo-logischen Christologie

a) Inkarnation

b) Pneumatologie

c) Trinität

d) Nachfolge

3. Heil in einer theo-logischen Christologie

a) Eschatologie

b) Staurologie

c) Soteriologie

d) Universalität

V. Von der Christologie zur Christopraxie

VI. Literaturangaben

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, systematische Grundzüge einer Christologie zu entwickeln, die nach der Zäsur von Auschwitz Bestand haben kann. Dabei wird untersucht, wie eine christliche Identität begründet werden kann, ohne die jüdischen Wurzeln auszugrenzen oder den antijudaistischen Traditionen der Vergangenheit zu verfallen.

  • Die kritische Aufarbeitung des Verhältnisses von Christentum und Judentum nach Auschwitz.
  • Die Gegenüberstellung von griechischem statischem Denken und hebräischem prozessorientiertem Denken.
  • Die Entwicklung eines dynamischen, "theo-logischen" Christologie-Modells mit Israel als notwendigem Kontext.
  • Die Neubewertung christologischer Kernpunkte wie Inkarnation, Trinität und Erlösung unter eschatologischem Vorbehalt.
  • Die Transformation von einer rein dogmatischen Christologie hin zur Christopraxie als gelebte Nachfolge.

Auszug aus dem Buch

I. Auschwitz als Ausgangspunkt eines fundamentalen Umdenkens

Ginge man mit diesem bestechend einfachen neutestamentlichen Bild als Maßstab an die Geschichte des Christentums mit seinen zahlreichen dunklen Kapiteln heran, so wäre das Ergebnis sicher „ein Korb mit reifem Obst“ (Amos 8,1f.) und unverkennbar vielen faulen Früchten. In welchem Maß und in welcher Art auch immer sich Christen von der Geschichte ihrer „Väter und Mütter“ berühren lassen, es führt kein verantwortbarer Weg daran vorbei, die schlechten Früchte nicht still und leise - vielleicht verschämt - hinter dem Rücken von Größe, Einfluß, Universalität und reichlich vordergründigem Trost verschwinden zu lassen.

Spätestens seit Ausschwitz ist ein fundamentales Umdenken unumgänglich. Gerade weil es kein Zurück mehr gibt, Auschwitz – und es steht für die Vernichtung von Millionen – ist unleugbar geschehen, muß auf dem Hintergrund eines definitiven „Nie wieder“ der Blick auf die christlichen Wurzeln des Antijudaismus und des daraus gewachsenen Antisemitismus fallen.

Der jüdisch-christliche Dialog ist der Boden für die sich aus dem Blick auf die christlichen Wurzeln des Antisemitismus ergebenden Korrekturen in theologischer und christologischer Hinsicht, ohne die ein „über Auschwitz hinaus“ (s.o.) nicht wirklich möglich sein kann. Dieser Dialog beginnt mit dem Kennenlernen des Judentums als Wurzel des Christentums ausgehend von den biblischen Schriften und der Entdeckung des gemeinsamen Weges mit seiner Hoffnung auf die Erfüllung der biblischen Verheißungen und dem daraus folgenden gemeinsamen „Weltdienst“ von Juden und Christen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Auschwitz als Ausgangspunkt eines fundamentalen Umdenkens: Dieses Kapitel etabliert Auschwitz als notwendige Zäsur, die ein fundamentales theologisches Umdenken und eine Auseinandersetzung mit christlich begründetem Antisemitismus zwingend erforderlich macht.

II. Problemfelder: Hier werden die exegetischen Herausforderungen und die unterschiedlichen Denktraditionen (griechisches Wesensdenken vs. jüdisches Prozessdenken) analysiert, die für eine neue Christologie grundlegend sind.

III. Horizonte der Christologie: Das Kapitel kontrastiert die historische Ausgrenzung Israels in der christlichen Tradition mit der Notwendigkeit, Israel wieder als unverzichtbaren Kontext der Christologie zu begreifen.

IV. Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz: Der Hauptteil entwirft ein dynamisches, theo-logisches Modell, das Jesus Christus in Beziehung zum jüdischen Bund setzt und Aspekte wie Inkarnation, Pneumatologie und Eschatologie neu interpretiert.

V. Von der Christologie zur Christopraxie: Das abschließende Kapitel fordert den Übergang von einer dogmatischen, auf Machtansprüchen basierenden Theologie hin zu einer Christopraxie der gelebten Nachfolge und solidarischen Gemeinschaft mit dem Judentum.

Schlüsselwörter

Christologie, Auschwitz, Judentum, Antisemitismus, Theo-logisches Modell, Inkarnation, Eschatologie, Christopraxie, Heilsgeschichte, Israel, Nachfolge, Trinität, Pneumatologie, Dialog, Schoa

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Neuausrichtung christologischer Grundannahmen nach der Katastrophe von Auschwitz, um eine Theologie zu formulieren, die frei von antijudaistischen Tendenzen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Korrektur des christlich-jüdischen Verhältnisses, der Analyse unterschiedlicher Denkweisen und der Überwindung von Absolutheitsansprüchen in der Christologie.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist die Begründung einer "Christologie nach Auschwitz", die christliche Identität nicht mehr über die Abgrenzung zum Judentum definiert, sondern diese als konstitutive Wurzel begreift.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Der Autor nutzt eine systematisch-theologische Analyse, die biblische Exegese mit philosophischen Reflexionen (insbesondere zum jüdisch-griechischen Denken) und dem aktuellen jüdisch-christlichen Dialog verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil entwickelt ein dynamisches Christologie-Modell, das Gott in den Mittelpunkt rückt und klassische dogmatische Themen wie die Trinität und die Inkarnation im Lichte der heilsgeschichtlichen Verbundenheit mit Israel diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diesen Text?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie "Christopraxie", "eschatologischer Vorbehalt", "Prozessdenken" und die "Kontinuität des Bundes" geprägt.

Wie unterscheidet sich das hier vorgestellte Modell vom traditionellen Verständnis?

Traditionelle Modelle basieren oft auf einer "Ein-für-allemal"-Christologie, die Israel ablöst. Das hier entwickelte Modell ist hingegen offen, dynamisch und sieht das Christusereignis im ständigen Prozess der Erwartung.

Welche Rolle spielt das "Noch nicht" der Erlösung in der Argumentation?

Das "Noch nicht" dient als Schutz gegen einen gefährlichen, größenwahnsinnigen Heilsoptimismus und mahnt zur Demut, indem es Christen auf die noch ausstehende Erfüllung der göttlichen Verheißungen verweist.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz
College
University of Münster  (Katholisch-Theologische Fakultät, Sektion Systematische Theologie)
Course
Hauptseminar
Grade
Sehr gut
Author
Jan Frerichs (Author)
Publication Year
1999
Pages
18
Catalog Number
V42203
ISBN (eBook)
9783638402958
Language
German
Tags
Grundzüge Christologie Auschwitz Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Frerichs (Author), 1999, Grundzüge einer Christologie nach Auschwitz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42203
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint