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Georg Büchners Woyzeck in der Kinoadaption von Werner Herzog

Title: Georg Büchners Woyzeck in der Kinoadaption von Werner Herzog

Term Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christoph Bietz (Author)

Theater Studies, Dance
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Georg Büchners Drama Woyzeck gilt als „meistgespieltes Theaterstück des 19. Jahrhunderts“. Jedoch unterscheidet ein besonderes Merkmal dieses Werk von den meisten anderen: Es liegt nur unvollständig in Fragmenten vor. Der 1813 geborene Dichter starb bereits im Alter von nur 23 Jahren, so dass er Woyzeck nie fertig stellen konnte. Diese Tatsache birgt viele Herausforderungen, sei es die Schwierigkeit, die von Büchner als Fragmente hinterlassenen Einzelszenen in eine sinnstiftende Reihenfolge zu bringen, sei es die vermeintlich große inszenatorische Freiheit, die ein unvollständiges Drama mit sich bringt. So sah sich das Werk schon vielen Interpretationen und Experimenten auf Bühnenbrettern ausgesetzt – nicht immer zur Freude der Kritiker. Alfred Kirchner beispielsweise erzählte in seiner Stuttgarter Inszenierung von 1976 die Geschichte gleich zweimal mit verschiedener Schwerpunktsetzung, eine Frankfurter Version desselben Jahres von Peter Palitzsch wird in der FAZ heftig kritisiert: „[…] ein Opfer ist er [Woyzeck] nicht mehr der Gesellschaft, sondern der Regie“. Regisseur Otto Schnelling inszenierte 1978 im Göttinger ‚Jungen Theater’ „auf einem langen, nur sparsam möblierten Raum zwischen den Zuschauerreihen“ und lockerte so die traditionelle räumliche Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum. In einer Rezension über diese Göttinger Aufführung wird Büchners Fragment mit einer „fast filmartigen Folge von eindrucksvollen Szenen“ verglichen. Man ist geneigt zu folgern, dass das Medium Film also wie geschaffen sein muss, das Fragment Woyzeck mit filmspezifischen Mitteln, insbesondere der Montage, umzusetzen. 1978 drehte der deutsche Regisseur Werner Herzog in 18 Tagen ‚seinen’ Woyzeck mit Klaus Kinski in der Titelrolle. Wie Herzog der Gratwanderung zwischen den Medien Film und Theater in diesem Fall stilistisch und inhaltlich begegnet ist, soll im Zentrum der nun folgenden Analyse seines Filmes stehen. Was kann Herzogs Film aus dem Fragment des Theaterdramas Woyzeck machen? Kann er Büchner gerecht werden? Um den ‚Film’ Woyzeck verstehen zu können, ist es vonnöten, sich zunächst der Ausgangsposition Herzogs, nämlich der literarischen Grundlage, dem Büchnerschen Text selbst, zuzuwenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragment Woyzeck: die literarische Vorlage

a. Kurzer vereinfachter Inhaltsabriss

b. Thematik

3. Die Struktur des Filmes

4. Detailanalyse der Filmszenen im Vergleich zum Dramenfragment

a. Die Anfangssequenz: Theatralisches Schauspielen

b. Statische Kamera und reale Schauplätze

c. Der häufige Verzicht auf die Montage: lange Einstellungen

d. Szenenergänzungen und „filmische“ Ansätze

e. Die Großaufnahme

f. Theatralischer „Abgang“ und gesprochener Innerer Monolog

g. Das Geigenthema und die Klimax bis zum Mordkomplex

h. Der Mordkomplex am Ende des Filmes: die Apotheose

i. Die Mordszene: Zeitlupe und affektive Filmmusik

5. Schlussbetrachtungen und Intention des Films

6. Bewertung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Adaption von Georg Büchners Fragment "Woyzeck" durch den Regisseur Werner Herzog. Dabei wird analysiert, wie Herzog den Spagat zwischen der theatralischen literarischen Vorlage und den spezifischen Mitteln des Mediums Film bewältigt und ob er dem fragmentarischen Charakter des Dramas gerecht wird.

  • Vergleich der literarischen Struktur mit der filmischen Umsetzung.
  • Analyse der Regieentscheidungen hinsichtlich Montage und Kameraführung.
  • Untersuchung der Charakterdarstellung durch Klaus Kinski im Kontext des Wahnsinns.
  • Bewertung des Einsatzes von Musik und visuellen Stilmitteln wie der Zeitlupe.
  • Einordnung des Films in den Diskurs der Büchner-Rezeption.

Auszug aus dem Buch

Die Anfangssequenz: Theatralisches Schauspielen

Werner Herzogs Film beginnt mit zwei weiten Einstellungen, die den Ort des Geschehens, „In einer kleinen Stadt, an einem großen, stillen Teich“ (diese Worte werden eingeblendet), etablieren. Untermalt wird die Szenerie von leichter Glockenspiel-Musik.

Darauf folgt eine Sequenz, die dem Zuschauer Klaus Kinski als Woyzeck vorstellt. Man lernt diesen sogleich als gehetzten, unterdrückten Soldaten mit manischem Gesichtsausdruck kennen. Von Beginn an scheinen Verrücktheit, Angst und Panik in Kinskis Augen; sein Spiel ist geprägt von großer theatralischer Mimik. Er rennt, salutiert, kriecht auf dem Boden, er wird von unbekanntem Fuß getreten.

Dazu ertönt im Kontrast zu der angenehmen Musik der ersten beiden Einstellungen der Stadt die schräge Musik eines Streicherquartetts, dessen Instrumente verstimmt sind. Die Streicher und ihre Musik werden uns im Film noch öfter begegnen; ihren Ursprung haben sie direkt in der dramatischen Vorlage: „[...] und ich hör die Geigen, immer zu, immer zu“, sagt Woyzeck zu seinem Soldatenkumpanen Andres. Jene Geigen mögen das gesamte Innenleben Woyzecks versinnlichen; im Film sehen wir in der Wirtshaus-Szene außerdem einen möglichen diegetischen Ursprung der Geigenmusik.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problematik der literarischen Vorlage als Fragment und die daraus resultierenden Herausforderungen für die filmische Adaption durch Werner Herzog.

2. Fragment Woyzeck: die literarische Vorlage: Überblick über die philologische Grundlage des Dramas sowie dessen zentrale Thematik und die Figur des Woyzeck.

3. Die Struktur des Filmes: Analyse, wie Herzog die verschiedenen Szenenabfolgen der Büchner-Manuskripte für seinen Film neu anordnet und strukturiert.

4. Detailanalyse der Filmszenen im Vergleich zum Dramenfragment: Ausführliche technische und inhaltliche Untersuchung einzelner Sequenzen auf ihre theatralischen oder filmspezifischen Gestaltungsmittel hin.

5. Schlussbetrachtungen und Intention des Films: Reflexion über Herzogs Arbeitsweise, die stark an der Texttreue festhält, sowie die Wirkung der dramaturgischen Steigerung.

6. Bewertung und Fazit: Abschließende kritische Würdigung der Kinoadaption im Hinblick auf ihre filmische Qualität und die Nähe zur literarischen Vorlage.

Schlüsselwörter

Woyzeck, Werner Herzog, Klaus Kinski, Georg Büchner, Literaturverfilmung, Fragment, Montage, Theater, Wahnsinn, Regiestil, Mordszene, Filmästhetik, Dramenadaption, Bühnenadaption, Szenenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Werner Herzogs Verfilmung des Dramenfragments "Woyzeck" von Georg Büchner unter besonderer Berücksichtigung der Verbindung zwischen theatralischen Darstellungsmitteln und filmischer Ästhetik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Strukturierung des filmischen Werks, der Umgang mit der fragmentarischen literarischen Vorlage, die schauspielerische Darstellung der Hauptfigur durch Klaus Kinski und die spezifische Wirkung filmischer Mittel wie Montage und Filmmusik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu beurteilen, wie Herzog die Gratwanderung zwischen den Medien Film und Theater meistert und ob seine Adaption den Intentionen von Büchners Originaltext gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine durchgehende Filmanalyse, in der einzelne Szenen technisch und inhaltlich untersucht und direkt mit den entsprechenden Textstellen des Dramenfragments verglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Schlüsselszenen, wobei Themen wie der Verzicht auf Montage, der Einsatz der Kamera, der "Innere Monolog" und die Inszenierung des Mordkomplexes intensiv beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Literaturverfilmung", "Fragment", "Montage", "Wahnsinn" und "Filmästhetik" bestimmt.

Wie bewertet der Autor den Einsatz der Filmmusik im Film?

Der Autor stellt fest, dass die schräge Musik des Streicherquartetts das Innenleben Woyzecks symbolisiert, während im Moment der Tat eine harmonische Klarinetten-Melodie den Schmerz des Protagonisten verstärkt.

Warum wird Herzogs Film als "Theater auf Filmmaterial" bezeichnet?

Weil der Regisseur in weiten Teilen auf klassische filmspezifische Mittel wie rasche Schnitte oder das "Schuss-Gegenschuss-Verfahren" zugunsten langer Einstellungen verzichtet, die dem Abgang von der Bühne ähneln.

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Details

Title
Georg Büchners Woyzeck in der Kinoadaption von Werner Herzog
College
University of Cologne  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Course
Theaterwissenschaft
Grade
1,7
Author
Christoph Bietz (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V42208
ISBN (eBook)
9783638402989
ISBN (Book)
9783656760566
Language
German
Tags
Georg Büchners Woyzeck Kinoadaption Werner Herzog Theaterwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Bietz (Author), 2002, Georg Büchners Woyzeck in der Kinoadaption von Werner Herzog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42208
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