Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die rüstigen, häufig vorzeitig entberuflichten Alten eines verjüngten Alters, die sogenannten „jungen“ oder „neuen“ aktiven Alten, die mehr als nur die Früh- und Vorruheständler verkörpern und die aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung noch Unternehmungen realisieren, die Personen ihres Alters vor 50 Jahren nie gewagt hätten. Es sind die jungen bzw. neuen Alten, die durch ihr Verhalten im Begriff sind, mit dem überkommenen Bild vom defizitären, eingeschränkten alten Menschen gründlich aufzuräumen und „(...) die sich nicht in die Klischees des Alters einordnen lassen.“ (Tokarski, 1998, S. 111).
Die Diskussionen um das Thema der sogenannten „neuen“ Alten haben bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eingesetzt. Anlass war die Verabschiedung des Vorruhestandsgesetzes, das von 1984 bis 1988 den vorzeitigen Berufsaustritt mit 59 Jahren ermöglichte (vgl. Tokarski/Karl, 1989, S. 9). Seither wird versucht, die „neuen“ Alten als eigenständige gesellschaftliche Gruppe soziologisch abgrenzbar und bestimmbar zu machen.
Während sich einerseits Bemühungen finden, die Gruppe der „neuen“ Alten altersmäßig einzugrenzen, wird aus gerontologischer Sicht unter dem Begriff der „neuen“ Alten eher ein „state of mind“ verstanden, der vorrangig die positiven Seiten des Alterns herauszustellen versucht, die heute in modernen Gesellschaften realisierbar sind. Die Bezeichnung „neue“ Alte soll damit lediglich die Möglichkeiten und Chancen aufzeigen (wie z. B. Aktivitäten wahrnehmen, versäumte Freiheiten nachholen, lebenslange Wünsche verwirklichen), die gegenwärtig ältere Menschen haben können (vgl. ebd., S. 11f.).
In dieser Arbeit soll die wachsende Gruppe der neuen, jungen Alten, beleuchtet werden, die ihre Familienarbeit nach Auszug der erwachsenen Kinder abgeschlossen hat und/oder die als ArbeitnehmerInnnen vorzeitig, vielfach schon mit 50 Jahren, aus dem Erwerbsarbeitsleben ausgeschieden sind. Dabei soll aufgezeigt werden, dass diese verjüngten Alten als neue gesellschaftliche Gruppe, die weitgehend noch gesund und auf der Suche nach neuen nachberuflichen Möglichkeiten ist, Fragen bewusster Lebensplanung für weitere 20, 30 Jahre und mehr sehr interessiert gegenübersteht, was mittlerweile auch zunehmend von der Öffentlichkeit und den Medien wahrgenommen und aufgegriffen wird...
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Alter und Altern als Thema der Soziologie
2. Demographische Alterung, ihre Ursachen und Prognosen
3. Theoretischer Überblick
4. Die neuen Alten – ein Produkt des Strukturwandels des Alters
4.1 Auswirkungen der veränderten Altersstruktur und der sich verändernden Alternsbedingungen auf Individuum und Gesellschaft
4.2 Konzepte des gesellschaftlichen Strukturwandels des Alters
4.2.1 Verjüngung des Alters
4.2.2 Entberuflichung
4.2.3 Feminisierung des Alters
4.2.4 Singularisierung
4.2.5 Hochaltrigkeit
4.3 Die neuen Alten und ihre empirische Begrenztheit: Weitere Erklärungsansätze
4.4 Verhaltensdiskrepanzen der neuen Alten
5. Kritische Betrachtungsweisen zum Strukturwandel-Ansatz
6. Das Altersbild einer aktiv gebliebenen Generation in Gesellschaft, Medien und Werbewelt
7. Lebensstile, Bedürfnisse, Konsumverhalten
8. Produktives Altern
9. Nachberufliche Tätigkeiten im Bildungsbereich
9.1 Bildungsangebot Volkshochschule
9.2 Seniorenstudium als wissenschaftliche nachberufliche Aktivität
9.3 Junge Alte und neue Techniken
10. Funktion und Bedeutung der nachberuflichen Weiterbildung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Magisterarbeit untersucht die Entstehung, Bedürfnisse und Aktivitäten der sogenannten „neuen“ oder „jungen“ aktiven Alten. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, wie sich diese wachsende Bevölkerungsgruppe, die durch vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und eine höhere Lebenserwartung geprägt ist, soziologisch abgrenzen lässt und welche Rolle Weiterbildung sowie neue Lebensentwürfe für ihre gesellschaftliche Teilhabe spielen.
- Strukturwandel des Alters
- Soziologische Konzepte des Alterns
- Demographische Alterungsprozesse
- Lebensstile und Konsumverhalten im Alter
- Bedeutung von Weiterbildung und lebenslangem Lernen
Auszug aus dem Buch
Die neuen Alten – ein Produkt des Strukturwandels des Alters
Das Anliegen Tews besteht darin, in seinem soziologisch-deskriptiven Ansatz die Lebenslagen älterer und alter Menschen unter Berücksichtigung der strukturellen Veränderungen des Alters in unserer Gesellschaft zu beschreiben. Der „sich wandelnde gesellschaftlich-strukturelle Kontext des Alters, in den Einstellungs- und Verhaltensänderungen eingebettet sind“ (Tews, 1989, S. 126), gestaltet einerseits maßgeblich die Lebenssituation im Alter (vgl. ebd. S. 130) und wirft andererseits die Frage auf, inwieweit es das gesellschaftliche Phänomen der „neuen Alten“ bzw. ein „neues Alter“ gibt (vgl. ebd., S. 126).
Wesentlich für Tews Ansatz ist die „Bestimmung individueller und kollektiver, in der Zeit ablaufender Prozesse/Übergänge/Veränderungen, die gesellschaftlich-strukturell verursacht oder wenigstens beeinflußt sind.“ (Tews, 1993, S. 15).
Ausgehend von einem Wandel der Struktur des Alters sowie veränderten strukturellen Rahmenbedingungen stellt er folgende drei Thesen auf:
1. Sozialstrukturelle Veränderungen beeinflussen am auffallendsten das soziale Alter.
2. Strukturelle Konzepte sind zur Beschreibung und Erklärung dieser Veränderungen notwendig.
3. Alter muss als Bestimmungsfaktor gesellschaftlicher Entwicklungen in die Betrachtungen mit einbezogen werden (vgl. ebd. S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Alter und Altern als Thema der Soziologie: Dieses Kapitel verortet das Altern innerhalb der Soziologie und diskutiert die Abkehr von einer rein am Berufsaustritt orientierten Altersbestimmung.
2. Demographische Alterung, ihre Ursachen und Prognosen: Hier werden die Ursachen des demographischen Wandels, wie Geburtenrückgang und gestiegene Lebenserwartung, sowie deren Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur analysiert.
3. Theoretischer Überblick: Dieser Abschnitt beleuchtet klassische soziologische und psychologische Konzepte wie die Defizit-, Disengagement- und Aktivitäts-Theorie.
4. Die neuen Alten – ein Produkt des Strukturwandels des Alters: Es wird der Strukturwandelansatz nach Tews vorgestellt, der die Lebenslagen durch Konzepte wie Verjüngung, Entberuflichung und Feminisierung beschreibt.
5. Kritische Betrachtungsweisen zum Strukturwandel-Ansatz: In diesem Kapitel werden wissenschaftliche Gegenpositionen und Kritikpunkte an der Sichtweise von Tews reflektiert.
6. Das Altersbild einer aktiv gebliebenen Generation in Gesellschaft, Medien und Werbewelt: Diese Analyse untersucht den Einfluss von Massenmedien und Werbung auf die Konstruktion positiverer Altersbilder.
7. Lebensstile, Bedürfnisse, Konsumverhalten: Hier wird die Vielfalt der Lebensstile älterer Menschen und ihr gestiegenes wirtschaftliches Bedeutungspotential thematisiert.
8. Produktives Altern: Dieses Kapitel expliziert den soziologischen Begriff des „produktiven Alterns“ jenseits rein ökonomischer Wertschöpfung.
9. Nachberufliche Tätigkeiten im Bildungsbereich: Fokus auf Bildungsangebote wie die Volkshochschule und das Seniorenstudium als Mittel zur sinnerfüllten Lebensgestaltung.
10. Funktion und Bedeutung der nachberuflichen Weiterbildung: Fazit zur Relevanz lebenslangen Lernens für die Integration älterer Menschen in die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Neue Alte, Strukturwandel des Alters, Lebenslanges Lernen, Seniorenstudium, Demographische Alterung, Produktives Altern, Lebensstile, Konsumverhalten, Soziologie des Alterns, Entberuflichung, Altersbilder, Altersgruppen, Weiterbildung, Soziale Ungleichheit, Generationenvertrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die soziologische Phänomenologie der „jungen“ oder „neuen“ Alten, die sich durch veränderte Lebensbedingungen nach dem vorzeitigen Berufsaustritt auszeichnen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Felder umfassen den Strukturwandel des Alters, die Rolle von Weiterbildungsangeboten, den Wandel der Altersbilder in Medien und Werbung sowie neue Lebensstile.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Strukturwandel des Alters nach Hans Peter Tews darzustellen und aufzuzeigen, wie diese neue Altersphase aktiv gestaltet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziologisch-deskriptive Arbeit, die auf einer umfassenden Auswertung soziologischer Literatur, demographischer Daten und bestehender Studien zum Alternsverhalten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Ansätze zur Soziologie des Alterns, demographische Analysen, Konzepte des Strukturwandels sowie empirische Befunde zu Bildung und Konsum im Alter erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen „Neue Alte“, „Strukturwandel des Alters“, „Entberuflichung“ und „produktives Altern“.
Welche Rolle spielt die Bildung im Konzept der „neuen Alten“?
Bildung dient den „neuen Alten“ nicht primär der beruflichen Qualifikation, sondern der persönlichen Entfaltung, sozialen Teilhabe und dem Wunsch nach einer aktiven Lebensplanung.
Wie unterscheidet sich das Seniorenstudium von traditionellen Angeboten?
Das Seniorenstudium wird nicht als therapeutische Beschäftigung begriffen, sondern als wissenschaftliche Aktivität, die zur intellektuellen Stimulation und zum sozialen Austausch mit anderen Generationen beiträgt.
- Quote paper
- Ursula Hoffmann-Kramer (Author), 2002, Die verjüngten Alten - Entstehung, Bedürfnisse, Aktivitäten einer neuen Gesellschaftsgruppe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42278