Feststellung und Bewertung von Schülerleistungen sind häufig besonders schwierig, insbesondere deshalb, weil der reine Informationsgehalt von Noten relativ niedrig ist. Diese Problematik wird an mehreren Beispielen exemplarisch aufgezeigt, insbesondere werden der Wert der Schulnotenskala, die vielfach vorherrschende Normalverteilung und die unterschiedlichen Bezugsnormen kritisch hinterfragt. Die Bewertung von Schülerleistungen ist vielfach auch durch subjektive Fehlerquellen in erheblichem Maße beeinflusst. Da es für den Lehrer wichtig ist, diese zu kennen, werden diese Fehlerquellen besonders detailliert beschrieben. Was letztlich bleibt ist die Frage, was man heute besser machen sollte. Der Schrei nach alternativen Bewertungsformen wird immer lauter. Wie können Schülerleistungen heute objektiver bewertet werden, was leisten beispielsweise Verbalbeurteilungen, Schülerselbstbewertungen oder Portfolios? Letztlich soll geklärt werden, mit welchen Maßnahmen sich Klassenarbeiten gezielter vorbereiten lassen.
Inhaltsverzeichnis
Einführende Worte
1. Problematik der Notengebung
1.1 Geschichtliche Entwicklung der Zensur
1.2 Der Wert der Schulnotenskala
1.3 Die Funktion der Zensur im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit
1.3.1 Berichts-/Kontroll- und Orientierungsfunktion (Diagnostische Funktion)
1.3.2 Pädagogische Funktion („Anreiz-Funktion“)
1.3.3 Auslese-, Berechtigungs- und Rangierungsfunktion (Rechtliche Funktion)
1.4 Das Problem der Normalverteilung
1.5 Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung
1.5.1 Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung
1.5.1.1 Sozialer oder gruppenbezogener Normmaßstab
1.5.1.2 Vorteile der sozialen / gruppenbezogenen Bezugsnorm
1.5.1.3 Nachteile der sozialen / gruppenbezogenen Bezugsnorm
1.5.2 Individueller oder personenbezogener Normmaßstab
1.5.2.1 Vorteile der individuellen / personenbezogenen Bezugsnorm
1.5.2.2 Nachteile der individuellen / personenbezogenen Bezugsnorm
1.5.3 Sachbezogener / kritikaler / curricularer oder lehrzielorientierter Normmaßstab
1.5.3.1 Vorteile der sachlichen Bezugsnorm
1.5.3.2 Praktische Schwierigkeiten der sachlichen Bezugsnorm
1.5.3.3 Nachteile der sachlichen Bezugsnorm
1.5.4 Zusammenfassung der Auswertungsergebnisse
1.6 Kriterien von Schulleistungsmessungen
1.7 Subjektive Fehlerquellen bei der Notengebung
1.7.1 Logische Fehler
1.7.2 Halo-Effekt (Hof- oder Überstrahlungseffekt)
1.7.3 Perseverationstendenz / Nähe-Fehler
1.7.4 Reihungseffekt und Kontrasteffekt
1.7.5 Beurteilungstendenzen
1.7.6 Projektions-/ Ähnlichkeits- und Kontrastfehler
1.7.7 Wissen-um-die-Folgen-Fehler
1.7.8 Bezugsgruppenfehler / Klassenzugehörigkeit
1.7.9 Pygmalion-Effekt
1.7.10. Weitere Fehlerquellen bei der Notengebung
1.7.10.1 Fachunterschiede bei der Notengebung
1.7.10.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Notengebung
1.7.10.3 Schichtspezifische Unterschiede bei der Notengebung
2. Verbesserungsvorschläge und Alternativen zur Leistungsbewertung
2.1 Verbesserungsmöglichkeiten bei Klassenarbeiten
2.1.1 Gezieltere Klassenarbeitsvorbereitung
2.1.2 Gezieltere Arbeitszusammenstellung
2.1.2.1 Gebundene Aufgabenformen
2.1.2.2 Freie Aufgabenformen
2.1.2.3 Weitere Festhaltungen zur verbesserten Arbeitszusammenstellung
2.1.3 Verbesserte Klassenarbeitsdurchführung
2.1.4 Verbesserte Leistungsauswertung
2.1.5 Verbesserte Arbeitsrückgabe bzw. Auswertung
2.2 Verbale Beurteilungen
2.2.1 Vorbemerkungen
2.2.2 Vorzüge und Prinzipien verbaler Beurteilungen
2.2.3 Beispiel: Lernberichte an der Bielefelder Laborschule
2.3 Schülerselbstbewertung
2.3.1 Vorteile der Schülerselbstbewertung
2.3.2 Einsatz von Schülerselbstbewertungen
2.3.3 Schülerselbst- und Schülerfremdbeurteilungen
2.4 Portfolios
2.4.1 Merkmale von Portfolios
2.4.2 Abgrenzung und Vorzüge der Portfoliomethode
2.4.3 Methodisch-didaktische Hinweise
2.4.4. Bewertung von Portfolios
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Problematik der herkömmlichen Zensurengebung in Schulen und analysiert deren Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler, um daraus alternative Formen der Leistungsbeurteilung abzuleiten.
- Problematisierung der Notenskala und der Normalverteilung
- Analyse von Bezugsnormen (sozial, individuell, sachlich)
- Untersuchung subjektiver Fehlerquellen bei der Notengebung
- Verbesserungspotenziale für klassische Klassenarbeiten
- Alternativkonzepte wie verbale Beurteilungen, Schülerselbstbewertung und Portfolios
Auszug aus dem Buch
1.7.2 Halo-Effekt (Hof- oder Überstrahlungseffekt)
Von einem Halo-Effekt kann dann gesprochen werden, wenn ein bestimmter Allgemeineindruck auch auf andere Merkmale überstrahlt. Eine bestimmte Eigenschaft eines Schülers kann sich also auf Bereiche auswirken, zu welchen kein wesentlicher Zusammenhang besteht. So erklärt es sich, dass beispielsweise eine sympathische Schülerin, die sich im Unterricht aktiv beteiligt – im Vergleich zu einem intelligenteren, jedoch aufsässigen Schüler – eine bessere Beurteilung erfährt. Auch kann sich beispielsweise die schlechte Kleidung oder eine unsaubere Handschrift negativ auf die Leistung eines Schülers auswirken, während der umgekehrte Effekt – ein positiver Einfluss auf die Leistung – bei einem besser gekleideten Schüler durchaus möglich erscheint. Es erklärt sich darüber hinaus von selbst, dass der Halo-Effekt besonders dort wirksam ist, wo negative Vorinformationen dem Schüler vorauseilen (Sitzenbleiber, Schüler aus einer Arbeiterfamilie, etc.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problematik der Notengebung: Beleuchtet die geschichtliche Entwicklung, die Funktionen der Zensur und legt dar, dass die Notenskala aufgrund zahlreicher Fehlerquellen und des Problems der Normalverteilung prinzipiell in Frage gestellt werden muss.
2. Verbesserungsvorschläge und Alternativen zur Leistungsbewertung: Diskutiert Ansätze zur Optimierung von Klassenarbeiten sowie alternative Beurteilungsmethoden, die den Lernprozess stärker in den Vordergrund rücken.
Schlüsselwörter
Zensurengebung, Notenskala, Leistungsbewertung, Normalverteilung, Bezugsnormen, Schülerselbstbewertung, Portfolios, Halo-Effekt, Pygmalion-Effekt, pädagogische Funktion, Lernentwicklung, Fehlerquellen, Leistungsfeststellung, Schulleistungsmessung, Schulnoten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich kritisch mit der traditionellen Notengebung an Schulen und zeigt auf, warum dieses Bewertungssystem aus pädagogischer und diagnostischer Sicht problematisch ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Funktionen der Zensuren, das Problem der Normalverteilung, verschiedene Bezugsnormen der Beurteilung sowie subjektive Fehlerquellen, die Lehrkräfte bei der Notengebung beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Schwächen der aktuellen Zensurenpraxis offenzulegen und alternative, förderorientierte Formen der Leistungsbewertung zu präsentieren, die dem Lernprozess und der Individualität der Schüler gerechter werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse theoretischer Grundlagen und empirischer Untersuchungen (z.B. von Ziegenspeck, Weinert, etc.) zur Notengebung und Leistungsbewertung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche Problemanalyse der Notengebung sowie die Diskussion von konkreten Verbesserungsvorschlägen für Klassenarbeiten und alternativen Methoden wie verbalen Beurteilungen, Selbstbewertungen und Portfolios.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zensurengebung, Bezugsnormen, Leistungsbewertung, Fehlerquellen, Schülerselbstbewertung und Portfolioarbeit.
Inwiefern beeinflussen Vorinformationen die Benotung?
Wie durch Studien (z.B. zum Halo-Effekt oder Pygmalion-Effekt) belegt, führen Vorinformationen, Sympathie oder das soziale Umfeld zu einer subjektiven Verzerrung der Beurteilung, sodass identische Leistungen oft völlig unterschiedlich bewertet werden.
Warum sind Zensuren laut Autor oft nicht vergleichbar?
Da Noten keine Intervallskala, sondern lediglich eine Ordinalskala darstellen und die Bewertungsmaßstäbe stark durch individuelle Lehrerurteile, Fachunterschiede sowie geschlechts- und schichtspezifische Tendenzen beeinflusst werden, ist eine objektive Vergleichbarkeit nicht gegeben.
- Quote paper
- Björn Fehrenbacher (Author), 2003, Problematik der Zensurengebung und alternative Formen der Leistungsbeurteilung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42290