Einleitung
Die vorliegende Arbeit möchte den Versuch machen, handlungs - und produktionsorientierten Literaturunterricht mit seinen facettenreichen Schwerpunkten, die in der Thematik zu verzeichnen sind, darzustellen. Die Darstellung ihrerseits, basierend auf Erfahrungen mit Schülern einer Primarstufe, zeigt sich in einer experimentellen Präsentationsweise. Gewissermaßen eine Art Meta-Darstellung der verschiedenen Schwerpunkte mit Hilfe eines Gedichtes. In erster Linie wird das Produkt, welches mit den Schülern erarbeitet wurde, als Arbeitsgrundlage vorgestellt. Auf dieser eben genannten kommen namhafte Vertreter des fachdidaktischen Konzeptes zu Worte.
Es folgt ein Vergleich zweier wichtiger Autoren: Gerhard Hass und Günter Waldmann. Meines Erachtens sind es bedeutende Autoren, denn letztgenannter erklärt die Notwendigkeit dieses fachdidaktischen Konzeptes durch die Tatsache, Schüler bekämen einen leichteren Literaturzugang, indem sie selbst handelnd und produzierend auf vorhandene literarische Texte reagieren. Gerhard Haas begründet seine Vorstellung mit der Heterogenität der Individuen unserer gegenwärtigen Zeit nicht nur in der Gesellschaft, sondern der Gesellschaft folgend, in der Schule. Mit der Vorstellung eines sinnlich-individuellen Konzeptes glaubt er, viele Schüler erreichen zu können. Der Vergleich der beiden Autoren motivierte mich, ein Schema zu erstellen, welches dem Leser ihre Konzeptherangehensweise veranschaulicht.
Um den Kreis letztendlich zu schließen folgt die genannte Meta-Darstellung. Diese meint, dass mit Hilfe des Gedichtes, welches mit den Schülern erarbeitet wurde, und der daran anschließenden Vorstellungsweise der Schwerpunkte, meine Art der Textauseinandersetzung mit der Fachliteratur präsent wird. Karlheinz Fingerhut spricht vom „Umerzählen“, d.h. der Rezeption eines literarischen Textes, welcher nicht aus dem „Nichts“ komme, sondern auch selbst wiederum eine Reaktion auf einen anderen literarischen Text darstelle. Die angekündigte Entlastung literarischer Texte durch produktive Arbeitsweisen ist somit angesprochen, auf die später eingegangen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hinführung
II. 1. Schwerpunkte
II.1.1. Gerhard Haas
II.1.1.a. Übertragen auf das Gedicht
II.1.1.b. Kritik
II.1.2. Wolfgang Menzel
II.1.3. Kaspar H. Spinner
II.1.4. Karlheinz Fingerhut
II.1.5. Harro Müller- Michaels
II.1.6. Gerhard Rupp
II.1.7. Günter Waldmann
II.2. Schema Waldmann / Haas
II.3. Begründungen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
II.3.1. Konstruktivistische Begründung
II.3.2. Literaturtheoretische Begründung
II.3.3. Kognitionspsychologische Begründung
II.3.4. Sozialisationstheoretische Begründung
II.3.5. Begründungen aus der Gehirnforschung
II.3.6. Fächerübergreifende Begründung
II.3.7. Reformpädagogische Begründung
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht als didaktisches Konzept, um Schülern durch aktive und produktive Auseinandersetzung mit literarischen Texten einen individuellen Zugang zur Literatur zu ermöglichen und dabei der Heterogenität der Schülerschaft gerecht zu werden.
- Darstellung verschiedener fachdidaktischer Schwerpunkte namhafter Vertreter
- Vergleich der Konzepte von Gerhard Haas und Günter Waldmann
- Einsatz produktiver Arbeitsweisen anhand praktischer Beispiele
- Wissenschaftliche Begründungen (konstruktivistisch, kognitionspsychologisch, etc.)
- Integration in den Unterricht zur Förderung von Leseinteresse und persönlicher Entwicklung
Auszug aus dem Buch
II.1.5. Harro Müller- Michaels
MÜLLER-MICHAELS entwirft eine Rezeptionspragmatik im Literaturunterricht. Er beruft sich auf Jauß´ Rezeptionsästhetik und sieht das Kunstwerk in seiner Vollendung durch den Akt der Rezeption des jeweiligen Lesers. Die Rezeptionsleistung beschreibt er in Rezeptionshandlungen, die in drei Phasen ablaufen. Unter der ersten ist die Phase der Wahrnehmung zu verstehen. Der Schüler entwickelt Denkbilder des eben Gelesenen. In der zweiten Phase wird der Text analytisch und produktiv ausgelegt. In der dritten und letzten Phase versucht der Leser den Text auf die eigene Lebenssituation zu übertragen. Diese Phase ist stark produktiv orientiert.
Müller-Michaels äußert starke Vorbehalte gegen den radikalen Produktionsunterricht. Die schon beschriebenen Befürchtungen, literarische Texte kämen nicht zu ihrem Recht, sondern Spaß stehe im Vordergrund, finden auch bei ihm Eingang. Auch gegen die Handlungseuphorie wendet er sich, weil dort die Möglichkeit bestehe, dass Methoden sich vom eigentlichen Ziel ablösen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit stellt das Konzept des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts dar und nutzt ein Gedicht als experimentelle Arbeitsgrundlage für eine Meta-Darstellung der Schwerpunkte.
II. Hinführung: Es werden praktische Erfahrungen aus einem Unterrichtspraktikum in einer 6. Klasse beschrieben, wobei ein modifiziertes Moorgedicht als Arbeitsmittel zur Erprobung theoretischer Ansätze diente.
II. 1. Schwerpunkte: Dieser umfangreiche Abschnitt erläutert die fachdidaktischen Positionen bedeutender Vertreter wie Haas, Menzel, Spinner, Fingerhut, Müller-Michaels, Rupp und Waldmann.
II.2. Schema Waldmann / Haas: Hier erfolgt eine vergleichende Analyse der Ansätze von Waldmann und Haas hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten, Differenzen und unterschiedlicher Auffassungen von Literatur.
II.3. Begründungen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts: Das Kapitel liefert eine theoretische Fundierung des Konzepts auf Basis konstruktivistischer, kognitionspsychologischer, sozialisationstheoretischer und neurobiologischer Erkenntnisse.
III. Zusammenfassung: Die Autorin resümiert die Ergebnisse der Literaturrecherche und reflektiert die Übertragbarkeit auf ihre zukünftige Arbeit als Lehrperson.
Schlüsselwörter
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Fachdidaktik, Schülerschaft, Heterogenität, Literaturdidaktik, Konstruktivismus, Leseverzögerung, Produktive Hermeneutik, Rezeption, Sprachunterricht, Unterrichtspraktikum, Lesetagebücher, Literaturzugang, Kreativität, Schulunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und praktischen Umsetzung des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts, um Schülern einen intensiveren und individuelleren Zugang zur Literatur zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte verschiedener Fachdidaktiker, der Vergleich dieser Ansätze, die theoretische Begründung durch verschiedene Wissenschaften sowie die praktische Anwendung im Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche produktive Verfahren genutzt werden können, um den Literaturunterricht an die Heterogenität der Schülerschaft anzupassen und lebenslanges Leseinteresse zu wecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Hauptseminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie auf praktischen Erfahrungen in einem Unterrichtspraktikum basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Positionen namhafter Didaktiker, einen direkten Vergleich von zwei zentralen Ansätzen sowie eine fundierte theoretische Begründung des Konzepts aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Heterogenität, Leseverzögerung, subjektive Aneignung und didaktische Konzepte.
Wie spielt das Moorgedicht in der Arbeit eine Rolle?
Das Moorgedicht dient als praktische Arbeitsgrundlage, an der die Autorin während ihres Unterrichtspraktikums verschiedene Methoden der Schüleraktivierung und Textbearbeitung erprobte.
Warum betont die Autorin die Gefahr der Verselbständigung von Methoden?
Die Autorin hebt hervor, dass bei rein kreativen Ansätzen das Risiko besteht, dass der Bezug zum literarischen Originaltext verloren geht und die Methoden zum Selbstzweck werden, anstatt das Verständnis für das Werk zu vertiefen.
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- Kamila Urbaniak (Author), 2005, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42293