Einleitung
Unser heutiges Deutschland besteht schon seit vielen Jahren nicht mehr nur aus Deutschen, sondern auch aus Vertretern vieler anderer Nationen. Egal, in welcher Stadt oder in welchem Dorf man sich befindet, kann man zum Beispiel beim Einkaufen immer wieder verschiedene Sprachen hören. Unter den Menschen, die Deutsch nicht als Erstsprache haben, weil sie nach Deutschland immigriert sind, gibt es einerseits sicher viele, die sich bemühen Deutsch zu lernen und auch innerhalb der Familie Deutsch reden.
Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sich nicht viel Mühe geben Deutsch zu lernen und dann auch in der Familie weiterhin ihre Muttersprache benützen. Für deren Kinder ist es natürlich schwierig Deutsch zu lernen, was sich auch auf die Schule mit allen ihren Aspekten – soziale Aspekte und Schulleistung, um zwei zu nennen – eher negativ als positiv auswirkt. Und an dieser Stelle können die Lehrer eingreifen!
Deren Fähigkeit und Bereitschaft zur inneren Differenzierung spielt hierbei eine ganz große Rolle, da jeder Schüler andere Voraussetzungen und Möglichkeiten mitbringt. Wenn nämlich Unterricht den Schülern mit Migrationshintergrund nützen soll, dürfen die Lehrer nicht an traditionellen Methoden wie z. B. Frontalunterricht festhalten, da man einfach nicht bei allen Schülern von einem gleichen Wissensniveau ausgehen kann. Engagierte Lehrer werden sich automatisch die Frage stellen:
„ Wie kann ich Schüler, die Deutsch nicht als Erstsprache haben, entsprechend fördern?“
Mittlerweile gibt es in Europa schon einige Schulen, die ein Schulprogramm speziell zur Förderung oben genannter Schüler erstellt haben. Meiner Meinung nach wäre es für alle Lehrer sinnvoll, sich über deren Vorgehensweise zu informieren und Einblicke in deren Arbeit zu bekommen. Sicher gibt es auch in normalen Schulen Lehrer, die teilweise nach den gleichen Prinzipien vorgehen, aber diese machen das im Stillen und jene eben im großen Stil, eingebunden in die Organisation der Schule. Berühmtestes Beispiel in Deutschland sind die Europa- Schulen in Berlin, deren Besonderheit ich – im Gegensatz zur normalen Schule – darstellen möchte. Dabei werde ich auf ihre Methoden der Alphabetisierung, ihre Ziele und Probleme eingehen und einen Ausblick in die Zukunft versuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Äußere Struktur der SESB
2.1 Allgemeine Beschreibung
2.2 Merkmale und Aufbau
3. Bilinguale Alphabetisierung
3.1 Allgemeines zur bilingualen Alphabetisierung
3.2 Bilinguale Alphabetisierung in den SESB
4. Methodik und pädagogische Prinzipien der SESB
5. Ziele der SESB
6. Mögliche Probleme der SESB
6.1 Lehrer-Lehrer-Ebene
6.2 Lehrer-Schüler-Eltern-Ebene
6.3 Schüler-Schüler-Ebene
7. Zukunftsperspektive der SESB
8. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Modell der Staatlichen Europa-Schulen Berlin (SESB) als Alternative zum Regelschulsystem, um aufzuzeigen, wie Mehrsprachigkeit und Kulturheterogenität gewinnbringend in den Unterrichtsalltag integriert werden können. Im Fokus steht dabei die Analyse der methodischen Umsetzung, der pädagogischen Ziele sowie der bestehenden Herausforderungen im Schulalltag.
- Struktureller Aufbau und Organisationsformen der SESB
- Ansätze und Modelle der bilingualen Alphabetisierung
- Methodische Prinzipien des bilingualen Unterrichts
- Ziele in Bezug auf Sprachkompetenz und interkulturelle Erziehung
- Problemlagen auf unterschiedlichen Ebenen (Lehrkräfte, Eltern, Schülerschaft)
Auszug aus dem Buch
3.1 Allgemeines zur bilingualen Alphabetisierung:
Die meisten Schüler mit Migrationshintergrund haben gewisse Grundkenntnisse in ihrer Erstsprache. Spätestens in einer deutschen Schule kommen sie mit Deutsch in Kontakt – und was passiert? In vielen Fällen bringen die Schüler ihre Erstsprache mit der deutschen Sprache durcheinander. Es entstehen sogenannte „doppelte Halbsprachigkeiten“ [Hvhbg. von mir], „Sprachmischungen [oder] stigmatisierte Soziolekte“ in beiden Sprachen (Belke 2003, S. 92).
Deshalb ist es wichtig, in der Schule beide Sprachen zu trennen, aber doch keine zu vernachlässigen. Das gilt vor allem für den schriftlichen und darauf aufbauend dann auch für den mündlichen Sprachgebrauch. Diese Prioritätensetzung wird vielleicht nicht von allen Mehrsprachigkeitsdidaktikern so betont, aber die „sprachliche Korrektheit […] ist eng mit der Vermittlung der jeweiligen Schriftsprache verbunden.“ (ebd.) Mit anderen Worten: Die Fähigkeit des richtigen Schreibens stellt die Basis für alle weiteren Elemente des Deutschunterrichts dar, z. B. für den Grammatik-, den Literaturunterricht und auch für das freie Schreiben von Texten.
Viele Pädagogen stehen allerdings vor einem großen Problem: Sie müssen, bzw. wollen, „die häufig widersprüchlichen Zielsetzungen von ‚Lesen lernen’ und ‚Sprache lernen’ didaktisch miteinander in Einklang bringen (Belke 2001, S. 98). Dies erscheint insofern schwierig, als sich die „Erstlesedidaktiker“ in der Primarstufe und die „Fremdsprachendidaktiker“ (ebd.) in der Sekundarstufe befinden und es bislang noch keine Kooperation unter den beiden Fraktionen gab. Es eröffnet sich also ein relativ offenes bzw. neues didaktisches Feld: Die Koordination des Schrifterwerbs in zwei Sprachen (bilinguale Alphabetisierung).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, Schüler mit Migrationshintergrund gezielt zu fördern und stellt die Staatlichen Europa-Schulen in Berlin als Modell für den Umgang mit Mehrsprachigkeit vor.
2. Äußere Struktur der SESB: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung, den Standortverteilungsplan sowie das 50/50-Aufnahmekonzept der SESB als organisatorische Einheit.
3. Bilinguale Alphabetisierung: Hier werden die theoretischen Grundlagen und zwei methodische Möglichkeiten (synchrone vs. asynchrone Alphabetisierung) für den Zweitspracherwerb in bilingualen Schulen erläutert.
4. Methodik und pädagogische Prinzipien der SESB: Das Kapitel behandelt den Paradigmenwechsel hin zu offenen Unterrichtsformen und handlungsorientierten Methoden wie „Leporello“ und „Spinne“.
5. Ziele der SESB: Die Ziele werden in vier Bereiche gegliedert: Zweisprachigkeit, Begegnungssprache, soziale Kompetenzen und interkulturelle Erziehung.
6. Mögliche Probleme der SESB: Hier werden Konfliktpotenziale auf der Lehrer-, Eltern- und Schülerebene, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsbelastung und Niveauanforderungen, beleuchtet.
7. Zukunftsperspektive der SESB: Es wird die Abhängigkeit der Schulen von finanziellen Ressourcen, gesellschaftlichen Erwartungen und dem Zulauf in den jeweiligen Partnersprachen analysiert.
8. Reflexion: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Wissenserweiterung durch die Auseinandersetzung mit dem SESB-Konzept und betont die Bedeutung von Kenntnissen in den Herkunftssprachen für Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Staatliche Europa-Schulen Berlin, SESB, bilinguale Alphabetisierung, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Erziehung, Migrationshintergrund, Schrifterwerb, Unterrichtsmethodik, Zweitspracherwerb, Schulentwicklung, soziale Kompetenzen, Begegnungssprache, Binnendifferenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Staatlichen Europa-Schulen Berlin (SESB) und untersucht, wie diese als bilinguale Bildungseinrichtungen mit mehrsprachigen Schülern arbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören der strukturelle Aufbau der SESB, Methoden der bilingualen Alphabetisierung, die pädagogischen Ziele des Konzepts sowie die täglichen Herausforderungen in der Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Einblicke in die Vorgehensweise der SESB zu geben und zu analysieren, wie alternative Schulmodelle zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und zur interkulturellen Bildung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur, wissenschaftlichen Gutachten und Expertenberichten zur bilingualen Erziehung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die äußere Struktur, die Methodik der Alphabetisierung, Unterrichtsprinzipien, Zielsetzungen und eine detaillierte Analyse möglicher Probleme auf verschiedenen Ebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere bilinguale Alphabetisierung, interkulturelle Erziehung, SESB, Mehrsprachigkeit und die methodische Unterrichtsplanung.
Warum wird im Bereich der Alphabetisierung eine Trennung der Sprachen empfohlen?
Die Arbeit weist darauf hin, dass eine bewusste Trennung wichtig ist, um „doppelte Halbsprachigkeiten“ oder Sprachmischungen zu vermeiden und eine solide Basis für den schriftlichen Ausdruck zu schaffen.
Welches sind die größten Herausforderungen an der Lehrer-Schüler-Eltern-Schnittstelle?
Herausforderungen entstehen oft durch hohe Erwartungen engagierter Eltern und die Schwierigkeit für Lehrkräfte, den Unterricht in der Partnersprache auf einem Niveau zu halten, das die Schüler fordert, ohne sie zu überfordern.
- Quote paper
- Nadja Czymek (Author), 2004, Die Staatlichen Europa-Schulen Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42323