Diese Arbeit wird sich mit den Auswirkungen der Behindertenbewegung auf die Chancen selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen in der heutigen Zeit auseinandersetzen.
Dafür werden zuerst der historische Kontext und schließlich die Ereignisse der 1970er und 1980er Jahre genau beschrieben, um ausreichend Wissen über die autonome Behindertenbewegung zu erlangen. Anschließend werden die verschiedenen Institutionen und Errungenschaften, die sich durch die Bewegung ergeben haben, vorgestellt. Danach wird die Situation behinderter Menschen heute in verschiedenen Bereichen des Lebens und deren Chancen der Selbstbestimmung beleuchtet, wonach ein Fazit über die Erkenntnisse die Arbeit abschließen wird. Nachdem sich die Situation behinderter Menschen bezüglich ihrer Selbstbestimmung in den letzten Jahren rapide verändert hat und noch keine aktuelle Fachliteratur dazu vorliegt, bezieht sich die Arbeit hierbei vor allem auf Internetressourcen.
Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung sind weit verbreitete Themen in der Behindertenpädagogik, aber auch in öffentlichen Debatten. Fachkräfte, Angehörige und PolitikerInnen versuchen dies in vielen Bereichen des Lebens umzusetzen und Barrieren zu entfernen.
Noch vor einigen Jahren wurden behinderte Menschen in Sondereinrichtungen abgetrennt vom Rest der Gesellschaft untergebracht, wobei nicht an Inklusion und Integration behinderter Menschen gedacht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten behinderte und beeinträchtigte Menschen kein hohes Ansehen in der Gesellschaft.
1980 gingen behinderte Menschen erstmals auf die Straßen, um für ihre Rechte einzustehen und Selbstbestimmung zu verwirklichen. Nach dem Vorbild der Independent-Living-Bewegung der USA aus den 1960er und 1970er Jahren machten sie durch provokante Mittel öffentlich auch sich aufmerksam und kämpften gegen Diskriminierung und Bevormundung. Die autonome Behindertenbewegung strebte die politische Selbstvertretung und Selbstbestimmung an, „um so von (geschlechtslosen) Objekten der „Wohltäter“ zu Subjekten ihrer Leben zu werden“.
Inwieweit ihre Anliegen erfüllt und ihre Ziele umgesetzt wurden, wird im Folgenden erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
3. Die Entwicklung der Bewegung
4. Die Autonome Behindertenbewegung
5. Die Behindertenbewegung nach 1981
5.1 Ambulante Hilfsdienste und persönliche Assistenz
5.2 Beratung
5.3 Rechtliche Gleichstellung
6. Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen heute
6.1 Das Bundes-Teilhabe-Gesetz als Grundlage selbstbestimmten Lebens
6.2 Wohnen
6.3 Arbeiten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen durch die Behindertenbewegung der 1970er und 1980er Jahre verändert haben und welche Auswirkungen dies auf die heutige Lebenssituation und Gesetzgebung hat.
- Historische Entwicklung der Behindertenpolitik seit 1945
- Entstehung und Forderungen der autonomen Behindertenbewegung
- Etablierung ambulanter Hilfsdienste und persönlicher Assistenz
- Rechtliche Gleichstellung und Bedeutung der Selbstbestimmung
- Aktuelle Situation behinderter Menschen unter Berücksichtigung des Bundesteilhabegesetzes
Auszug aus dem Buch
3. Die Entwicklung der Bewegung
In den 1960er Jahren, die von einem allgemeinen Wertewandel in der ganzen Gesellschaft beeinflusst wurden, wurden erstmals behinderte Menschen als Teil der Gesellschaft gesehen, allerdings war deren Inklusion und Integration noch ein weit entferntes Ziel. (Elsbeth Bösl 2010) Die 1970er Jahre waren geprägt von einer gesellschaftlichen Aufbruchstimmung durch zum Beispiel die Studenten- und Frauenbewegungen. Auch junge, vor allem körperlich Beeinträchtigte versuchten sich aus den festen Strukturen der Sondereinrichtungen und der starken Behütung der Eltern zu befreien und Freiheiten zu erlangen. Durch das Gründen eigener Gruppierungen, wie den 'Club 68' und den später entstandenen 'Clubs Behinderter und ihrer Freunde e.V.' (Cebeef), gestalteten behinderte und nichtbehinderte Jugendliche zusammen ihre Freizeit, um Vorurteile und gesellschaftlich konstruierte, soziale Barrieren abzubauen. Im Vordergrund stand dabei aber nicht das politisches Wirken, sondern eine Bewusstseinsänderung und eine Steigerung des Selbstwertgefühls der Betroffenen. (Rudolff 2013: 14) Erste aktive Aktionen wurden 1974 durch Gusti Steiner und dem nichtbehinderten Ernst Klee durchgeführt. Im Rahmen von Hochschulkursen beleuchteten sie mit den TeilnehmerInnen die Probleme behinderter Menschen und machten durch Provokationen, wie dem Blockieren der Straßenbahn oder dem Verleihen der 'Goldenen Krücke' an die „größte Niete der Behindertenarbeit“ (Köbsell 2012: 11), auf diese in der Öffentlichkeit aufmerksam. 1978 wurden durch Franz Christoph und Horst Frehe die sogenannten 'Krüppelgruppen' ins Leben gerufen, um den Nichtbehinderten auf provokante Art und Weise ihre Rolle als Ausgrenzende deutlich zu machen. Die Bezeichnung als Krüppel sollte dabei jegliche Beschönigungen auslöschen. Um ihr Selbstbewusstsein auszudrücken und keine weiteren Machtunterschiede in Kauf nehmen zu müssen, wurden Nichtbehinderte von deren Analysen und dem folgenden Widerstand ausgeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Selbstbestimmung behinderter Menschen ein und skizziert den historischen Wandel von der Sondereinrichtung hin zur Teilhabe.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel beschreibt die Lebenssituation behinderter Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg, geprägt von Ausgrenzung, Stigmatisierung und der medizinischen Sichtweise auf Behinderung.
3. Die Entwicklung der Bewegung: Hier wird der gesellschaftliche Wandel der 1960er und 1970er Jahre thematisiert, der zur Entstehung erster aktiver Gruppierungen von behinderten Menschen führte.
4. Die Autonome Behindertenbewegung: Dieses Kapitel erläutert die Radikalisierung und Politisierung der Bewegung, insbesondere im Zusammenhang mit dem "Jahr der Behinderten" 1981 und dem Krüppeltribunal.
5. Die Behindertenbewegung nach 1981: Die Institutionalisierung von Forderungen durch ambulante Dienste, Beratungsstellen und den Kampf für rechtliche Gleichstellung steht hier im Zentrum.
6. Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen heute: Dieses Kapitel untersucht die aktuelle Lage, insbesondere unter dem Einfluss des Bundesteilhabegesetzes und moderner Wohn- und Arbeitsformen.
7. Fazit: Das Fazit resümiert die Errungenschaften der Bewegung und weist auf verbleibende Barrieren sowie den weiteren Entwicklungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, Behindertenbewegung, Teilhabe, Inklusion, Assistenz, Sondereinrichtungen, Autonomie, Krüppelgruppen, Diskriminierung, Bundesteilhabegesetz, Emanzipation, Behindertenpädagogik, Lebensqualität, Barrieren, Rechtsanspruch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Einfluss der Behindertenbewegung der 1970er und 1980er Jahre auf die heutige Lebenssituation und Selbstbestimmung behinderter Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Behindertenhilfe, die politische Selbstorganisation von Menschen mit Behinderung, der Wandel von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung sowie aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Aktivistinnen und Aktivisten der damaligen Zeit durch ihr Handeln die heutige Inklusion und Teilhabe an der Gesellschaft erst ermöglicht haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei aufgrund der Aktualität des Themas auch verstärkt auf Internetressourcen zurückgegriffen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den historischen Kontext, die Entstehung der autonomen Bewegung, die Entwicklung der Beratungs- und Assistenzangebote sowie eine Analyse der aktuellen Situation anhand von Wohnen und Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Selbstbestimmung, Behindertenbewegung, Teilhabe, Inklusion, Assistenz und Autonomie bilden den Kern der terminologischen Ausrichtung.
Welche Rolle spielten die sogenannten "Krüppelgruppen" für die Bewegung?
Sie fungierten als provokante politische Akteure, die durch bewusste Abgrenzung und öffentliche Aktionen die Fremdbestimmung durch Fachkräfte anprangerten und eigene Wertmaßstäbe setzten.
Warum ist das Bundesteilhabegesetz für die heutige Situation relevant?
Es dient als aktueller gesetzlicher Rahmen, um die Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gesellschaft zu verbessern und Menschen mit Behinderung ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
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- Anonym (Author), 2018, Chancen selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen heute durch die Behindertenbewegung der 1970er und 1980er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423490